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Jüdische Rundschau · 1903-08-21 · Heft 34 (21.8.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 354. Jüdische Rundschau. No. 34 för eine Bewegung, wie die zionistische, die den Anfangsstadfcn ihrer Entwicklung noch nicht entwachsen ist, kann eine derartige Trennung sehr verhängnisvoll werden, indem zu einer Zeit, wo wir uns noch gegen unsere eigentlichem! Gegner hinreichend 7.u verteidigen habeu, ein nicht unerheblicher Teil der so wertvollen Energie statt der Sache selbst zugute zu kommen, in innere Parteiteidcnschaftcn unigesetzt wird. Einige Vorwürfe kann ich allerdings auch den Führern der demokratischen Fraktion nicht ersparen. Vor allem sollteil sic besonders, von denen wir eine grössere Kritikfähigkeit beanspruchen dürfen, als von den Misraeliistcn, den schädlichen Einfluss einer Spaltung erkennen und nicht sowohl durch lieftige Kämpfe, als vielmehr durch Belehrung und Aufklärung auf d׳e Misrachisten zu wirken suchen; allerdings kann inan es ihnen nicht \erbieten, wenn sic das Programm des Misrachi sachlich bekämpfen, dock keineswegs sollten sie. was in Russland häufig Vorkommen soll, das Ansehen ihrer Gegenpartei durch Schmäliredcn zu schädigen suchen. Eine derartige Kampfesweise ist sicher unstatthaft. Bein Misrachi werfen sie ferner unter anderem, seinen ausgesprochenen opportunetischen Standpunkt vor. Allein ich glaube, dass ein gewisser Grad von Opportunismus jedtir politischen Sonderpartei in ihrem Kampfe ums Dasein aiihaften muss. Ja sie seihst sogar sind von Opportunismus nicht ganz frei, und wenn Dr. Weit/.־ mann in seiner Rede auf der konstituierenden Versammlung der demokratischen Fraktion meint, die Demokratisierung des Zionismus sei schon deshalb erforderlich, um für denselben viel Kräfte licranziiziehen, die bisher, wie er sich wörtlich ansdruckt, wegen ihrer politischen Anschauungen an der Peripheric unserer Bewegung stehen, so ist diese Begründung wenigsteils in ihrer Form, durchaus nicht weniger opportunistisch, als die Rücksichtnahme auf die orthodoxe Judcnhcit in Russland, die von den Rabbinern Reines und Rabiuowitse'.i auf jedem Kongress verlangt wird. Es ist ferner zweifellos zu " bedauern, dass der Misrachi die Religion und sogar eine gewisse religiöse Unduldsamkeit hineinträgt; allein ich kann es nicht weniger tadeln, wenn die demokratische Fraktion, cutgegen ihrer Forderung, die Religion ühcrliuttpt aus dem Spiele zu lassen, auf ihrer Baseler Versammlung den Sabbath ahschaffen wollte, der bekanntlich nur dank einer Majorität von 18 gegen 17 mit heiler Haut davonkam. Zum Schluss will ich die zur Zeit äusserst wichtige Frage berühren, wie sich die parteilosen Zionisten der Fraktionierung gegenüber zu verhalten haben. Es verlautet nämlich, dass von deutscher Seite geplant werde, auf dem nächsten Delegiertentag, gegen die eine oder die andere Fraktion einen Protest zu erlassen. Allein ich weiss wirklich nicht, was man mit 1 diesem Protest erreichen will. Die Spaltung ist viel zu tief i begründet, als dass man sic ohne weiteres aus der Welt 1 schaffen könnte, und ein derartiger Schritt würde nur geeignet j sein, die Gegensätze noch mehr zu verschärfen. Ausserdem! bezweifle ich,, ob der Dclegiertentag einen solchen Protest [ verantworten könnte; solange eine Fraktion an | der unbedingten Anerkennung des Baseler; Programms f e s t h ä 11 , haben wir kein Recht,!gegen sie irgend welchen Protest zu erlassen. Wir wollen die Bezeichnung nicht mit den Herren Protestrabbinern teilen. Der Delegiertentag und der VI. Kongress tragen hofientlieh dazu bei. dass die Gegensätze in unserer Mitte sich immer mehr ahflacltcn. damit ein einheitliches und einmütiges Handein uns recht schnell zum Siege verhilft. Frei I) 11 r g i. B., 11. 8. 