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Jüdische Rundschau · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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f ■ f Kr. 28. Jlidisclie HuiidBoliau, Seite 289. •Wir heben aus diesen Berichten db wichtigsten Punkte hcrVor. Die Summe des bisfier angcmcldctcn Schadens beträtet 2332 890 Rubel. Die Geschädigten sind ganz überwiegend klelie Leute, Handwerker, Kieinkaufleute, Arbeiter, Kutscher u. s. w. 1 Der Schaden, den die besser bemittelten erlitten traben j und der ebenfalls nicht unerheblich ist. konnte in diese Summe I nicht eingerechnet werden, da diese Klasse der Geschädigten 1 aus lacht begreiflicher Rücksicht auf ihren Kredit Bedenken!!trägt, ihren Schadet! öffentlich mitzuteilen. j Es laufen auch fetzt noch immer Anmeldungen von mehr; oder weniger schweren Verlusten als Nachträge zur obigen ■ Ziffer ein. Die genaue Liste der Verletzten stellt sich auf 1 47 Tote, 92 Verwutidctc und 315־ Leichtverwundete. Die Getöteten und die bis letzt an den Folgen der Ver-! Ietzungcn Erlegenen haben zusammen 55 Witwen und 123; Kinder hintcrjasscn. Dem Hilfskomitee in Kischinew sind bis- ־ her an Geldern ca. 700 סייס Rubel zugeilossen, darunter ca. ׳ 460000 Rubel aus Russland, der Rest aus den verschiedenen; Ländern Europas und Amerikas. Diese Gelder hat das Komitee in einer Weise verwendet, die den Beifall aller Delegierten gefunden hat. Nachdem die erste unmittelbare Not durch Ver-; teilung von Lebensmitteln, von Kleidung. Wäsche ctc. einiger* nrassen eingeschränkt war. hat sich das Komitee, welches mit seinen Vertrauensleuten aus ca. 100 Personen besteht, die . Aufgabe gestellt, die Geschädigten in einer Weise zu unterj stützen, dass dieselben wieder zu einer selbständigen wirt-! schaftlichcn Existenz gelangen können. Natürlich sind in erster 1 Linie die nötigsten Mittel für die Erhaltung der Familien der! Opfer, wie für die dauernd arbeitsunfähig gewordenen in aus-! reichender Höhe sicher gestellt worden. Diese Klasse umfasst etwa 100 Farnilen. Die ihrer Existcnzmittel durch die Krawalle Beraubten sind leider unvergleichlich zahlreicher; diese Kategorie umfasst über 2700 Familien. Endlich kommt noch die zuverlässig kaum zu übersehende Zahl der indirekt Geschädigten hinzu, die ihre Arbeit verloren haben, weil die Werkstätten zerstört worden oder deren Geschäfte infolge der cingetrctcncn allgemeinen Krisis in Kischinew stocken etc. Da die, dem Komitee in Kischinew zur Verfügung stehenden Mittel!licht einmal für die zweite Kategorie ausreichen, konnte die dritte nur in ganz geringem Umfange, in Fällen der allergiössten Not berücksichtigt werden. Aui Grund des übereinstimmenden Urteils der nach Kischinew entsandten Vertrauensmänncr der westeuropäischen Vereine, wurde die bisher befolgte Methode der Verwendung der Gelder für gut befunden und zugleich dem Komitee in Kischinew seitens der an der Konferenz beteiligten Korporationen weitere grössere Mittel zur Verfügung gestellt. Neben den für die unmittelbare Unter- Stützung bestimmten Geldern wurden ferner auch eine Anleihe für kleinere Darlehen bewilligt, sowie zur Unterstützung von Jüdischen Handwerken. Auf Grund der bisherigen Erfahrung wird versucht werden, den iüdischeii Handwerkern Beschäftigung und damit Lebensunterhalt zu geben. Es wurde ferner durch Herrn Berge!, der inj Aufträge des Hilfsvereins und der Logen in Kischinew war, bekannt gegeben, dass mehr als 400 Prozesse wegen Schadenersatz schweben, materielle Erfolge aus diesen Prozessen ,leider in Russland sehr gering sind, da nach russischem Gesetz der Schaden auf Ansprüche nicht gegen den Staat oder die Gemeinde, sondern nur gegen die einzelnen Beamten und die Exedenten sich richten können. Einstimmig hat ferner die Konferenz beschlossen, eine Emigration nicht nur nicht zu unterstützen, sondern ihr mit allen Mitteln entgegenzutreten, da hierfür keine Gelder vor- Händen •sind. Eine lange und eingehende Diskussion über diesen Punkt Hat gezeigt, dass eine Emigration h! diesem Moment zu einer Katastrophe von unübersehbarer Tragweite führen müsste und dass daher derselben in Jedem Falle zu widerraten ist, auch wenn dies als Hörte erscheint. Die Versammlung, die ein erfreuliches Bild des Zusammenarbeiteus aller b?i diesem Liebcswerk beteiligten Korporationen bot, schloss mit warmcfi Dankesworten des Vorsitzenden an die Erschienenen, für welche die Herren Dr. Stern, Eikan Adler und Rabbiner Dr. Horovitz das Wort ergriffen, um den Herren James Simon und Dr. P. Nathan ihrerseits zu danken für die Einberufung der Konferenz und für ihre mühevolle