Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 344. «Jiidlsclie Hundscliau. No. 33. Station oder einzelner Landwirte in den Kolonien angcstellt werden dürften. Es kommt liier die Einführung von neuer. Kulturpflanzen,' sowie die Verbesserung und Ausbildung der schon irn Lande kultivierten in Betracht. Die Versuchsstation, welche selbstverständlich mit den Kolonien in sehr regem Vorkehr stehen müsste, hat die Möglichkeit mit einer und derselben Pflanze gleichzeitig in verschiedenen Gegenden, also unter verschicdenen klimatischen und Ernährungsbedinguugcu, Versuche anzustellen. Einem einzelnen, noch so intelligenten und streb־ sanieit Landwirte würde es sehr grosse Schwierigkeiten machen. Auch würde er sich nicht die dazu nötige Zeit nehme!: können. Sicherlich wird das von uns an der Hand von Dr. Riimkers Ausführungen skizzierte Programm der Tätigkeit einer Versuciisstation so umfangre'ch erscheinen, dass mancher wohl Zweifel hegen wird, ob ein solches von einer Versuchsstation befriedigend erledigt werden kann. Diese Zweifel sind auch nicht unberechtigt. Das gewaltig grosse Gebiet der laiidvi,־;־ sehaitiiciicn Forschung ist aber ebenso der Spczia-lisierimg fähig, wie dasjenige irgend anderer Wissenszweige. Und an cp. . im landwirtschaftlichen Versuchswesen hat sich, wo es, wie in Deutschland grössere Ausdehnung erfahren hat. eine gewisse Arbeitsteilung bewährt. Unter den 33 in Preussen wirkenden Versuchsstationen dienen. 6 ausschliesslich de.* wissenschaftlichen Forschung 8 belassen sich nur mit praktischen Kontroliuiitcrsiichungen, dagegen ist die Tätigkeit von 19 sowohl auf die wissenschaftliche Forschung, wie auch am' die praktischen Untersuchungen gerichtet. Der letzteren Typus einer Versuchsstation dieser Art halten wir iiir Palästina vor: unendlicher Wichtigkeit. Die Praxis in den Kolonien seihst wird schon auf diejenigen Gebiete• die Aufmerksamkeit zu lei:־ ken verstellen, deren wissenschaftliche Erforschung von besonderen» Werte ist. Nach Zeit und Umstand wird der eine oder der andere Punkt des Arbcitsprogramms besonders berücksichtigt werden müssen. N'acli den obigen Ausführungen braucht man wohl kaum zt׳ befürchten, dass eine Versuchsstation in Palästina nicht viel zu tun haben wird und dass die Gründung einer solchen letzt noch verfrüht wäre. Im Gegenteil, wird die Existenz eine.' solchen in Palästina der w eiteren Kolonisation des Landes ein•- sichere Unterlage gewähren, indem den neuen dem Gedanken der Kolonisation Palästinas durch Juden zugeführten Kreisen die Ucberzeugimg beigebracht werden wird, dass Palästina wohl ein kulturfühigcs Land ist. Einem geuden. Seine Bildung wird auch den Brüdern im Orient 1!.׳־ gute Kommen, wenn die dortigen Verhältnisse deren Eindringen ermöglichen, aber er wird Judenfeinden nicht das Vergnügen machen, seine Wohnsitze zu verlassen, um der Stumpfheit d r übrigen Bewohner eine leichte Beute zu gönnen. Was der alte Druck nicht vermocht, wird der eigene Wille in der t'reih *it nicht ausfiihreiK für so dumm sollte mau doch die Juden nicht halten, dass fade Sticheleien auf ihre Eiitschhessimgen einen Einfluss üben könnten. (In ,,Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben“. Hrsg, von Abraham Geiger. Jg. 7. Breslau 1893. S. 209/210.) (B&dtor Litteraturbericht dusch Helgen Uttcrstur. welche da Redaküoo safeladt werden findet! eingehende Besprechung^ Die Judcnkrankhcit, die Zuckerkrankheit, eine Folge der rituellen Küche utiöl orthodoxen Lebensweise der Juden? von •Dr. Wilhelm Sternberg. Spezialarzt für Verd »uungs- und Zuckerkranke in Berlin W. und א e 11 c 11 a111 r.״ Mainz. J011. Wirth’schc Hofbuclidruckerei A. G. 1903. 