Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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y fH»» jmT* »?cite 34s* Jüdische Rundschau -'•> ׳—״— **״*'״ **“ *" “"״" *־«■־-׳—mmmmrnmmmmmmmm■b■mm No. 33.! 4 I f I 1 I Strassbiirg, 5. August. Mit Befriedigung kann der hiesige ״Verein jfldischcrStudcntciT‘ (V. J. St.) auf das verflossene erste Semester seiner Zugehörigkeit zum B. J. C. (Bund jüdischer Korporationen) zurückblicken. Mannigfache Schwierigkeiten waren und sind auch jetzt noch zu überwinden. Aber dennoch ist cs ihm gelungen, sowohl im Innern eine rege Vereinstätigkeit zu entfalten, als auch nacif aussen einig.*.־־ massen festen Fuss zu fassen. Zinn ersten Male hatten wir dieses Semester einen rcgel* rechten Turrikurs, den Bb. Karl Meyer leitete. Unserer Antrittskneipe am 16. Mai, die einen glänzenden Verlauf nahm, ' folgten wöchentliche Vorträge über jüdische Themata. Rege i Diskussionen und gemütliche Kneipen schlossen sich daran au. Trotz der Kürze des Sotnmcrscmcsters ist es uns gelungen, zehn Vortragsabende zu veranstalten. Fs behandelten: Bb. Weil: Spinoza und sein Verhältnis zum Judentum. Bb. K. Meyer : Worms und die Wormser Judcngemcittde in den Jahren 1350 ל1־ im Anschluss an Laufis Werk: ״I)ic Cleisslerin“. Bb. B e r m a n n : Die französische Revolution lind die Fnianzipation der Juden. A. H. M a in I o c k : Line jüdische Hochschule. Bb. Ca 11 tu : Referat des Vortrags von Dr. Selig inan 11 über: Die providentielle Führung Israels, Bb. Aron son : Die Bedeutung der Juden in der Gegenwart. Herr Dr. örombachcr : Handel und Geldgeschäfte der deutschen Juden im Mittelalter. Bb. Kahn: Geschichte der deutschen Juden bis zu den Kreu/.ziigen. ßb. Max;vt e y c r : Diu Vorsehung nach den More Nebuciiim des Maimonides. Herr Rabb. Dr. W 01 i -Biscliheim; Was hat das Judentum zur Fr- Ziehung des Menschengeschlechtes beigetragen. Der letzte Vortrag wurde bei unserer Sciilusskncipe geüaiton, auf der wir eine stattliche Anzahl Gaste begriissen koimten. Lebhaft bedauert wurde, dass sich an den Vortrag wegen zu kurzer Zeit keine Diskussion anschliessen konnte, besonders . da sich viele Anwesende mit den an sich formvollendeten und; inha!ts\01len Ausführungen des Herrn Rabbiners, der die j Mission des Judentums an der Hand der Geschichte nachzii- ' weisen suchte, keinesfalls .einverstanden erklären konnten. Die Kneipe nahm einen fröhlichen und würdigen Verlaut. Der erste Chargierte Cahen kommandierte den Kaiscrplainander und begrüsste die Gäste. Bb. Weil hielt eine von Liebe zum Judentum erfüllte Tendenzrede. Ferner sprachen Bb. Bermann in launiger Weise auf die Gäste und Bb. K. Meyer auf den Bund. Den Dank der Gäste vermittelte Herr Rabb. Find Levy. in die Ferienkominission wurden gewählt: W c il, K a 1111 und Pohl. Briefe sind zu richten au den Vorsitzenden der Ferienkominission, Herrn cand. iur. Simon Weil in Btichsweilor im F.lsass, der zu jeder Auskunft bereit ist und Neuamiielduiigen für das nächste Semester entgegennjmmt. ־ lieber einen üer vielen Ucbelstän.dc, durch die sich die Jerusalemer Judensehaft nicht gerade zu ihrem Vorteil auszeichnet, wird uns von hochgeschätzter Seite gesell rieben: Vielfach ist darüber KJage geführt worden, dass unsere Glaubensgenossen in der Türkei, und namentlich auch im lieili gen Laude, zu ihrer'Korrespondenz nicht die türkische Post benutzen, sondern die ausländischen Posten. Wenn es religiöse Pflicht der Juden ist, das Wohl des Landes zu suchen, in welchem sic leben, so