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Jüdische Rundschau · 1903-08-07 · Heft 32 (7.8.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 336. «Jttdiselie DRunclscl1n.11. No. 32. aufzunehmen.9) Woran dieser Versuch gescheitert, Oberlassen wir dem Urteil des näher unterrichteten Lesers. Andrerseits fordern die neuesten Vorgänge zu Daniask gewiss jeden menschlich Fühlenden, noch mehr denjenigen Juden auf, in dein das Interesse •für die erhaltenen Reste unsere! einstigen Grösse noch nicht ganz erstorben, den jüdischen Bewohnern jener Staaten eine notwendige bessere Garantie für ihren bürgerliehen Bestand, ihr Vermögen, ja für ihr Leben herbeizuführe:!. Aber wir sind der Meinung, dass die Lösung dieser Aufgabe nur aus der früheren innerlich hervorgehen müsse. Und die Versuche, welche bekanntlich dazu begonnen worden, scheinen dies zu bestätigen. — Die letzten Worte des Herrn Korrespondenten wären es aber namentlich, oder besser ausschliesslich, denen wir aus vielseitigen Gründen schari entgegentreten müssten, so wir nicht glauben, dass er von einer lebhaften Phantasie zu weit verleitet, mehr gesagt als gewollt habe, ״Schaare dich um Führer; hast du ernstlich den Willen, so wird ein Moses nicht fehlen.“ Wir wollen es versuchen, aus diesen Worten diejenige Idee hervorzuheben, von der wir glauben müssen, dass sie dem Veriasser einzig und allein vorgeschwebt habe. ־״ Ls ist bekannt, dass aus vielen Staaten Kuropas, namentlich aus unseren Gegenden jährlich eine Kv deutende Zahl von Auswanderern, meist Handwerker und Künstler, sich nach Amerika begeben, um dort eine Existenz zu gewinnen, die ihnen das Vaterland bis jetzt noch versagt, und die sie auch dort nicht immer finden. Wenn sie nun unter der Leitung eines hochgestellten, einflussreichen Mannes ein Verein bildete, der solchen Auswanderern, die mit Fachkenntnis ausgerüstet, als sittlich und!Rissig anerkannt sind, zur Ansiedelung und Sicherstellung in Palästina durch materielle Unterstützung und Verwendung höheren Orts behiifiich wäre, so würde damit zweien Uebeln zugleich abgehoben. Die weiterc Ausführung dieser Idee hat uns freilich Ihr Herr Korrespondent nicht gegeben, aber vielleicht weislich Vorbehalten, uni erst die Aufnahme und Beurteilung seines ersten Aufrufes abzuwarten. Ls soll uns sehr freuen, hierin nicht geirrt zu haben. Wir müssen gestehen, dass die letzten Vorgänge im Orient auch in uns diese Idee wieder lebhaft angeregt habe:!, und sind gern bereit, nachdem wir die etwaige Berichtigung uiiserLr Ansicht von Ihrem geschätzten Korrespondenten aus Konstanz abgewartet, diesen Gegenstand erschöpfender zu behandeln, für welchen die Spalten des ״Orients‘• nicht umsonst erbeten zu dürfen glauben.“ Wir müssen gestehen, dass sieh dic.se Lrwiderting vorteilhalt durch den ruhigen Ton von der Konstanzer Zuschrift abliebt, dass sie aber umgekehrt auch das nicht widerlegt, was sie widerlegen will, dass sie freilich auch jeder Begeisterung und jeden Feuers ermangelt. Andererseits freilich zeigt er. dass cs kein Eroberimgszug sein kann, der Israel wieder in d.n Besitz seines Landes setzen kann, sondern nur eine ״friedliche Ansiedelung im Lände, das seine Vorfahren einst beherrscht, unter dem Schutze seines rechtmässigen Oherherni.“ Ls ist höchst beachtenswert, dass er die auch damals so bedeutend* Auswanderung West־ und süddeutscher Juden von Nordamerika nach Palästina abgelenkt wissen will, und dass er auf Ackerbau und Handwerk als Erwerbszweige liiuwcist, denen die Juden durch die Kolonisation Palästinas zugeführt werden sollen. Aus den besonderen Verhältnissen Süddeutschlands heraus erklärt sich eben der besondere Standpunkt des Schreibers ״vom Neckar“; doch war die Auswanderung lv* sonders bayerischer Juden infolge des Matrikelzwaugcs damals eine so bedeutende, dass 7. B. au einem einzigen Tage das Würzburger {utctligcu/btatt allein acht jüdische Auswanderer zur öffentlichen Kunde bringt. Atn 1. Juni 1839 verlassen allein das kleine Städtchen Jebenhausen sechs israelitische Familien Einen Bericht darüber enthielt damals die ״A. Z. d. J.