190.1. M. N a m i ״ t. II. Die Fraktionierung des Zionismus. Die Redaktion der ..Jüdischen Rundschau“ hat zu verschiedenen Malen ihrer Ansicht Ausdruck verliehen, dass sic die Bildung von Fraktionen der Zionisten für schädlich hält und auch sonst ist viel von einer derartigen Schädlichkeit die Rede gewesen. Der Verfasser vorlegenden Aufsatzes kann diese Meinung nicht teilen und möchte gerade angesichts des 0::- l mittelbar bevorstehenden Kongresses seine Gründe dafür ia j aller Kürze auseinandersetze». j Bisiier war die zionistische Partei nur nach Landsmann• schäften gegliedert. Es ist das aber gerade diejenige Art der; Gliederung, welche die Kluft, die doch zwischen den Juden der! verschiedenen Länder tatsächlich besteht, eher zu vergrössern als zu verringern imstande ist. Sollen sich die Juden der vcrscliic-; denen Länder näher treten, so ist cs doch das Natürliche, dass sich die Glcichgcs'nntcn unter ihnen zu Eraktionen zusammen . schlicssen. um durch das, was ihnen gemeinsam ist. sieh auch! besser verstehen und schätzen zu lernen. Aber noch ein zweiter grosser Vorteil bietet sich durch : die Fraktionierung, der auch bereits im Programm der Demokratisch-zionistisehen Fraktion hervorgehoben wurde. Es . wurde bisher auf den .Kongressen sehr viel Zeit mit unnützen , Reden, besonders von Neulingen im Zionismus hingebracht. europäischen Stammcsgcnossen iliren orientalischen Brüdern dazu verhelfen wollen, dass das Judentum und seine Anhänger im Osten auch eine Zukunft haben sollen, dass es!ficht von einem Zufall oder einer irgendwie gearteten politischen Kombination abhängen dar!, ob das Judentum im Morgenlandc aufhören soll, eine E.xistcnz zu führen, so!missen sie alle Mittel und Wege in Angriff nehmen, durch welche mau unseren dortigen Brüdern die Fülle der Bildung erschliesscn kann. Demgemäss muss der Hauptnachdruck unserer gesamten Tätigkeit, soweit sie überhaupt den orientalischen Juden zu gute kommen soll, auf die Schulen gelegt werden, anstatt durch eine übelangebrachte Wohltätigkeit dem Mtissiggange die Wege zu bahnen. Statt dessen sollte man durch guten Unterricht dafür sorgen, dass den Juden in arabischen Ländern dieMöglichkcit geboten wird, sich sozial zu heben, und ihnen die grösste Wohltat dadurch erweisen, dass man sie von der Wohltätigkeit emanzipiert. Es kann in diesem Zusammenhänge unerörtert bleiben, dass der weitaus grösste Teil der für das heilige Land gespendeten Gaben gar nicht der grossen Masse von Handwerkern, Lastträgern und anderen kleinen Leuten zu gute kommt. Aber, indem wir von diesen Ständen absehen, sei nur darauf hingewiesen, dass es in ganz Palästina kaum einen oder zwei Juden, unter den Einheimischen wie unter den Eingewanderten, gibt, welche kaufmännisches Verstandnis und Handelskenntnis genug besässeu, um einen jiidischen Kammannsstand würdig zu repräsentieren. Denn alle die Klcinkrämer und Kommissionäre, Hausierer und Handelsleute mögen vielleicht in harter Arbeit und unter drückenden Entbehrungen ihr kärgliches Brot erwerben, aber jeder Zug ins Grosse fehlt, muss fehlen, da der kaufmännische Blick durch den Mangel an positiven Kenntnissen geschwächt und getrübt ist. Oer Deutsche im Lande, auch der Armenier und Grieche sind kapitalskräftig geworden, während der jüdische Händler nur die Brosamen aufliest, die von jener 'Fische fallen. Der jiidischc Bauer nimmt freilich eine ganz andere, ehrenvolle Stellung in Palästina ein. Auch denken wir nicht im entferntesten daran, dass cs wünschenswert oder auch nur möglich wäre, dass der Jude zu ähnlichem Geschäftsgebahren greifen möge, durch das die Griechen oder Angehörige anderer Nationen in Aegypten und Syrien zu Geld und Vermögen gelangen. Aber cs mangelt ja auch den weitaus meisten jüdischen Handwerkern in den Städten an der Möglichkeit, ihre geistigen Fähigkeiten so weit auszubilden, um selbständig eigene Bahnen wandein zu können, während sie jetzt genötigt sind, mit unvollkommenen Werkzeugen ihre Kräfte au! alte Muster zu verwenden. Darum müssen wir Schulen haben, wclche in! Sinne einer gedeihlichen sozialen Fortentwicklung des Landes wirken und den Söhnen des jüdischen Stau!־

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