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Jüdische Rundschau · 1903-08-14 · Heft 33 (14.8.1903) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 33. Seite 349. Jtidlsclie läundschan. z(o -- ף<ד Kleine Chronik. j 2CL—--_ o»ol Es gibt noch Christen, die für getaufte Juden die richtige Empfindung besitzen. Nur ist der Fall sehr selten. Ein Christ in Köln knüpfte ein Verhältnis mit einer jüdischen Dame an und verlobte sich schliesslich mit ihr. Zum Geburtstag ihres Bräutigarns eine eigenartige Ueberraschung planend, lugte sie demselben als (jcburtstagsangcblndc nicht nur ihren eigenen Taufschein, sondern auch den ihres jüngeren Bruders und ihrer jüngeren Schwester, eines fünfzehnjährigen Kindes zu dai iibrigen Geschenken. Die freudige Ueberraschung bl.cb aber beiderscits aus. Als der solchermassen überraschte Bräutigam sieb von seinem Erstaunen erholt hatte, erklärte er der neuchristlichen Braut, dass er das Verlöbnis als aufgehoben betrachte, mit der sehr lobenswerten Begründung, dass er sie als Jüdin zu seiner Braut gemacht habe, ohne au ihrer Religion und Abkunft Anstoss zu nehmen, und a!s Jüdin habe eiiel.c.i.-n wollen. D:c heimliche Taufe, die eine angenehme Uelier* faschung werden sollte, war weder nach Wunsch noch nacn Geschmack des christlichen Bräutigams. Er sah darin einen Tiuibnicli und. wie er gesagt haben soll, eine Charakterlosigkeit, deren sich ein rechtlich denkender Mensch unter keinen Umstünden schuldig machen dürfe. Die Adresse dieses Christliehen Exbräutigaitis in Köln dürfte leicht zu ermitteln sein una es wäre für gewisse jüdische Professoren und 1'iir gewisse Ge- 11*».intlcvertrete r 11.1d andere Tauih1s!ige nur ratsam, wenn sie einmal d:c Meinung eines charaktervollen Nichtjuden über ,.Taufen aus äusseren Motiven" anhoreit wollten?. Die getaufte Evbrant liehst ihren mitgetauiten Geschwistern ״sitzt nu:1 da mit dem Talent mit! kann es nicht verwerten“. Uttsseldorf. Der rheinische Rabbinersernand hat zum zw’eiieu Male keine Zeit gefunden, siel! mit den! ״Zionismus" zu befassen. Voriges Jahr iolgte der Sitzung ein gemHuschxitliebes Essen t::!d ein Besuch der Düsseldorfer Ausstellung, beides war o!!er.'»ar wichtiger; zur ik־handlu1!g des auf der Tages- Ordnung stehenden ״Zionismus" war die Stunde zu vorgerückt. Diesmal sprach mau über die Feuerbestattung; um noch das vorgesehene Referat ״Die neueste Phase des Zionismus" zu besprechen, war die Zeit wieder zu weit vorgerückt. ״Die neueste Phase des Zionismus" ist übrigens gut. Die Herren mausern sich, sagen sie, wir mausern uns. Wie sagt doch jene! Witzbold: ״Er schreit, schreit er, ich schrei". 190-1 tagen die Herren wieder, wenn dann wieder eine Ausstellung am Rhein ist, wird wohl die Zeit zur Behandlung des Zionismus zu weit vorgerückt sein. Es iolgt daun ge:1 ז c-i! 1 sc 11 ait!iches Essen unJ Besuch der Ausstellung. Und das in einer Provinz, aus der wir solche Nachrichten haben, wie die aus der Bonner Gemeinde, die neulich durch die Presse gingen. Freilich ״Feuerbestattung" ist wichtiger als lebendiges Judentum. Adam. Die Religion soll dem Volke erhalten werden, natürlich nicht dein jüdischen. Denn das würde sich mit dem Geiste weltumfassender ״Liebe" nicht vertragen. Demgemäss ü;ktierte in Tamopol