Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1903)
- Date
- 1903-08-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 370. «Jüdische Rundschau No. 35. •1000 Stück ab&ssctzt worden. Die Agitation sei seit der Uebernähme der ״Jüdischen Rundschau“ bedeutend verstärkt worden, purclt das Parteiorgan wurde auch für den Nationalfond gesammelt. Man sicht darauf, dass sich möglichst alle Vereine und Landsmannschaften ins Goldene Buch eintragen lassen. Für das Mannheimer Distriktsburcau erstattet Julius Simon- Mannheim den Bericht. Wir sind in der Lage diesen Bericht ziemlich wortgetreu wiedergeben zu können und tun das um so lieber, Ms er ein sehr interessantes Bild nationaliiidischcr Arbeit und zionistischer Wünsche gibt. Als Mannheim nach dem letzten Delegiertcntagc zur Zentr&lc des grossen süddeutschen Bezirkes (Baden, Wiirttemberg, Bayern, Hessen, Pfalz und Frankfurt) ernannt wurde, war in diesem Bezirk von Organisation kaum die Rede. Mit Ausnahme von München, wo Dr. Alfred Klee vorher den so erfolgreichen Vorstoss unternahm, waren die vier Ortsgruppen, die überhaupt bestanden, weniger aus planmässiger Propaganda heraus entstanden, als vielmehr durch das zufäliige! örtliche Zusammenwirken Einzelner, die aus sich heraus be-! rcits Zionisten waren. Mannheim und Mainz war erst vor; Jaliresirist gegründet, nur Freiburg und Frankfurt bildeten seit; IS9S hezw. Ks09 die einzigen Oasen in der süddeutschen Wüste. i ן ן Man muss dies berücksichtigen, wenn mau das Ergebnis ' des letzten Jahres richtig cinschützcn will. Denn es ist nur j klüglich zu nennen angesichts der grossen jüdischen ßevölke-! nmg in unserm Distrikt; wohl aber befriedigend und zu guten; Zukunftshoffnuugen berechtigend, angesichts des bisherigen { Mangels jeglicher planmassigcn Tätigkeit. I Die Zahl der Schckclzahler war zur Zeit des letzten Delej giertentags 111 unserm Distrikt gegen 350, sie bat sich innerhalb j Jahresfrist um 1000 Schckclzahler vergrößert; unser Bezirk zählt heute 1350 Schckclzahler.! Die Zahl der Ortsgruppen war 5; sic ist heute 13 u־.ul zwar: In Baden: Mannheim und Freiburg-Brcisacli alt; Meldelhcrg, Karlsruhe und Greilingen neu. 111 Hessen: Mainz bestand und Darmstadt neu. In Württemberg: Stuttgart neu. In Bayern : München alt. Regensburg. Würzburg und Nürnberg neu und ferner Frankfurt a. Main alt. . Wir brauchen hierbei nicht sichen zu bleiben. Der grosse Erfolg vor kurzem In Greil in gen, wo dank der tüchtigen Arbeit der Freiburger Gruppe auf einen Schlag 50 Prozent der Gemeinde, darunter 3 Synodalniitglieder, gewonnen wurde!!, lässt uns hoffen, dass wir auch in anderen badischen Land- Städtchen reüssieren werden. In G f f c n b 11 r g sind bereits Vorarbeiten gemacht, die nach dem Kongress fortgesetzt werden. Ebenso in Konstanz, wo ja bereits Rechtsanwalt j Bloch für uns tätig ist. Ferner bereitet F r c i b u r g. diese! wirklich gut organisierte Gruppe, Versammlungen in Buhl und I Mülhehn vor. Karlsruhe, unser Schmerzenskind, kann J nach wie vor unserer besonderen Fürsorge versichert sein, | und ich habe Anzeichen dafür, dass wir zu imponieren bcginnen. Dr. Moses wird Gelegenheit nehmen, in der uns bisher völlig feindlich gesinnten Karlsruher Loge über den Zionismus zu referieren. ln W il r 11 e m b c r g, wo die Stuttgarter Gruppe sich unter den schwierigsten Verhältnissen ,konstituierte, beginnt man sich auch iür uns zu interessieren. Die Vorstände des Geschielits- und Litteraturvercins in Heiibronn wünschen geradezu ein Referat über den Zionismus. Wir werden sofort nach dem Kongress diese Sache weiter verfolgen. In der Pfalz, wo wir innerhalb der fast ganz assimilierteil Bevölkerung bereits einige tüchtige Gesinnungsgenossen haben, machen sich günstige Anzeichen in Landau und Diirkheim geltend. In Hessen arbeitet die Mainzer Gruppe mit überraschend guten Erfolgen in ihren Nachbargemeinden. Die Mebrza*11l der Gcmcindcmitgiicder von Gross-Gerau, Ober-Ingelheim, Nier- 