Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1903)
- Date
- 1903-08-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ko. 32.1 Jiidiselie Hund^chau. kostenfreie Uebcrlassung von Saatgut, von Pressen, Massnahmen behufs Transportcrlcichtcrung und -Verbilligung handeln. Be! der Bedeutung der ״Baumwallfragc“ seien auch Interessenten aus unserem Leserkreise auf diese Bestrebungen aufmerksam gemacht. Kl. Dass die Juden In der Türkei nicht türkisch verstehen, Ist für sic vom höchsten Nachteile. Darauf sollten die jüdischen Schulen grösseren Wert legen. Am •I. v. Mtls. kam ein Schiff mit 20 jüdischen Familien vor der Rhccdc von Jaffa an. Di.' Hafcnpolizci weigerte sich aber, die Einwanderer ans Land zu lassen, da angeblich den nichttürkischen Juden das Betreten palästinischen Bodens verboten wäre. Der Vertreter der Polizei wollte jedoch ״diesmal" die übliche Ausnahme machen und die 20 Familien ans Land lassen, wenn sic 3000 Franken zahlen wollen. Glücklicherweise erfuhr davon der osterrcichische Konsul in Jerusalem, der für seine Landsleute Bürgschaft leistete. Gleichzeitig aber richtete er nach Konstantiuopel eine telegraphische Anfrage, ob tatsächlich ein dm Juden das Landen in Jaffa untersagendes Verbot bestelle. Die Antwort erfolgte umgehend und lautete, dass man von einem solchen Verbote in Konstantinopel nichts weiss. So fabrizieren sich die bachsclifschlfisternen türkischen Beamten eigenmächtig judenfeindUchc Gesetze, weil sie sehr gut wissen, dass die fiberall unter Ausnahmegesetzen leidenden Juden sich sehr leicht einschüchtern lassen und am ehesten den geforderten Bachschisch zahlen. Aber die Zionisten sollten jetzt, wo die Judenfcindlichc russische Verwaltung ihre Tätigkeit in Russland auf längere Zeit lahmlcgcn möchte, um so mehr ihre positive Arbeit auf Palästina richten. Hoffentlich gelingt es uns balJ, in Jaffa ein Arbeitsamt zu errichten, das auch die juristischen Interessen der jüdischen Bevölkerung wahrnimnit. Seite 333. Dr. Bczold, Herausgeber der Zeitschrift für Assyriologie, einen Vortrag über ״Die babylonisch-assyrischen Keilinschriften und ihre Bedeutung für das Alte Testament“ Ausgehend von einer Mitteilung Prof. Oppcrt's an die im September 1865 in Hcldelbeitg abgchaltene 24.!,hilologcnvcrsammlung gab der Redner zunächst eine gedrängte Ucbersicht über die Entzifferung der altpersischen Inschriften, über die Ausgrabungen in Mesopatamien und die Wiedcreutdeckiing der babylonisch-assyrischen, sowie der sumerischen Sprache. Er betonte im Anschluss daran die Bestätigung, die der Inhalt durch die neuerschlosseaen Ocschichtsquelleii erfahren hat, und erläutert die durch die Entdeckung einer Reihe von Kcilschrifttafcln zu Tell-cl- Amarna in Oherägyptcn gewonnenen Aufschlüsse für die älteste Geschichte Israels. Von der Auffindung des kcilinschriftlichcr. in jüngster Zeit durch neue Fragmente ergänzten babylonischer. Wcltscliöpiungstafeln verspricht sich Bezold eine weitgehende Beeinflussung unserer Auffassung vier biblischen Urgeschichten, deren teilweise Abhängigkeit von babylonischen Mythen nicut länger zu bezweifeln sei. Dagegen verhält sich der lleid.lberger Gelehrte gegenüber einer Anzahl von assyriologisch.m Ansichten, die — zürn Teil durch Delitzsch’s ersten Vortrag über ״Babel und Bibel“ — in weitere Kreise gedrungen sin:!, skeptisch oder ablehnend: Der Babylonierkönig Chnmmurn'•; lässt sich bis jetzt noch nicht sicher als der Antra pltcl des ersten Buches Mosc’s erweisen, sodass die Zeit des biblischen Erzvaters Abraham nach wie vor unbestimmt bleibt. Von Monotheismus ist in den Keilschriften kein Hauch zu verspüren, und der hebräische Sabbat lässt sich auf eine babylonische ln- Stitution nicht zuriieküihren. Auch der biblische