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Jüdische Rundschau · 1903-08-01 · Heft 31 (1.8.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 31 (1.8.1903)
Date
1903-08-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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?w-m t* •*׳I*»•***)., '״*' 1"!“? »יי ' ־״'־''״’'®יי»*'V Seite 324. Jiidisolie Huadschau, No. 31. Umgebung das (}erficht ausgespreiigt, der Knabe wäre von Juden ermordet worden, welche hei ihrem Passahfest zu Ritualzwecken Christenblut gebrauchten. Unter den unwissenden und rohen Volksmasscn fand das (!erficht nur zu leicht Cilauben. Der Hass der Christen gegen die Juden schwoll täglich gewaltig an. bis er sich am 19. April in Kischincw, Gouvernement Hessarabien, in furchtbar schrecklicher Weise entlud. Sehr . viel Eigentum wurde hei dieser Gelegenheit vernichtet, und ungefähr 50 Juden wurden getötet. Diese fürchterliche Judenhetze gab den Gerichts- und Aamiuistratioiishehörden zu denken und zu schaffen. Durch wen und weshalb wurde der Knabe ermordet? Diese Frage i״♦״-• cssierte besonders den Oberstaatsanwalt des Odessa* r An.ceUationsgerichtcs A. J. Polkui. den Staatsanwalt des Odessa er Bezirksgerichtes U. M. Lcwtschenko und den Chersoner Gouverneur. Wirklichen Staatsrat W. A. Lewaschew. Aber auch die Polizei der Residenzstadt Petersburg interessierte nicht wenig die geheimnisvolle Mordtat in Dnboss t'ry. und sie kommandierte ein paar ihrer gewiegtesten Detektivs dahin ab. Der Gouverneur Lewaschew beauftragte d-ai Gehilfen des Chefs der Dctcktivabtciiumr in Cherson. W. K. Matwcjcw mit der Erforschung des in tiefes Dunkel gehüllten Mordes. Der Genannte liess sich als Privatmann in Dnbossary nieder. Des Jüdischen Jargons vollkommen mächtig, verkehrte er sofort siel mit den dortigen Juden, aber auch der bäuerlichen Be* völkerung schenkte er seine Aufmerksamkeit. Für eine zeitlang vermietete er sich sogar als Arbeiter auf eine Tabak- Plantage. Nachdem er in Erfahrung gebracht hatte, dass der Grossvat^r des ermordeten Knaben, der alte Kanon Rybatsclienk». zum grössten Leidwesen seines Schwiegersohnes Michael Timoschtschuk. denselben mittels eines notariellen Vermachtnisses zum Haupterben seines Vermögens eingesetzt hatte, lenkte $ieh sofort sein Verdacht auf den eben genannten Tiinoschtschtik. Zwei Monate verbrachte Matwcicw in Dnbossary. Waltrend dieser Zeit hatte er soviel Beweismaterial gegen Tiinoschtschuk gesammelt, dass er überzeugt zu sein glaubte, derselbe habe, um einen lästigen Miterben losztrwerden, den Michael Ryhatschenko ermordet. Nun fuhr er nach Odessa, wo er mit dem Oberstaatsanwalt Pol lau und mit dem Staatsanwalt Lcwtschenko das gesammelte Material prüfte und die weiterhin zu ergreifenden Massnahmen erwo״. Am 10. Juli.traf er wieder in Dnbossary ein. Nun . schritt er sofort zur Verhaftung des Michael Timoschtschuk und des Anton Tischtschenko. Letzterer diente als Gartenwächter bei einem gewissen Füller. Nach einigem Leugnen gab Tischtschenko folgendes an: Am 21. Februar sei er aus Pontan nach Dnbossary gekommen, um Graupe und Oel zu kaufen. Auf dem alten Bazar begegnete er dem Michael Timoschtschuk. der ihn au! ein Glas Wein cmlud. Sie begaben sich nach einer Weinschenke, wo sie acht Flaschen Wein austranken. Bei der vorletzten Flasche machte ihm Timoschtschuk den Vorschlag, dass er ihm hei der Krmordung des ihm gehässigen und ihm bei der Krbscliaft im Wege stehenden Knaben Michael Ryhatschenko behililich sein möchte. I wofür er ihm 50 Rubel versprach. An diesen! Abend wurden sie jedoch nicht einig. Tags darauf. Sonntag, den 22. Fcbrauar. kam Tiinoschtschuk wieder zu ihm. Nun wurde der Mord beschlossen. Nachdem sie sechs Flaschen Wein ausgetrunken hatten, gingen sie | auseinander. Eine Stunde später kehrte Tiniosclitscliuk mit den! Knaben Rybatschenko zu ihm zurück. Laut Verabredung machte er die Falltür des Kelle!s auf, der Knabe wurde zu derselben gelockt und in den Keller hinabgestossen. Tiinoschtschuk sprang ihm sofort nach und erschlug ihn mit einem dicken Stock. Alsdann stieg auch Tischtschenko in den Keller hinab und half den! Tiniosclitscliuk den bereits toten, aber noch warnten Knaben entkleiden. Um den Verdacht auf die Juden lenken zu können, brachte Timoschtschuk mit einem spitzen Federmesser dem Knaben mehrere Wunden hei. Die Hände besudelte *er sich so stark mit Blut, dass er. als er hierauf über einen &י-- flechtend! Zaur! stieg und an einen Pfahl