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Jüdische Rundschau · 1903-07-24 · Heft 30 (24.7.1903) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 30 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Jüdische Rundschau Seite 309 No. 30. -u. warmen ond gefühlvollen Worte des Redners. Als erster Diskussionsredner sprach Herr stud. Schlechterer. Unter Hervorhebung seines assimilatorischen Standpunktes bestritt er die Existenz eines jüdischen Volkes. Herr Dr. Wimpfheimer ergänzte, auf dem gleichen Standpunkt stehend, die Ausfiihrunsrc'n seines Vorredners dahin, dass der Nationalismus einem ,.Panismus“ Platz machen müsse, dass die deutschen Juden im deutschen Ganzen sich aufiösen müssten. Ucbrigens ”müsse der Stolz der Juden darin bestehen, auszuharren, auch unter den jetzigen ungünstigen Verhältnissen. Herr Dr. Moses trat beiden Herren Opponenten, namentlich dem letzteren, entgegen und wies auf die Früchte hin, die dieser ״Stolz“ zeitigte, dass nämlich die ״Stolzen und Ausharrcndcu“ ihre Kinder vielfach zum Taufbecken führen. SensatitficJI wirkten die Worte des gegenwärtig in Heidelberg weilenden Führers der amerikanischcn Zionisten, Prof. Dr. Gotthcil-Ncw-York. Kr führte aus. dass in Amerika und England, wo sich Zionisten in hervorragender Weise an patriotischen Aktionen beteiligt haben, deren Patriotismus niemals in Zweitel gezogen wurde. — Nach einem kurzen Schlusswort des Referent^» wurde die Versäumtlung geschlossen. Die Ortsgruppe kamt ntit dem Verlauf des Abends, der ihr eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder zuliilirte. sehr zufrieden sein.“ London, 7. Juli. Während im Westende Londons gestern abend unter den Tausenden von liier ansässigen und den Tausenden von eigens herübergereisten Franzosen grösster Jubel herrschte, hatten sich im Ostende an die CCM»0 bis S0(K> russischer Juden zu einer ernsten religiösen Trauerfeier für die Opfer von Kischincw in der grossen Asscmbly Hall in Milc Fnd zusatnmcngetimden. Der Chiefrabbi Prof. Dr. Moses G a st c r und Dr. fl. Goliancz waren die Hauptredner auf dieser vom englischen Zionistenbmt.lc veranstalteten Feier, und ihre Reden waren mit. Absicht gemässigt und gedämpft gehalten. Der Zar selbst wurde mit respektvollen Ausdrücken erwähnt und die Hoffnung wurde ausgesprochen, dass dem Zaren die Proteste gegen die Grcucltatcn der ßurcaukratie zu Ohren kommen möchten. Von allen Seiten wurde dem Wunsche Ausdruck gegehen, die durch das Walten der Vertreter der ״Liebe“ zu Waisen gemachten Kinder im Lande Israel anzusicdeln. »!-י• וי► t mm m« -יין *ייו *0 ןייי**ft r• m r •י■?«״r , f ״ A A A '•׳ * * A VA Fm tfm <יי׳*«m > ,יייו«-ין ויין יל׳ ־-׳׳ ד• ■ ■ י T1 *.׳ יי - :׳׳ ל ך ץ t ■׳ ז! :;; ׳ •׳•; * ל׳ ז׳ ׳ ל^. h Rundschau. üi t» I ׳ y.%] f/Vf»'* T T T T T V T V•? V ׳ יי<* 'f T A ׳ ייf T? 'יי T ׳ יי!' V? V '*'V ׳ י*׳!' 'f ׳׳' V V V xsl Der Konltzcr Mord gelangte gestern vor dem Schöffenge rieht des Landgerichts I in einer Beleidigungsklage zur Verhandlung, welche von dem Kaufmann Hermann Lcscziuski, dem Tcmpeldieucr Nossck und der Fleiscliermeistersehefrau einer ..Uroffcnbarung“ an die ersten Menschen wird Delitzsch schwer cingchen. Und wenn wir S. *19 den apodiktischen Satz finden: ..Der Pentateuch ist von Moses gesclirieben (1500 v. Clir.) u:»d es besteht gar kein Grund, ihn später zu setzc.t“. so ist das eine kurze, aber leichtfertige Abfertigt? tg der gesamten Bibclkritik, die dem Glauben des Juden alle Ehre macht, aber nicht das Fundament einer ״wissenschaftlichen“ Widerlegung bilden darf. Wollen wir den Glauben als Beweis bo.1utzcn4 so ist die Diskussion geschlossen. Den springenden Punkt im Kampf um die Bibel — das sei prinzipiell gesagt — heben weder die vorliegenden Autoren noch die meisten andern genügt!td heraus. Darüber, wo die Anschauungen über Welt und Gott reiner und höher sind, kann kein Zweifel bestehen. Nicht das ist das Wesentliche ob diese oder jene Einrichtung int Judentum ihr Vorbild in Babel hatte, sonder» der Kern der Bibelkritik ist der Kämpf um die Offenbrrung.. Mit ihr steht und fällt die unbedingte Autorität der Bibel. An einer elthciilichcn Offenbarung des Pentateuchs aber rütteln, wie einst Kopcrnikus, so jetzt von anderer Seite her Eberhard Sciiradcr und die sich an ihn schliessende Richtumr. zu der auch