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Jüdische Rundschau · 1903-08-21 · Heft 34 (21.8.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 352. JUdisolie Rundscliau. No. 34 Schwierigkeiten stossen. Weit weniger als die tiefgreifende Spaltung, die durch die Entstehung der Frakionen, besonders des Misrachi, hervorgerufen ist, dürfte das positive Schaffen des Kongresses an dem einen rein äusserlichcn Umstande Schwierigkeiten finden, dass zwar die Zahl der Delegierten weit mehr als auf das Doppelte der vom letzten Kongresse gestiegen ist, dass aber die Räume nicht gewachsen sind, und das Haus sich nicht gedehnt hat. Je grösser die Zahl der Delegierten wird, um so schwieriger und weniger fruchtbringend müssen sich die Verhandlungen gestalten. Wir werden also, um die Möglichkeit geregelter Vorhandhingen für die späteren Kongresse zu schaffen, nicht umhin können, einen von uns zu stellenden Antrag anzunehmen, die Zahl der Schckclzahlcr, die einen Delegierten zu wählen berechtigt sind, zu verdreifachen. Wir müssen die Hundertschaft durch das dreifache Hundert als Urwiihlcrbczirk ersetzen. Ueberhaupt werden wir noch mehr als bisher den Ausbau unserer Organisation ins Auge fassen müssen. So wird denn der Kongress tagen wie in früheren Jahren, tagen in Basel auf dem freien Grunde der Schweiz. Und wie diese uns in jeder Beziehung ein Vorbild sein kann und ein Muster ist, so vereinigen wir uns im Sinne des Rütlischwurs mit unser!! Brüdern auf dem ganzen Erdcnrunde: ״Wir wollen sein ein eiiiig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Geiahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Lieber den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott, Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen." Heinrich Locwe. Zwei e״^SyS:i2ss6tzt0 Lclnunisn i:n Zionismus. Obwohl wir stets der Meinung waren, dass in unserer zionistischen Press; die Persönlichkeit und die Ansichten der leitenden Redakteure zum Ausdruck kommen sollen, hielten wir es doch immer für unsere Pilicht, in den wichtigen Lebensfragen unserer Partei lind unseres Volkes dieabweichenden Standpunkte in unserem Bruderbund*.• zum Worte kommen zu lassen. Penn wir halten eine freie zionistische Presse fiir den wahren Ausdruck ehicr freien zionistischen Part׳!. Nur meinen wir nicht, dass es mit der unbedingt notwendigen Unabhängigkeit der Redaktion abgetan ist. Wir glauben, dass jeder ehrliche Standpunkt im Zionismus das Recht und die Möglichkeit haben soll, sich frei und offen zu üussern. Wir haben nichts zu verschleiern und am allerwenigsten die Kritik zu fürchten. In diesem Sinn geben wir zwei (icsinmmgsfreunden das Wort über eine Frage, die zwar nicht die wich* tigstc auf dem sechsten Kongress ist, die aber am meisten dazu angetan ist, die Gemüter zu erregen und deshalb zu uugeeigneten Beschlüssen zu führen. Unsere eigene Meinung über die Frage der Fraktionierung ist unser!! Lesern hinlänglich bekannt. Von den beiden Freunden, die heute zu W'ortc komnten, hat der eine am 9. August in der Freiburger Ortsgiuppe einen Vortrag über dies Thema gehalten, und diesen seinem Referate zu (}runde gelegt. Per andere ist ein alter zionistischer Kämpfer aas den Tagen der ״Selbst-Emanzipation“, dessen Feder und Unterschrift den alten Zionisten aus der vorkongresslichcn Zeit noch wohl bekannt ist. Bel allen prinzipiellen Gegensätzen in diesen beiden Arlikeln und ebenso in dem Standpunkte unserer Parteigruppen dürfte uns doch das eine dauernd die gemeinsame Rieht- Schnur sein, dass wir alle weiter gewillt sind, uns den Mehrhcitsbeschlüssen des Kongresses willig zu fügen und nur in! Rahmen der Partei unsere eigene