“ Hieran anknüpfend bildete sich der, noch jetzt gütige Verteilungsmodus der deutsch-holländischen' C 11 a l u k a h. der sich zu einen! Sch w i n d e I ausgewachsen hat. der zum Himmel schreit! 37) ן Personell), während die grosse Mehrzahl der Auswanderer aus solchen ledigen jungen Leuten bestand, denen es das Gesetz unmöglich machte, eine Familie zu gründen. Nach d-r ״Leipziger Zeitung", aus dem Jahre 1839, sind ״in neueren Zeiten“ aus Bayern allein bereits mehr als 10000 Juden ausgewandert. Es genüge «׳och zu konstatieren, dass eine minimale Zahl von Auswanderern sich wirklich nach Palästina wandte. — ln weiteren Beiträgen - werden wir zeigen, dass die Acusserungen nationale« Selbstbewusstseins getragen von der Hoinumg einer kulturellen Zukunft der Jüdischen Nation, wie sic in dieser Diskussion zu Tage traten, nicht vereinzelt sind. Sic bilden mit vielen anderen, ähnliclien Darlegungen das Fundament, auf welchem unsere heutige Bewegung erwachsen ist. Lustige Ecke. 0 o © o Unser ständiger Mitarbeiter fiir die ״Lustige Ecke“, der Mainzer ״Israelit“, knüpft an seinen Beitrag zur ״Lustigen Ecke“ in voriger Nummer an. und schreibt io seiner No. 61: ״Mainz, 3. August. Ein kleines Blättchen in Berlin, die ..Jüdische Rundschau", die sich stolz ״Organ der zionistischen Vereinigung in Deutschland" nennt, und deren reicher Inhalt in der.1 Witzblatt ״Schlemihl*‘ so treffend gezeictinet war, fühlt von Zeit zu Zeit das Bedürfnis, mit uns anzubändeln und seinen Ucberfluss an Geist und Sarkasmus über uns auszugiessen. Wir hatten schon zur Zeit, als der famose ״Sa in y" das ״Organ" zur Ablagermigsstättc seines Schuttes benutzte, die Absicht, die ״Rundschau‘* vor den S t r a i r i c h t e r zu laden und ihr die Lust zu henehmen, in Zukunft Lügereien über uns zu verbreiten, das Blättchen war uns aber zu lächerlich in seiner Aufgeblasenheit, als dass wir ihm die Reklame, zu einer empfindlichen Strafe verurteilt zu werden. Könnten. Wir möchten aber doch die verehrte Kollegin bitten, unsere I.angmgt nicht allzusehr, wie dies in ihrer jüngsten Nummer geschehen, zu missbrauchen, denn einmal könnte uns der Geduldsfadcn reissen. und das zionistische Organ dürfte sich dann aus der gestrigen Haftorah an einen der Gründe erinnern, um derentwillen Zion in Schutt und Asche sank, ln dieser Haftorah heisst es nämlich: ״Sie spannen ihre Zunge, ihren Lfigenbogen und nicht zur Redlichkeit gedeihen sie im Lande.“ — Wir quittieren mit verbindlichstem Dank über diesen neuen Beitrag, ersuchen aber die Redaktion des ״Israelit" dringlichst, uns nicht ,.Kollegin“ zu nennen. Alles andere soll ihr hingehen. Aber die ״Kollegialität" mit der Redaktion des ״Israelit“ verbitten wir uns dringend! Kleine Chronik. llO ׳ Vnn Uber den Begriff ״Eigentumsreclit“ herrschen •In Inowrazlaw Meinungsverschiedenheit;n zwischen den jüdischen Getneiiidenütgüedern und dein Synagogeiivorstande. Schon seit langen Jahren gehen Vorstand und Repräseiitanten-Kollegium mit der Absicht um. eine neue Synagoge zu erbauen. Aus diesem Grunde wurden von diesen Körperschaften schon eine Menge Sitzungen abgchaltcii und Beschlüsse gefasst. Die allzu grosse Baufälligkeit der alten Synagoge zwingt den Vorstand, dem Projekte näher zu treten. Die Inhaber vo;1 Sitzplätzen in der Synagoge verlangen, dass auch ihr Eigentumsrecht ihrer Sitzplätze auf die neu zu erbauende Synagoge übergehe. Der Vorstand ist anderer Ansicht, er behauptet, dass das Ligentunisrecht uer Sitzplätze in der Synagoge den Inhabern solange gesichert bleibt, wie die Synagoge benutzt wird, mit dem Augenblick aber, wenn diese niedergerissen, aufhöre. Man ist aber der Zuversicht, dass eine Einigung zwischen den Par-

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