Sünder,fall hat keine Analogie in den Ins jetzt in Mesopotamien ausgcgrabc•- nc-n Denkmälern. Die Kcilinschrifcforscbung ist in voller. Fluss begriffen. In der Herausgabe und Entzifferung der itacl; Tausenden zählenden, noch unedierten Inschriften erblickt Professor Bczold zur Zeit die wichtigste Aufgabe der Assyriologie. Eine Diskussion zur Judenfrage aus dem Jahre IS40. II.1) Allerlei Bezold gegen Delitzsch. Aus Karlsruhe, 2. Juli, wird uns geschrieben: In der 39. Hauptversammlung des Wissenschaftliehen Predigcrvercins der Evangelischen Geistlichkeit des Grossherzogtums Baden, die gestern hier stattfand, hielt der Heidelberger Ordinarius für orientalische Philologie, Professor Die Hcrzensergiessuog des Juden aus Konstanz, die wir im Wortlaut mitgeteilt haben, beweist mehr, als es unsere eigenen Auseinandersetzungen vermöchten, dass die Liebe zu Zion und der Gedanke einer Rckolonisatiou Palästinas auch ') Vgl. ״Jüdische Rundschau“ No. 30. S. 310-312. wandelt sich zuerst der schmale Fusswcg, -— soweit ein solcher überhaupt vorhanden ist —־, in eine wohlgebaute und sorgsam gereinigte Chaussee. Hie und da stellt inan einzelne Gärten oder Weinberge, welche die Araber schon in Nachahmung der Juden angelegt haben, und endlich eröffnet sich die Kolonie, ein blühender Garten mit freundlichen Häusern, die in breiten, sauberen Strassen nebeneinander liegen. Man kann nicht behaupten wollen, dass sie abendländisch seien, ebenso wenig, wie sie ihrer ganzen Natur und Anlage nach ihrer orientalischen Umgebung gleichen; und das einzige, was man in dieser Hinsicht von ihnen sagen kann, ist, dass sic eben jüdisch sind. Auch würde man durchaus fehl gehen, wenn man glauben wollte, dass es die fruchtbarsten und besten Punkte des Landes sind, die man bisher zu kolonisieren begonnen hat, vielmehr sind es oft genug gerade die ungünstigsten Umstände, die sich an den Orten vereinigen, wo die eine oder die andere Kolonie liegt. Dennoch aber ist eben an diesen Punkten der Anbau und die Niederlassung nicht minder gelungen wie In den anderen günstiger gelegenen Stellen. So liegen Mikweh-Jisracl und Rischön-l'Zion teils auf den Dünen des Meeres, teils in der Sandebene, und doch sind diese beiden Ansicdlungcn so glänzende Erfolge der jüdischen Kolonisationstätigkcit. dass sie allein schon genügen, um den Nachweis zu führen, dass der Jude mindestens ebenso wie der Angehörige jedes anderen Stammes ein tüchtiger Bauer und fleissigcr Landtnann sein kann. (Schluss folgt). 1 Litteraturbericht. | I ($fccfc«f im rtniehiljicm Llneuiur. »eiche det Reä4fcrt«1 1»|» I 1 **.׳»dt »frJcii, (laden eingehende Besprechung.) J Reichelsheim im Odenwald, 28. Juli. In No. 30 Ihres gcschätzten Blattes, welche mir hierher naehgesandt wurde, finde ich eine Rezension meiner Schrift: Contra Delitzsch. Der Herr Rezensent macht einige Ausstellungen, welche ich nicht für begründet halte. Zunächst findet er den Titel ״aufdringlich“. Der Titel ..Contra Delitzsch“ sollte sogleich jedem deutlich machen, da.ss die Schrift siel! gegen Delitzsch richtet, der Ncbemitel soll anzeigeu, dass die Schrift das. was Delitzsch als wissenschaftlighe Tatsache hinstellt, nichts als Hypothese ist. Ob das a u f d ri 11 g I i c h ist, bleibe dem Leser meiner Schrift zu beurteilen anheimgestellt. Wenn der Herr Rezensent sagt: ״Für den Mann (Del.), der die Offenbarung leugnet, dürfte cs wenig Beweiskraft haheu, wenn der Ursprung des Sabbaths aus der Steile hergeleitet wird: ״Denn jn sechs Tagen usw.*־ und solche Beweisrnittel ״naiv, fast komisch“ findet, so befindet er sicli im Irrtut!}. Es handelt sich dabei nicht um den h i s t o r i - schep Ursprung des Sabbaths. sondern darum, was -* '*4■i % * ־״•“ '־'־־ ״־־־“■ ®ISWf."*»!! *%##*“#• %