die Bezirkshauptmauuscliaft vielen jüdischen Kauileuteii laut § 53 des Gewerbegesetzes hohe Geldstrafen, weil sie an den hohen jüdischen Feiertagen das Geschäft ge• schlossen hatten. Der § 53 besagt nämlich, dass Geschüitshüte, die ihren Betrieb ohne Anmeldung einstellen, bestraft werden können. Die Bestraften rekurrierten an die Statt* lialierei und diese hat die Verfügung des Bezirkshuuptmamie* bestätigt! — In Gewerbesachen ist die Statthalterei die oberste Instanz. Es bleibt nur noch ein Gnadengesuch an den Minister des Iiuiern offen, uni diese unerhörte Entscheidung verschwinden zu machen, üb das aber Erfolg haben wird? — Alljährlich sind grosse Brände In Russland, die jüdisches Vermögen vernichten. Diesmal war Sc ha ulen an der Reihe. An einem Sonnabend brach in einem Keller ein grosses Feuer aus, das bümeu kurzer Zeit 72 Häuser, darunter auch die grosse Synagoge, vernichtete. Zum Unglück fehlte Wasser, um das Feuer zu löschen. Auch Maischen fielen den Flammen zum Opfer. Den entstandenen Schaden schätzt mau auf 300 000 Rubel, 200 Familien, von denen der grösste Teil jüdisehe sind, stehen sogar ohne Ijcbensmittcl hilflos da. Die Gründung einer Organisation liir palästinische Kolon!- satlon wurde von der in Jerusalem weilenden Delegation dos zionistischen Aktionskomitees, unter Vorsitz des Herrn Ingenicur Ussischkin hat nach IQtügiger Arbeit beschlossen und man bereitet nun eine allgemeine grosse Versammlung vor, an welcher alle diejenigen teilnehmen sollen, die eine solche Organisation für notwendig erkennen. Die Versammlung soll nur von denjenigen hiesigen Juden beschickt sein, die sich mit dem Auflcbcn des heiligen Lindes durch gesunde fruchtbare Arbeit befassen, die dauernd hier ansässig und mit den Verhältnissen des Landes und allen seinen Lcbensbcdiugungen mehr oder weniger vertraut sind. Das Recht, die Versammlung zu beschicken, basiert auf Folgendem: Je 25 Einwohner, die mindestens 22 Jahre alt sind und wenigstens 1 volles Jahr in P.1pistina wolmeu und einen Beitrag von 1‘4 Mcdidjc zahlen, wfthlen einen Delegierten zur Versammlung. Es dürfen jedoch nur Kolonisten. Arbeiter, Gewerbetreibende und Leute anderer Berufe (wie Rabbiner, Lehrer, Aerzte 11. s. w.), also solche sein, die von ihrer Arbeit und nicht von Mildtätigkeit leben. Ein diesbezügliches Zirkular, das einen warmen Appell an alle Inteicssci'ten enthält, wurde durch Delegierte nach י den Städten utd Kolonien verschickt. Die Delegierten werden auch von den Wählern d e Beiträge cinhebcn. aus denen die Kosten der künftigen 01 ganisation bestritten werden sollen. Zu der BegrüiiJung des Aufrufes wird darauf verwiesen, dass die durch mühselige nationale Arbeit erlangten, wenn auch leider geringen Resultate in Palästina einer inneren KräfFgur.g bedürfe•■!. Es sei bereits au der Zeit, sich von dein Erzielten Rechen- Khan zu geben, das Wenige, das wir m Palästina bereits!iahen und das Viele, das uns noch fehltklar zu sehen. W ir Ir• bei! jüdische Kolonien, aber es fehlt die grosse tmberielic 1*153 moralische Kraft, dieeinem gesund entwickelten und ge- »:i.’netcn Gemeinleben nottut ... Zugleich wurde v.»:! der vorbereitenden Kommission ein zweites Zirkulär an sämtliche I.ein er der Kolonien versendet. ri־e zu einer