Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1903)
- Date
- 1903-08-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 330. 4 «JUdisclie!{undsoliau. No. 32. die der Heimat, denFreunden Liebe und Treue zu ge weht hatten, waren beschnitten worden. : Die natürliche Rinde, die meine überaus cm• j pfindlichc Natur beschützte, war blossge־: legt wurde n.“ j Aber das ist ja chauvinistisch, kulturfeindlich, rückscliritt-; lieh! wir sind Yankees und werden uns von dir unser Yankee-! tum nicht bestreiten lassen! So mögen ihr wohl die entsetzten; Prolest-Fetisehmamier und Assimilations-Sioux zugerufen; haben. Mit Unrecht Sie ist keineswegs chauvinistisch und! kulturfeindlich. Nur dem Wert eines allgemeinen, alle Indivi- 1 dualitiit erstickenden Kultur- und Mcnschhcitsbreics hat sic j misstrauen gelernt. Es ist ihr die Erkenntnis aufgegangen, | dass jeder Mensch und jedes Volk durch die ' Entwickelung und Ausgestaltung der e i g e -! neu Art und der ihm innewohnenden urcigeneu Anlagen der ganzen Menschheit am besten nützt, ihr nur so sein Bestes gebe!• kann. Um ihren Geist von dem inneren Zwiespalt am Jungbrunnen der heimischen Sagen zu stählen und körperlich wie seelisch zu gesunden, geht sie in die westliche Heimat. Eine; Frucht dieser Rückkehr zur Natur ist ein Band indianische: Sagen, den sie vor einem Jahre erscheinen liess. S:e sagt darin in der Vorrede: ״Diese alten!.egender! gehören ebui- : sowohl den blauäugigen kleinen Patrioten wie den schwarzhaarigen Eingeborenen. Und wenn sic gross geworden sind, wie die klugen Erwachsenen, mögen sic des Interesses »ficht ' ermangeln für ein weiteres Studium indianischer Folklore, eines; Studiums, das unsere nahe Verwandtschaft mit der übrigen Menschheit so eindringlich s rlegt, mit festem Finger a 11 i die grosse B r ii J erschalt des menschlichen Geschlechtes w eist und uns zeigt, wie sich das Leben von der oiienen Tür des Tcpce ausnimmt.“ v. Ende bemerkt: ״Das ist' überhaupt das Auffallende an dem neuen Indianer: dass er, wenn er auch die Kleider des weissen Mannes anzicht, um sich unauffällig und u-)bel istigt unter Wcisscn bewegen zu können, und wenn er auch schien Namen gegen einen dem Weissen geläufigeren eintauscht, doch stets er seihst bleibt, ein Nachkomme der Herren und Besitze־! des Landes, der sich z.war philosophisch in die neue Ordmirg der Dinge fügt, aber seiner Eigenart nicht begibt. E r lernt v o in W e i s s e 11, was er lernen w i 11, aber er :;fit ihn nicht nach wie der Nege r.“ — In den letzter Zeilen ist der Gegensatz zwischen dem Adelsmenscheu und dem geborenen Sklaven klar und treffend'zum Ausdruck gcbracht. Warum ich diese ״InUianergcschichtcn“ hier in dem nur jüdischen Interessen gewidmeten Blatte erzfihle? — Ja, warum wohl? — Wer’s nicht merkt, zahlt einen Taler in de׳. Nationalfond. T a -1 w a m - a si. 3G---OC Aus der Bewegung. -■--1־1 ־ - I ■ I1m^9 Köln. Für den D e 1 c g i c r t e 111 a g in St. Ludwig hat das Organisatioiisrcfcrat Herr Dr. M o s e s - Mannheim ül'crnonimen. Bureau Bonn: Die D ii s s e i d0 r f c r Ortsgruppe zählt jetzt 33 Mitglieder. Gesinnungsgenosse Referendar .1 0 11 a s sprach kürzlich über Zionismus, Nationalismus und Patriotismus. Vertrauensmänner zur Begründung von Ortsgruppen nach dein Kongress sind gewonnen in Siegburg. Euskirchen und BiclefeM. E. Distriktsbureau Haiuicvcr. Die Gruppen des Distrikts, welche mit den W a 111 e 