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Jüdische Rundschau · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28. Seite 287, JUdisclte Ifc undscltau. ן ihren RcligloiisvorSchriften zu genügen; die freie Rcligionsübung I Noch Ist Polen nicht verloren. Das fühlen die Juden oft Üfufc ffrr einzelne Orte durch’Gemcindebeschlüssc nicht aufgc- I genug. So befindet sich im Orte Chorostkow (Qalizien) hoben werden. Der Bezirksausschuss erkannte indessen auf Ab- I ein für Bauern eingrichtetes Lesezimmer, das auch ziemlich Weisung der Klage, well die Gemeinden Infolge d:r ihnen ge- I stark frequentiert wird. Das derzeitige Hauptgespräch der setzlich zustehenden kommunalen Autonomie berechtigt seien, I gaiizischen Bauern, die Vertreibung der Juden, ist auch in die in ihren Schlachthäusern arizuwendenden Schlachtmcthod»!» I diesem Lesezinuner das meistbesprochenc Thema. Die Juden י festzulcgcn und das Schächten zu untersagen. Das Ober- I wissen davon und weichen dem Lokal schon von weitem aus, v/c rwaltungsgc rTc h t bestätigte das Urteil des Be- I Zehn fremde Juden aber, die vom Besuch des Grymalower zirksau^schusses und betonte, keine ein öffentliches Schlacht- I Rabbi durcli Chorostkow nach Suchostam zurückkehrten, . haus unterhaltende Gemeinde erscheine verpflichtet, die A11- I Wendung des Schächtschnittcs zu erlauben; vielmehr ergebe I sich ihre Berechtigung zu einem Verbot des! Sch Achtens aus der Befugnis, NormaUvbestimungcn über I die anzuwcndcmle Schlachtmetliodc zu erlassen. I Hannover. Am 24. Juni feierte die Israelitische Erziehung»* anstatt Ahlem das Fest des zehnjährigen Bestehens und gleichzeitig die Einweihung des neuerrichteten M ä d c h e n h c i nt Zu dem offiziellen Festakte war eine stattliche Anzahl ge* ladener Gäste cschienen, 11. A. die Gräfin Waldersee, der! Regierungspräsident, der Landrat etc. Verschiedene Logen waren vertreten und ebenso hatten das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und das zionistische Distriktsbureau Hannover der an sic ergangenen Euladung durch Entsendung von Vertretern entsprochen. Die Weiherede hielt Landrabbiner Pr. Groncmättn, welcher die Notwendigkeit sozialer Hilfsarbeit unter den Jude!! betonte und die agrarisch* wie soziale altjädische Gesetzgebung würdigte. Namens samt* licher Gäste sprach Regierungspräsident von Philippsborn der Anstalt seinen Glückwunsch aus. — Am Abend fand im Restaurant de Vries eine Zusammnkunft statt, bei welcher die vet* schiedenen Delegationen zum Worte gelangten. Namens unsc* res Zentralkomitees sprach Dr. Klee, namens des Distriktsburcaus Ref. Gronemann. — Die Feier und die Besichtigung der Anstalt haben bei allen Teilnehmern den Eindruck hinterlassen, dass hier ein Stück ernsthafter sozialer Kleinarbeit geleistet wird; es ist zu wünschen, dass insbesondere in zionistischen Kreisen sich förderndes Interesse für die Anstalt zeigt, die in Zukunft für das zionistische Ziel eine nicht zu unterschätzende Vorarbeit leisten dürfte. Abba Giosk Leszeka Ist noch nicht veraltet mit seiner Lcntberger Anekdote, wo der Jude die zertrümmerte Fensterscheibe bezahlen muss, die von dem Stdn getroffen, der gemein Kopf gegolten: ״Denn hättest du gestanden dem Wurf, wie sichs gebührt, so wäre von dem Steine mein Fenster nicht berührt.