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Jüdische Rundschau · 1903-08-07 · Heft 32 (7.8.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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¥ י. in# # י** ״ ־ י/־,׳ f* י״־^ ״-״!#<? v? *V- ־»?. ״.ffו•.״.* -4 Seite 334. Jüdische Rundschau. No. 32. in den Zeiten der Hochflut der Assimiiationsbcwegung in Deutschland nicht eingcschlafcn ist. Das zeigt auch besonders ״Neu-Judäa“, das im Jahre 1S40 erschien und von uns neu herausgegeben wurde. Es ist dies um so bemerkenswerter, als selbst der Ocgcnartikei, den die Konstanzer Zuschrift hervorrief, dem Prinzip als solchem zwar entgegen■ tritt, in der Sache selbst aber jener Zuschrift selbst vielfach zustimmeu muss. Freilich waren dem Konstanzer Nationaljudcn die Verhältnisse im Orient keineswegs s״ bekannt, dass man allen seinen Angaben unbedingt Glauben schenken könnte. So hat Damaskus kaum mehr als etwa 2u00ö jüdischer Hin* wohner gehabt, während er ״an 60 000“ angibt. Und doch sind im allgemeinen seine Ausführungen durchaus zutreffend. Zu ihrer weiteren Kritik lassen wir den Wortlaut des Gegenartikels hier folgen: ״Vom Neckar. Juli. Der ״Orient״, welcher nicht miidc wird, uns Nachrichten zu bringen, die seinem Namen und seiner Aufgabe entsprechen, enthält in No. 26. von Konstanz aus eine ..Herzenscrgiessmig eines Juden au seine Brüder, bei Gelegenheit der jüdischen Blutfrage״, die mehr als irgend eine Nachricht die Aufmerksamkeit des jüdischen Lesers a,1regt, indem sie eine Lebensfrage der Gegenwart berührt, um* somehr, als sie die Form eines ״seltsamen" Aufrufs an sich tragt, dem kein denkender «»der fühlender Jude seht Ohr ganz verschliesscn kann. Und zweifeln wir auch nicht, duivs von allen Seiten her Stimmen über diesen (iegenst 111J verlauten werden, so sehen wir doch in den besonderen Verhältnissen unserer nächsten Umgebung eine besondere Veranlassung und vernehmen auch von hier aus eine eigene l'ordcrtiag. diesen Gegenstand von dem uns eigentümlichen Standpunkt zu heleuchten. — Wohl kann man es jedem Ausdrucke des erwälmten Art’kcls ansehen, dass er einem für das Wohl unserer Bruder tief fühlende n Herzen entströmt, und solche hegeisterte und geflügelte Worte werden wohl nicht blos in manchem Hetzen ein Feh״ finden: aber ein Felm, das irr, j Kopfe des ruhig Denkenden und Pr Uten den nur j wenig von dem wiedertönen wird, was sich unter dem rhet־>- j rischen Ausdruck als klarer Sinn atissprieltt. Und nur auf j letzteren cjnzugehcn ist unsere Absicht, daher es uns erlaubt j sei, die Begeisterung und die scheuen verführerischen Worte in ein ruhiges Räsonnement, begründet am* Tatsachen, und in ein einfaches schlichtes Wort umzusetzen und ein Gleiches entgegcnzuhalten. — Der Verfasser jenes Artikels sieht in den gegenwärtigen politischen Begebenheiten des Orients eine Vorbcreitiing unserer Erlösung durch die ciugetretcne Möglichkeit der Wiederherstellung eines jüdisch-palästincnsischeu Reiches.2) Um nun unsern itntcru Beruf herauszustellen, diese äussere Möglichkeit zu verwirklichen, fragt J der Korrespondent, oh es das Ziel einer steten Bewahrung der! jüdischen Eigentümlichkeit in ״Sitten, Gebräuchen, Sprache und | Religion“ sein solle, ״durch eine ärmliche Emanzipation ange־ ן lockt, in ein niebts aufzugehn?״ Wir fragen aber, ob die 1 von uns bewahrten Sitten und Gebräuche die des einstigen j jüdischen Staatslebens sind? Ob die bewahrte Sprache, j das wesentlichste Moment der Nationalität,2) wie uns alle Zeiten, namentlich die neueste, gelehrt, auch wirklich als J ein solches Moment bewahrt, als ein lebendes Band uns unn schlingt? Die Antwort gibt jede unserer Bewegungen, jedes unserer Worte, und das deutsche des Verfassers selbst. Dass aber die jüdische Religion den echten Bekenner derselben ״durch ärmliche Emanzipation nngeloekt, in ein nichts aufgehen lasse״, wenn anders alle Ihre I ehr e n Staatstheorien, alle j ihre Gesetze politische Institutionen wären..- Ein äusseres I Motiv zur Realisierung jener Idee soll mm der Druck sein. , in dem wir linier den Völkern leben, und dieser wieder in der j Verschiedenheit d.s nationalen Ursprungs begründet sein, der! ..keine vollkommene Ausgleichung /!!lässt" Wir überlasse.