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Jüdische Rundschau · 1903-08-07 · Heft 32 (7.8.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 32. Jüdische Rundschau. Seite 331. י• 1 1 Berlin. Eine zweite Versammlung der Berliner SchekelzAhler findet am 12. August, abends 9 Uhr bei Drüscl, Neue Friedrichstrassc 35 I. statt. - * ־ Berlin. Am Mittwoch, dem 29. Juli, veranstaltete die düdischnationale Frauenvereinigung die dritte Fcrienpartie in diesem Jahre. Trotz des ungünstigen Wetters fanden sich etwa 50 Kinder ein. Von welch’ bedeutendem erzieherischen Wert diese Partien sind, geht daraus hervor, dass dieselben Kinder, welche voriges Jahr keine Ahnung vom Judentutttc־hatten, wohl aber Kirchenlieder und Wcihnachtsgcdichte vortragen konnten, in diesem Jahre nächst ..Dort wo die Zeder“, ״Auf mein Volk“ und-in tadellosem Hebräisch n'prr» singen. Und mit welcher Begcisttning klingen diese Lieder aus dem Kindermunde. Da ist kein schabloncnmüssiges Eiiilerncn, sondern bewusstes Kmpfii.üen. Als hätten die Kleinen sich untereinander vcra!>- redet, haben sic alle das letzte Mal das Lied von Dr. Max Oppenheimer ״J udtn sind wi r, wollen es bleibe 11 bis in alle E w i g h e i t“ auswendig gelernt. Es ist dieses gewissermassen das markanteste Lied aus dem Liederschätze ui.serer Vereine. Mitten im Spiel und Tanz rief ein kleiner Knabe, wir wollen das jüdische Gedieht wieder hören. Sofort trat ein etwa zehnjähriges Mädchen hervor und deklamierte ein jüdisch-deutsches Gedicht, welches solchen Beifall hervor rbf, dass die Knaben ihre Mützen schwenkten und ein Hedäd auf die Jüdischnationalc Fraudnvereinigung und,auf die Zionistische Vereinigung ausbrachten, das in ein kräftiges Hedäd auf das gesamt׳.‘ Judentum ausklang. Ein vorübergehender Herr konnte sieh nicht enthalten, folgendes zu bemerken. ״Ich habe heute v<״־ diesen Kleinen viel gelernt.“-— So lehren wir die Kleinen. Lehrer der Grossen zu werden und die Liebe zu Zion und dem .!udemtime in das Haus ihrer Eltern zu tragen. — — Hier ist ein schönes und grosses Arbeitsfeld für unsere zioiiistischcn Frauen. Nicht nur mit Geld ist cs abgetan, sondern ernste, regsame Betätigung verlangen wir von ihnen. L. W. T. Königsberg 1. Pr. Akademischer Verein ״H c r z b‘ an der Albertina. Der Akademische Verein ״Herzl*‘ beschloss seine Tätigkeit für das vergangene Sommer-Semester mit einer wohlgelungeücn Schlusskueipc am 25. Juli 11. a. Für die wissenschaftliche Ausbildung der Vcreinsbriider wurden wällrend des Semesters allwöchentlich zweimal hebräische Sprach-!-urse ahgehaltcn. die Vbr. Auerbach leitete. Vbr. Fried mann leitete in vier Zyklusvorträgen einen Geschiclitskursus, in welchem er die Zeit von der ersten Zer- Störung Jerusalems bis zur makkaböischen Erhebung (inkl.) behandelte. Ausserdem sprachen der Reihe nach: Vbr. Auerbach: Die Entwickelung der nationalen Idee im Judentum. Derselbe: Die Strömungen im Zionismus. Vbr. Scher e sehe wsky: Ludwig Börne und seine Stellung zum Judentum. Herr cand. ehern. Benj. Sicw: Israel Zangwills Leben und Werke. Vbr. Swiadoscz: Perez Smolensky, sein Leben und seine Schriften. Vbr. Fricdnvann: Dk: Bestretungeo des Zionismus. Vbr. Auerbach: Die Aufgaben des sechsten Kongresses. Allen Vorträgen, die auch von Gästen besucht waren, folgten stets lange, lehrreiche Diskussionen. Nach diesen hielt eine gemütliche Fiduütas alle Anwesenden lange beisammen. Die Bibliothek, die wir Mitte dieses Scmesters errichteten, gedieh vorzüglich. Sie zählt bereits übet neunzig Bände und wurde sehr rege beniitzt. Allen, die unsere Bibliothek durch Zuwendungen bereicherten, besonders aber Herrn Saniluirsky. für sein freundliches Entgegenkommen bei der Begründung derselben sei auf diesem Wege nochmals uns•.