Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 322. Jüdische Rundschau No. 31. Mit dem Antrittskouvent am 29. April begann der Verein Jüdischer Studenten zu Chariottcnburg sein 4. Semester. Das Präsidium setzte sich zusammen aus: cand. iug. Alfred Bor- 1 o w J t z, Präses; stud. ehern. K. Michaelis, Schriftwart und stud. rer. tecltn. J. J a c o b y, Kassenwart. Von den Bc- Schlüssen des Antrittskonveiitcs ist besonders hervorzuheben, dass die einzelnen Bbdr. Bbdr. verpflichtet wurden, dem Jüdisch-nationalen Turnverein Bar-Kpchba beizutreten, und regelmässig feden Montag zu turivjn. Trotz der Kürze des Sommersemesters nahm die Vcrcinstätigkcit einen beiriedigenden Verlauf. Es wurden folgende Vorträge gehalten: Dr. Heinrich Loewc über ״Form und Wesen der Judenfrage“; Dr. Emil Cohn über ״Reform und Rcformjudentutn“; Bbdr. Michaelis über ,.Messiasbewegungen im Judentum“; Bbdr. E. Cohn über ״Das Buch Esther“; Bbdr. Friedlacnde־ über ״Die Juden in Russland"; Dr. M. Eschelbach er über ,.Rituaimordc“; Bbdr. D. Loewc über ״Die Judenfrage im 19. Jahrhundert*. Den Vorträgen folgten gewöhnlich sehr rege Diskussionen und im Anschluss daran auch gemütlich verlaut’ene Kneipen und wurde auch durch öfter veranstaltete gemeinsamc Ausflüge für ein angenehmes Vereinsleben gesorgt. Das Semester schloss mit dem Scliiusskonvent am II. Juli auf dem zum Präsidium für das nächste Semester gewählt wurden־ stud. rer. techn. L. Fuchs, Präses; stud. rer. teclm. E. Cohn, Sehriftwart und stud. iug. L. F r i e d I a e n d e r, Kassenwart. Zuschriften während der Ferien sind zu richte!: an: cand. ing. A. Berlowitz, Chariottcnburg. Kaiscr Fricdrichstr. 54a.! \ Allerlei Reformen werden zur Zeit von der russischen Re-; gicru.tg ins Werk gesetzt. So gibt ein neues Gesetz den Fabrik- ׳ arbtsteril das Recht, aus ihrer Mitte Vertreter und Star״ste! zu wählen, die die Interessen der Arbeiter vor der Fabrki inspektion vertreten. Ferner ist für 46 Gouvernements die; Reform der Kreispolizeiwachen angeordnet worden, ln anj betracht der 10 Millionen Rubel betragenden Ausgaben dafür i kommt die Reform in 15 Gouvernements sofort und iu den! übrigen bis zum Jahre 1909 zur Durchführung. Dagegen scheint ■ man m vielen Orten wieder schärfer gegen die Juden vor-! gehen zu wollen. So hat der Petersburger Senat der Gouve•*- * nementsverwaltung von Kiew׳ einen Ukas zügelten lassen, nach j welchem alle Jüdischen Handwerker, die keinen Gesellensclieirt besitzen, der Aufenthalt zur Ausübung ihres Handwerkes in Kiew׳ untersagt wird. Der Polizei ist vorgeschriebe» worden, in einer siebentägigen Frist die Revision der Jüdischen Handwerker vorzunchmen und in einer Frist von vierzehn Tagen alle Juden, die keinen Gescilenschcin besitzen, in den jüdischen Ansiedelungsrayon auszuweisen. . . . Petersburg,!3, Juli. Eine unerwartete Folge der ״Kfschinewer Osterfeicr“ hat die Grundbesitzer und Bauern Bessarabiens betroffen. Sie waren bis dahin gewohnt, ihr Korn und ihre Ernte überhaupt durch die Juden Kischinews zu verkaufen und von denselben sicli bedeutende Vorschüsse zur Deckung ihrer laufenden Kosten geben zu lassen. Die infolge der Kischinewer Vorgänge eiugctrcteuc industrielle und finanzielle Kris;s hat nun dazu geführt, dass diese Quellen versiegt sind, oder versagen. Der Mushik schreibt dieses, wie nicht anders zu erwarten, dem bösen Willen der Kischitiewer Juden zu. welche seiner Ansicht nach ihm die Vorschüsse auf seine Ernte nur verweigern, um sielt fiir die Vorgänge zu rächen. Die Erreguug unter der Landbevölkerung ist so gross, dass mau überall. besonders unter den