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Jüdische Rundschau · 1903-08-21 · Heft 34 (21.8.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 34 Seite 353. «Jiidfsclie Rundschau. hundert!abspiettc, in Russland noch lange nicht ausgcfochtcfl Ist. Cs leuchtet uns dann ohne weiteres ein, dass dieser Kampf von vornherein auch im Zionismus einen Platz bcanspruchen musste. Und das tat er auch, obgleich seine öffentliche Formulierung erst in letz.tcr Zeit erfolgte. Als Beweis dafür führe ich die Tatsache an, dass die Kulturfrage, der die Spaltung der Zionisten in Russland wohl in erster Linie beizumessen ist, durchaus nicht neu, sondern ebenso alt, wie der politische Zionismus selbst ist und den I. Kongress nicht weniger beschäftigte, als den letzten. In der Crkcnntnis, dass ein Krfolg des praktischen Zionismus nach aussen ganz wertlos bleiben müsse, wenn nicht zugleich auch eine innere Wiederherstellung des Judentums angebahnt werde, erklärten die Fraktionistcn die nationale Cr- Ziehung und die allgemeine kulturelle Hebung des körperlich und geistig gebrochenen Volkes für eines der wesentlichsten HIcmcnte des zionistischen Programms. Sic cjrstrcbcn die Wiederbelebung ׳,er hebräischen Sprache, deren Kenntnis, bc/.w. F.rlcrmmg sie für ihre Fraktiousgcnosscu ׳sogar obligatorisch machen, die Förderung der jüdischen Geschichte und Littcratur und die Hebung der Körperkraft unserer Jugend durch Gründung von Turnvereinen, Sportgcseliscliaften etc- Dabei betonen sie ausdrücklich den Wunsch, in der kulturellen Tätigkeit eine Verschmelzung, eine Art Synthese von nationaljiiische!:: (}eist und allgemeiner Kultur zu sehen. All diese Bestrebungen werden von dem ״Misrachi“ als Dinge, die dem W esen des Zionismus fernstünden, ja dasselbe sogar schädiglen, mit allen Mitteln bekämpft. Dagegen nimmt der Zionismus bei ihm einen religiös-orthodoxen Charakter an. ..W ir haben den. innigen W'unschsagt der Rabbiner Reines, der Hauptführer der Misrachistea. ..dass von der Tribüne des Kongresses 11er der Satz angenommen und dass er au die Spitze eines jeden 'zionistischen Statuts gestellt werde: Fs ist verboten, irgend etwa^ zu unternehmen, jetzt oder 11. Zukunft, das den Gesetzen des Sclmlchan-Aruch widerspricht.־ Allerdings gehen die Misrachistcn nicht so weit, dass sie etwa fordern sollt?11, anstelle der weltlich-nationalen Kultur die aktuelle Pilcge einer rein religiösen Kultur zu setzen; vielmehr wollen sie die Kulturfrage, die ihnen zu einem formliehen Schreckcnsbiid geworden ist, aus dem ziouist,»scheu Programm überhaupt gestrichen wissen. ״Kulturelle, ökonomische und geistige Hebung bringen keinen Nutzen,“ sagt der russische Rabbiner Rabiuowitsch in einer Rede auf dem fünfteil Kongress. ״Die Kulturfrage,“ hören wir gleich darauf von i i 1 » 1 I 1 ו 1 i I 1 t \ I I 1 f i I i i i 1 I f 1 I Rabbiner Reines, ״Ist für uns «In Unglück; cs Ist einmal ein Fehler begangen worden, der gut gemacht und beseitigt werden muss.“ Der Misrachi vertritt also einen Zionismus, der rein praktisch ist, wobei er sonst voll und ganz auf dem Boden des Baseler Programms steht. Soviel vom Kulturkampf und dem Verhältnis der Parteien zu einander. Weitere Tendenzen der demokratischen Fraktion sind ganz anderer Art und betreffen den Zionismus im allgemeinen. W'ic schon aus dem Namen ersichtlich, will sic im Zionismus das demokratische Prinzip vertreten. Die Wahrung dieses Prinzips, sowohl in der Zusammensetzung und Leitung der Kongresse wie In den grossen zionistischen Machtfaktoren, der Bank und dem Nationalfond, bildet wohl ihre zweite Hauptaufgabe. Sie will im Zionismus die Grundsätze der Deinokratic und der zukünftigen sozialen Gleichheit hoclilialten und dafür sorgen, ״dass der Zionismus schon jetzt hei den Schritten zur Frrcichung der eudgiitigen Freiheit nach Grund- Sätzen hanrfeit, die trotz der herrschenden kapitalistischen Umgebuug den Klasscnstaat im Judentum möglichst einschrünk :11 sollen.