Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1903)
- Date
- 1903-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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י•^׳*** Seite 332. JUdisclie RundscJiau, No. 32. Bologna. Unter Beteiligung des Adv. Fclice Ravenna aus Ferrara, Vorsitzende der italienischen zionistischen Födcration, und anderer Förderer des Zionismus in Italien, trat hier am 29. Juni eine zionistische Ortsgruppe ins Leben. Die Entstehung der neuen Gruppe, die etwa 60 Mitglieder zahlt, und bereits auf dem nächsten Kongress in Basel vertreten sein wird, ist der Initiative des Ing. Erncsto Coün zu verdanken, der in Anerkennung seiner Verdienste einstimmig zum Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde. Berlin. Zwecks gemeinschaftlicher Fahrt nncfi Basel findet am Sonnabend, dem 8. August 1903, abends 10ג־ו Uhr, bei Drasel, Neue Fricdrichstrassc 35, eine gemeinsamc Besprechung slatt. Alle, die event. an der Baselfahrt tcilzunehmcn gedenken, werden höilichst gebeten, pünktlich zu erscheinen. Eine weitere Besprechung findet nicht statt. Ausserdem werden alle Freunde, die von ausserhalb über Berlin fahren, und ebenfalls teitnehmen wollen, gebeten, freund!, sofort ihre Adressen au die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, NW. •10, Lehrterstrasse 14'15, gelangen zu lassen. l-i Rundschau: fl £<נ2< :״ '(h T T יו׳ T V T V T T-T T f T T T T? V T T T V 1׳'?? T T T T T? T T T T ־p W W W W *י# W irf fc4׳ ^^yyykiyy!4MuMi>«y^u< w j'. , »י■ V V. ■'«/ w ׳«,▼.,% *. ׳«■ Die Natlcnalsoztale Partei bat beschlossen, sich der Freisinnigen Vereinigung auzuschliesscn. Obwohl letztere Fraktion dadurch nur einen Reichstagssitz gewinnt, so ist doch ihr Zuwachs, den sic durch den Anschluss an tüchtigen und idealistisch gesinnten Mitstreitern erhält, und der Gehalt an neuen Ideen, den diese ihr Zufuhren, so bedeutend, dass sie auf diese Welse vor dem Unter gange, der den bürgerlich-freisinnigen Gruppen im allgemeinen droht, wahrscheinlich noch gerettet werden kann. Für uns ist cs dabei von Wichtigkeit, dass die beiden Parteien, die sich in deutschen Fragen so nahe getreten sind, nun jetzt zu einem einzigen Ganzen zu verschmelzen, doch in bezug auf den Zionismus einen ganz ver* schiedctien Standpunkt entnehmen. Während die in den alten hberalen Ucbcrlicfcrungcn wurzelnde Freisinnige Vereinigung die Juden immer nur auf Grund der Anschauung verteidigen zu dürfen glaubte, dass diese zu den Deutschen im Sinne der deutschen Nation gehörten, und daher bis jetzt wenigstens ihre Führer jede Sympathie mit den zionistischen Bestrebungen zurückgewlesen haben, ist die Stellung der Nationalsozialcn als einer modernen Ideen huldigenden jungen Partei zu uns eine wesentlich andere. Nicht nur hat der jetzige nationalsozialc Reichstagsabgeordnetc v. Ger lach dem Artikel eines Zio* nisten über den Zionismus in seiner Zeitschrift ״Z e i t“ Aufnähme gewährt, sondern er hat auch bei der Umfrage, die der ״Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums" veranstaltete, obwohl er dem Zionismus Ueber- Schätzung der Bedeutung der Rasse gegenüber derjenigen des Milieus vorwarf, doch den hohen Idealismus unserer Bewegung im allgemeinen Kulturinteresse freudig begrüsst. Privatim sollen sich auch andere nationalsoziale Führer in älnlichem Sinne geiiussert haben. Wir können nur «ton Wunsch hegen, dass Männer wie v. G c r 1 a c h. Naumann. Daniasclikc ihre Anschauung über den Zionismus in der grösseren!