Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 286. Jüdische Hundsohau. Nr. 28. Basel.crProuramms stünde und mir die besondere Ausgestaltung des dritten Punktes als ihren bedeutsamsten Gesichtspunkt In den Vordergrund stelle. Die von Marmorck vorgeschlagene Resolution gelangt mit 43 gegen 31 Stimmen zur Annahme. Ausserdem gelangt eine Resolution Ftechl- Waschitz zur Annahme: ״Der Parteitag erklärt, diejenigen Landesorganisationen, die nicht auf der Basis des reinen, durch keine Zusätze und Acnderungdn verunstalteten Baseler Programmes stehen, nicht als politische Zionisten, sondern als philozionistisch anzusehen.“ Am folgenden Tage gab daraufhin der Vertreter der ungarischen Zionisten, Siegfried Steiner-Pressburg, eine längere Erklärung ab, in welcher er den österreichischen Parteitag nicht für das geeignete Forum erachtet, auf dem eine ganze Landesorganisation vor der ganzen zionistischen Oeffentlichkeit blossgestellt werden dürfe. Nachmittags wurde über die taktischen Fragen bei der Eroberung der Kultusgemeinden gesprochen. Vertreter alier österreichischen Kronländcr fanden scharfe Worte gegen die jetzigen Machthaber. Pie Anträge der Referenten wurden einstimmig angenommen. Pas Referat des Herrn A. Weissberger־ Wien über die Presse erregte eine sehr lebhafte Debatte. Ein Zusatzantrag, das zionistische Zcntratorgan ״Welt“ betreffend, dem allzu unfreie Haltung nachgosagt wird, wurde stürmisch ahgclchnt. Per Rest des Tages war Debatten über kulturelle Fragen, die Parteiorganisation, Agitation und den Wahlen in die österreichische Parteileitung gewidmet. Nach Absiugung des zionistischen Liedes ״Auf mein Volk!“ wurde der Parteitag in später Nachtstunde geschlossen. «PMPIPRI t-tmm** «ויי??**ייי ן»יי! ו-* זייי וי® וייי י•־? •יי ויי*?י״1•יי rw *יין •יין!זיין ייי #׳»# »*• -י? r■» וו ,—!.» י י “v . » 1 / * « * . * «> •׳ * ׳ <.»•>״ ־ ״» •י* # %#•«•« y* * * * k * % s s v• •4# ו># t ■־> » J» *J j Rundschau. 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Nun muss er mit andern Zeitungen die Bestätigung bringen, dass Juden für Böckier gestimmt und agitiert haben. Jetzt wird folgendes Flugblatt bekannt, das ein rühmliches Zeugnis eines sich setbst prostituierenden HypernatlonaUsmus Ist: Werte Gaubensgenossen! Herr v. Komorowski ist nach seinen gestrigen Erklärungcn nicht der Mann, dem ein deutscher Jude seine Stimme in der Stichwahl geben kann, da er sein Polentum in den Vordergrund stellt. Es wird mir schwer, einem Antisemiten vom Schlage Böckbrs zum Siege zu verhelfen; es bleibt mir aber keine Wahl. Wir empfehlen daher, entweder Böckier zu wählen oder dem Wahlakte fern 7u bleiben. Prediger I.cwin, BIu m e n t h a 1, Stadtverordneter, Julius N c 11 m a 1111, Miihldibesitzcr. Ein Kommentar ist ebensowenig nötig, wie wenn Pßcklcr begnadigt wird und die Juden In Kischinew verurteilt werden. In der sächsischen Lausitz, einem reinsiavisehen Lande mit grösstenteils wendisch sprechender Bevölkerung ist bei der Stichwahl Gräfe gewühlt worden. F.r richtete an den König von Sachsen ein Huldigungstelcgranini imd erhielt darauf folgendes Telegramm des Königs zur Antwort: ״Rcichstagsabgeordneter Gräfe, Bischofswürde!