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Jüdische Rundschau · 1903-08-25 · Heft 35 (25.8.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 35 (25.8.1903)
Date
1903-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No./35. Seite 365. Jüdische Hundsehau• man auch alles sagen. So war es in unserer Absicht, als wir diesen Kongress einberiefen, und wir glaubten, dass wir nichts anderes würden zu melden haben, als das Scheitern von Verhandlungen und das Misslingen lang vorbereiteter Versuche. Indessen kam es einigermassen anders (Hört! Hört!) Seitdem wir hier zum fünften Male beisammen waren, hatte ich neuerdings zweimal die Ehre, von Sr. Majestät dem Sultan nach Konstantinopc! berufen zu werden. (Grosser Beifall.) Beide Male, im Februar, wie im August 1902 blieben jedoch die Unterhandlungen resuftatlos. Ich konnte mich selbstverständlich auf nichts cinlassen, was mit unserem Baseler Programm nicht vercinbar gewesen wäre, (langandauernder Beifall), insbesondere konnte eine zerstreute zusammenhanglose Kolo* nisation in verschiedenen Teilen des türkischen Reiches unseren nationalen Bedürfnissen nicht genügen. (Bravo.) Aus allen diesen beschwerlichen Verhandlungen ging nur hervor, dass Sc. Majestät der Sultan dem jüdischen Volke andauernd eine freundliche Gesinnung bewahrt. (Grosser Beifall.) Fs ist dies gewiss erfreulich und wertvoll, aber praktisch kommen wir damit nicht weiter. Da nun die gütigen Gesinnungen des Souveräns gegeben sind, sowie die zweifellosen Vorteile, die das türkische Reich davon hätte, musste das Hindernis in der Haltung der im Oriente interessierten Hauptmächte gesucht werden, namentlich Russlands. Denn von Deutsch־ Iand hatten wir uns keines Widerstandes zu versehen, nach der unvergessenen Teilnahme, die uns der Deutsche Kaiser bekundete. (Stürmischer Beifall.) Als ich i n! Jahre 1S98 die Ehre hatte, mit e i n e r z i 01! i stischen Abordnung in Jerusalem enipfan• gen zu werden, versicherte Se. Majestät unsere Bewegung seines Wohlwollens. An einem Kai se r wo r te soll man nicht dre* 11 e n noch deuteln. Auch von England war eine Gegnerschaft nicht zu besorgen, und E r e ig n i s s e, die ich jetzt melden will, b cstätigcndics. Nach der Erfolglosigkeit der letzten Verhandlungen in Konstantinopcl und angesichts der wachsenden Not mussten wir andere Wege suchen. So setzte ich mich denn im Oktober vergangenen Jahres mit einigen Mitgliedern des britischen Kabinetts in Verbindung und unterbreitete ihnen den Vorschlag, uns eine Land-Kon־ Zession für die Sinai-Halbinsel zu bewilligen, damit wir dort eine Ansiedelung für unser Volk gründen. Sowohl die Minister, denen ich hier meinen allerwärmsten Dank ausdriieken möchte, als auch die hohen Beamten der britischen Regierung, welche für diese Angelegenheit zuständig sind, haben mich mit dem grössten Wohlwollen und Entgegenkommen angenommen. Es wurde nur bedeutet, dass da das ins Auge gefasste Territorium ägyptisch sei, es notwendig wäre, unmittelbar mit der ägyptischen Regierung zu verhandeln, doch stellte die eng• lische Regierung tnir grossherzig ihre Empfehlung zur Verfügung und drückte ihrem Vertreter in Aegypten Lord Cromcr, ihre Hoiimmg ans, dass der Plan von ihm und den Räten Sr. Hoheit des Khedivc in wohlwollende־. Erwägung gezogen werden würde. Die britische Regierung gab uns anheim, als vorbereitenden Schritt die Entsendung einer Kommission von Fachleuten anzuord• neu, die den Landstrich auf seine Eignung zur Besicde lung und auf die Aussichten seiner Kolonisation prüfen sollte. Um die Zustimmung der massgebenden ägypti* sehen Autoritäten zur Entsendung der Kommission