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Jüdische Rundschau · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 28. Jüdische Rundschau; Seite 285. wenn auch glücklicher Welse bereits weniger hohe Wellen schlagende, aber noch Immer nicht ׳ganz zum Schwelgen kommen Wollende Polemik ״Nordau-Achad-Haam" hat eine ganz neue Qruppc sog. ״geistiger Arbeiter“ zu tage gefördert. Was diese eigentlich wollen, lässt sien schwer sagen. Aus ihre.* ganzen ״Mystik“ und ihrem ״Symbolismus“ lasst sich nur das eine mit Sicherheit entnehmen, dass sic einer gewissen ״Dematcrlalisation“ zu.nelgci». Rcdticr selber steht vollständig auf dein Boden des Baseler Prog/amms und möchte im selben Sinne wie bisher auch weiter gearbeitet wissen. Auch er hat Vorschläge zu machen, aber in umgekehrtem Sinivc, wie drc von ihm so scharf kritisierte:! gehalten sind. Nicht ein überstürztes, sondern ein recht bcdächti״es Vnrwärtssehrcitcn auf dem bisher cingcschligencü Wege wünscht er. Man möge ja nicht die Kräfte dadurch zersplittern, indem man sich allerlei neuen Zielen und Versuchen experimentierend zuwendet. Der sechste Kongress müsse sich ausschliesslich auf den weiteren Ausbau der Kolonialbank und des Natkiialfouds beschränken und vorderhand ihnen allein seine ganze Kraft widmen. Und - last not least — man solle j**dcr Kulturdebatt•.* möglichst aus dein Wege gehen, und narr;ntlich die Heraufbtscliwörung einer forensischen Nordau-Achad-Haam-Folcmik, wie von gewissen Kreisen geplant würde, mit allen Kräften und unter allen Umständen zu verhindern suchen. An den höchst interessanten in klassischem Hebräisch gchaltend 1 Vortrag schloss sich eine sehr lebhafte und anregende Debatte, in der sich u. a. namentlich Redakteur Lin und Schrijtsteiler Bernstein besonders hervortaten. sfv. Frankfurt a. O. An! Sonnabend, dein 27. Juni, veranstal tele der Turnverein ״Jung-Juda“ anlässlich seines ersten Stiftungstages, vor zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen in den Räumen der Aktienbrauerci einen Kommers mit Daniel. Derselbe wurde durch eine kurze Ansprache des Vorsitzenden Herrn Rudolf Schüler eröffnet. worauf unser Mitglied Dr. A. B i r a in in längerer Rede ein Bild des ersten Vercinsjahrcs entwarf. Ausserdem wurden von Frau Rechtsanwalt Dalkcnfcld einige Gedichte von Zloeisti. Morris Rosenfeld und Martin Fricdländcr unter gros$:m Beifall!7״־.:- tiert. Hierauf beglückwünschten die Vertreter des Vereins Jüdischer Studenten und des I3ar-Kochba Berlin, durch einige herzliche Worte, unser« Turnverein. Dem Vorsitzenden wurde von den gründenden aktiven Turnern des Vereins, der Jüdische Almanach mit Widmung gestiftet. Lin grosser Teil der Anwesenden beschloss das schöne Fest durch einen Ausflug nacti dem Eichwald, wo cs unter turnerischen Hebungen und Spielen um 7 Uhr morgens endete. Ein Beweis, wie auch hier i:1 Frankfurt der Turnverein blüht und gedeiht, ist die Tatsache, dass wir jetzt nahezu 90 Mitglieder des Turnvereins zählen. Dritter österreichischer Zionistentag. 110 Delegierte aus allen Teilen Oesterreichs haben sich eingefunden, um an de■־.! Beratungen des dritten österreichischen Zionistentages, der gestern und vorgestern ki Wien stattfand, teilzunehmen. Der Obmann des Distriktskomitees der Zionist«! Innerösterreichs. Dr. Max Bernhardt, eröfinete die Verhandlungen mit der Begrflssung der anwesende« Vertreter der reichsdeutschen Athos bis nach Kreta und von Athen bis nach Smyrna in*gleiclm1ässigcm Schlage zittert. Nun biegen wir etwas südlich ab, um in gerader Linie im Anblick der hochragenden Küstenketten Kleinasiens und dann der aphroditischcn Gebirge Cyperns aut* Beirut ztizustcucrn. Am Bord hat sich inzwischen während der mehrtägigen Fahrt ein kameradschaftliches Leben entwickelt. Das Schiff, das von einer deutschen Gesellschaft bei Gelegenheit der kaiserlichen Oriemreise gechartert wurde, ist mit Deutschen aller Stände besetzt. Ausser unserer kleinen jüdischen Gesellschaft Ist dort nur •ein katholisches Ehepaar Italienischer Zunge. Sonst sind alle Passagiere Deutsche evangelischen Glaubens. Wir haben an Bord allein 22 evangelische Geistliche, welche mit uns die Reise machen. Letztere besonders wenden der jüdischen Reisegesellschaft, die sie irrtümlicherweise für eine zionistische hielten, ihre besondere Aufmerksatnkeit zu. Zwei der national-sozialen Partei angehörige Pastoren sind cs in erster Linie, die sich mit mir über diese Frage wiederholt unterhalten. Der eine von beiden, der sich des Rufes eines erfolgreichen Judentüuters