“ — Der ״Kicwljanin" publiziert eiten Tagesbefehl des Generals Dragomirow, des Gcncralgouvcrneurs vott Kiew, wonach *10 Juden, welche während der Strassemmruhen vom 17. Mai sielt verteidigen wollten, zu Arrcststrhfcn verurteilt wurden. fuhr ui um 10 Uhr nachts ahnungslos bei dem Hause vorbei. Kaum wurden sie bemerkt, als Bauern mit Stangen und Steinen über sie herfieleit, einem dei» Schädel zertrümmerten, einet» zweiten das Handgelenk brachen. Die russischen Juden sollen nicht auswandern, denken viele europäische Juden,.aber die russische Polizei lenkt anders: Wie der ..Kiewljaitin“ meldet, hat der Polizeimeister in Kiew sämtliche Polizei-Kommissariate angewiesen, alle jüdischen Fleischhauer, welche in Kiew bis jetzt ständigen Aufenthalt hatten, sofort auszuweisen. Diese Massrcgel wurde getroffen, nachdem erst vor kurzem den in ihrer Existenz bedrohten Juden die Zurückziehung der Ausweisungsordre zugesagt wurde. Angesichts desse!, dass Palästina die einzige Rettung für die verfolgten Juden ist, beschlossen die tnethodistisehen Geistliehen Chicagos in einem Montag, den 15. Juni, daselbst abgelu!lle!x.n Meeting, eine diesbezügliche Resolution anztuiehtnen und dein Präsidenten Roosevelt ihren Wunsch bekannt zu geben, er möge diese Frage wieder aufnehmen im Sinne des Memorandums, weiches im März 1S9I dem Präsidenten Harrison vorgelegt wurde. Das Memorandum, das nun eien von den methodistischeu Geistlichen angenommenen Resolutionen beigeheftet ist, war beinahe von sämtlichen Chefredakteuren, Füianzmäniiern, Advokateil . und Predigern, darunter auch jüdischen (!), von Chicago, Boston, Ncw-York, B::kk..orc, Philadelphia und Washington unterfertigt. Das Memorandum enthielt eine dringende Bitte an alle Völker, den Juden das Heilige Land zurück zu geben, in derselben Weise, . wie die europäischen Mächte Bulgarien den Bulgaren und Serbidt den Serben zurückgegeben haben. Bei der Flucht aus Russland wenden sich trotz des Ab malmeits seitens der Zionistischen Partei, die vor jeder Aus- Wanderung nach Palästina dringend warnt, viele Juden nach dem Lande ihrer Sehnsucht. Auch vorige Woche kam eine Anzahl von 23 Juden in Jaffa an und musste mit grossen Schwierigkeiten kämpfen, bis ihnen die Landung gestattet wurde. Vorgeschützt wurde von der Hafenpolizei das Einwanderungsverbot, welches nach ihren Worten jetzt strenger gehandhabt werden soll. Wie viel daran wahr ist, weiss man du dich gehüllt!“ — Dies war das Meer, das unsere Dichter begeistert hat, zu singen: ״Denn der Ewige ist ein gewaltiger Gott, Vor ihm sind die Götter der Völker ein Spott, Er ist König über die Götter! ... * Die Gründe der Erde — in seiner Hand, —* Sein werden die Gipfel der Berge genannt, — Sein Werk lässt verstummen den Spötter. Dem das Meer gehöret, — er hat es gemacht, Und den Weltenplan, — er hat ihn erdacht, Hat das Meer und das Festland geschaffen . . . .!“ ■ * * Das Meer ist purpurschwarz geworden, durchfurcht von den Silberstreifen des zunehmenden Mondes und des Abendstcrncs. Am Himmel flammen tausende und abertausende hellleuchtender Sterne auf, wie nur der Himmel des Orients sie kennt, unendlich, unübersehbar blendend. Rechts Aegypten, links Cypern! Oben am Zenith der strahlende Halbmond, in dessen offener Seite die Venus blinkt. Ein bedeutsames Zeichen! Und tausende glühender Funken leuchten aus der Sec empor, und tanzen und zittern, wo das Schiff die feuchte Strasse zog. ׳ ־־ » ו Langsam gleitet das Schiff dahin. Ich sitze in der Kajüte noch spät in tiefer Nacht und schreibe. Die Maschine arbeitet nicht mehr. Ich schaue nach der Uhr. Es ist zwei Stunden nach Mitternacht. Ich höre die Anker herniederrasseln und eile aufs Verdeck. Tiefe Stille! Drüben flimmern Lichter von Schiffen und Hüusom. Wie liegen im Hafen von Beirut. r •ז J» ר \ י V; t| * I״• ' -

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