Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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2 No. 31. JiidiBclie Seite 323. ״Reuthen (O.-S.), 30. Juni. Die am 25. Juni stattgehatfe Stichwahl im Wahlkreis K a 11 o w i t z - Zabrze hat wieder einmal das alte Sprichwort wahrgemacht ״Wer andern eine ürubc grabt, fällt selbst hinein“ usw. Vor der Hauptwahl wurde nämlich von der Zentrumspartei ein׳ .Flugblatt verbreitet, das grobliehen Antisemitismus predigte, unter andern! auch die Kischinewer Greucltaten in judenfeindlichem Sinne ausbeutete. Die Folge davon war, dass bei der Stichwahl die jüdischen Wähler sich grossenteils der Stimmenabgabc enthielten, so dass das Unerwartete eintrat, und das Zent'um den Wahlkreis, den cs bis dahin ununterbrochen innc hatte, verlor. Der Pole siegte mit einer schwachen Majorität. Das dürfte der cberschlesichen Zentrumspartei eine heilsame Lehre sein. Ucbrigcns hat die Wahl des Polen eine bemerkenswerte. Folge gehabt. Der über die Grenzen Obe־sch!esiens hinaus bekannte R. Awrohoni Korfanty, R e I i g i o n s I 2 h r e r zu Bog 11 schütz, ist zur Zeit mit der Herausgabe eines ־ verdienstvollen Werkcliens beschäftigt. Kr gibt nämlieh eine Uebcrsetzung der zahlreichen polnischen bezw. russischen Wörter heraus, die sich in den halachiselien Schriften, z. B. C h a j e Odo tu . C h c; c 11 m a s O il o m u. a. m. befinden, was ja besonders für die S ii d - deutschen eine grosse Krleichterung beim ״Le r- 11 c n“ bedeuten wird. Der Verein zur Kräftig u 11 g des Deutschtums in den Ostmark cn, der seit dem polnischen Wahlsiege alles aufbietet, das Deutschtum zu fördern, hat nun für dieses Werheben eine zwar kleine aber dankenswerte Subvention bewilligt. Das Werk wird in den nächsten Tagen im Verläge von M. M a r g u 1 i e s * Kattow iiz erscheinen. Hirsch Krolik.“ Das ist wieder einmal der alte ״Israelit“ in seiner vollen Glorie! Das Wichtigste. Assessor Colin (zum Minister): ,.Ich glaub ausserdem duren meine langjährigen Dienste den Anspruch auf Ernennung zum Amtsrichter sozusagen ersessen zu haben.'* ״Ja, lieber Herr Assessor, das genügt doch nicht, d e n 1; zur Ersitzung gehört ja auch der gute G I a iih e!“ (Lustige Blätter). Kleine Chronik. Ein allgemeiner Verbandstag jüdischer Studenten Oester, reichs tagte in Wien. 35 Delegierte, welche sämtliche Uitivcrsitäten u,1d technischen Hochschulen Oester reichs verträte.!, waren anwesend. Ucher die (iiiindtiug eines Verbandes sprich Stcnccl (״Bar Kochha“. Stanislau). Nue'li einer ausführlichen Debatte, welche den Vormittag über währte, und in der Nacht- Sitzung ihre Fortsetzung fand, würde die Gründung eines Verhandes z.ionistisclier akademischer Korporationen Oestcrroicus beschlossen. Die weiteren Referate behandelten ..Die Autgaben des Verbandes“ < Bergmann. ״Bar Kochba", Prag). ,.Die jüdische studierende Jugend und der Zionismus“ (Rose״- zweig. ״Bar Kochha“, Wien), ..U.e jüdischen Hochschulen־ * (Bienenstock. ..HascJiascliar“, Krakau). Beschlossen wurde Intensive Förderung der zionistischen Bewegung in allen ihren Ausdrucksformen. Mitarbeit an allen ihren kulturellen lustitutioneu (Palästiiiaforschuiig. jüdische Statistik usw.), Gründung eines Organs für die jüdische .studierende Jugend. Zur Präsidial- Korporation fiir das erste Jahr wurde der so verdienstvolle ..Verein jüdischer Hoehschüler Bar Kochha“ in Prag gewählt. Unter dem Stichwort ״Jüdische Ausschreitungen‘‘ lässt sich die ״Ostdeutsche Rundschau“ aus Krakau folgendes telegraphisch vorliigeu: ״Infolge der Gerüchte, dass Ausländer unter jüdische Kmder vergütetes Zuckerwerk verteilen, misshandelte gestern abends eine aus Juden bestehende Menge in der Vorstadt Kazmitrz mehrere Personen, die ihr dieser Tat verdächtig crschieneu. Die Polizei schritt cjn und befreite die' Misshandelten, welche nach einem Verhör wieder in Freiheit gesetzt wurden. Die Untersuchung ist im Zuge. Es herrscht Ruhe.