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Jüdische Rundschau · 1903-08-25 · Heft 35 (25.8.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 35 (25.8.1903)
Date
1903-08-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 367. No 35. «Jildiselie Rund«cl1au. ■.-r—׳-׳■״.... . . . ... .■־״־׳׳־.. ■״—«—■ . ... — . .. .י ■ l ־ Schriften versandt worden. Man hat dort eine grössere soziale Tätigkeit mit Erfolg begonnen. Die Minsker Konferenz war infolge von missdeutenden Denunziationen der Ausgangspunkt ,beschränkender Anordnungen, die aber bald gemildert sein dürften, fn Rumänien hat der Zionismus gewaltig zugenonunen. in Deutschland nicht minder, wo das A.-C. auf Mitarbeit der Intellektuellen rechnen darf. Von 12000 Schweizer Juden sind 1200 Juden Schckclzahler. In Italien sind cs die Reichen und Gebildeten, die sich uns zuerst ansclilicsscn. In Oesterreich hat man zwar noch nicht die Gemeinden, aber der Zionismus spielt bereits eine grosse Rolle im ganzen jüdischen Gemeindeleben. In Südafrika ist ein ganz besonders starkes zionistisches Leben entstanden, ebenso in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In Canada gibt cs keine jüdische Gemeinde ohne zionistische Ortsgruppe. Die Bewohner der Baron Hirsch- Kolonien in Argentinien sind ausnahmslos Zionisten und hoffen auch für sich alles von der Verwirklichung d^s Zionismus. Wir siiid aber keine Partei, sondern das Jüdische Volk. Die durch den 5. Kongress inaugurierte Dezentralisation hat die Organisation nur fester geschlossen. Das A.-C. hat sich mit der Erwerbung Acgvptisch-Palästiuas abgegeben, freilich ohne das erhoffte Resultat. Die Koinnialbauk wurde von Verlern«- der« gleichzeitig in 3 Zeitungen angelogen. Die Bank hat sich sehr bewährt. Der Stand des Nationalfonds nach jetzt einem Jahre ist sehr erfreulich. Die Fortschritte in jüdischen Kulturbestrebungen wirken zurück auf das Nationalbewusstsein. Wir arbeiten für die Gegenwart nicht minder, als für die Zukunft! (,Grosser Beifall!) Nach einer *»ständigen Pause findet Diskussion (Vorsitz Hcr/.l) über die Ostafrikafragc statt. Färbst ein beantragt namens der Schweizer Landsmannschaft eingehende Prüfung durch eine Kommission von 21 Mitgliedern. Dann kommt Trictsch zum Wort, mit Händeklatschen und Zischen cmpfangeu. (Hcrz.l sitzt neben Trictsch! Präsidium Bodenlicimcr). Ich werde in dieser Partei bleiben, so lange in ihr an der Landfrage gearbeitet wird. Aber er hält cs iiir falsch, wenn Hcrzl davon spricht, dass wir die verlieren, an denen nichts zu verlieren ist. Wir hätten bisher nichts gehört, mau hat im Gegenteil verschwiegen. Trieisch bemängelt die Ha!־ tung der Welt gegenüber dem Festhalten am Programm. Sinai sei gewiss ausserhalb des Baseler Programms. Ist dem! der Grund hinreichend, einen Teil Palästinas nicht zu besiedeln, weif die Pelusische Ebene nicht zu bewässern war. El-Arisch ist von 1DA0 auf 5!ויייי Einwohnern gestiegen, ohne die Be- Wässerung. Man hätte El-Ariseh nicht aufgeben sollen, 01111c einen Kongress einzuberufen. Der Anfang dürfte Herzl zu klein erschienen sein. Und nun Ostafrika. Ieli bin für ein grösseres Palästina. El-Arlsch, Cypern. Teile Klcitiasicns. für Länder, jo näher Palästina, um so mehr. Was ist für dieses historische grössere Palästina Ostafrika oder Uganda? Herzl gibt zu. dass Ostafrika nie Zion werden kann. Es ist ein prinzipiellcr Unterschied zwischen Trietsebs grösserem Palästina und dem fernen Ostafrika. Jene können Zion werden, dieses nie. Die russischen Verhandlungen haben imscrm Führer Aussicht auf Palästina eröffnet. Oder soll von Plehwcs Worten nicht gelten, dass man nicht drehen und deuteln soll? Zionlsmiis Ist Landfrage. alles andere ist Mittel. 