Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1903)
- Date
- 1903-07-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 298. No. 29. / JUdische lR1tndLsol1a.11• «chiedenen Schattierungen, insbesondere die Jugendvereinc, die einen trefflichen Boden für unsere Einwirkung abgeben. Der ״Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Olaubens*‘ besitzt trotz vieler Mängel einen wertvollen Kern, nämlich einen jüdischen Willen. Er wird sich zweifellos seiner cigcntliehen Bedeutung immer mehr bewusst und führt, wie manche Anzeichen der letzten Vergangenheit beweisen, allmählich eine langsame Schwenkung aus. Anstatt ihn nur zu bekämpfen, wie es meist die zionistische Taktik ist, ist es rötlicher, in grösseren Massen In Ihn einzudringen, um so einen bestimmenden Einfluss auf seine Tendenz und Wirksamkeit ausüben zu können. Wenn es auf diesem Wege gelingt, ihm seine Verkehrtheiten, wie die unfruchtbare Abwehrtätigkeit, seine übertriebene Deutschtfimelei, zu nehmen, wird er bei seinen erheblichen Mitteln imstande sein, eine tiefgehende positive Wirkung erzielen zu können. Selbstverständlich müsste cs erscheinen, dass wir bei keiner sozialen Arbeit innerhalb des Judentums fehlen dürfen, denn wir müssen jeden Versuch freudig begrüssen, der eine Besserung unserer abnormen Verhältnisse auch schon im gegenwärtigen Zeitpunkte anstrebt. Vereine zur Förderung des Handwerks, Arbeitsnachweise, Vereine für Obdachlose, Arbeitcrkolonien, der Verein zur Verbreitung der Bodenkultur, die Ahlenier Erzichungssanstalt etc. zeugen von dem Wachsen des sozialen Gewissens und der sozialen Einsicht unter den deutschen Juden und gewinnen durch straffere Organisation und Zusammenfassung steigende Bedeutung; insbesondere die letzteren verdienen unsere warme Unterstützung, da sic einen Schritt auf dem Felde bedeuten, dem die wichtigste Rolle in der erhofften Gestaltung der Dinge zugedacht ist. Naturgemäss muss bei dem interterritorialen Charakter des Zionismus unsere Aufmerksamkeit in noch höherem Masse auf jene Bestrebungen gerichtet sein, welche sich über den Rahmen Deutschlands hinaus mit der Judentrage des grössten Teils unseres Volkes beschäftigen und, sei es durch Aktionen an Ort und Stelle — wie die Alliance israelitc universelle und der Hilfsvereu! deutscher Juden—, sei cs durch Verpflanzung in andere Länder und landwirtschaftliche Kolonisation wirken wollen. Auf diesen wichtigen Punkt, der die gründlichste Behandlung verlangt, kann hier nicht weiter eingegangcri w׳erden, doch muss betont werden, dass wir hier vor allem auf dem Posten sein und jedem Schritte gespanntes Interesse und, falls es geboten erscheint, auch tatkräftige Mitwirkung widmen müssen. Nur dadurch, dass alle diese Institutionen von Zionisten Infiltriert werden, wird cs möglich sein, ihre zum Teil ausserordentlichen Mittel einem einheitlichen, grossartigen Ziele zuzuffihren. Doch es erübrigt sich, w׳eitcr in’s Einzelne zu gehen, das cetcrum censeo muss für uns Zionisten in allen Fülle*.’ dasselbe sein: wo sich eine jüdische Arbeit findet; die einen positiven Kern besitzt, dürfen wir nicht glcichgiltig beiseite stehen, sondern müssen nach Kräften niitwirkcm Die bisherigen Erfolge dürfen uns nicht zu vorzeitigem Jubel verleiten; denn ein Vorgang, wie jener, von dem wir ausgegangen sind, lehrt uns deutlich, dass die Wurzeln, die der Zionismus in Deutschland geschlagen hat, noch nicht tief sind. So kann die Gründüng der ״Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“ nicht nur ein Malinwort für diejenigen sein, denen die jüdische Wissenschaft anvertraut ist, sondern auch ein lauter Weckruf an uns Zionisten! ZG--- Aus der Bewegung. 