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Jüdische Rundschau · 1903-07-10 · Heft 28 (10.7.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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I Seite 284. «lUdisclie Riindschati. Nr. 28. i Berlip über das Thema: ״Der Zionismus vor dem 6. Kongress1 ״ Scinf Ausführungen, denen wir wertvolle Anregungen ver- J danken, fanden lebhaften Beifall. An der interessanten Debatte I beteiligten sich besonders die Herren Obcr-jngcnieur Klassmer, 1 Dr. Krüger, Dr. Neumann, Dr. Sachs, stud. mcd. Steinitz, stud. nied. Peritz und GrünthaL Eine Nationalfond- und Schekel- Sammlung hatte gutdi Erfolg auch einige neue Mitglieder wurden gewonnen. Unsere Scbckelsammlungbit werden dieses Jahr 200 übersteigen gegen 120 im Vorfahr. ן Nach Schluss der offiziellen Versammlung, konstituierte j sich der bereits am vorigen Mittwoch im Anschluss an die | Referate von Herrn Dr. Sandler und Herrn ürünthai ins Lebe:, j gerufene Palästinakursus, zu welchem 15 Herrn ihren Beitritt « erklärt hatten. Zum Leiter des Kursus wurde Herr Ober-Ingenicur Klassmer gewählt. H({nno\ier. Am 25. Juni sprach vor einer Versammlung 1 von vielen Hundert Hannoverscher Juden Herr Dr. K1 e c über die Ereignisse in Kischincw. Redner wies nach, wie jetzt die utopistischc Anschauung, es sei auf eine Besserung der | Lage in Russland selbst zu honen, cndgiltig widerlegt sei. ' Sein flammender Appell an das jüdische Natimialgeiühl fand! begeisterten Widerhall und die ausgclegten Beitrittslisten be- : deckten sich mit den Unterschriften vieler angesehener Hanno j verschcr Juden. Sämtliche Tageszeitungen heben den k10״«>.; £alcn Erfolg unserer Sache in Hannover hervor. -.Zu Kongressdelegicrten sind Rcf. Grone mann. Frau Soma Grone mann und J. Sn e Hin g gewählt. j Florenz. Jüngst hat die erste zionistische V c r -! Sammlung in Florenz stattgefunden; dieselbe ist glänzend ausgefallen. An 200 Anwesende aus den vornehmsten Kreisen der hiesigen Judcnschaft nahmen daran teil. Die Intelligenz war durch mehrere Professoren des Instituio superiore, darunter den bekannten Physiologen Professor Fano, vertreten, Studenten von der Vereinigung כק״צי נידסיס“ waren in ansehnlicher Zahl anwesend, viele Damen, darunter die sehr ciniluss־ reiche Professoressa Signorina Eugenia Levi, der Rabbho Maggiore etc. etc. — Der Vortrag des.Advokaten Dr. Angeio Sullam wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Somit cmpfinden wir die Genugtuung dem Zionismus in Florenz Eingang verschafft uz haben. (Welt) Freiburg L B. In unserer Ortsgruppe hielt am letzten Sonntag dem 28. Juni, der bekannte Zionist L. J a f f c ein;«! hochinteressanten Vortrag über ״Den Zionismus itt der Jüdischen Geschichte“. Mit grossem Geschick suchte der Redner den Beweis zu erbringen, dass das Streben nach Zion entgegen der Behauptung unserer Gegner keineswegs neu, sondern ebenso alt, wie das Judentum selbst sei. So oft aber, wies er ferner nach, ein Versuch der Wiederbelebung Zions scheitern musste, lag cs entweder daran, dass es an geeigneten Männern fehlte, oder daran, dass den jeweiligen Führern kein lebensfähiges Volk zur Seite stand. Und darin, meinte er zum Schluss, läge der Hauptuntcrschied zwischen unserem heutigen Zionismus und allen zionistischen Bestrebungen bisher, indem unsere grossen Führer auf die körperliche und geistige Vorbercitung des Volkes von vornherein kein geringeres Gewicht legten, als auf ihre wohlbedachten Schritte nach aussen. Die Erziehung des Volkes halten sie an die Spitze des Baseler Programmes gesetzt und hätten darauf verzichtet, sich ohne die nötige innere Vorbereitung aui eine Lösung der Frage zu stürzen. Der Redner erntete grossen Beifall. Leider wollten die meisten unserer Gegner, denen dieser Vortrag hätte ganz, besonders zugute kommen können, sich auch diesmal von uns nicht belehren lassen, und blieben der Versammlung fern. Berlin, 29. Juni 190.?. In einer ziemlich stark besuchten Versammlung d<־r S a p h a h - B e r u r a h hielt am vergangciun Mittwoch Herr S. I.. Sc h rn u c I o v r t z einen mit grossem Beifall auignommenen hebräischen Vortrag ״Ucber die Aufgaben des sechste!