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Jüdische Rundschau · 1903-08-14 · Heft 33 (14.8.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Jüdische Rundscliixii No. 33. Seite 342. tcs. wenig anbaufähiges Land angeboten wurde, in der wohlbegründeten Meinung, dass diese doch nicht viel von der Bonitur des Bodens verstünden und den Aussagen der Spekulauten und der benachbarten Fellachen, die sich durch ein Geringes zu einer günstigen Aussage bestimmen lassen, vertrauen werden. Recht deutlich wird der von einer Versuchsstation zu erwartende Nutzen, wenn wir allgemeine Anhaltspunkte über die Tätigkeit der in Kuropa und speziell in Deutschland cxisticrcndcit landwirtschaftlichen Versuchsstationen geben. Wir wollen uns bemühen nur die Hauptpunkte zu bezeichnen, ohr.e auf Details einzugehen, welche zwar einem Fachmann von grösserem Interesse erscheinen, für einen I.a:cn aber nur sin:!* verwirrender Ballast sein würden. Auch werden wir einiges, was speziell auf Palästina Anwendung hat, ausdrücklich betonen. Jedoch müssen wir diesen Satz insofern einschranken, als uns die tatsächlichen, landwirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina nur wenig und vom Hörensagen bekannt sind, eine Tatsache, die wir sehr schwer empiinJcn, die aber unserer Schuld in keinem Falle zuzuschreibeii ist. Ks ist leider ein be* kannter Missstahd. dass ein (1esinnungsgeu״sse in Europa n.!r ungenaue und verwirrende Nachrichten über die Landwirtschaft in den Jüdischen Dönern Palästinas erhält, wenn er auch ein ganz besonderes Interesse der Sache entgegenbringt. Jedoch das nur nebenbei. Dr. K. Riimker, Privatd׳»zen! für Landwirtschaft an der Universität Halle, bringt :n seinem Herichte an das Preussischo Laudw irtschaftsministerium über ..das landwirtschaftliche Ver* suchswesen utul die Tätigkeit der landwirtschaftlichen Ver* swch«statiouen Prenssens im Jahre J892" (lirgfuizungsband I!I der Landwirtschaftlichen Jahrbücher 1S9.3) ein Programm der Tätigkeit der prctissischen Versuchsstationen, dass sowohl in wissenschaftlicher, wie in praktischer Beziehung nichts zu w ünschen übrig lässt, und an welches wir uns unter Hintan- Setzung der für Palästina augenscheinlich unwichtigen Punkte in» weiteren halten wollen. Wir wenden uns zunächst der wissenschaftlichen Tätigkeit einer Versuchsstation zu. Wir müssen aber die Bemerkung vorausschicken, dass wohl kaum auf einem anderen Gebiete sich die Wissenschaft de•־ Praxis so eng anschlicsst, wie in der Landwirtschaft. Kino landwirtschaftliche Theorie ohne Bezugnahme auf d:e Praxis hätte keinen Wert. Und insofern hat die Wissenschaft* liehe Tätigkeit einer landwirtschaftlichen Versuchsstation zum Zweck die Losung und Erforschung vieler praktischen Fragen, wobei nicht seiten der erstrebte Erfolg den angcstellten Vorsuchen auf dem Fussc folgt und der Praxis sogleich dienstbar gemacht werden kann. So dienen, warn auf der Versuchs* Station meteorologische Beobachtungen gemacht werden, diese zwar an und für sich der wissenschaftlichen Erforschung der Atmosphäre. Jedermann weiss aber, welch* grossen. Nutzen ein Teil derselben, der s׳ch auf die Messung der Temperatu“, des Luftdruckes, der Niederschläge, der Besonnung bezieht, für die Praxis hat. Ernte und Bestellung, das Gedeihen und das Missraten der Erucht häiigcn von der Temperatur und von der Feuchtigkeit ah. Wir brauchen nicht weiter über diese׳! Punkt zu sprechen. Der Gegenstand ist so einleuchtend, dass die gemachten kurzen Andeutungen vollauf genügen. Selten wir nun zu, was in dieser Beziehung in den jüdisch.