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Jüdische Rundschau · 1903-08-21 · Heft 34 (21.8.1903) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 34 Seite 357. Jüdische Hundschau. ־ ־ — -- .- - - — - - - -- _.*jdem Kongresse in Monopol zu treffen ist. Kr ist dort in ..tjlcschiiftcn“. Kr würde glaube«, einen Tag und mcltr seines Lebens verloren zu haben, wenn er nicht feden, den er kennt und nicht kennt, in Monopol angesprochen hftttc. Kr ist sozusagen, berufsmässiger Schnorrer. Jeder einzelne wird von ihm angegangen, Bücher ffir die Nationalbibliothck in lernsaiem zu spenden. Der Mann hat mit Idealismus und Aus* daucr ein nationales Denkmal jüdischer Kultur in der Haupt* Stadt jüdischer Unkultur geschaffen. Nicht weit von ihm diskutiert eine Gestalt mit lebhaften Gestikulationen, die bei niemanden den Kindruek hervorruft, dass sie Jcncsci und Ob übet schreiten und!א 'läge i!« sibirischen Schnellzuge sitzen musste, tun über Moskau hierher zu gelangen. ״Ich bin kein grosser Zionist״, sagt er und straft sich selbst Lügen, indem er gerade in diesem Augenblicke sieb aufrichtet und eine herkulische Gestalt zeigt. Ks ist das einer der ersten Genossen von Pinsker, der fern int Osten, in Sibirien die Kahne des Judentums und des Zionismus hochhält. Sein lebhaftes Temperament und sein glühendes Auge geben ihm den Anschein eines unermüdlichen Vorkämpfers unserer l'rcihcitsidcc. Ganz im Gegensatz dazu stehen die grünen klugen Auge 1 eines hebräischen Schriftstellers, der wie eine verunglückte Verkleidung eines Dortmcianimed aussielit. Am meisten trägt sein unvermeidlicher Zylinderliut dazu bei. ihm den Typus d.s Ghettos recht ausdrucksvoll auizuprägen.* Kr unterhält sich mit einem Kollegen, dessen einzige Auszeichnung es ist. dass man den Kindruek hat, als süsse seine י$ז;א eigentlich neben der Nase. Kin dritter im Bunde tnU regelmässigem Pro::! und schönem Gesicht lässt sofort dm feiugeistigcu Kritiker erkennen, als den ihn die hebräische Littcratur keimt. An anderen Tischen sitzen junge Leute, die mit Kifer d:e Kiilturdebattc schon jetzt führen, die auf dem Kongresse un\e.־• meidiiei! sein wird. Jedenfalls wird sie nicht so heiss gegessen, wie sie hier in Monopol gekocht wird. Ks ist bezeichnen׳.!, dass die meisten den Kongresszionistisehen Standpunkt, wenige die Anschauung der Demokratisch-zionistischen Fraktion, niemand die von Misrachi vertritt. Die Debatte wird unterhrochen. weil Herr L. aus Odessa dm IV. S. aus Haifa erkeimt und sich plötzlich erhebt, um den alten Freund herzlich abzuküssen. Auch an anderen Tischen gibt cs solche Küsse plötzlichen, unerwarteten Wiedersehens. Fine halbe StunJe nach Mitternacht kommen noch einige Gäste. Kin Herr i:n Alter von zirka 30 Jahren mit dunkelblondem Bart, schönem, regelmässigen Profil und einer Brille, die dem Gesicht den bestimmten Ausdruck überlegener und ihrer selbst sicheren Klugheit verleiht, tritt ein. Der ruhige, freundliche Mann wird liberal! freundlich bewillkommnet. Ihm folgt ein blasser, hell• blonder Herr auf dem Fusse, den einige Damen begleite:!. Dann noch einige Freunde und Anhänger der Demokratischen Fraktion, die ihre Berliner Führer aus Kaffee Bauer, wo die ״Sitzung“, beendet ist, hierher begleiten. Sie nehmen nun noch ffir eine oder zwei Stunden an dein grossen offiziellen Zusammensein der Partei in Monopol teil. Sie setzten siel! an den Tisch, wo ein kleiner Herr mit schwarzen Haaren, Ba~t und Augen, der Redakteur einer grossen zionistischen Tageszcitung in St. Petersburg in eifrigem Gespräche mit dem Herausgeber einer jüdischen Montagszcitung begriffen ist. Ihc Fraktion greift sofort in die Debatte ein. Kurz. Monopol ist ein kleines Basel, und wer nicht Zeit und Geld hat, nach Basel zu fahren, der gehe wenigstens einmal in dieser Zeit nach Kaffee Monopol und er wird glauben, wenigstens einen geringen Geschmack vom Baseler ״Milieu gekostet zu haben. Kin alter Motiopolsc h.w ä r m e r. Aus der Bewegung. A!1 unsere Freunde! Zwecks grösserer IVc.paganda iür den Zionismus und für sein Parteiorgan werden wir die Nummern unserer Zeitschrift vom 11.. 