*raktion. der sie jetzt angehören, gegenüber dem liberalen Dogma durchsetzen. Wir werden zwar unser Ziel auch ohne Mithilfe irgend einer deutschen Partei erreichen, aber es wäre uns doch eine Genugtuung, wenigstens die idealisten des deutschen Volkes auf unserer Seite zu wissen. Nachdem der neue Polizeipräsident von Kischinew den Widerstande seiner Untergebenen, der sehr schlagend wurde, hat weichen müssen, veröffentlicht der neueste Polizeimeister nach ״Kiewskoje Slowo“ einen Tagcsbcichl. wonach cs den Juden verboten wird, spazieren zu gehen. Zugleich teilte er mit. dass er den Poüzciinspektor Bcbeüo. der das Spaziere,1gehen von Juden geduldet hat, zu einer Disziplinarstrafe verurteilt. Unter diesem Gesichtspunkte muss man die beuchlcrische Anordnung des heiligen Synod lesen, man solle in den Kirchen christliche Liebe und Duldung gegen die Juden predigen. Der alte Erasmus von Rotterdam hat es ■ß unumwunden ausgesprochen: ״Wenn es christlich ist, die Juden zu schlagen und zu verfolgen, so sind wir allezeit wirklich sehr christlich gewesen.“ Die Baunnvollenkuttur ln den Küstengebieten Kleln-Aslens, besonders um Smy rna, deren Ertrag heute ca. luOOtX• Ballen beträgt,' ist atisdehnungsfähig. Ein deutsches Syndikat zur Förderung der Baumwolikultur in Klein-Asien ist in Bildung begriffen; es wird sicli einerseits tun Aufkauf von Baumwolle, andererseits um Errichtung von Versuchs- und Lchrstationen. beredtes Zeugnis davon ablegcn, dass einst diese kahlen Felsen bis auf die äussersten Spitzen belebt und bebaut waren. Beim Anblick dieser Terrassen, sei es im $üd£n, im Gebirge Juda oder auf den weithin sichtbaren Gipfeln des galliläischen Hochlandes, begreift inan, dass der jüdische Historiker Josephus durchaus nicht übertrieben haben kann, wenn er dem Lande Kanaan eine Bevölkerungszahl zuschreibt, die uns sonst unglaublich erscheinen würde. Die schwarze Erde zwischen den Felsen, die zum grössten Teile aus verwitterten! Basalt besteht, ist der denkbar fruchtbarste Boden, und es ist erstaunlich, wie es möglich ist, dass dieses einst so ergiebige Kulturland jetzt so öde und unbebaut daliegt. Ebenso wie diese Terrassen aus uralter Zeit zeugen Ruinenstädte von kolossaler Ausdehnung, zahllose Ueberreste von antiken Dörfern oder verschütteten Brunnen von der Einwirkung der urältesten Kultur des Heiligen Landes. Daneben liegen die Trümmer von Caesarea, das von Herodes gegründet, der Dorn im Fleische unseres Volkes war, und das , Jerusalem in den Schatten stellte, bis es vom Sultan Bibars zerstört wurde. Dann folgt weiterhin die mittelalterliche Stadt Athlith, um Zeugnis zu geben, dass neun Millionen Kreuzfahrer im Heiligen Lande geblutet haben, und doch Europas Söhne hier keinen festen Fuss fassen konnten. Hier liegen neben den Spuren der ältesten ו Phönizierstädte die Reste mittelalterlicher Kastelle und | die Ruinen neuzeitlicher Burgen. Und alle gemeinsam I beweisen, dass seit der Vertreibung der Juden kein Stamm, keine Nation je im stände war, dauernd festen Fuss in Palästina zu fassen und das so unendlich fruchtbare und gesunde Land neuzubelcbcn. Während das Unkraut an vielen Orten so gewaltig aufschiesst, dass der Reiter hoch zu Ross beinahe darin verschwindet, um so gleichsam höhnend den Beweis I der Ergiebigkeit des fruchtbaren Landes abzulegen, begegnet der Reisende auf seinen Streifzügen kaum einigen elenden Araberdörfern, die aus schwarzer Erde und ungebrannten Lehmziegcln gebaut, einer Biberansiedlung alle Ehre machen würden. Auf dem ganzen Wege von Akka bis Jessod-Hama’alah am Mcrömsee sind die einzigen Stationen am Wege ein Baum und zwei Fellachendörfer, und bei einem Tagesritt von Rosch-Pinnäh nach Tiberias ist unserer Karawane nicht eine Menschenseele begegnet, während wir den fruchtbarsten und ergiebigsten Teil des ganzen Landes durchzogen. Neben all den Ruinen und Trümmern ehemaliger Kulturen und Kulturversuche liegen wie Oasen in der Wüste die neuen jüdischen Kolonien und lassen aus den Trümmern neues Leben hervorkeimen. Wenn man | durch die Ebene Saaron oder über die Gebirge Galüläas in die Nähe einer jüdischen Kolonie kommt, so ver-