“ Dass man jüdische Kinder, wie!!!"Bukarest und in Saloniki vergiftet hat, ist festgestcllt. Dass die Mörder eine körperliche Lektion erhalten haben, ist aber leider unwahr. . Wcgtaufen In Galizien. In der Angelegenheit der ungesetzlieh getauften Kinder Rciss. die nunmehr laut rechtskräftiger Entscheidung der Lcmbcrger Statthaftere» dem jüdischen Glauben angeboren, verlangte der Vater der Kinder die AuTolgung des ältesten von der Fürst Lulmmirskischen Anstalt. Die Direk* tun! verweigerte die Ausfolgung. Der Rcchtsfreund des Vaters, Advokat I)r. Raphael Landau in Krakau, verlangte von! Iiicstgen Statthaltcreideicgiertcn und vom Polizeidirektor bchördliehe Assistenz, doch wurde dieselbe verweigert, worau! Di. Landau sich telegraphisch an den Ministerpräsidenten Dr. Koerber um Abhilfe wendete. Der § M5 des ä. b. G. scheint., wie so manch(s andere österreichische Gesetz, in (?liz'en nicht zu gelten. Die Potsdamer Handelskammer (Sitz Berlin) erörterte in ihrer Vollversammlung vom 2. Jul: Wünsche für di'1 Abschluss von Handelsverträgen. Mau ging zunächst aui den Veredelmigsverkehr und die Zollvergütung ein, ohne jedoch enJgültig Stellung zu diesen Kragen zu nehtuui. Darauf wurde der von der Bromberger Handelskammer ln״ dem Reichskanzler gestalte Antrag erörtert, die Reichsregicrng möge bei dem Abschüsse neuer Handelsverträge fiir die (•leichstekmg 01L1 auch i.ip Deutschen Reiche gleichberechtigten Reichs ::*gclmri* gen I;';■!sichtlich ihres Gewerbebetriebs im Auslände und ihr die Anerkennung dieser (ilt'chbcrcclitigung ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis der deutschen Rtichsangehdrigen wirksamt* Fürsorge treifen: insbesondere möge di׳.• Regierung darau! hiuwirkctt. dass Russland nach allgemeiner! Völkerrechtlief: :11 Grundsätzen Ausländen 11 ihrer Religion wegen keinerlei Rcchtsbcschränki: :gen im H.nmklsverkthr au/erl. ::e\ denen etwa die russischen Juden inuerhegen. dass di«• umerschiedliehe Behandlung der deutschen Knufleute wegen ihrer juJ.- schell Konfession durch die russischen Pass- und Stcutrhe- Stimmungen heseitirt und dass allen deutsche:! K;׳!:flc׳j!e:1 die an sic]1 selbstverständliche Gleichberechtigung an dem ü.nusse der Vorteile eines Handelsvertrages verschafft t!/!d gesichert werde. Die Kammer sprach sich für die Unterstützung der Eingabe der Brombergcr Handelskammer aus. Die Mischehen bilden in Berlin gegenwärtig etwa e:!1 Sechstel aller liiesigen Eileschliessungen. I::1 Jahre 19<2י werden hier 19 f.VS K'hcit geschlossen, darunter wäre: K>0>3 1:11(11 zwischen Personen gleiclier Konfession und 3055 Ehen zwischen Peisonen verschiedener Konfession. Der Anteil dieser letzteren, der sogcpannteu Mischehen. an der Gesamtzahl der־ neu geschlossenen Fiten war rund Io v. H.!.1 den einzelnen Religionen ist indes »(er Mischchcn-Anteil sehr verschitdci:. Es waren unter den 19 13s heiratenden Männern 15995 evaugehsehe. 2313 katholische. 737 jüdische. 92 dissidentische. 1 ohne Angabe, 11 iter den 19 l.*s b.ciratendtu Krauen 16 2;5 evangilischt. 211וי katholische. (!95 jüdische. 37 dissidcmi.-whe. 1 ohne Angabe der Religion. Da!1639 rein evangelische Klu.11 ge schlossen wurden, so gingen eine Mischehe tin von d.n 15 995 evangeiischcii Männern 1351 (gleich 8 v. H.i. von den Io29ו evangelischen Frauen!651 (gleich 10 v. H.i. Die Zain der rein katholischen Ehescliliessunge.1 w ar Nts. Es schritten .ls י von (Ln 2313 katholischen Männern 155!׳ (gb’ieii 65 v. H.) von;! 21!0 katiio'isclien Flauen I3<»2 (gleich (•2 v. H.i zu einer Mischche. Bei den Jüdin wurden 615 Khcsehlicssuiigeu zwischen Peisonen gleicher Religion gezählt, von de!! 737 jüdischen Männern blieben hiernach 122 (gleich 12 v. H.L von den 695 jüdischen Frauen 8'׳ (gleich 12 v. H.) übrig, die eine Frau bezw. cmeii Mann anderer Religion heirateten. Zwischen Dissidenten \v t!rde' 1 20!;heil beschlossen. Von eleu 92 dissidentischei! Mannern halten 72 (gle'ch 7s v. H.I, von den 37 dissidciitisclicii Frauen 17 (gleich •15 v. H.) ein: Frau od«־r einen Mann aus einer anderen Konfcssiotisgnippc gewählt. Eino Ehe endlich wurde geschlossen zwischen einem Mann und einer Frau, von dem 11 filier e!ic Konfession eine Angabe nicht zu erlangen w ar. Die ״Deutsche Tageszeitung*4 und andere Blätter, die dem imverfälscliten Deutschtum gleiche Ehre mach'ten, haben die Heldentaten der christlichen Einwohner von Kisehijievv dadurch vorl'erciten lielien. dass sie den Ritualmorti von Dubossary entdeckten. Jetzt liegt die Sache so: ״In Dubossary, einem kleinen Städtchen des Gouvrrr.r. iiients Cherson, wurde im Februar I. J. in dem Garten eines ’ gewissen Scliolubow der Leichnam des vierzehnjährig. 11 Knaben Michael Rybatsclieuko gefunden. An demselben bemerkte man eine Menge, offenbar von einem spitzen Messer lierruhregder Wunden. Es währte nicht lauge, so wurde in Dubossary und