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Jüdische Rundschau · 1903-07-24 · Heft 30 (24.7.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 30 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seltcm «Jüdische Rundschau No. 30. ■ .-...■f Delegierte: Qoitein und Sondhelmer. Stellvertret e r: Ooldniannn und Qans. F. S. Mainz. Am 8. •Juli fand eine Mitglieder-Versammlung statt, in welcher die Wahl der Kongrcssdclegicrten vorgenommen wurde. Unserer Ortsgruppe gehören 207 Schekclzahler an, so dass uns zwei Delegierte zustehen. Als solche wurden ״ewöhlt unser erster Vorsitzender Herr Dr. R. Schauer, Rechtsanwalt in Mainz und unser zweiter Vorsitzender Herr S. Lazarus, Kaufmann?.ו Mainz. ' Den Wahlen ging ein Referat des Herrn Dr. Schauer über die Aufgaben des VI. Kondresses voraus. Derselbe schilderte die Bedeutung des Kongresses für das Oesamtjudentum, hob von den speziellen Aufgaben derselben besonders die Konstituierung des Nationalfonds und die Feststellung eines Statuts für denselben hervor. Als Delegierter wird der Redner Jede Fraktionierung in der zionistischen Bewegung bekämpf;!!, da er ein geschlossenes, einmütiges Vorgehen für unerlässlich und alle Sonderbestrcbuiigcn für schädlich hält. Zum crstcnmale seit seiner Rückkehr aus Palästina war unser Vorstandsmitglied Herr Assessor Dr. Friedemann aus Wiesbaden bei dieser Versammlung anwesend. Allseitig freudig begriisst, .sprach derselbe in üusserst anregender und belehrender Weise über die bei seiner Falästinareise gemachteil Erfahrungen und polemisierte gegen die kürzlich erschienene neue und vermehrte Auflage der ״Zionistischen Trugbilder'* des Dr. Mechanik in Mainz und die in dem Büchlein enthaltene׳!, durch keinerlei Sachkenntnis und Rcisccrfahrungcn getrübten Ausführungen über die Verhältnisse in Palästina. Der Redner trat für baldigen Landankauf in Palästina ein und erntete für seine treffenden Darlegungen reichen Beifall. H. B. Heidelberg, 18. Juli 1903. Die Wahl gruppe für den Kongress: Heidelberg, D a r 111 s t a d 1 und Karlsruhe hat zum Delegierten Herrn B e r 11! o Id Feiwel gewählt Da ein Brief an seine Adresse in CI c 11 f als unbestellbar zurfickkam. so wird Herr B. Feiwel auf diesem Wege ersucht, an die unten־ stehende Adresse Mitteilung zu machen, ob er die Wahl annimmt. E. Qoitein. Heidelberg, Römerstrasse 76. Heidelberg. Am H. d. M. fand eine öffentliche zionistische Versammlung statt, in der Gg. Julius S i n! o n aus Mannheim über die Jude1.׳fragc und den Zionismus referierte. Das Heideiberger Tageblatt berichtet darüber: Die von der' liiesigen Ortsgruppe cinbcrufene Versanimlung erfreute sich eines ungewöhnlich reichen Besuches. Der Saal war überfüllt Nach de.» einleitenden Worten des Vor- ,sitzenden Dr. Regensburger erhielt der Referent, Herr Julius Simon aus Mannheim. d׳»s Wort. Dieser. begann mit einem I Hinweis auf die grauenvollen Ereignisse In Kischincw, die wieder einmal die furchtbare Hilfslosigkcit der grossen Mehrheit des jüdischen Volkes erwiesen haben. Einem so grausamen Schicksal sei aber das jüdische Volk nicht unentrinnbar verfallen. Wenn es noch so viel Lebenswillen habe, um zu wollen, dass es nicht in kläglicher Assimilation unter den anderen Völkern verschwinde, so sei die erste Voraussetzung für eine Verbesserung der jetzigen traurige! Verhältnisse Im zionistischen Sinne gegeben. Die jetzige Lage der Juden sei eine anomale, und zwar deshalb, weil man die ganze Besserung der jetzigen Verhältnisse von anderen erwarte, statt sie sich aus eigener Kraft zu schaffet!. Das jüdische Volk sei der Träger einer grossen Kultur gewesen, deren Ergebnisse noch heute wirkten. Diese spcziiische Kulturkraft müsse unter allen Umständen erhalten bleiben. In! heutigen nationalen Wettkampf, der gegen die frühere rohe Unterdrückung des Gegners einen friedlichen, geistigen Wettstreit immer mehr zeitige, solle auch das Judentum seine spezifische Note behalten. Alle lebensfähigen Völker wollten dem Fortschritt der Mcnschcit ■mit ihren besonderen Kräften dienen. Noch sei das Judentum lebensfähig genug, das Gleiche zu wollen. D;e Voraussetzung׳ aber für eine gesunde Arbeit seien gesunde natürliche Lebeushcdingungtu. die erst ein freies Ausleben ermöglichten. Der