“ Sic verlangt ferner, dass auf die theoretische Bcgründung des Zionismus mehr W'ert gelegt werde, als es bisher der Fall war, um dadurch der Oberflächlichkeit in der zionistischen Anschauung eutgcgenzutreteii, die besonders i:1 Westeuropa platzgreife und an vielen Orten den Zionismus geradezu zu einer W'olihätigkcitseinriclitung degradiere. Ja. sie verlangt sogar, dass das moralische Prinzip des Zionismus nicht aus negativen Element 11•״, dem Anii:-.1m:!s!m:1:, herge-citet werde, sondern aus dem positiven Recht des Judentums auf eine Erhaltung und Fniwickehnig seiner nationalen la üvidualitat. Dazu kommt noch die strengste Verwerfung jeder oppc.rtunistischen Richtung und die Forderung, jeden Anstrich von Persoiicnkultus und religiöser Heuchelei aufs schärfste zu bckämpfen. Dass alle diese Punkte im Programm der Misrachi nicht die geringste Erwähnung finden, versteht sich bei seinem rein praktischen Charakter von selbst. Dies sind im grossen und ganzen die Tendenzen der demokratischen Fraktion, die wbhl jeder gute Zionist untersclireibei! könnte. Anders verhält cs sich mit der Frage, inwiefern eine Fra!;־ tionicrung im Zionismus überhaupt erwünscht ist. eine Frage, die wir wohl mit Entschiedenheit verneinen müssen. W'ohl darf man den W'ert einer Fraktionsbildung innerhalb einer grossen Bewegung nicht unterschätzen, indem durch anregende Diskussion und Prüfung der Einzctfragen das Hauptprogramm immer mehr geklärt und weiter ausgebaut wird; indessen fff ״■ ־— ~r.x־ V-2JEC ■9V.. iirzr?. דיספמל Kulturelle Strei/ziige im jüdischen Orient. VI. Jüdische Schulen im Orient. Kein Volk hat je grösseren Wert auf einen geregel־ ten und allgemeinen Schulunterricht gelegt, als der ii'vdisehc Stamm. Schon der älteste und grösste Gesetz־ geber Israels wiederholt immer und immer wieder die Forderung, den Kindern das Gesetz und die Lehre einzuschärfen, welche Gott seinem Volke gegeben. Wenn demgemäss schon die Bibel in ihren ältesten Teilen, in der Torali, die allgemeine Pflicht des Lernens und Unterriehtens als eine der wichtigsten Aufgaben hinstcllt, so legt vollends die talmudischc Littcratur einen ungeheuren Wert auf dieses einzigartige Mittel, den jüdischen Stamm im Gälüth in seiner Integrität zu erhalten. Kaum hatte ein rabbinischcs Gesetz in Jerusalem öffentliche Schulen allgemein cingeführt, als ein anderes ihre Einführung in den Provinzen gebot, bis Rabbi Jchoschuah ben Gamala dahin entschied, dass alle Knaben von sechs bis höchstens sieben Jahren dem Studium des Gesetzes obzuliegen beginnen müssten, sei ihr Wohnort die Grossstadt oder der kleinste Weiler. Denn darüber waren sich alle Lehrer des Talmuds klar, dass ein Judentum ohne Kenntnis des altüberlieferten Schrifttums nicht fortbcstehen könnte. Der Frfahrungssatz, dass, wer die Schule, die Jugend, wer die Jugend, auch die Zukunft habe, war unseren Weisen, die so manches gesehen und beobachtet haben, was uns heute erst allmälig klar und begreiflich zu werden beginnt, keineswegs entgangen. Ganz in demselben Sinne liat aber auch der altisraelitisclie Stamm, der sich nach viclhundertjübrigem Drucke der Schmach und Entehrung neu zu verjüngen beginnt, seinen Regenerationsprozess damit angefangen, dass er Bildung und Wissen. Kultur und modernes Schrifttum in sich aufnahm, ohne der alten jüdischen Ucberlieferung, wie dieselbe von den Vätern überkommen ist, untreu zu werden. Wenn in der Konsequenz dieser Gedanken unsere

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