11 zum D e i c g i c r t c 111 a g in St. Ludwig noch rückständig sind, werden um schleunige Vornähme gebeten. Es wird auf die Bekanntmachung des Zentralkoniitees hiugewiesen, wonach die Kongressdclcgierteil ohne weiteres Sitz lind Stimme haben. Berlin. Am?0. Juli verstarb nach langem LcULn Her־׳ H c r in a!111 0 a b r i c I. Der Vorstand der ..B c r I i 11 e r Zionistischen V e r c i 11 i g u!1 g ** betrauert in ihm eine.! treuen und selbstlosen Mitarbeiter, der im Dienste des Zionismus keine, noch so grosse .•\11strc11gm׳g gescheut hat. Der Verstorbene hat auch als Delegierter von I’oscn-l.uiki reg.n Anteil an den Verhandlungen d*. s 5. Kongresses gemmimen. fnshesoiiderc beschäftigte ihn die Verbreitung des Xionisrmis unter den Kaiitientui. sowie ׳.,er Ausbau des Natioinlfmids. Am neunten Al>!1 wurde er unter allgemeiner Teilnahme zu Grabe getragen. Kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient. V. Palästina. Eben erhebt sielt der Sonnenball int Osten über dein Horizonte, als der Reisende fern gegen Sonnenaufgang die flache Seeküste erblickt, aus welcher sich der schroffe Fels erhebt, den die Stadt Jaffa krönt. Lang hingestreckt am Meeresgestade hebt sich die aus hellen Steinen gebaute Stadt in ihrem mittlerem Teile steil empor über der grünen See, wo mit ewigem Wogenbrande das mittelländische Meer gegen den Klippenkämm brandet und tost, der allein einen kleinen natürliehen Hafen bildet. Der kleine phönizische Stamm, der vor fünf Jahrtausenden zuerst die örtliche Sicherheit des Platzes erkannte, hat sicher nicht geahnt, dass er von der Weltgeschichte bestimmt war, das Eingangstor eines der gesamten westlichen Kulturmenschheit heiligen Landes zu schaffen. Das stolze Schiff, das seine Reisenden und Pilger hier ans Land setzen will, muss fernab vom Ufer seine Anker werfen, und kleine Boote vermitteln die Verbindung mit dem Lande, indem sie vor* sichtig durch die schmale Lücke zwischen den weissumbrandeten Klippen und Felsen Hindurchschlüpfen. Es ist ein eigener, eigenartiger Anblick, diese schmale Einganspforte, durch die der Weg in des Orients Wunderland führt. Der Jude aber, den das historische Bewusstsein, den die unverwüstliche Hoffnung seines unglücklichen Stammes hier den Fuss ans Land setzen lässt, er sieht nichts von dem Gedränge der arabischen Boote, die sich mühen einander zu überholen, er hört nichts von dem Geschrei und dem Rufen des Schiffsvolkes und der Bootsleute, das in allen Zungen ertönt; aber er sieht in einem einzigen Blicke die ganze hoheitsvolle und gewaltige Vergangenheit des israelitischen Volkes, sieht seine klägliche Gegenwart, all den Druck und die Knechtschaft, die seit Jahrtausenden auf Israels Söhnen" lastet, sieht aber auch zugleich in diesem einen einzigen Blicke die ganze hoffnungsreiche, strahlende Zukunft der jüdischen Nation. Ist doch allen Nationen, die der europäischen Kultur erschlossen sind, Palästina das Land, weiches fast der gesamten gesitteten Welt das Licht des Glaubens gab, das Land, das von einer höheren Macht bestimmt war, die Weltanschauung einc,r Welt zu schaffen. Dem Juden aber, der mit bangem Herzen und frcudigklopfcndcr Brust den Fuss ehrfurchtsvoll auf diesen Boden setzt, ist es noch mehr, unendlich viel mehr als ein heiliges Land: es ist sein Vaterland. Hier ist cs, w•־ zuerst in grauer Vorzeit der Ahn auf eigenem Boden sass, wo die historischen Wunder geschahen, die