־; | es den bekannten Forschungen des geehrten Herrn Redakteurs, i .01! Korrespondenten zu belehren, in welcher Verwandtschaft ן der ..südlich-semitische Urstamm mit den blonden Abkömuis lingen des Nordens" stelle. Für einen angcbiicli in Stammver- 1 schiedenlicit heg! linde teil Hass der Söhne Jafets und Sems ist es gleiehgiltig, ob die bezeichneteii Eigentümlichkeiten beider um Jahrhunderte früher «»der später sich ausgeprägt. Allein wenn unsere so sehr gepriesene Zeit sich irgend eines ־■) Diesen Ausdruck gebraucht aber die Konstanzer Zuschrift nirgends, sondern spricht ausdrücklich von der Oberhoheit miJ der Herrschaft Meiicmcd Aii's K/tl. des Sultans; siehe ,.Jiidisehe Rundschau״ No. 30, S. 311. ״Orient" Seite 20lb. ’) lieber die Sprache als Kennzeichen der Nationalität vgl. ״Zion" Heit 1. S. 2 und 3. ferner Heit 11. S. 33 und 3-1 sowie ״Der Jüdische Student" No. 7־'s. Seite 112 ti. 113. die Bibel als den Ursprung des S a b b 111 ב s hezeichnet. Delitzsch hatte nämlich behauptet, die Bibel wisse darüber selbst nicht mehr Bescheid") Wenn man. um naehzuwei.se:». was die Bibel ii 15 e r ü e n l'rspr u 11 e des Sabbaths sagt, die Bibel zitiert, so ist das wed-.r naiv noch komisch. (Ucbrigcns haben die Zitat!; der Bibel auch ״wissenschaftlich" mehr Beweiskraft nh Keilschrift- Zitate, denn erstcre sind deutlich lesbar: wenn die Kritik das Alter in Zweifel zieht, so ist das Alter der in Betracht koiiim.u־ den Keilschriften mit viel mehr Recht in Zweifel zu ziehen. Wenn mau Jer alten Literatur d»־s jüdischen Volkes ״wissenschriftlich" weniger Wert heimessen will, als den babylonischassyrischen Steinen, so würde hierdurch!echt nur die alte Litterutnr des jüdischen Volkes. so!1d:ru auch das jüdisch; Volk seihst für inicrior erklärt. Mau wurde damit sagen, alle Inschriften alter Völker verdienen Glauben, sind ״wissenscbafUiche" Beweismittel, nur die Juden nicht.) Wenn der Herr Rezensent glaubt. Delitzseh werde ״aut die Annahme einer ״Urotfenhariiiig" schwer cingehen, so setze er vw« seinen« Standpunkte aus .,geistiges Urgut der semitischen Völkcrfamilie.’" Das hat als Beweis au jener Stelle dieselbe *Kraft. Äuscrdem hat der Herr Rezensent eleu Satz m meiner Schrift (S. 39) beanstandet: ״Der Pentateuch ist von Moses geschrieben (1500 v. Chr.) und es Iresteht gar kein Grund, ihn später zu setzen“ und hierin eine ״leichtfertige Ahfcrtigung der Bibelkritik״ gefunden, welche ״nicht das rundament einer ״wissenschaftiiehen“ Widerlegung‘ bilden dar!." Hierzu ist zu bemerken, dass der Hauptgrund der Kritik. Moses die Autorschaft dc,s Pentateuch abzuspreciien. bisher war, dass man damals noch nicht so viel gcschnenan habe Nun, findet man aber Inschriften und Korrespondenzen, d.c lt oo •) Ich zitiere aus den! Gedächtnis da ich liier keine in Bctraelit kommenden Schriften zur Hand habe. Jahre vor Moses geschrieben sind. Es fällt somit der G!111!d weg. d׳c Niederschrift des Pjitatench ,.später zu setzen". Dies ist weiter a 11 s g e f ii 11 r t in dem soeben erschienenen II. Hut 11!.'Schrift. (Der Herr Rezensent hat überhaupt über- Sehern dass er nur das I. Heft vor siel! batte und dass w eitere Ausführungen folgen.) Die Bibelkritiker, welche Hunmitirabi mit Amrapliel Kientiiizieren. setzen die Niederschrift d<־s H. Kap. der Genesis in üas J a 11 r Nun v. Chr.! Das1' der ״Schwerpunkt des AngriisN in der Vergleichung des babylonischen Schöpfmigs- und Sünilutherichtcs mit dem biblischen" ruht, ist in meiner Schrift nicht übersehen worden. Ich habe eben deshalb die Behaiiptung des Herrn Professor D-iitzseli. dass die Sintfluter/ü!1!n1;;.: aus der Bibliothek Sadarnapals- (Astirbanipals) schon 2<k!»i v. Chr. niedergeschrieben sei. entgegengehalteu. dass Asurbaiiipal etwa 659 v. Chr. lebte und kein Beweis vorbanden ist. dass der in seiner Bibliothek gefundene Bericht 1301' 1400 Jahre älter war. Deshalb kam! liier von ״Rhetorik", auf die ich v ö 11 i g v e r z i c ii t e . und von ״Dilettantismus" nicht die Rede sein. Dass auch Prof. Delitzsch meine Kritik nicht so amgefasst hat, beweist sein Brief an mieli, ebenso bezeugen es die Zuschriften und Urteile vieler Gelehrteil, die an mich gelangt sind. Wenn übrigens der nach dem Vorstehenden für meine Schrift gewiss nicht voreiugenommc Herr Rezensent selbst sagt: ״Wirklich weist der Verfasser au zahlreichen Stellen mit Glück darauf hin. dass Delitzsch in seiner Vorliebe für Babel und - seiner Abneigung gegen das Jüdische lieber wagehalsige Hypothesen aufstellt, als den jüdischen Charakter jüdischer Einrichtungen anerkennt." so bestätigt auch er, trotz der Ausstellungen, dass meine Schrift ihren Zweck, uacli/uw eisen, dass Delitzsch nicht wissenschaftliche Tatsachen, sondern Hypothesen verbringt, vollständig erfüllt. Dr. S. M e ycr, Distr.-Rabb. aus R c g e n s b u r g. ו I י

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