Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1903)
- Date
- 1903-07-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I I ־־"וין•**"'*־» >״־,׳יי*י>. ft * v**■*|¥«י No. מ. Jüdische Bundsohau. Seite 293. eine bewusste Vertauschung von Ursache und Wirkung vor, das ist aus seinen eigenen Worten hn MUnsterratc deutlich herauszutesen: ״Pie Beschränkutigcmassregeln gegen die Juden vom 3. Mai 1882 haben dahin geführt, dass die Jüdische Bevölkerung die Städte überfüllt hat und keine genügende Arbcitsgelcgciiheit finden kann. Dadurch sind die Juden in die äuserste Armut gestürzt worden, sie leben in antisanitären Verhältnissen und bilden nun eine Gefahr, sowohl für die öffentliche Gesundheit wie für die öffentliche Ordnung. Die Jüdische Jugend, die ohne Aufsicht gross wird, bildet ein Material, das stets bereit ist. die revolutionäre Propaganda in sich aufzunchmen und an den regierungsfeindlichen Bestrebungen tcilzunchincn.“ Und wenn trotz dieser vernünftigen Erkenntnis derselbe Minister v. Plchwc öffentlich als Mittel zur Abhilfe und als Ziel der russischen Judenpolitik die vollständige Austreibung der Juden, wie sie seit Iguaticw angebahnt worden ist, bezeichnet, so muss cs Jedem klar werden, dass hier nicht ein irregeleiteter Wahn, sondern ein kalt berechnendes System, das kein Mitleid keimt, namenloses Elend über das jüdische Volk bringt. Und diese Erkenntnis ist wichtig, denn sic verheisst nicht, womit unsere deutschen. Juden sich so gern einlullen, für morgen einen Umschwung zum Besseren, sondern lässt im Gegenteil keine Aussicht auf Besser u n g der Z u s t ä n d c in a b s c h b a rer Zeit aufkommen. Denn keine Politik geht so einheitlich und traditioncll durch Jahrhunderte, wie die russische. Einen Schritt weiter ging sie wieder in diesen Tagen. Die kärglichen ״Rechte“ der Juden sind noch kürzer geschnitten worden; auch den privilegierten Juden, ebenso natürlich allen übrigen, ist es von nun an verboten, ausserhalb der Ansiediungsrayons Grundbesitz zu erwerben. So drängt man die Juden langsam, aber unerbittlich und sicher aus dem Lande heraus. Schon beginnt, getragen von dem Jungen Schrecken von Kischiijew, die Wanderung der Juden. Aller Augen richten sich auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika, denn dahin wird sich der Strom ergiessen. Nirgends hat auch naturgeniäss Kischinew ein solches Echo gefunden wie hier. Die offizielle Politik der Vereinigten Staaten sucht vorzubeugen. Sie hat gegenüber der in Formeln erstarrten Kabinettspolitik Europas schon mehrfach einen frischen, impulsiven, menschlichen Zug gezeigt. Der Präsident Rooscvclt scheut sich hiebt, seine Antcilnahmc für die Juden in anderen als konventionellen Worten auszudriieken. Ja er scheut sich nicht, nachdem Russland eines seiner offiziellen Dementis auch für ihn hcrcitgclcgt hatte, zu erklären, dass man Russland misstraue. Ja. obwohl Russland ausdrücklich durch seinen beauftragten Vertreter Jede Einmischung in seine ״inMeren" Angelegenheiten abgelehnt hat, Hut er noch den letzten Schritt, dass er eine Petition wegen der ungerechten Bedrückung der russischen Juden durch seine Hand an die russische Regierung gelangen lässt — aber damit ist seine Macht zu Ende, er selbst erklärt, nicht mehr tun zu können. Auf eine Intervention oder eine ernste Verwicklung zwischen Russland und Nordamerika wegen der Juden ist nicht zu rechnen, das lehrt uns Rumänien. 