Redner schilderte darauf die trostlose Lage von nenn Zehnteln des jüdischen Volkes, die in den Ghetti von Russland, Rumänien. Galizien. New-York und London daliinsiechen. In Amerika und Südafrika seien bereits scharfe l:inwa11dcrungsverbote erlassen. In England bereite sich ein ähnliches Gesetz vor. Wohin also mit all denen, die sich nicht assimilieren kennten oder wölken? Alle Voraussetzungen für eme wahre, endgiltige Heimat besitze nur ein Land der Welt, das alte Judeiland. das Land uralter Sehnsucht: Palästina. Der Redner schildert nun die günstigen wirtschaftlichen Verhältnissc des Landes, das nur der Arbeit noch entbehre, u־n wieder ein Land zu werden, ״in dem Milch um! Honig fiiesst.״ Der Zionismus sei die moderne Bewegung im Judentum, die all dem eine reale, natürliche Lösung gewährleiste. Die Vorbereitungen zu dem guten Gelingen seien durch die bisherige zionistische Arbeit geleistet: jetzt hätten nur noch alle wertvollen Elemente im Judentum zu wollen, und das Gelingen sei nicht fern. Das zionistische Programm laute: Der Zionismus erstrebt fiir das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Zum Schluss forderte der Redner die Anwesenden *auf, der Bewegung beizutreten. Man solle nicht zweifeln. Vor der Tat verzweifeln, hicsse greisenhaft handeln. Das Judentum aber sei noch jugendfrisch: alles Ungemach habe nicht vermocht, seine Spannkraft zu lähmen. - ׳ Tosdider Beifall lohnte die überaus Litteraturberich 1• elnschllglgen Lltteratur. welche der RdUJuJoo cu4& mnOt werden, finden eingenende Besprechung.) ״Es werde Licht!“ Eine Aufklärung über Babel und Bibel von Dr. Wilhelm M ii n z, Rabbiner in־ Gleiwitz. Breslau, Verlag von Wilhelm Koebncr (Inh. Baraseh und Ricscnfcjd) 1903. Preis 60 Pfennige. 52 S. 8".!Contra Delitzsch! Die Babel-Hypothesen widerlegt von Dr. S. Meyer, Rabbiner in Regensburg. 11. Auflage, zweites und drittes Tausend. Frankfurt a. M. J. Kaufmann. 1913. 60 S. 8°. Von der gewaltigen Littcratur. die Friedrich Deli׳tzsch durch seinen Angriff auf das Alte Testament hervorgerufen hat, verirrt sich einiges auch auf unseren Tisch. Versrebens aber sucht man unter all den Arbeiten -- vielleicht mit Ausnahme der von Barth — die eines jüdischen Gelehrten von Fach, der als Kemter ohne Vorurteil Kritik iibt. Alle übrigen Schriften haben wesentlich nur einen rhetorischen Wert. Das ,'gilt auch von den beiden vorliegenden. Münz verzichtet von vornherein auf wissenschaftliche Belege, und mit Recht. Es kommt ihm darauf an. den ״Geist‘• der Bibel durch die Gegenüberstellung babylonischer Vorsteilungeii um so herrlicher hervortreten zu lassen. Und in der Tat, wenn man die edelsten Blüten jüdischen, biblischen Geistes mit den zitierten kindlich-nivstischcn Anschauuhecn aus Babel zusamnienhäU. wird man ihm als Jude freudig beistimmen. Naturer »näss aber Int er parteiisch ausgewählt, eine Methode, die v'r in den Händen unserer Gegner itmner aufs schärfste zuri'׳. e weisen. Dazu kommt, dass d *r ..biblische Geist“ oft genug so spezifisch nioderit-jiidisch umgearbeitet ist. dass er nur in! Kreise gleiclicnipfindcndcr zeitgenössischer Juden Anklang fhden kann. Können wir daher die Schrift von M ii n z auch nicht eine ..Aufklärung über Babel und Bibel" nennen, so ist sie doch eine Folge von ernsten Predigten eines sittlich hochstehenden Juden, in schöner Sprache, mit glänzenden Bildern, zahlreichen rhetorischen Pointen, und getragen von jüdisch-nationalem Stolze. Die Schrift von Dr. S. Mcvcr will laut ihrem (leider etwas zu aufdringlichem) Titel mehr sein, eine Widerlegt!!!״. Wirklich weist der Verfasser an zahlreichen Stellen mit Glück darauf hin, dass Delitzsch in seiner Vorliebe für Babel und -- seiner Abneigung gegen das Jüdische lieber wagehalsige Hypothese 11 aufstellt als den jüdischen Charakter jüdischer Einrichtungen anerkennt. Andererseits benützt Verf. bei dem Versuch, das Judentum!.!!abhängig von Babylon hmzustcllen. Beweismittel, die naiv, fast komisch sind, für den Mann, der die Offenbarung leugnet, dürfte cs wenig Beweiskraft haben, wenn der Ursprung des Sabbats aus der Stelle bcrgclcitct wird: ״Denn in sechs Tagen‘* u. s. w. Auel! auf die Annahme p« 5; j י"־ ־ ־

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