Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651317--00528-2657323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
t Seite 288. Jlidisolie 13. und »oha, 11• Nr. 28. nicht, weil wir den Bachschfsch-Effendis alles glauben müssen, da niemand von den hiesigen Juden türkisch zu lc!sen vermag. Die meisten gingen nach J e r u s a I c m. Eine Pamllie ist darunter, welche aus Kischineff selbst flüchtig Ist. Einer von (den Eingewanderten, ein' kaukasischer Jude, fand bereits Arbeit in den grossen Wcinkelferelen zu Rischön-Ie-Ziön. Die flüchtige Kischlnewer Familie ist augenblicklich noch in Jaffa. Sie wird aber hoffentlich bald In einer der Kolonien den ersehnten Platz finden. *er־ —oc •Kleine Chronik. ר!ר _£>C Berlin. Die unter dem Protektorate des Kaisers und de! Kaiserin Friedrich zu gedeihlicher Entwickelung gelangten Baruch Aucrbaeh’sche Walsen-Erzleluings-Anstalten weisen nach dem kürzlich erschienen 70. Jahresbericht in ihrem neuen Heim an der Schönhauser-Alicc einen gegenüber dem bisherige!, nur erst um sieben Zöglingsstcllcn erhöhten Instand auf, während Raum und teilweise auch schon Einrichtung fiir weitere .30 Zöglinge vorhanden ist. Indessen haben nach Ausweis des i Rechenschaftsberichts die Einnahmen der ledigich auf ihre I eigenen Mittel und Zuwendungen ihrer Gönnern angewiesener Anstalidi nicht einmal für den gegenwärtigen Bestand von 5-t Knaben und 30 Mädchen ausgereicht. Die Verpflegung c!- forderte 18-125 Mk\, d. h. *191•i Pfg. für den Kopf und Tag. die Bekleidung kaum 100 Mk. fiir jeden Zögling׳ die gesamten Bedürfnisse, einschliesslich Gottesdienst. Bureau. Renten. Stipendien und andere Zuschüsse 77 890 Mk. Hiervon sind durch Zinsen des Anstaltsvermögcns und sonstige bestimmte Einliahmeu nur etwa 56800 Mk. gedeckt. Die Zöglinge gemessen den Unterricht grösstenteils in höheren Schulen. Besonders begabte Knaben bleiben bis zur Abgangspriifung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit im Hause. Der weit reichenden Fürsorge fiir die entlassenen Zöglinge, weicht besonders wirksam bei ihrer Sclbständigmachung oder Vc!• heiratung eintritt. dient eine grössere Anzahl besonders verwalteter Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaitszweckc unantastbar bleiben. Den Vorstand bilden neben dem Dircktot Dr. Strelitz die Herren Bcrthold Marckwaldt, Kommerzienrat Em&nuel Lohnstein, Generalkonsul Engen Landau. Professor Dr. Felix Licbermann, Kommerzienrat Hermann' N. Israel und Kommerzienrat Isidor Loewe. Ehrenmutter sind Frau Reclia Marckwaldt und Frau Professor Dr. Cäcilie Licbermann. Wafilkrawaüe gegen, die Juden fanden, wie wir schon meldeten in Strassburg-Land (Hoch leiden) statt. Das ״Berliner Tageblatt“ schreibt darüber:: ״Eine schwere Ausschreituög kam am Sonntag in dem clsässisclien Kantonsstädteben Hochfclden vor. Hocbfelden gehört zum Wahlkreise Strassburg-Land, in dem der bisherige klerikale Reichstagsabgeordnete Hauss gegen den Demokraten Rechtsanwalt Blumenthal, der, nebenbei bemerkt, nicht der mosaischen Konfession angehört, unterlegen ist Die Niederlage hat unter den Anhängern des durchgcfallenen ״schwarzen" Kandidaten leidcttschaftlichc Erregung hervorgerufen. In einzelnen konfessionell gemischten Gemeinden wurden gegen die Protestan- I ten und Juden nicht nur. Beschimpfungen der gemeinsten Art. ׳ sondern auch Drohungen ausgestossen und Sachbeschädigungen verübt. In Hochfclden rotteten sich nachts nach I! Uhr 150 bis 200 Katholikdn verheiratete Männer, meist jedoch junge Burschen vo! der Wirtschaft ,.Zum goldr.cn Löwen" zusammen und durchzogen schreiend und johlend den Ort. Das elektrische Licht wurde ausgclöscht. Die Fensterläden des F.ruclithändicrs Aron wurden mit Stcinwürfcn bombardiert. Auch etwa 15 Revolver- und Pistolenschüsse wurden abgefeuert, und wo durch den furchtbaren Lärm aus dem Schlafe ,aufgeweckte Protestanten und Juden sich am Fenster zeigten, wurddi sic beschimpft und bedroht. Als die Gendarmen, fünf an der Zahl, die schon in der Nacht vorher von dem Vorhaben Kenntnis erhalten, zwei der schlimmsten Radaubrüder vcrliaiteten und in das Wachlokal abführten, vernahm man die Rufe: ״Jetzt die Messer heraus, das Wachhaus muss gestürmt wer den.