*•־ verbindlichster Dank ausgedrückt. Die körperliche Ausbildung förderten in reichem Masse die Turnstunden, die Vbr. Kiew* ans ky zweimal wöchentlich in treriieher Weise im Turnsaal der Palästra Albertina abhielt. Unser Stiftungsfest, das in das Sommer-Semester iäilt, wurde wegen der kurz vorhergegangenen traurigen Ereignisse in Kischincw n ein durch grössere Festlichkeiten gefeiert: zur Linderung der Not unter unseren unglücklichen Brüdern in Russland trug auch der Verein durch Sammlungen unter den Vbr. Vbr. sein Scherf* lein bei. Die Sammlungen für den N a 11 o n a I f o n d betrugen im vergangenen Semester 20.35 Mark. Die Fcrialvertrctung des A. V. H. für die Sommerferieu hat Vbr. K I e w a n s k y. Zuschriiten wolle man bis auf weiteres an seine Adresse (B a h n!1 o f s t r a s s e 7) richten. Ostprcusscn. Unser Vertrauensmann in J o 11 a 11 n i s b u r g teilt mit. dass bis jetzt sieben Zionisten dort organisiert seien, dass sich die Zahl der Gruppe aber im nächsten Winter Zweifellos verdreifachen werde. ihn zu einem Volke wandelten, und wo er jene Kultur schuf, die unerreicht dasteht von allen Völkern und in allen Landen. Hier zuerst und hier allein hat jener gec ־'.!tige Kulturbau, der sielt Moses als seines Stifters rühmt, die Wirklichkeit gekannt, auf diesem Boden haben die Dichter und Denker, die Sänger und Propheten gelebt, deren Grösse wir ahnen, wenn wir in den uraltheiligcn Büchern forschen, welche unter der Bibel ehrwürdigem Namen uns überkommen sind. Und wenn wir der Helden gedenken, die für Israels Freiheit und Grösse gestritten, Sauls und Jonathans und Davids, der Tausende von den Helden Judas und den Jünglingen Israels, auf diesen Feldern war es, wo sie freudig dem Tod ins Antlitz schauten, wenn es galt, die Freiheit und der Väter Sitte zu schirmen vor dem Joche der Fremden. Jene weite Ebene, die sich vom Meere dehnt bis zum Gebirge Juda, und die Berge, die das Land durchziehen von dem fernen Norden bis zum äussersten Süden, sind die glorreichen Schlachtfelder, auf denen jüdisches Blut geflossen, jüdische Kämpfer gesiegt haben und jüdische Heldenkraft der Uebqrmacht endlich unterlegen ist. Dem Ohre klingt es wie ein halbvergessenes Märchcn, wenn es von den Heldentaten hört, die auf diesem Boden von Makkabäerarmen sind verrichtet worden. Dort liegt Bethoron, wo Judas kleine Schar vom Felsen stürzte und der Feinde Ueberzahl zersprengte, hier jenes Adarsa, wo der Syrer Nikanor unterlag, dort jener Bach erzählt von einem Dorf Elasa, wo endlich auch der grösste Held dem Volke und des Volkes Gott«? sein Leben zum Opfer brachte und seine Seele auf dem Boden aushauchte, dessen Freiheit er erkämpft. Und dann erschaut des Geistes Auge mit demselben einen Blick jenen Freiheitskampf des jüdischen Volkes, der seines Gleichen nimmer in der Weltgeschichte hat, der mit dem Untergang alles dessen hat geendet, was ihm je lieb und teuer ist gewesen. Das sind die Gefühle des Juden, de’r hier in Jaffa unser ,Vaterland betritt, und wenn er noch ein Fünkchen historischen Bewusstseins hat, so muss er hier zum Nationalismus entflammt werden. Die hier skizzierten historischen Gefühle, die sich dem jüdischen Reisendem auch wider seinen Willen, deutlich oder unbestimmt ' aufdrängen, nehmen eine wesentlich bestimmtere Gestalt, an, sobald man das Land selbst in allen seinen Teilen sieht. Sind doch überall und allerorten die Reste einer uralten Zivilisation zu sehen und alle Stürme, die seit der Zerstörung Jerusalems das unglückliche Land durchbraust haben, Hessen ihre unverkennbaren Spuren zurück. Soweit die Berge Judas und Ephraims sich dehnen, sind bis auf die höchsten Gipfel der Gebirge Terrassen angelegt, die

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