3C—. -.. Mitteilungen des Zentralkomitees der ״Z i o n Ls t i s c 11 c 11 Vereinigung i ü r Deutsch la 11 d.“ 1. Zur Annahme eines Mandats für den Kongress ausserhalb ihrer Ortsgruppe sind noch bereit: 54. Referendar W e y I, Köln, Brüsslerstrasse. 55. Gustav Wolf, Kaufmann, Köln. 56. Rechtsanwalt Dr. Moritz Bloch, Constanz. 57. Gerichtsasscssor Dr. Walter Munk, Berlin W., Bcndlerstr. 17. 2. Gewähltsindbisjetztdicfolgcnden Herren und Damen: 1. Dr. J. Moses, prakt. Arzt, Mannheim. 2. Dr. Regensburger, prakt. Arzt, Mannheim. 3. Julius Simon, Kaufmann, Mannheim. 4. Gerichtsassessor Dr. Adolf F r i c d c m a n 11 aus Wiesbaden für Mannheim und Cairo. 5. Ref. Sammy Grone mann, Hannover. 6. Frau Sonja Qroiicman n, Hannover. 7. S n e 11 i n g, Kaufmann, Hannover. 8. D. W o 1 f s 0 h n, Kaufmann, Köln. 9. Dr. B 0 d e n 11 e I in e r, Rechtsanwalt, Köln. 10. Max Go Id reich, Buchhändler, Köln. 11.. Hugo Blum, Kaufmann. Halberstadt. Ersatzdclegiertcr Rabb. Dr. Nobel. Leipzig. 12. Dr. Schauer, Rechtsanwalt, Mainz. 13. Sigm. Lazarus, Kaufmann, Mainz, Bal11‘l1fif- Strasse 5. Als Ersatzdelegicrtc sind weiter gewählt die Herren T11 all! ei me r, Sa 10m 0 11 und Rabinovitz in Köln. Zirnak, Neu mann und Brafnian n in Hannover. Von Wien erfahren wir. dass auch in H a m - bu rg eine Wahl erfolgt sein soll. Ein Protokoll ist uns hierüber bis jetzt noch nicht zugegangen. Wir empfehlen allen Ortsgruppen־ gleichzeitig mit den W a 111 e n zum Kongress auch diejenigen für den Delegiertentag der deutschen Zionisten zu vereinigen, welcher am 20. August in nächster Nähe von Basel stattfiuden wird. . Der Delcgiertcnlag wird einen ganz internen Charakter tragen, jedoch von umso grösserer Wichtigkeit sein. Die Tagesordnung ist vorläufig wie folgt festgestellt: 1. Berichterstattung des Zentralkomitees. 2. Berichte der Distriktbureaus. 3. Parteiorgan. Beschlussfassung über den Antrag des Zentralkomitees die ״Rundschau“ iedem organisierten Zionisten Deutschlands unentgeltlich zugänglich zu machen. 4. Organisationsfragen. 5. Veranstaltung einer Propagangafournee für den Winter. 6. Vorbesprechung fiir den Kongress. 7. Wahlen. Für den Delegiertcntag ist jede Ortsgruppe wahlberechtigt. Nach dein bisherigen Gebrauch haben die Kongressdelegierten, welche zur deutschen Landsmannschaft gehören, Sitz und Stimme auf dem Delegiertcntag, da die L a 11 d s 111 a 1111 ׳ s c 11 a f t sieh gleichzeitig als D e I e - gierte 11 tag konstituiert. Mit Rücksicht auf die voraussichtlich zahlreiche Be- Schickung des Kongresses aus Deutschland, wird das Zentralkomitee fiir die Einrichtung eines ständigen Bureaus und Versammlungslokals der deutschen Delegierten in Basel Sorge tragen. Die Zahl der Delegierten des Mannheimer Bezirks beträgt 14 nicht 12, wie in der letzten Nummer irrtümlieh angegeben. Der Delegiertentag Deutscher Zionisten findet am 20. August, vormittags 10 U11 r, 111 Sankt-Ludwig im Saale des H o t e I J 01111 s t a 11. St. Ludwig ist eine Vorstadt von Basel auf elsässischem Boden und in 15 Minuten mit der clektrischen Strasscnbahn zu erreichen. Die Delegierten können daher in Basel oder in St. Ludwig Wohnung neli- ) י