־. Heute früh Telegramm erhalten. Freue mich herzlich über Ihren Sieg und den Sieg der guten Sache in Ihrem Wahlbezirk. Georg." Gräfe ist der einzige antisemitische Abgeordnete, der im Königreich Sachsen gewählt worden ist. — — — Dass die Schächtung der Tiere ein mosaisches Gesetz, — mosaisch in dem Sinne, von Mose selbst geboten. ~ ist unterliegt keinem Zweifel. Das Schächten den Juden zu verbieten, bedeutet also für jeden am Gesetz, festhaltenden Juden einen schweren Gewissenszwang. Dieser Gewissenszwang wird aber durch den in Prcusscn aui Grund des Gesetzes und der Gesetzesauslegung herrschenden ״R e c h t s zustand“ sanktionicrt: Gemäss einer Schlachthaus - Betriebsordnung!11 Angermündc, welche die nach jüdischem Ritus vorzunclmienden Schächtungcn nicht zulässt, sondern die Tötung durch Schlagbolzen anordnet, erhielt ein Kaufmann auf sein Gesuch um Erlaubnis zur Schlachtung eines Rindes nach jüdischem Ritus im städtische»! Schlachthause einen abschlägigen Bcscheid. F. beschrift darauf den Kiagcwcg und betonte, das j Schüchtvcrbot vcrstossc gegen die den Juden gesetzlich durch | das Allgemeine Landreclit und die Verfassung gewährleisteten Rechte: es werde den Juden in Aiigerniiinde 11 *möglich gemacht. Aeusserung nicht gestatten dürfe, ohne bei seinen besten jüdischen Fr'eunden In Geruch und Ruf .eines Antisemiter! zu kommen. Seine eigene Stellungnahme zum Zionismus deutet er nur in den Worten an: ״Es scheint. Sic sind citic Partei der Zukunft, Sie sind die künftige, die nächste Generation.“ Ich erwiderte ihm meiner Ucberzeugung gemäss: ״Wir sind wirklich keine Partei, sondern das Volk in der jüngeren Generation!“ Ich hatte den Eindruck, dass mein Schiüskamerad lediglich die zionistische Bewegung vom Standpunkte des Vorteils der deutschen Nation betrachtet. Aber auch dann muss er mit der Zeit zur Anerkennung des Zionismus gelangen. — "r.■'־ 1־ * * * Am späten Nachmittage sind die letzten Berge der langgestreckten Küste von Cypern endlich entschwunden. Auf der Levante ist nichts mehr von dem leisen Weüeiischlage zu verspüren, mit dem das Aegäisclie Meer sanft die Planken unseres Schiffes umkost hat. Müde und regungslos liegt die unendliche Wasserfläche um uns. Nur kleine Wasserriuge kringeln und kräuseln bisweilen die Oberfläche, in der freundliche Delphine ihr munteres Spiel treiben. Der glühende Sonnenball im wolkenlosen Blau senkt sich tiefer und tiefer und matt hinter dem Schiffe ein glitzerndes Oold, das stell m weiten Wellenlinien abhebt bis zum lichtblauen Horizoiitc von der purpurblaitcn Sec. Während wir links Cypern wissen, und rechts Aegypten, die beide dem Türkischen Reiche aber unter englischer ״Kontrolle“ gehören, sinkt der Sonnenball zum Meere. Unten in den Kajüten speist man zum Abend. Wir aber gemessen inzwischen das herrliche Schausuiel eines Sonnenunterganges auf der orientalischen See. Ehen erreicht die nicht errötende Sonnenscheibe den' Rand des Himmels und kaum wenige Sekunden später ist sie hinter dem Meere verschwunden. Aber in dem Augenblicke, wo der letzte Rand imtcrtaucht, färbt sich der weife Himmel leicht blassgrün, um in schnellen Wandlungen saftgrün und endlich dunkelblau zu werden. Und immer neue Farben im Meere. Karmoisinstreifen neben grünem Licht, und nurpurrote Streifen neben schwarzbiaucn Wellen‘im Wasser, ein ’ ewiger, unendlicher Wechsel, während das Schiff im Mondlicht einen endlosen breiten Silberstreifeil zurücklässt, wo der Venus weisses Licht in schmaler Linie zittert. ..Preise meine Seele den Herrn, und alles, was in mir ist seinen heiligen Namen. Ewiger, mein Gott, wie gewaltig deine Grösse, in Pracht und Herrlichcit hast