1 Auf der anderen Seite ist es fraglos, dass die Vereinigten | Staaten einer grossen Einwanderung armer Juden nicht regungs- | los Zusehen werden. Sic werden ihre Landungsbestimmungen in steigendem Masse verschärfen, und bald wird sich die so | lange gastliche Tür ganz schiiessen. Das slnl keine Prophezeiungen, das sind Binsenwahrheiten, die Jedem greifbar sind. Und was dann? Wieder stehen wir vor einer Katastrophe, und wieder mit leeren Händen und blutendem Herzen. Wir haben Hilfsvercinc und Wohltätigkeitsorganisationcn iii Masse, und doch musste erst in den letzten Tagen eine Konferenz dieser Organisationen den Beschluss fassen, einer Auswanderung mit allen Kräften entgegenzuarbeiten, w׳eil man völlig ungerüstet dastchf. Werden darum die jüdische*! Massen in der Mördergrube bleiben?! Unermüdlich haben die Zionisten in .relativ ruhiger Zeit j gearbeitet, um den Gedanken der einzig möglichen Hilfe auszubreiten. Gellend schallt Jetzt der Notschrei der Juden nach! einer Heimat zu uns herüber; werden endlich die trägen Massen! der bequemen Juden ihn hören? 1 _ «• r w tFVf mi 1 Si * Von M. Hecker. Diplom-Ingenieur. 1 . Vor einiger Zeit fand die erste Ausschuss-Sitzung der Ge* Seilschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt, ein Ereignis, dem alle diejenigen, welche einem wahrhaften Leben innerhalb des Judentums mit Teilnahme und Hingabe folgen, voller Spannung cntgegenschen müssten; umsomehr, als seit der Gründung der Gesellschaft, die nur von einer allgemeinen programmatischen Kundgebung begleitet war, keine weiteren Mitteilungen über die geplante Arbeitstätigkeit in ן die Oeffcntlichkeit gelangt waren. Wenn die Erwartungen, die | man in die neue Schöpfung setzte, nicht gering w־aren, 50 1 ist die Enttäuschung, welche ihr erstes Lebenszeichen uns vergeblich. Mit traurigem Gesicht kommt er wieder I nach oben: ״M <1 s c h וזז i s i k t — i 1 a k!“ ״Ich hab’s \ nicht kriegen können, — es gehört dir,“ lässt er sich mit weinender Stimme vernehmen. Bald beteiligen sich auch andere Herren an dem Geschäft. Nach einer halben Stunde oder mehr ist der Kleine ermüdet und schwimmt an den Kahn heran, an den er sich anhängt, während ihn der ältere Bruder anklcldct. Erst, als er seine Blösse völlig bedeckt hat, klettert er in das Boot. Ich habe überhaupt fast niemals echte י Orientalen völlig nackt baden sehen. Daun springt der *ältere Knabe in das Wasser, um die ״Fantasia“, die ihm ein ergiebiges Geschäft ist, in gleicher Weise fortzusetzen. Auch fängt er die Münzen im Munde auf. Wir bewundern die schlanken, bew eglichen, braunen Glieder dieses späten Nachkommen eines Seevolkcs, das längst verschollen. Mit unserer Landung hat das Spiel ein Ende. Wfir betreten den Boden Pliönikiens. Von dieser Küste aus ist die früheste Kultur nach dem Ahendlarfde gebracht worden. Die europäischen Länder des Altertums sind nicht eher in den Bereich der Zivilisation gezogen worden, als bis sic von den Phönikiern entdeckt waren. Und Kena’an zeugte den Z Id ö n , seinen Erstgeborenen, und den Chöth, und den Jebüsst, und I den EmAri, und den GirgAscfn, und den Chiww!, und ’ den ’Arkt, und den Shit, und den Arw Adl, und den ZcmArt und den ChanunAtlit; und späterhin breiteten sich aus die Geschlechter des Kena'aul. Und die Mark des Kcna'ant war von ZWm gen GcrAr bis *AzzAh, gen Scdmii und ’AmorAh, AdmAh und Zebhojim bis Lcsclia’.“ So berichtet uns das älteste hebräische Dokument. Wenn man von dem alten Kulturvolk der Chetha, über deren geschichtliche Inschriften wir noch nicht aufgeklärt sind, absieht, kam wirklich den Sidoniern, zu denen auch die Tyrer gehören, die Erstgeburt unter den kanaanäischcn Stämmen zu. Sie haben ihren Namen schon In frühester Zeit zum fernen Westen getragen, und Homer kennt Sidonier. keine Phönikier. Sic seihst nannten sich Kanaanäcr, d. h. Niederländer, und erst die Griechen schufen den Namen Phoinikcs. Man hat sich viel mit der Etymologie dieses Namens Mühe gegeben. Uns will sic sehr einfach erscheinen. Es sind die ״Purpnrsiicher“. Konnte ja nichts Seltsameres den Pclasgcrn Lakoniens atiffallcn, als dass Jene In göttliehen Künsten erfahrenen Phäakcn so unendlich viele Mühe darauf verwendeten, armselige Schnecken am ן Strande von Gythion zu sammeln.