6 Jahre nach dem ersten Kongress, wie steht es mit der Landfrage? ..Die Hascher nach Augenblickserfolgen sollen sich davon stehlen“, das hätte gerade Herzl nicht sagen sollen, denn er tat das ausschliesslich. (Grosse Unruhe.) Herzl hat wiederholt von dem bald beginnenden Auszug gesprochen, von bevorstehenden grossen Erfolgen. Auf die Nachricht von der bevorstehende•! Audienz hat Herzl verkündet, mm würde bald der Aufbruch erfolgen. Das war um die Jahreswende 1898/1900. Auf dem 3. Kongress zeigte er ein merkwürdiges Interesse an der Cypernfrage. Der Kongress lehnte damals ah. Herzl verstand, dass ich nur den richtigen Gedanken, nicht die diplo• matischen Verbindungen hotte. Seitdem war Cypern für Hcrzl nichts mehr. Damals war noch die allgemeine Idee der tiirkischc Charter fiir Palästina. Das hielt an bis Hochsommer 1902, und man nahm meine Bemerkungen über El-A risch mit bemerkenswerter Ruhe hin. In dem bekannten Comnumtquö der ..Welt“ ist nur von Teilen Palästinas und Nachbarländern die Rede. Man durfte das türkische Anerbieten nicht ablchnen. ohne den Kongress cinzubcrufcn. Uns Ist heute ein Charter für Britiscli-Ostafrika geboten. Wer steht uns dafür, dass das nicht 10 verstreute Kolonien später sind, und wer stellt dafür, dass aus den zerstreuten Koloriten nicht ein Charter wird? Judcnland. das ist Zion. (Grosser Beifall links.) Das von der türkischen Regierung Gebotene war so viel grösser als das Entgegenkommen, der russischen und sogar der engjischen Regierung, dass man den Kongress fragen müsste. Hcrzl versteht, dass etwas in der Landfrage geschehen musste. Man entsandte eine Kommission nach El-Arlsch, aber man ver* ständigte in i c h nicht. Das war ein Unrecht gegen die S a c 11 c. nicht gegen meine Person. Es war die Pflicht des A.-C., sich zu erkundigen, ob Ich noch Material hätte. Als die Sache gescheitert war, da erinnerte man sich. ״Trictsch hätte die Sache verpatzt.“ Erst seit 16 Jahren ist Egyptisch-Palüstiiu nicht mehr Türkisch-Palästina. Palästina, auch El-Arlsch ist überall fruchtbar! 1840 hatte Gedza 2000, 1883: 16 000 Einwohncr ohne jüdische Einwanderung. 1900 ohne jüdische Ein- Wanderung 37000 Einwohner. (Hcrzl macht Zwischenbcmcr- . kungen.) Was bei Gaza natürlich, ist nicht minder bei El• Arisch. Wenn Sie es ipir. wie Dr. Herzl, möglich machen, so will ich den gigantischen Erfolg daraus machen, den mail bch&uptct hat. (Namen. Namen, wer? Awinowitzki ruft Ver- Icunulung.) Kremenccki ruft mir zu, ich hätte keinen Dunst von El-A risch, ich sage das A.-C. hätte auch ohne mich keinen Dunst von El-Arisch. Ich will Ihnen den Namen geben, aber den Beweis vorweg geben. Dr. Klee ist derjenige, der cs in einer Vorstandssitzung der Berliner Zionistischen Vereinigung gesagt hat, und er ist doch gewiss Vertrauensmann des A.