“ In wüstem Lärm rannte die Horde vor das Wachtloka). an dein zwei Scheiben demoliert wurden. Es gelang ihnen jedoch nicht, die Gefangenen zu befreien. Mit dem Revolver in der Hand trieben die GcndarmcM die Ruhestörer atiscinander. Erst morgens gegen zwei Uhr trat allmählich Ruhe ein. Der Vorfall wurde telephonisch nach Strasslmrg berichtet, von wo die Nachricht ein traf, dass auf spezielles Verlangen militärische Hilfe zur Verfügung stehe. Sowohl in Hochfclden, als auch in Memmeuheim lautet die Parole der Katholiken, nichts mehr von den Protestanten und Juden zu kaufen. In letzterem Orte bekommen die Juden keiie Milch mehr von den Katholiken zu kaufen. Es ist auffällig, dass sich während des Aufruhrs weder der Bürgermeister noch der Beigeordnete haben sehen lassen. Als man den Bürgermeister rufen wollte, erhielt man den Bescheid, er sei krank, dabei ist er am Tage nach dem Krawall wegen des Wahlergebnisses auf der Kreisdircktion in Strassburg gcwesen. Angehörige aller Bevölkerungsschichten haben sich an den! Wahlcxzess beteiligt.“ So weit das Tageblatt. In Wahrheit hat sich die kathölische Bevölkerung nur gegen die Juden gewendet. Die Protestanten bekommen auch ruhig ..ihre Milch zu kaufen“ und Aron in Hochfclden ist kein Protestant. Die Bernerkling, dass B l u m cn t h a i ״nicht mosaischer Konfession“ ist. dürfte den gleichen Wert haben, wie die Tatsache, dass der Chefredakteur des ״Berliner Tageblatts" ebenfalls nicht mosaischer Konfession ist. Sic gehören eben der gleichen Konfession an. wie der freisinnige Kandidat von Torgau-Licbcnwerda. Bernstein. Der ״filüsverefn der Deutschen Juden“ lässt auch uns folgende Mitteilung zukomu»en: Gestern und heute tagte hier eine vom Hilfsverein der Deutschen Juden einberufene Konfcrenz. an der alle diejenigen Organisationen teilnahmcn. die sich in hervorragendem Masse an den Sammlungen fiir unsere in Kischincw durch die Exzesse geschädigten Glaulxmsgenosscn beteiligt haben. Das Präsidium bestand aus den Herren James Simon (Hiifsvcrcin der Deutschen Juden), Justizrat Lachmaim (Jcwish Colonisation Association), Dr. Rosenthal ־ Breslau (Alliancp israclite universelle), Dr. Alfred Stern. Wien (Israelitische Allianz), Elkan Adler, London (Anglo-Jcwish Association). Der Versammlung lagen die Berichte verschiedener Herren vor, die im Aufträge, der Vereine Kischincw besucht hatten, um sicii au Ort und Stelle vöi der Grösse des Schadens za überzeugen und die Zweckmässigkeit des Verteilungsmodus der Hilfsgeltlcr zu prüfen, den das Komitee in Kischincw anwendet. Wissenschaft und Kunst. Asta. (Zeitschrift: Verlag von Hermann Paetcl in Berlin.) Aus dein reichen Inhalt der beiden letzten Nummern sei an dieser Stelle auf den Interessanten Aufsatz: ״Die Häfen der syrischen Küste und die deutsche L e v a n t e 1 i n i e" hingewiesen, sowie auf elie Reihe wertvoller, kleiner Notizen, die Mitteilungen über Produktions־ und Absatzverhältnisse in Asien enthalten und mamrtgfache Hinweise für den Kolonialpolitlker enthalten. A. K. ׳ tn den nächsten Tagen erscheint Im Verlage des Vereins Agu dat h Zion in Antwerpen ein neues Werk von dem sich unsere Antwerpcuer Freunde sehr viel Erfolg versprechen. Es sind das ״Gedichte und Lieder von netar.CM Granau“ Das Reinerträgnis des Werkes ist fiir den J ü d 1 - «chen .Nationalfond bestimmt. Die Jjudcnniassacrcs von Kischlnew. Von Told. Mit einem Weihcbla'tt von E. M. Lilien und Illustrationen. Preis 1 Mk. Berlin SW. 47. Jüdischer Verlag 1903. 102 Seiten. 4\ Da der Ertrag des soeben erschienen Buches fiirunscrc notleidenden Brüder in Kischincw bestimmt ist so empfiehlt cs sich, dies historische Buch tunlichst zu ver-. breitem *Die Wahlversammlungen, die jetzt bevorstehen, geben Gelegenheit dazu. Eine sachliche Besprechung des Buches erfolgt In nächster Nummer. In der Ausstellung dci' Kunstakademie zu Ödes sh fallen sieben Arbeiten des siebzehnjährigen Bildhauer Rochumovsky auf. Der Vater des Künstlers ist derselbe Rochumovsky, der durch die auf Bestellung angefertigte Tiara des Saitaphemcs das Tagesgespräch von Paris wurde. Die Kritiker lieben von von den Werken des Sohnes die Gruppe ״Bar K oc h b a kämpft mit einem Löwen" besonders hervor. Der nationale Geist des Künstlers, der Zionist ist, hat hier mitgeschaffen., % 1 י i