1 stein, Pfeddersheim und Oppenheim zählen heute zu unseren Anhängern. Das Bureau verfolgt die Tätigkeit dieser rührigen Gruppe mit besonderem Interesse und wird sich ihre Erfüllrungen zu Nutze machen, fn Darmstadt, wo bisher nur chic Studentengruppe besteht, wird im Winter der Versuch gemacht werden, auch die allgemeine jüdische Bevölkerung zu interessieren, der eine Rabbiner dort steht uns nicht feindlieh gegenüber. Frankfurt, dessen jüdische Bevölkerung ja so scharf in zwei religiöse Lager geteilt ist, gewinnt — das ist gewiss — zwar langsam aber sicher — an Boden. Die Zahl der Schckclzahler dort hat sich in Jahresfrist mehr als' verüoppclt. In Bayer 11 endlich sind ausser M ii n c 11 c n zwei rührige Gruppen in Wiirzburg und Regeusburgg entstanden und eine' kleine Gruppe in Nürnberg. Auch Bamberg zeigt Interesse. Leber München selbst Können wir neues aus eigener Anselmnung wenig berichten, die Herren dort sind etwas sehr selbstständig, vielleicht mehr, als sieh mit einem gedeihlich .':1 Zusauuucnwirken verträgt. Wenn wir so die Erfolge der Propaganda bisher und für die Zukunft nicht gering zu veranschlagen brauchen, so ist nicht das Gleiche von der 1 n 11 e n a r b e i t der Ortsgruppe zu sagen. Man ist gewöhnlich innerhalb der Leitung der deutschen Landsmannschaft der Ansicht, dass vorer»: alle Auge;; auf das eine Zid zu richten seien: die llcimstätteatrage, dass alles andere als wenig praktisch, trennend oder zumindest kraltzersplitternd und hindernd anzuschcn sei. Dass, wie es kürzlich in der ״Rundschau“ bezeichnet wurde. Brot vor Konipot komme. Wenn maus so hört, niochts leidlich scheinen. Wenn ich aber diese Thesen in die Praxis vcrdoünvtsche, so heisst dies doch nur: die Ortsgruppen ,nahen sich um die Propaganda und die Stärkung unserer finanziellen Machtmittel zu bekümniern; alles andere zersplittern tre11.1t, hinJea. Dem andere als diese Arbeit kann von den Ortsgruppen zur Erreichung des grossen Zieles nicht geleistet werden. Nun aber ist cs doch klar, dass für die Propaganda in einer Durchschnittsgruppe höchstens 3 Leute in Betracht ko!!!• men. Blieb also für die Menge nur die andere Aufgabe: Geld zu sammeln und zu gehen. Geld ist eine sehr schöne Sache, aber mit ״(leid allein kamt eia Volk nicht errettet werden.“ Es ist also klar, dass die Aufgaben der Ortsgruppen;:;ehr noch sein muss, viel mehr als dies. Es ist klar, dass auch in d.-n Köpfen unserer Ortsgruppenmitglieder noch vieles heller werden muss, als bisher, dass manche Begriife in ihnen einfach umgekrempelt werden müssen, um zu lauge!!, dass cs auch hei ihnen noch manchmal heissen muss: verbrenne, was du angebetet und bete an, was du verbrannt hast. Unsere Ortsgruppen haben auch K u 11 u r a 11 f g a b e n. Und es ist meine Ansicht. # die ich hier wiederholt äussere, dass wir allen Vermittlern zwischen den ,.Schaffenden“ unter uns und dem Volk dankbar sein und sie unterstützen müssen, wo wir nur können. Ich möchte ein Wort des letzten Dclegiertentags wiederholen: wenn mit der Ausbreitung der Idee nicht ihre Vcriunerlielumg Hand in Hand geht, dann verflacht die Idee. Das bcsonders im Westen, wo die Judcuuot mit feineren Sinnen e!t1pfmuleu wird, als im Osten. Für die Vertiefungsarbeit wäre aber ein genaues A r b c i t s p r o g r a mm von Nöten und der Delegiertentag sollte eine Kommission hierfür ernennen. Denn bisher wurde wenig darin geleistet; nur einige wenige Ortsgruppen im Bezirk licsscn derartige Tätigkeit sehen. Bisher also, hat man — praktisch wie wir westlichen Zionisten cinnial sein wollen — die Brotfrage betont, die für die Gruppe* wie ich ausffihrte, doch nur eine Stärkung unserer finanziellen Institute bedeuten kann: der Kolonialbank und des Nationalfonds. Halien wir, die Zionisten der deutschen Vereinigung, unser:! Worten gemäss auch gehandelt? Wir haben von Praxis gcsprochen und die Theorie verlacht. Wir Italien Rhodus erkannt, wo blieben aber unsere• Sprünge?