individuelle Anschauung zum Ausdruck zu bringen. Wie man auch über die Fraktionicrung denken und cndgiltig beschlossen w01׳le, wir sind gewillt, bei völliger Wahrung der Gewissensfreiheit einig u.id einmütig an der Verwirklichung der zionistischen Ziele zu arbeiten. Vor dem erste!! Kongress waren die Gegensätze im Zioiiismus zum mindesten nicht geringer als heute, und von Bcrliner Zionisten, die seitdem zu den eifrigsten Kongresszionisten gehören, ging sogar gegen die Abhaltung des Zionistenkon• gresses ein scharfer und unzweideutiger Protest aus. Ein jetzt im Schmollwinkel versunkener Zionist drohte schon damals in! ,.Zion“ mit der Spaltung, wem! er sei!rieb: ״Vielleicht lässt sich eine Spaltung und die Entstehung zweier getrennter Parteien noch vermeiden, obwohl ich darauf nur noch wenig Hoifnung habe." Diese Spaltung und Trennung ist insofern eingetreten, als auf der einen Seite dieser eine frühere Zio- :!ist, auf der anderen Seite die ganze ungeteilte und unteilbare zionistische Partei stellt. Und wir haben allen Grund die W'ortc ins Gedächtnis zurück/urinen. mit denen der .. Z i o n" seinen Leitartikel am 15. August l«S9r /!!in ersten Kongrcs«, schloss: ״Neben den gegnerischen, sind ja auch zionistischerseiis Stimmen wider den ״Ziomstenkorgtcss" und c]en ,...liMen- Staat" erheben worden. Unsere Leser kennen ja dun Streit zwischen den ״praktischen" (״humanitären") und ״politischen" Zionisten. Die Spalt ing ist jedoch nicht so gross, als sie anfangs schien. Pie überwältigende Mehrheit ist fiir den Kongress; ob auch für den ״politischen" Zionismus, wird siel! erst zeigen. Man braucht übrigens den Streit nicht s<; sehr zu fürchten. Pie Furcht vor dem Kampfe der Gegensätze in einer Partei ist eine kindische. E i u solcher Kampf der Gegensätze ist nur lebensseb.aftend!" I. t Die Fraktionierung im Zionismus. Die Fraktionierung im Zionismus tritt in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund unserer Tagesordnung, ln Anbetraclit dessen und der berechtigten Autiahm:, dass diese Frage aut dem Deutschen Pelegicrtcutag und dem bevorstehenden Kongress ohne Zweifel den Gegenstand einer überaus wichtigen Debatte bilden wird, erscheint es nur wünschenswert, dass unsere Zionisten schon vorher damit näher bekannt gemacht werden. Es ist dies umso notwendiger, als die Fraktionsbildimg sich fast ausschliesslich auf russischem Boden abspieit und vielen von uns nur vom Hörensagen bekannt ist. W'enii wir von der neuesten zionistischen Federation in Amerika, deren Statuten noch nicht ganz veröffentlicht sind, vorläufig ahsehen, so stehen bisher der Hauptmasse der, wenn ich so sagen darf, parteilosen Zionisten, zwei gleich wichtige Fraktionen gegenüber, die sogen, demokratische Fraktion, die hauptsächlich von der zionistischen Jugend in Russland vortieten wird, und der Verband der russischem Orthodoxen ״Misrachi". Die demokratische Fraktion wurde am 20. Dezemher 1901, kurz vor dem V. Kongress, in Basel gegründet. Ihrer Grfuidimg ging voraus eine beratende Konferenz, die im April 1901 in München stattfand. Etwas jünger ist der Vcrband ״Misrachi", dessen Entstehung von der Vcrsapunlung der zionistischen Orthodoxen am 4. März 1902 zu W'ilna datiert. Wenn wir die Psychologie und Genese dieser sich feindlieh gegeimbcr'stehcndcii Parteien richtig verstehen und bcurteilen wollen, so müssen wir uns vergegenwärtigen, dass der Kampf zwischen der starren, gesetzestreuen und jeue weitliehe Bildung hassenden Orthodoxie einerseits und der nach Bildung und Freiheit lechzenden Jugend andrerseits, ein Kampf, der sich im deutschen Judentum vor mehr als einem Jahr-

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