erfreut, ist zugleich ein Kämpfer gegen den Anti- (Dr. C a s s e I-Ratibor). ungarischen, russischen und ägypü« sehen Landcsorganisatlon. lieber den hierauf vom Obmann des,österreichischen Verbandes ״Zion“, Dr. Krd.ibcrgcr, erstatteten Rechenschaftsbericht entspann sich eine längere Debatte. Der österreichischen Parteileitung wurde dabei insbesondere der Vorwurf gemacht, dass sie sich in Angelegen-; heit des Kischincwcr Blutbades bloss auf humanitäre Geldi Sammlungen beschränke und die Einberufung allgemeiner Ent- rüstungsmeetings verabsäumt habe. Schliesslich wurde atu : Antrag des Direktors Weber (Wien) der Parteileitung ein•• I stimmig das Absolutorium erteilt Zu Beginn der sonntägigen 1 N'achmittagssitzuug wurden die aus aller Welt eipgclangte« BcgrüssUigstelegrammc verlesen und beschlossen. Telegramme an die gleichzeitig tagenden Konferenzen der Schweizer Z10-! nisten und der jüdischen Handclsangestellten in Galizien zu! senden. Dann referierte Dr. Egon Zweig-Wien über die Gestaltung und Zukunft der österreichischen Kultusgcnicindcn und das zionistische Programm für dieselben. Er forderte die Einberufung eines Judentages behufs Vorlage jefner Reichs Verfassung der Österreich!־! sehen Juden Schaft an die Legislative uiul die Ausgostaltupg der Kultus gemeinden zu Volks gemeinden. Dieses Ziel sei nur durch die Verdrängung der gegenwärtigen Machthaber zu erreichen. Im Gegensatz hierzu trat Korreferent J. Bondy -Horowitz, für die Gewinnung der KuUusvorsteliuugen durch friedliche Aufklärungen ein. Den Tag.beschloss ein Krimmers, der im Roiachcr-Saal ahgchaltcn wurde. Bei demselben hielt Dr. Theodor Herzl eine Ansprache, in der er sich, unter dem Jubel der Festversammlung, voll und ganz den } Ausführungen Dr. Egon Zweigs betreffend das Verhältnis der Zionisten zu den Kultusgcmeinden anschlicsst. Zu Beginn I der Montagssitzung referierte Dr. J. \V. Marpiorek über i die Stellungnahme zum allgemeinen Zionistenkongress und zu | seinen Organen. Aus dem Referat Marnioreks wollen wir einen wesentlichen Punkt bc rausheben, weil cs bekannt ist, dass man seine Aeusaerungcii im allgemeinen auf Meinungen unseres Parteiführers zurückfülircn darf, diese also eine besondere .Bedeutimg als gcwissermasscu Hcrzlschc Acusscrungcn In-an- Sprüchen dürfen. Er sagte, ,.dass jede faktöse •,und fraktösc Gliederung abzulehnen sei. da sic verleite, das Trennende, und Persönliche dein grossen gc m ei n sajn en Z’cle voran/,usetzen. Jede Acndcrung, Ergänzung, sowie aui Soiidcrncigusigen begründete Bestrebungen bez. des Baseler Programms sollten vom III. österreichischen Parteitag als dj?m Zionismus schädlich verurteilt werden. Er schlägt folgende Resolution vor:;.Alle Gründungen im Zionismus, welche sich an die :/,lonistisebe Gesamtheit weiden, müssen, um offiziell als zionistisch anerkannt zu werden, vom Kongresse und dessen Stellver-! trehing vom Aktionskomitee genehmigt werden, und dessen Kontrolle unterstehen.“ Das heisst also eine scharfe Ablehnung! jeder Parteibildung innerhalb der zionistischen ficsanitpartei i die sich ebenso schroff gegen die demokratisch-zionistische Fiaktion. wie gegen Misrachi richtet. Von der demokratischen Fiakt'.on aus erwiderte Martin Buber, dass die Fraktion 1 durchaus un ge mindert auf dem Boden des semitismus. Ein Freund der Juden und des Judentums ist er in keiner Weise. Er vermag die Lehren! des Zionismus, die ihm durchaus nicht behagen, nicht zu widerlegen. Er meint aber: ״ich möchte gern einmal das Gesicht meines jüdischen Freundes L. in F.. sehen, wenn er das mit anhören sollte." Ich habe die Absicht, ihm dazu Gelegenheit zu haben. Es würde mich dann auch besonders freuen, meine Auffassung vom Judcntumc neben der seinigeit von den F.’er Juden beurteilt zu sehen. Lieben sie mehr die Bequemlichkeit, so werden sic auf der Seite meines Pastors stehen; lieben sie mehr das Judentum, so glaube ich den Sieg davontragen zu dürfen. Meine Auffassung vom Judentume ist nämlieh national und sozial und jüdisch! Der andere Pastor steht mehr im Vordergründe des •öffentlichen Lebens. Er ist daher zu viel grösserer Zurückhaltung gezwungen, als andere seiner Kollegen, die unverhohlen ihren Sympathien für die zionistischen Bc- Strebungen Worte verleihen. Mit grossem Interesse lässt er siel! von der Geschichte und den Zielen der natioualjßdischcn Bewegung erzählen. Auf meine Auseinandersetzung, dass die Juden noch heute eine nationale Einheit seien, meint er, dass c r sich eine solche

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