besondere.! Lc־l1- Knersanim’üng emgclndeti werden, um aber die Schul »nge- Ivg.nlieiten und die nationait• Erziehung zu beraten. Au! der Tagesordnung dieser l.chrcrversaumilung. d e unmiuelb sr nac.1 der allgemeinen \trsammhmg snttfinden soll, stelun: 1. Kindergärten; 2. die Schulen in den Kolonien: 3. Knabenum! Mädclier.scfmhen in den Städten. Ferner so!; eine Org.!!;isntion der Lehrer in Palästina geschaffen und die Bez.telnmgen der zionistischen Organisationen zu dieser festgcstelit werden. Die Juden sollen ausgehungert werden, ist die L«׳M.ag des chrcstlicluil Staates Russland. Wie der ..Ps:dn|epr. Kr." meldet, hat c'ne belgische* Gesellschaft Vota Kriegs:: ־’:,:sie rium J ״■ Erbuhnis erhalten, in R״stow *•ine elektrische Buhn r!ne:., aber mir unter der Bedingung, keinen Juden auf ei!•.ד Vcrtr:*uc.nsposter, zu stellen. Der Präsident dieser Gestilvchait erhielt demgemäss von der Rostow er Stadtverw a!*.: g den Auftrag, ein ausführliches Verzeichnis der Beamten nach ihre:!! Religionsbekenntnis einzuschicken. Jaden sind vogctlrci, denkt der Bürger des russischen Kulturstnates. In das Haus des jüdischen l*uh ::rmur.es A. in der Töpterstrassc in Minsk stürzten, veie die ..Welf• beriche:. ohne Anlass einige Leute hinein, iingen an die Hausgeräte zu de::•- imren und verlangten. A. solle, wenn er leben bleiben wolle, sc!!! Geld hergeben. Es kamen einige Nachbarn hinzu ur.i zerl racbeu al'es. w־as in ihre Hände fiel. Ausnahmsweise schritt die Polizei rechtzeitig ein. Fünf Töpfer wurden verhaftet. In Baden bei W len wurde In die Synagoge in der Grubengnssc ehigebrochen. Unbekannte later entnahmen aus der Thoralade. die zufällig unverschlossen war. mehrere Silbergegenstände, von denen sie jedoch nur sieh die Bestandteile;.:.eigneten, die ohne Verdacht zu erwecken, verüussert werden keimen. Weiters versuchten die Diebe zwei in der Vorhalle des Tempels cingcmaucrte Opferstöcke zu erbrechen, die jeib ch ihren Angriffen widerstanden. In die im Tempel befindliehe Kanzlei der Badener israelitischen Kultusgemeinde wurde im vorigen Jahre gleichfalls cingebroclicn, ohne dass man der Täter habliait werden konnte. Reiche Juden bedürfen des Sabbrjt nicht mehr, wohl aber der arme Jude. Eines Sonnabends versammelte sich aui dem Prospekte von Ekateriuoslaw um 9'צ IHir morgens eine grosse Menschenmenge, deren grösster Teil aus jüdischen Handclsgchilfen bestand, und wandte sich an die Besitzer der am Prospekte gelegenen jüdischen Magazine mit der Bitte, ihre Cieschäfte zu schliessen, damit die jüdischen Handelsgeliilfeu ihre Sabbatruhe hätten. Einige der Ladeiibesiuer kamen dieser Bitte sofort nach und schlossen jlire Geschäfte. Andere aber, darunter ein gewisser Ratschcwski, weigerte«! sich entschieden, dieser Bitte nachzukomnien. Da versuchte die Volksmenge diese Geschäfte mit Gewalt zu schliessen, wobei in die Fenster der Handlung von Ratschcwski Steine liineinilogcn und diese zertrümmerten. Die bald erschienene Polizei zerstreute die Muige, so dass bald wieder Rillte und Ordnung eingetreten war. Die Folge des Tumults aber war, dass sogar die Gegner der Sabbatruhe ihre Geschäfte schlossen und ihren Angestellten den freien Sab bat tag gewährten. (Welt) ״- i

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