׳ Kongresses.‘* Nachdem er emleitem» einen allgemeinen Ueberblick über Entwicklung und Tätigkeit d.s Zionismus während der letzten zwei Jahre gegeben hatte, ging er zum eigentlichen Thema seines Vortrages über. Mit heissender Ironie geisselte er die vielen in letzter Zeit, nameutlieh fti der hebräischen Presse immer wieder und wieder auitauchenden Wünsche, l'orJerungen und Pläne, die alle nur einer völligen Unkenntnis der wirklichen Erfordernisse und An- Sprüche des Lebens ihre Entstehung verdanken. Da haben wir zunächst die Sogenanntci ״Vokabcl-Acsthctiker“, die gleich an dem Namen Kongress Anstoss nehmen. Für sie ist die Bezeichnung viel zu prosaisch, viel zu nichtssagend, und sie möchten sich nur mit der Tag־ung eines ,.jiidisehen Parlaments“ zufrieden geben, womit sic doch lediglich ihre völlige Unkenntnis der elementarsten Unterschiede, die diese beiden Begriffe von einander trennen, an den Tag legen. An Nörglern hat cs auch in jüngster Zeit nicht gefehlt, die siel! mit der ,.langsamen“ Tätigkeit der Zionistenführer nicht beficuudeu können; sie möchten den politischen Karren des Zloriismus in viel schnellerem Tempo als bisher vorwärts gcscltoben wissen ohne aber dabei die allergeringste Kenntnis vo« all den Schwierigkeiten und ״Steinen des A'nstosses“ zu besitzen, die hemmend auf unserem Wege nach dem Lande Israel liegen. Schon ihre ebenso zahlreichen wie unannehmbaren Vorschläge zeugen ja reichlich, wes Geistes Kind sie sind. Die, die Judenviertelvon Chios und Tschcsnic der Erder* schüttcrung zum Opfer fielen. Seit dieser Zeit haben die Chiisclien Juden die Zitadelle verlassen, die ihnen bis dahin zum Wohnort diente, und dank der Freigebigkeit des jüdischen Grafende Camondo besitzen sic seitdem ein öffentliches Bethaus und eine Talmud-Thora. Doch wohneu auf der ganzen Insel höchstens 80 jüdische Familien unter mehr als 70000 Einwohnern. Pas Schiff durchfährt nun die breite Inselstrasse zwischen den Kykladen und Sporaden und biegt bei den Inseln Kos und Nisyros gen Osten um, und erreicht nach mehrstündiger Fahrt Rhodos, während links die ersten taurischcn Berge Kleinasiens sichtbar werden. Auf einer schmalen Ebene an der Nordseite der Insel liegt die alte Stadt der Johanniterritter mitten in Olivenhainen. ~ Palmen, überragen das weissgetünchte, weitgedehnte Städtchen. Es ist schon eine echte Stadt des Südens. Auch hier waren die Phönikier die ersten Herren und Kulturträger, bis sic von den Dorern verdrängt wurden. Itt der jüdischen Geschichte wird Rhodos zuerst nach der Schlacht bei Actium genannt, als hier Herodes zu den Füssen des Cäsar Okta vianus sich demütigte, um den grössten diplomatischen Sieg seines Lebens zu feiern. Es war das Vorspiel zugleich zu jener schrecklichen Tragödie, deren Hauptakt die Hinrichtung seines Weibes, der herrlichen Hasmonüerin Mariamne war. Juden hat es hier seit alten Zeiten gegeben, und noch heute sind von den etwa 30000 Einwolmern der paradiesischen Insel etwa 3200 Juden. Dass sie arm sind, ist beinahe selbstverständlich. Dass sie von den Griechen gehasst und verfolgt werden, ist noch selbstverständlicher. Im Jahre 1840 haben die Insulaner die Blutliige zu gleicher Zeit in Aktion treten lassen, wo ihre griechischen Glaubensgenossen die bekannte Damaskencr Blutvcrfolgung inscenierten. Hier wie dort fanden die Verfolger ihren kräftigen Rückhalt an dem französischen Konsulate. Die Sitten der Rhodiscr Juden sind eigenartig, und die Wissenschaft der jiidisehen Volkskunde sollte sich ihre Erforschung angelegen sein lassen. Die meisten Familienväter sind gezwungen, auf die elendeste Weise in den Dörfern der Insel und der anatolischen Küste ihr kärgliches Brot zu verdienen. Nur zu den Feiertagen können sic bei der Familie weilen. Die Zahl von Witwen und Waisen ist eine sehr hohe. Sie haben meist das gleiche Ziel vor Augen, ein kleines Kapital zu erwerben und nach Jerusalem auszuwandern. Bei Rhodos hört das Aegäiselie Meer aut, seine landlockernde Kraft zu beweisen. Bis hierher bat uns e i n Wellenschlag begleitet, der vom Starmoifelscn des ־’ *®**I18® ׳׳*־#«V»

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