und deren Unterstützung zu erlangen, begab sieh unser Vcr• treter, Mr. Greenberg, versehen mit Empfehlungsschreiben des englischen Auswärtigen Amtes an die ägyptische Regierung, Ende Oktober nach Aegypten. Lord Cromer und der ägyptische Minister des Auswärtigen nahmen ihn sehr freundlich auf, und gaben nach einigen Verhandlungen ihre Zustimmung zur Ent- Sendung der Kommission. Sic gestatteten auch, dass ein Vertreter des ägyptischen Landvermessungs-Amtcs sich der Kommission als Mitglied anschloss. Die Konimission wurde hierauf gebildet und bestand aus den Herren: Ingen. Kessler, Architekt Marino rek, Oberst Goldsmid, Ingen. Stephens, Professor Laur e n t, Dr. Hillel Joffe und dem ägyptischen Regieningsvertreter Mr. H u 111 p 11 r e y s. Die Kommission kam in Aegypten Ende Januar au und brach Anfang Februar nach der Sinai-Halbinsel am*. Inzwischen verlicss unser Vertreter, Mr. Greenberg, England und ging wieder nach Aegypten, um dem Lord Cromcr und der ägyptischen Regierung den Entwurf eines Charters für einen Landstrich au! der Sinai-Halbinsei zu unterbreiten. Nach langen Verhandlungen erhielt unser Unterhändler von der ägyptischen Regierung ein Schreiben, worin sic sieh mit dem Grundsätze des vorgeschlagencn Charters einverstanden erklärt. Dieser bestimmt die jüdische Selbstverwaltung für den in Beträcht kommenden Landstrich und gewährt Munizipalrechte für das gesamte bewilligte Gebiet, unter der Vor* aussetzung. dass die entsendete Kommission einen günstigen Bericht erstatte, welcher der Regierung die Ucberzeugtmg beibringt, dass die Besiedelung der Halbinscl tunlich ist. Die Kommission kehrte Anfang März nach Aegypten zurück und ich reiste selbst hin, um mit ihr zusanunenzutreüen. Ich unterbreitete Lord Cromcr und der ägyptischen Regierung verschiedene Vorschläge, betraute jedoch, da ich nach Europa zurüekkehren musste, mit den weiteren Verhandlungen ein Mitglied der entsendeten Kommission. Es folgten langwierige Verhandlungen, die jedoch, wie ich mit Bedauern niitziiteilen habe, das Ergebnis hatten, dass die ägyptische Regierung erklärte, sie sei nicht in der Lage, auf die Sache weiter einzugehen, da das fachmännische Gutachten dahin ging, dass es tinmöglieh sei, die pelusinisehe Ebene ausreichend mit Wasser zu versorgen, und daher auch die Besiedelung von El- Arisch oder einem anderen Teile der Halbinsel nicht erfolgen könne. Ais die Mitglieder der britischen Regiermig, mit denen ich vorher in Verbindung gestanden, von dem der ägyptischen Regierung erteilten fachmännischen Rate und von den Eutschlicssungen, zu welchen sie sieh genötigt sah. Kenntnis erlangt hatten, schlugen sic mir sofort an stelle des früheren die Bewilligung eines an* deren Landgebietes zum Zwecke der jüdischen Kolonisation vor. Das neue Landgebiet hat nicht den geschichtlichen, poetisch-religiösen und zionistischen Wert, den auch noch die Sinai-Halbinsel besessen hätte, aber ich zweifle nicht, dass der Kongress als Vertreter der jüdischen *Masse auch das neue Anerbieten mit wärmster Dankbarkeit entgegenehmen würde. Der Vorschlag bedeutet eine autonome jüdische Ansiedelung in Ostafrika mit jiidischer Verwaltung, jüdischer Lokalregierung und einem jüdischen Oberbeamten an ihrer Spitze, alles natürlich unter britischer oberhoheitlieher Ueberwachung. Da dieser Vorschlag gemacht wurde, fühlte ich mich nicht gerechfertigt. im Hinblicke auf die Verfassung des Jude״- tumes und die Notwendigkeit, soiort irgend ein Mittei zur möglichsten Besserung der Lage zu finden etwas anderes zu tun, als die Erlaubnis zu erlangen, den Vorschlag

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