-C. Er hat von grossen Landerfolgcu gesprochen. Woher stammt die Aufregung in diesem Kongress, wenn nicht gewinkt wäre von gigantischen Erfolgen. Hoffnungen waren erweckt worden. Das ist das Wesentliche. Nur durch grobe Fehler und falsche Orimd.gcda’nkeii hat die Sache verdorben werden können• So sicht .heute die Landfrage. Charter ist nicht das richtige Wott, und von offizieller Seite ist da nie aufgeklärt worden. Noch schlimmer steht's mit der Autonomie. Die Garantien der Mächte würden die Autonomie und den Charter unmöglich machen. (Awinowitzki macht Skandal. Der Präsident hiss: daN zu.) fc:1 erkenne das Baseler Programm r*.r. und aui seinem Boden will ich bei anderer Gelegenheit verbuchen, ein besseres anf/.ustellen. Dr. Herzl hat das Programm in seinen Verhandlungen durchbrochen. Wir hörten heute vmi Ostafrika. Brechen wir mit dem Prngranmifanatisnius! Herzl hai Palästina, fern gesucht. Ich überlebe mich nicht. Geben Sie mir tird meinen Freunden einen Teil der Befugnisse, die Sie Dr. Herzl gegeben haben, und wir werden näher von Palästina ein Besseres ii.1den. (Grosser Beifall links und Zischen*) Klee erklärt kurz tatsächlich, er habe nickt gesagt, es wären gigantische Erfolge errungen. Vorstandssitzimgcii sind diskret. Es handelt s׳ch um einen Antrag ..Breslau“ zu guasten der ..Jüdischen Orieut-KolonisationsgcscHsehau“ der Herren Trictsch und Dr. Oppenheimer. Trictsch, der unter grosser Erregung das Rednerpult wieder besteigt, erklärt, dass er seine Bchonofung aufrecht erhält. Klee hat die Sache falsch dargestellt. Der Antrag lag vor, ward aber nicht von mir vorgebracht. Das Gegenteil ist der Fall! Herzl (mit stürmischem Beifall und Hoch empfangen): Dass Herr Trictsch dem Berichte des A.-C. Opposition machen werde, war zu erwarten. Alle Wege, auf denen er uns Chikauen sucht, sind ihm recht. Er hat uns den Vorwurf gemacht, dass wir in der El-Arlscbsnchc Hoffnungen erweckt hätten. Den! gegenüber steht der Vorwurf seitens des grossen Aktionskomitees wegen der Geheimniskrämerei in der EI- Arlschsache. Das haben wir darum getan, um nicht die bcfreundeten Regierungen bei dieser Gelegenheit zu genieren. Wir wollten keine Erwartungen erwecken, in der ,.Welt“ bat überhaupt darüber nichts gestanden. Wir waren sojjar bis zum letzten Augenblick unschlüssig, ob wir überhaupt etwas mittcilcn sollen. Trictsch sicht sich an als Oberherrn dieses L3V.d״ebictcs. und suchte diese Gehictsstörunc durch eifrige Agitation abz.uwcltrcn. Er kommt in seiner Kritik über die Grenze hinaus, die wir ihm mit der Höflichkeit ciiiräumen können. Herr Trictsch. Sic haben so wenig Kenntnis von diesem Lande und seinen Bedingungen, dass Sie 1ms, den letzt wirkliehen Kennern von!:!-Arisch damit nicht kommen können. Das macht man nicht mit Artikeln. Das muss gründlich untersuclit werden. Ingenieur Kessler wäre imstande als tiiehtiger Fachmann Auskunft zu gehen, so der Architekt Marinorck, Oberst Goldsmid. der die Kolonien in Argentinien geleitet hat. einer der grössten Wasscrbaunicister Stenheuson. der Prof. Laurent und Dr. Soskin mit seiner langjährigen landwirtschaftlichen F.rfahruug und endlich Humprechs. So hehandeln wir die ernsten Fragen. Die politischen Bemerkungen Trietsebs sind ganz vage, nur auf eins will ich eiugeheii Privatnespräche haben wir im grössten Vertrauen geführt; d?e gehören nicht auf die Tribüne. Trletsch kam damals nach Wien. Ich war mit der Art und Weise, wie Sie sich praktisc'11 mit der Kolonisation beschäftigten, nicht einverstanden. Das Protokoll will ich ihm vorlcscu, das mit einem seiner Opfer Itn Juni in Wien aufgenomnicn ist. Es handelt sich um Frau Kaufmann, die mit 52 Familien nach Cypern auswanderte. Herz? verliest das Protokoll. (Zwischenruf: ..ich bin einer von den Leuten, die Frau ist gar nicht mit uns gefahren.׳“) leb habe diese Frau hier in Basel, weil ich wusste, dass Trictsch sagen wird, das ist nur ein Protokoll, (hinter Vorantritt der Rabbiner vom

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