griif, an letzteren! Blutspuren zuriiekliess. Im Keller Hessen sie den Leichnam bis Mittwoch Abend (den 25. Februar) liegen, dann trugen sie iin! nach dem nur vierzig Schritte von Tisclitsclicnkos Hause cutfcriitcn Garten Scholubows. legten iluj dort nieder und entfernten sich. Matwejew nahm bei den beiden genannten Haussuchungen vor. Bei Timoschtschuk fand er eine Mütze und einen Pelz, bei Tischtschenko eine Hose. Mütze und einen Leinwamüappcu, welche mit Blut befleckt waren. Tiniosclitscliuk leugnete den Mord. Tischtschenko hat bereits eine sechsmonatige Gefuiicmissiräfe wegen eines verübten I a*cl1cndiebstahls abgebüsst Am 16. Juli trafen die Mörder unter starke; Bedeckung in Odessa ein. wo sie im Gefängnis interniert wurden. An a!csem Tage langte auch Matwejew aus Dubossary in Odessa em.“ Und die ״Deutsche Tageszeitung“-- schwelgt! In Tretelnlkl, unweit der Kreisstadt Proskurow, wurden der Kaufmann Roscnblnth, seine Frau und beide Kinder in ihrer Wohnung ermordet und beraubt. Zwei der Tat verdächtige Personen wurden verhaftet. Für einige Zeit sind die Juden, genug geprügelt! Der Bischof von Kischinew hat daher auf Anordnung des Oberprokurators des heil. Synods die Geistlichkeit angewiesen, in der Kirche durch Predigten und ausserhalb derselben durch Belehrung auf die orthodoxe Bevölkerung einzuwirken, darr.it der religiöse Hass gegen die Juden schwinde. Der religiöse Hass gegen die Juden wird nicht eher schwiiiden, als bis die ״Liebe■‘ aufliört. die ihn zeitigt. Personaluachricht. Wie wir verspätet erfahren, feierte an! 12. Juli dieses Jahres der Vorturner der Altelierreuriegc des jüdisch-nationalen Turnvereins B3r-K״chba in Berlin, Herr Uhrmacher Salomo!» Löske, seinen siebeuzigsten Gelnirtstag. Seine körperliche und geistige Frische beiähigt Herrn Löske, der wohl der älteste jüdische Turner überhaupt sein diiritc. ganz ausserordentlich zu diesem Amte. Unser gre sei Ficmid ist auch Mitglied der Beriiner Zionistischen Verein;• gung und hat durch seine rege Anteilnahme au den zionistischen Veranstaltungen ebenst* sehr wie bei du! Turnübungen durch die Kraft und Geschicklichkeit seines Körpers gezeigt, dass er in Wahrheit noch im Jünglingsalter steht. Zu seinem Khrc;1tage sprechen wir dem schlichten Manne noch nachtrügiicl! unsere allcrherzlichsten Glückwünsche ans. Die Ausgrabungen int Orient schreiten rüstig weiter. Bsi den neuen \on Dr. Wilhelm Frhr. von Landau mit Unter- Stützung der türkischen Regierung unternommenen Ansgrabungen auf pliönikischem Bode;! hat Privatdozent Dr. Hugo Win ekler, der die Grabungen!eitet, etwas entfernt von den Ruine 1 des blossgclegten Tempels des Escbmiiu, das Fragment einer grossen Inschrift in aramäischer Schrift entdeckt. Die Sehriftplatte ist tief in einem Brunnen vermauert, und cs wird noch grosse Mühe kosten, das seltene Fundstück zu heben. Da der Fundort abseits von dem eigentlichen Tempelbezirk liegt, wo die beiden Gelehrten.allein die Ermächtigung der türkischen Regierung besitzen, Grabungen zu veranstaltet!, so muss ei!10 neue Erlaubnis in Konstantinopcl cmgcholt werden, die Platte auszugraben. Die Inschrift erweist sich als das Ende der letzten Zeile eines grösseren Schriftsatzes, die Länge der Zeile mag etwa 1'-• Meter betragen haben. IS Zdlen in sehr grossen Buchstaben sind erhalten. \V. hat vorläufig einen Abklatsch genommen und ist nach Beirut gegangen, um dort die einschlägige Literatur cmzuschcn. und näheres über diese neue Weiliinschrift feststcllcn zu können. An dem Tempel selbst ist unten am Fundament noch eine kleine phönikischc Inschrift gefunden worden, die einer anderen auf schwärzlichen! Marmor ähnelt, welche Dr. v. Landau in seinem phunikischen Inschrifteu-Korpus bereits unter No. 12 veröffentlicht hat. Durch die Presse ging die Notiz über den Ankauf eines grösseren Grundbesitzes seitens der Israelitischen Erzieliuugsanstait Ahlem, behufs gründlicherer Ausbildung der Zöglinge in der Landwirtschaft. Diese Nachricht ist nicht zutreffend. Allerdings besteht schon seit längerer Zeit die Absicht, einen solchen Grundbesitz zu dem aiigozpbeiten Zweck zu erwerben: mit dem Besitzer der genau! 1 teil Bauernhöie landen auch schon Verhandlungen statt, die zu keinem Resultat geiiihrt haben. Ohnehin hängt cs von verschiedenen Umständen ab. ob dieser Grundbesitz in der Nähe Hannovers oder einer anderen Gross• stqjjt erworben werden soll. 1 ' i O * mp ־w «״«•**fl f 4

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