7" S. 8 . Pie Steilung des jüdischen Stammes in der Statistik der Zuckerkrankheit bietet eine Fülle interessanter Probleme und hat schon eine kleine Litteratur hcrvorgenifeu. Trotzdem ist von positiver Arbeit auf diesem Gebiet, die ein Eindringen in das Rätsel der starken Beteiligung der Juden au der Zuckervon dem Vorstand der Versuchsstation in gewissen Zcitabschnitten herausgegebenen Bulletin über die Tätigkeit derselben, sowie über den Stand der Kolonisation wird sicher mehr Vertrauen eutgegengebraeht werden, als den jetzigen kurzen Bcrichten aus dem heiligen Lande. Eine Versuchsstation würde, abgesehen von dem oben näher besprochenen Wert derselben für die Landwirtschaft in Palästina, wie jede europäische Kulturciiiriehtung, Palästina Europa und den westeuropäischen Juden näher rücken. Wir machen unsere leitenden Kreise ganz besonders auf das von uns besprochene Projekt aufmerksam. Eine Inangriffnahme dieser Frage würde davon Zeugnis ab* legen, dass man den praktischen Koloiiisatioiisbcdiirhiissen Verständnis und Interesse entgegenbringt. Diese Unternehmung dar! auch nicht auf die lange Bank geschoben werden. Schon der Umstand, dass der deutsche Palästina-Verein Aelmliclics zu unternehmen versucht, müsste uns nnspornen, die Sache baldmöglichst in Angriff zu nehmen. Wir rufen daher unseren zuständigen Kreisen ein ״videant constilcs“ zu! Fs bietet sieh liier die Gelegenheit für unser altes Heimatland ein Bedeutendes zu tim. und diese Gelegenheit darj nicht verabsäumt werden. Wir!litten die Herren• Landwirte im heiligen Lande, weiche vielleicht unsere Ausführungen einer Durchsicht gewürdigt haben, wegen der darin geäusserten Unkenntnis der landwirtschaftlidicn Verhältnisse in Palästina um Entschuldigung. Zugleich fordern wir sie aber auf, der!־rage auch ihrerseits die nötige Aufmerksamkeit zu schenken und ihrer Meinung darüber in unserem Blatte Ausdruck zu geben. Audi bitten wir die europäischen Landwirte, die entweder Gesinnungsgenossen sind oder der nationaljiidischen Sache Sympathien entgegenbringen, ebenfalls auf die Sache in der ״Jüdischen Volkszeittmg“ eingehen zu wollen. Wir hoffen, dass die Redaktion diesbezügliche Zuschriften berücksichtigen wird. Wir lialien gern dem Artikel Soskins Abdruck gewährt; denn niemand kann die c m i 11 e n t e Wichtigkeit seines Vorschlages übersehen. Wir hoffen und wünschen, dass de: Kongress e i 11 m ii t i g die Hand dazu bieten wird, den Plan unseres sicher .,sachverständigen“ Kolonisators bald zu reaiisicren. Die Ausführung des alten Soskin’schen Plaues würde f inen ganz gewaltigen Fortschritt h der zweckmässigen Förderung der Besiedelung Palästinas durch das arbeitende jüdische V o ik bedeuten. Die Redaktion der J ii d i s c 11 e 11 R 11 n d s c 11 a u krankheit gestattet, bisher so gut wie nichts geleistet wanden. Grade unter diesem Gesichtspunkte ist die vorliegende Schrift wertvoll. Sic stellt die Frage, ob die jüdischen Speisegesetz׳.• die Schuld an dem Melirerkrankcn der Juden tragen, präzise auf. und gibt so einen Ausblick auf eine interessante Untersuchung. Das Fragesehemu auf S. 13 ist sogar vielleicht ein brauchbarer Weg für systematische statistische Arbeit in dieser Richtung. Die Arbeit des Verf. selbst entscheidet, w 11׳ mir scheinen, nicht viel, denn es fragt sieb vor allem, ob durch die jalirtaiiscndlange Beobachtung der Socisegesetzc vielleicht eine P r ä d i s p o s i t i o n der gesamten Konstitution der Juden gegen Zuckerkrankheit gesetzt ist. Und dazu reicht die vorliegende Betrachtung, die wesentlich die Beziehungen det Speisegesetze zur Therapie der Zuckerkrankheit hervotliebt, doch wohl nicht aus. - Einzelne Abschweifungen, über Osmose, Verbrennung. Atmung etc. hätten ohne Schaden fortbleiben können. Rühmend hervorzuheben ist die iiborall hetonte Erkenntnis der Frage als einer Rassenfrage und vor allem der Hinweis auf die N o t w e n d i g k e i t ei n er jiidi.se h c n M c d i x i 11 a!Statistik. Das möchten wir als das Oberste hmstclien und den Verf. dringend ermuntern. Schritte in dieser Richtung zu tut», um die junge Jüdische Statistik auf dieses Gebiet aufmerksam zu machen. Vielleicht haben wir auch von den in der vorl. Schrift angektiiidigten Publikationen einige Aufklärung zu erwarten. Medieits. G. Hölscher. P a 1 :'i s t i n a i:: der p e r s i s e 11 c 11 11 n d h-e 11 e 111 s t i s e 11 c n Zeit. (Quellen und Forschungen zur alten Geschichte ürd Geographie, ligb. von W. Sieglin. Heft V) Berlin. Weidmann 1903. 100 S. 8° 3 Ml;. Die Arbeit zeichnet die Entwickelung der politischen Verhältuisse Palästinas von der Zeit der Perserkriegc an bis zur '׳t״• 1 %» *- •r;nr*