Delitzsch gehört. Darum liegt der Schwerpunkt des Angriffs in der Vergleichung des babylonischen Schönfungs• und Sintflutberichtes mit dem biblischen. Das ist eine ernste und tiefe Frage, zu derat eingehender Prüfung Dilettantismus nicht ausreicht. ca. Pauline Lcvy, sämtlich zu Könitz, dem Fleischermeister I. Eisenstädt zu Prcchlau und dem Flcischermcistcr Eisenstädt zu Schlochau gegd.1 den früheren Redakteur der ״Staatsbürger- Zeitung“, jetzigen von Juden gewählten antisemitischen Abgv ordneten für den Kreis Schlochau, Otto Bö ekler, ange strengt worden war. Die fünf Kläger sind derzeit im Prozess Massloff als Zeugen vernommen worden. Ihr Auftreten und ihre Aussagen wurden in einem Artikel unter der Ueberschrift ״Der Blutmord in Könitz“, der am 1. Februar 1891 in der ״Staatsbürgerzcitung" erschien, in einer Weise kritisiert, dass die Klagenden darin den ..Vorwurf des wissentlichen Meineides erblickten. Der Vertreter der Kläger beantragte unter Hinweis darauf, dass in gleichen Füllen frühere Angeklagte zu Freiheitsstrafen verurteilt worden seien, auch gegen den Beklagten Böckler eine Gefängnisstrafe. Der Gerichtsbof verurteilte den Beklagten zu einer Geldstrafe von drei Mark, den Klägern wurde die Publikationsbefugnis im ״Berliner Tageblatt“, im ״Konitzcr Tageblatt“ und der ״Staatsbürgerzeitung” zugesprochen. Die deutsche jüdische Presse befasst sich weiter in einmutiger Entrüstung mit der ״lächerlichen, unhaltbaren und unwürdigen Situation, i!1 der die Bonner jüdische Gemeinde nach der Charakterisierung, die Dr. Apfel im ״Israelitischen Gemef.idcblatt“ gibt, durch die K i n d c r t a 1! i e!1 einer Reih.* von Mitgliedern der Gemeindeverwaltung geraten ist. Su bringt der Berliner ״Generalanzeiger“ ein geharnischtes Untrefiiet über die horrenden Vorgänge. Inzwischen kommen immer neue, ganz unglaublich klingende Nachrichten aus Bonn. Für heute sei folgendes verzeichnet: Die getaufte Tochter des Re• präsentanteneersitzenden war mit einem ebenfalls getauften, inzwischen verstorbenen Bonner Kätreehandier verheiratet. Der Bruder und Mitinhaber des Kaffee gesehiifts ist aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten. Dieser KaiäehaniUung schenkt die Kölner Orthodoxie das Vertrauern ihr zu gestatten, alljährlich mit der Autorisation des orthodoxen Rabbinats zu Köln Kaffee für die Pcssachtagc zu verkaufen. Sind wir das Opfer einer Mystifikation geworden — diese Nachricht ist zu horrend, als dass wir sie ohne weiteres glauben können —, oder kennt man in Köln, 1ד Stunden von Bonn enfernt, die dortige!t Gemeindeverhältmsse nicht? Das Baseler Programm verpflichtet uns, für ״Hebung des Jüdischen Selbstbewusstseins“ Sorge zu tragen; wir glauben, unsere Pflicht zu tun, wenn wir auf offene Wunden und Schäden, die unser stolzes, schönes Judentum entstellen, ohne jede Rücksichtnahme, aüi wen auch immer, Hinweisen. Die Gesinnungsgenossen im Rheinland abe. möchten wir zur Arbeit auch nach dieser Richtung auffordern, cs muss ein einmütiger Protest erzielt werden gegenüber der Schmach, die dem jüdischen Volke durch das Renegatentum angetan wird. pik. Blaschkc Ist ein Städtchen in Russisch-Polen. Port kaufte ein ׳achtzigjähriger Jude, namens Israel Stolzer, am Donnerstage nach Pfingsten ein Bund Stroh. Ais er merkte, dass es sehr schwer war, bat er den Bauern, der das Stroh feilgehalten hatte, cs ihm für fünf Kopeken in seine Wohnung zu schaffen. Der Bauer weigerte sich, und cs kam zu einem Wortwechsel, der einen Polizisten herbeilockte. Als dieser die Ursache des Streites erfahren hatte, prüfte er das Gewicht des Strohes in seiner Hand und fand es auffallend schwer. Als er es darauf hin- und herschütteltc und mit der Säbeispitze liineinstach, fiel ein totes Kind heraus. Es war klar, dass es sich um den nun misslungenen Versuch handelte, den Juden den Mord untcrzuschicbcn, um sic in altgewohnter Weise ermorden zu können. Der Bauer wurde nun nach russischem Polizeibrauch erst gehörig verprügelt und dann nacl! der Wache gebracht. Ucbcr den Verlauf der Sache ist noch nichts bekannt geworden. 11a. In Dubossary wurde ein gewisser Michail Rybolcuko verhaftet unter dem erdrückenden Verdachte, seinen jungen Neffen ermordet zu haben. Man erinnert sich, dass der Mord dieses

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