kleineren Bauern, wilde Drohungen gegen die Juden der Gouvcrncmcntshauptstadt ansstossen hören kann und ernste Besorgnis vor neuen Krawallen wiederum auttaucht. O . r- 1 & g Lustige Ecke. ״ O ק © OOC’OS COGOOG ZOOCOO>£ü S-3 3 dC-öC-OIXK) Die Wahl des pcinischeit Ultrauatioiialisten Korfanty in den deutschen Reichstag als Abgeordneten in Kattow iiz, bei der von der andern Seite der Pole Kroiik eitie bedeutendere Rolle spielte, hat dem ״Israelit" in Mainz Gelegenheit gegeben, für unsere ״Lustige Ecke“ in altgewohnter Weise tätig zu seilt. Er erinnerte sieh offenbar seines prächtigen Erfolges, als er zu Sttkkot sich Von einigen Berliner Witzbolden einen von drolliger Frömmigkeit begeisterten Artikel ins Nest legen liess, dessen Weisheit darin gipfelte, dass man am Sabbat das Taschentuch an die Nase gebunden tragen solle. Seine Lorbeeren von damals lassen den ״Israelit" nicht ruhen, was wir ihm nicht verdenken können. Nur so ist cs zu erklären, dass die Redaktion I auf folgende wunderschöne Meldung einem Bruder Lustig auf.sitzt: dem sic nur wenige Meter über dem* Meeresspiegel die I schmale Ebene durehsclmeidet. Aber schon sehr bald . beginnt die Steigung, und mit ihr die Kurven. Indem j man die Gärten der Ebene mit ihren Orangenhainen und j Palmen verlässt, fährt man die mit Pinien bestandenen י Kalkberge des Libanon empor. Je höher man steigt, < desto mehr erweitert sich der Gesichtskreis. Liebliche! Landschaften hängen mit jungem Griin frischer Pinien : herab zu der hlaugrtiiieti Georgsbai, die au den beiden Vorgebirgen von Beirut die üppige Stidlandsehaft mit Weisscm Schaume randet. Tunnels und Bahnschleifen iu wilddurehbroehenen Felsen vervollständigen das Gemäldc, während die Poststrassc bald unter uns, bald hoch oben auf den Bergen ihre weisse Linie malt. In romantischem Berglande liegt das Städtchen 'Aleih, wo der Kaiser sein Zeltlager aufgeschiagen hatte. Unten sieht matt deutlich und klar die Stadt Beirut, deren Hafen Dampfer und Segelschiffe, sowie zahllose Fischerbarken beleben, während der Gipfel des Sattln, dem sich die Bahn zu wendet, mit seinen Kalkschichten int Mittagsstrahle der Sonne schillert. Unbebaut und öde heben sich diese Kalkmassert des hohen Berges zum blauen unbewölkten Himmel, welchen keine Zeder.mehr grüsst. Libanon! auf.deinem Gipfel, . Auf der Spitze des Sani״, Weil* ich; deiner Zedern Wipfel Sind ntir grüner Baldachin. Auf den liehen Felsenplauen Sitz’ ich wie auf einem Thron; Unter dichter Zedern Schatten, Träum’ ich wie ein Königssohn. — So konnte nur der Romantiker singen, der niemals die Wallfahrt nach Palästina gemacht hat. Und wir fahren vorüber über den grünen Talsohlen, an den blühenden Libanondörfcrn vorbei, immer höher und höher die Berge empor. Bis wir in der Höhe von fast 1500 Metern den höchsten Punkt der Libanonbahn erreichen, haben wir immer neue Ausblicke bald rechts, bald links auf die tiefen Talschluchten mit ihrem saftigen Grün und auf das Meer, das w ic eine Braut sein Beirut kiisst. Wo wir die langen Tunnels von El-Muderidsch und Chan MtirAd durchlaufen haben, ändert sich mit einem Male das Bild. Das Meer ist verschwunden und durch lange Bergreihcn senkt sich die Bahn, indem sie langsam und vorsichtig an ihrer Zahnradstange hinabklettert. Wir umfahren den über 2000 Meter hohen Dschebel-Kuneise. Ihm gegenüber dehnen sich rechts endlose Bergketten vorn Dschebel-BArük nach Süden. Die letzte Strecke führt uns schon durch die Hochebene, bis wir in El-Mu'allaka zu den Füssen des Sanin nach fünfstündiger Bahnfahrt den Zug verlassen. Wir sind iu der Mitte von Coelesyricn.