•11 Kolonien geschieht. Wir müssen die erfreuliche Tatsache ko1׳* staticrcn, dass diesbezügliche Anfänge schon gemacht worden sind. Wir verweisen unsere Leser auf die Tcmpcraturaiigabea in den Bcth Haievy*sehen Berichten aus den Kolonien (״Jmlisehe Volkszeitung" No. 27). Wir gehen wohl nicht fehl, wem! wir dieselbe:׳ auf die Beobachtungen des Ilern: Agronom,1־; M. Meierowitsch in Riscimii-Lczion zimickführe!;. Vielleicht Werden solche Beobachtungen auch in Siehron-Jaakob, Rose’־׳ Pinall und anderen g,׳*־seren Kolonien gemacht, bestimmt wird man sie aber in kleineren Dörfern umsonst suchen. ־) h:־ dess sind solche Beobachumgen von hohem Werte 1’iir noch so kleine Ansiedelungen. Eine Auigahe der Versuchsstation würde sein, gu: arbeitende fnstrimieute in den einzelnen Koloulen aufziisteüen und einer geeigneten Person, weiche sich sicher in jeden! Dorfe finden wird, die genaue Aufzeichnung der Angaben anzuvertra:;?::. Dazu gehört auch keine sonderliehe Fertigkeit. Ein großer Teil der Apparate shJ jetzt schon Selbstregistricrapparate. Die Versuchsstation müsste dann di: einzelnen Beobachtungen zusammenstelicn und zu einem Gesamtbildc der klimatischen Verhältnisse Palästinas vereinigen, | an welchen es doch noch sehr mangelt. Das zweite Medium, von welchem die gedeihliche Ent* :) Meteorologische Beobachtungen waren nur i!1 einzelnen Kolonien, dabei systemlos, gemacht, so in Sikro:1-Jaakob. in Mikwch-lsrael. auch in Rischon-I.czion. Nirgends umfassen sie eine längere Reihe von Jahren und sind somit ganz wertlos. Nur die von Herrn Wolkmnitsch in Mctullah in den letzten drei Jahren geführten Aufzeichnungen können Verwendung finden. ' Vcrf. lebenden neuhebräischen Sprache ein Spiegelbild und zugleich ihr notwendigstes Werkzeug geschaffen hat. Denn die klassischreine hebräische Sprache, in der die Kinder in Jaffa sprechen, ist etwas ganz anderes als Jenes noch so vollkommene Hebräisch der jüdischen Litteratcn in Europa. Denn wenn diese eine tote Sprache organisch als Littcraturdialckt meistern, so haben Jene Kinder die Sprache neubclcbt, und das Kind, das seine ersten Töne in hebräischem Idiome lallt, ist wichtfger für die Neubelebung unserer Sprache und Kultur, als die meisten hebräischen Gelehrten und Schriftsteiler. Erst die nationale Sprache als Muttersprache vermag das Volk zu schalten, und wiederum nur unser altes Vaterland ist im Stande unsere alte Sprache wie unser altes Volk neu zu beleben. Hier, wo Jeder Stein und jedes Tal, Jeder Berg und jede Burg von den Schicksalen und Taten Israels erzählt, wo die Berge und Felder widerhallen von den hebräischen Liedern jüdischer Bauern kann allein ein wahrhaft nationales jüdisches Volk erwachsen. — Und wen nichts begeistern kann, wer die Sprache nicht versteht, welche dieses Land mit tausend Zungen predigt, der gehe nach Jerusalem, wo zwischen dem entsetz- Iichstcn Ghetto, das man je gesehen, und den herrlichen Moscheen jene uralte Mauer sich erhebt, die aus grauer Vorzeit stehen geblieben. Da ragen jene gewaltigen Steinmasscn, welche die Jahrtausende der Zerstörung und der Schmach, die Erdbeben und die Völkerstürme in der Zeiten Flucht überdauert haben; jeder Stein ein Denkmal der Klagelieder und des Blutes, das hier geflössen. Ja, man versteht es, wenn die Hunderte der hier versammelten Juden sich nicht enthalten können, mit Tränen die alten Steinet izu küssen, die.einzigen Reste einer Herrlichkeit, die wir nimmer vergessen werden. ״Um des Reiches willen, das zerstört ist, sitzen wir und weinen; um des Volkes willen, das vertrieben, sitzen wir und weinen!" Hier, ihr Feinde unseres Volkstums, könnt ihr lernen, was ein Volk ist. dem mau das Heiligste, das Vaterland geraubt: hier, ihr Juden, die ihr niemals über euer Schicksal nachgedacht, könnt ihr begreifen, was man euch entrissen. Die alten, grauen, gewaltigen Steine, sic vermögen mehr als alle Klagelieder, sie predigen eindringlicher ln ihrer stummen Sprache die Lehre von unseres Volkes Schicksal, als alle Bücher und Worte vermögen; und die heissen Tränen, die unaufhaltsam unseren Augen entströmen, sie sagen uns, was war und ist und sein wird in unseres Volkes Geschick. Du alte Mauer, die du gebaut, als unser Volk noch glücklich war, wie nie zuvor und nie nachher, du hast all das Elend und das Leid, die Not

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