ist eine Benutzung der iremden Posten zweifellos eia Unrecht, von Ausnahnicfällon abgesehen. Lin besonderer Missbrauch ist cs, dass die Juden in Palästina sich neuerdings in starkem Masse der russischen Post bedienen. Fs ist empörend, dass in der Z«it, in welcher alle Welt über die Mitschuld der russischen Regierung an den Kischinewer Unruhen entrüstet ist, unsere Glaubensgenossen in Palästina den Hmfluss dieser selben Regierung in Palästina durch Benutzung c der russischen Post vermehren. Hierzu kommt, dass grade beim russischen .Postamt die KonkurrcnzmiUei mehrfach un- anständig und sogar ungesetzlich sind, während die deutsche und französische Post streng auf dem Boden anständiger be* amtenmässiger Verwaltung bleiben. Beispielsweise gibt die russische Post auf Markenverkauf starke Rabatte, Schnorrer erhalten nfclit mir Kredit, sondern auch die Adressen curopäischcr Wohltäter geliefert. Am empörendsten ist aber, dass die russische Post die Frankatur durch t ü rk i s c h c. Briefmarken nicht anerkennt. Kommt ein nacii Russland gerichteter, mit türkischen Briefmarken richtig gestempelter Brief nach Jerusalem zurück, so fordert; das russisch« Postamt von dem Absender den doppelten Betrag des Portos, als ob der Brief überhaupt nicht frankiert gewesen : wäre. Da unter anderem Drucksachen (Aufrufe von Ver-; einen) in grossen Massen mit dem Vermerk ״refuse par la eensure" zuriiekgeben, so ist der Betrag dicserStraiportis nicht unor־ lieblich, und cs wird dadurch zu gunstcn der russischen Post ein starker Druck ausgeübt. Da ein. grosser Teil der Absender aus russischen Untertanen bestellt, über welche der russische Konsul Jurisdiktion hat, können sich die Absender der Verpflichtung, diese ״Strafporti“ zu zahlen, nicht entziehen. Umsomehr sollte es Pflicht der deutschen Juden sein, jedes Schreiben und jedes Bittgesuch, welches mit der russischen Post nach hier geht, einfach in den Papierkorb zu werfen. Bemerkt wirJ hierbei, dass der Verein für Alteitbäitser .,Mosehab sekenim’‘ sicli stets der russischen Post bedient. Fs wird demgemäss gewarnt, dieser Gesellschaft etwas zu gehen, bevor sie in dieser Beziehung nicht andere Gewohnheiten angenommen hat. Neuer•! dings hat sich auch der Herausgeber des Palast':! 1-Alm■inachs. | A. M. Lunez, der russischen Post bedient, so dass auch er | evtl, von den Abnehmern seines Ahnanaciis zu belehren wäre. Lustige Ecke 4^ 4^ In der .,Voss. Ztg.“ lautet ein Inserat also: Jüdin, getauft, jung, sehr reich, habe den Wunsch vornehmen 01־ iizier zu heitraten. Absolute Diskretion, daher nur direkte Oiferten erbeten. Anonym. Vermittler, unbeantwortet. Offerten unt. B 101, Charlottenburg, Bleibtreustr. *19. Gleichzeitig bringt die Wiener ״N. F. Presse“ vom 22. d. M. folgendes Gesuch: Taufpatenschaft von höherer Persönlichkeit erbittet distinguierter junger Mann, der zur kathufischen Kirche übertreten möchte. Geil. Antr. unter ״Glaube“ an Ankiind.-Bur. dieses Blattes. Dahinter darf der ״Spezialanzeägcr fiir die Gcsamtinteressen des getauften Judentums“ nicht Zurückbleiben. Demgemäss findet sich in No. •103 des ״Berliner Tageblatts" vom II. August 1903 folgendes Inserat:! Für Baron! aktiven Offizier, 26 J. a. wird zwecks Heirat die Bekanntschaft einer sehr reichen jüdischen oder christlichen Dame gesucht. Strengstc Diskretion verlangt und garautiert. Adressen unter L. G. 615 au Haasensteiu 6; Vogler A.-G., Bcrlitt W. 8. Man sicht ־wir haben den Mangel eines jüdischen Witzlilatts nicht zu beklagen. * fjn i 4