18. und 25. September d. ,1. in verstärkten! Umfange m\l in einer Auflage von NKXJ Exemplaren hcrstellen lassen. Jeder Zeitung w ird eine Aufforderung zum Abonncuiem beiliegen. Die Nummern werden inhaUlich sehr sorgfältig aiisgestattet sein, insbesondere genaue und interessant geschriebene Berichte über den sechsten Zionistenkongress und den Deutschen Delcgiertentag enthalten. Wir stellen Ihnen diese Nummern gegen Zahlung von 2 Piemiigen pro Exemplar zur Verfügung und bitten Sie, die von Ihnen gewünschte Anzahl von Exemplaren uns sobald als irgendmöglich mitzuteilen. A!1 uns atugegebene Adressen werden wir die drei Propagandanummcrn gratis versenden. Die Expedition. haben an einer grossen jüdischen Arbeit mitzuwirken. Dass Kischincw nur ein Symptom ist und dass eine lokale Lösung der Frage nur eine symfkomisclic sein kann, das ist der Sinn des Buches. Darum ist besonderer Wert auf die genaue Dar• Stellung der Vorgänge nach den Krawallen und auf die Schi!־ derung der allgemeinen Lage der russischen Juden gelegt. Durch eingehende Kritik aller andern Versuche zur Erklärung der blutigen Vorfälle wird der nationale Charakter der .ludenfrage aufs Klarste licrausgearhcitet und als einzig mögliche Lösung die nationale Kolonisation bezeichnet. —- Die Sprache des Buches ist schlicht, voii ernster Würde getragen; bei aller Sachlichkeit fehlt auf keiner Seite der Gnmdtoi! warmer inoe* rer Ergriffenheit, und ohne Künste der Rhetorik stellt doch ein kurzes, ernstes Pathos das schwere indische Geschick so dar, wie es ihm gebührt. Grade diese Einfachheit der Darstellung im Verein mit der Einheitlichkeit der Auffassung zeigt mit gewaitiger Eindringlichkeit als Weg der Rettung: den zlonistisc 11 en Gedanken. ea. Die Aussichten für die Baumwollkultur In Vorderaslen. Von I)r. S. Soskln. (Der Trope np flanzer. No. 8. August 190.3.) Wer den Artikel von Dr. S. Soskin in No. 3.3 unserer Zeit- Schrift aufmerksam gelesen hat, wird herausgefuiideu habe:!, dass sein Vorschlag von eminenter Bedeutung grade für den politischen Zionismus ist: Demi eine laudwiriscliaftliclic Vorsuchsstation, wie sie Soskin will, ist die unerlässliche Vorhe* dingung einer rationellen Kolonisation, und eine Beteiligung des Zionismus an ihrer Einrichtung w ürde das törichte oder böswillige Gerede von dem Gegensatz zwischen politischem 11:ul ..praktischem“ Zionismus endgiltig auf seinen w ahret! Wert zurückfiihrcn. Eine der schwersten Unterlassungssünden ist es. dass die bisherige ״praktische“ Kolonisation diesem Gedanken noch nicht im geringsten näher getreten ist, ins Blaue hinein, ohne die grundlegendsten Vorkeimtuisse kolonisiert und erst immer nach Jahren durch vielen Schaden klug wird. Für eia anderes Publikum mm und in anderem Zusammenhange, für den jüdischen Palästinafremid aber in enger gedankheiter Verbindung mit unseren Plänen, erörtert nun Soskin i:t dem von ihm mitredigierten ״T r o pe n p f i a n z e r“ die Aussichten des Baumwollbaues in Vorderasien. Ankuiipfeud an das Interesse, welches die deutsche Industrie an der beginnenden Baimiwollproduktion Anatoliens hat. führt er aus, dass man die Ausdehmmgsmüglichkeit des Baumwollbaues in diesem Gebiete nicht allzu optimistisch arischen dürfe. Denn die in Beträcht kommenden Distrikte — sie sind ohnehin nicht seiir gross -- besitzen einen aufblühenden Wein- und Feigcnbati. der durch seine grössere Bequemlichkeit und Einträglichkeit das Aufkommen einer grösseren Baumwollkultur voraussichtheu hindern wird. Dagegen weist Soskin darauf hin, dass noch vor

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