und . aufopfernde Tätigkeit zu Gunsten der Glaubensgenossen in Russland. So weit der Bericht des ,.Hilfsvereins“. Wir konstatieren, dass die Auswanderung bereits in vollen! Gan־־׳- ist. Bern. Der ״Zionistischen Korrespondenz“ schreibt man aus Kischinew: ״Dfe grossen Summen, die in Westeuropa gesammelt sind, sind noch nicht nach Kischinew gesandt worden. Worauf wartet man. noch? Die Armut unter den Klschihewer Juden nimmt unerhörte Formen an. Donnerstag, den II. Juni, erschienen auf den grossen Plätzen Kischinews tausende von Jüdischen Lehrlingen und Arbeitern und verlangten Mittel, um nach andern Ländern auszuwandern. Während der letzten Tage vcrzcichnetc man die ersten Opfer des Hungertyphus. Die allerraschcste Hilfe ist absolut notwendig.“ Wir könicn das eine feststellen, dass wenigstens die ״Alliance Iiaölite Universelle" die von ihr bewilligten und gesammelten Gelder sofort an ihre Vertretung in Russland überwiesen hat. In der Hauptkirche von Kischinew fand ein feierlicher Bittgottesdienst statt, an dem 300 Gläubige auf den .Knicen tcilnahmcn. Der Gottesdienst galt dem Gebet für den Redakteur des .,Bcssarabcts“, K r u s c 11 e w a n. Wann endlich wird man in Berlin Bitt- und Betgottesdienste für den Redaktcur der ״Staatsbürgerzeitung“ abhalten? Wir sind trotz allem Antisemitismus doch noch sehr weit in der Kultur hinter dem heiligen Russischen Reich zurück. Unter des Kolumbus Namen schrieb er sich. ... Als vor einigen Jahren die neue Synagoge in Johannesburg eingeweiht wurde, erschien zur Feier würdigen Schrittes auch der alte Ohm Paul , um. sobald er die Schwelle überschritten hatte., sein Haupt von dem historischen Zylinder zu cntblössen. Kein Zuspruch vermochte den hartnäckigen alten Herrn zur Bedeckung des Kopfes zu bewegen. Seine Antwort blieb: in ein Gotteshaus trete ich nicht mit dem Hute auf dem Kopf. Wer wagt cs, jüdische Schulinspektoren, die Ja nicht einmal Rcpuhlikspräsidcntc.1, sondern nur schlichte, biedere Professoren zu sein brauchen, zu verunglimpfen, wenn sic im feierlichen Augenblicke des Kindergebetes von gleichen edlen Betrachtungen und Entschlüssen sich durchdrungen iühlen?? Der alte Krüger ist darum der Held geblichen, vor dem selbst seine Feinde und Ucberwinder sich neigen, wennschon er sich nur passiver Weise gegen die Unverschämtheit der Juden, die so. keck etwas von ihm verlangte!!, das seine Ucbcrzeugung verletzte: zur Wehr gesetzt hat. Auch hier wieder die alte Wahrheit: Das Beispiel zeugt den Helden! cl• Persönliches. Unsere verdienten und in weiteren Kreisen bekannten Gesinnungsgenossen, FräulcE! Lina J&u'jer, Vorsitzende der Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung 7n Berlin, und Herr Jacob H. Wagr.er, Kassenwart der ״Berliner Zionistischen Vereinigung“ schlossen am Donnerstag, dem 9. Juli, den Bund der Ehe. Die Trauung vollzieht unser Gesimntngsgenösse, Herr Rabbiner Dr. H. B r o d y in N r. c h 0 d. Mit vielen anderen Freunden und Gesinnungsgenossen brihgt auch die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" dem werten Paare die allerherzlichsten Glückwünsche zur Hochzeit dar. Spree Für die Mitteilungen an dieser Stelle Ctxrnimmt die Re4*k- / - i tion des Blattes nur die pressgeseüliche Verantwortlich;! t. li Es macht für einen deutschen Zionisten einen nicht sehr erhebenden Eindruck, wenn er die Sammlungen für den Natfonalfond in Deutschland mit den in der ״Welt“ Quittierten aus Oesterreich und Russland vergleicht, sowohl w׳as die Zahl der Spender wie auch was die Höhe der Beiträge betrifft. Besonders traurig ist cs, dass auch die reichet, und wohlhabenden unserer Gesinnungsgenossen in Deutschland sich an dem grossen Volkswcrk entweder gamicht oder doch nur mit sehr kleinen Summen beteiligen. Möchte es doch endlich damit anders werden! Die Aufmerksamkeit auf den Nationalfond konnte Jetzt besonders dadurch gelenkt w׳crdcn,.dass man in Bädern und S o m hi e r f r i s c h e n sammelte. Natürlich müsste man hierhei die Sammlungen auch auf Nichtzionisten ausdehnen, die gerade bei dieser Gelegenheit gewiss doch auch über den Zioitisnius Belehrung empfangen wollen, wozu sie jetzt auch Zeit haben. So könnte man zwei zionistischen Zwecken zugleich dienen. Die Sammlungen für den Nationalfonds würden aber aqf solche Weise wahrscheinlich überhaupt mehr in Fluss kommen, und so brauchten wir denn nicht länger mehr hinter den Nationaljuden anderer Länder zurückstehen und könnten zeigen, dass wir ebenso gern und nicht minder grosse materielle Opfer für unser hohes Ziel zu bringen bereit sind. *nryyrw״

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