Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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».*י -׳ «1PWf! V No. 27. ־ Jüdische Randschan. Seite 273. ....4 .׳ y*\ # •v'jMiäp +‘i V# %v י&Vi v1# v¥«::s״i:y * I! ' Rundschau. fea i§ ג<; D« am Sonntag, dem 28. Juni, abgchaUene Sitzung der Repräsentantenversaramlung scheint die letzte vor den Ferien gewesen zu sein. Daher war sie itn Qegensatz zur voriger, Sitzung mit Material überladen. Nach verschiedenem Geschäft fichen wurde die Annahme einer Bettstiftung für das Krank:nhaus in Höhe von 6000 M. genehmigt. Der Bericht der gemischten Kommission zur Beratung über die Art der Vorbereitung von Gemelndcbeschliissen hinsichtlich der Wahl von Mitgliedern der Verwaltungskommissioncn wurde in die geheime Sitzung verwiesen. Fiir die Einsargung von Leichen und deren Transport bis zur Bah 11 wird eine bisher gewohnheitsrnässig erhobene Gebühr von 300 Mark t a r i f m ft s s i g festgesetzt. Für die vergrösserte Bluroenhalie auf dem Friedhofe in Wcisscnsec wird der Mictspreis von 630 auf 12611 Mark erhöht. Alle diese Bewilligungen werden gemacht, ohne dass irgend eine Seite einen Abstrich oder auch nur eine Debatte darüber versuchte, ebenso bei Bewilligung einer Ausgabe von 3$0 Mark zur Anbringung einer Uhr auf dem Vorplatze des Friedbois in Weissensee. Zum Ankauf einer Sammlung liturgischer Musikatien aus dem Nachlasse des Oberkantor Llchtenstem werden 500 Mark bewilligt. Prof. Geiger macht dabei den sehr fibernüssigen Vorschlag, diese Musikalicn zu dem Grundstock einer Musikalicnsammhmg der Gemeindebibliothek zu machen. Der Vorstand erklär!, dass er sich die Entschliessung danlK•!־ \orbchalte. dass aber Jedenfalls ein grosser Teil dieser Musikalien für die Gotteshäuser in Gebrauch genommen werden solle. Ueber den Rechnungsabschluss über die Speisung der Getangenen am Pessaclifcste berichtet F r i e d I fi n d e r. Er spricht nach der dem Journalistcnplätz entgegengesetzlen Seite des ׳ Saales und bleibt unverständlich. Es folgt die Vorlage, dem Religlonsverciu Adass Jeschurun für das laufende Etatsjahr eine i Subvention vor. 1000 Mark zu bewilligen. Vorstand und Sub-; ventionskommlssion sind darin einig, dass man dem Verein diese Beihilfe zur Fortführung seiner Arbeit im Interesse der Gemcinde bewilligen müsse. Dazu meidet sich Prof. Ludwig Geiger zum Wort und erklärt, dass e r gegen die Bewilligung der Subvention stimmen werde und hoffe, dass die ganze Verj Sammlung einmütig und einstimmig das Gleiche tun würde, j Von dem Verbände der Synagogenvcreino für Berlin und Vororte seien an die Versammlung und an die einzelnen Rcpräsen־ tanten Resolutionen geschickt worden, für die der Verein, ob er nun die Resolutionen mit beschlossen habe oder nicht, Jedenfalls mit verantwortlich sei. Unter Jeder Bedingung müsste man zu dem ersten Verein, der eine Subvention verlange die Unzufriedenheit auslassen, die man gegen den Verband empfindc. Als Schulvorstandsmltglicd und als Repräsentant ve••- lange er in gleicher Weise, dem Verein Adass Jeschurun zu zeigen, was dem Verbände gebühre. Wie kämen die Leute dazu, In ihrer 4. Resolution (vergl. Jüdische Rundschau No. 26 Seite 260) von der Gemeindeverwaltung zu verlangen, ihre Schuffnspizicnten dahin a.izuweisen, dass sic bei ihren 111spektionen ihre Kopfbedeckung dann nicht abnähmen, wenn in den betreffenden Klassen Unterricht erteilt wird, an welchem die Knaben bedeckten Hauptes teilnchmcn müssen! ״Ich hin selbst Schullnspcktor in einher der orthodoxesten Religio 11 sschulen Berlins bezw. Charlottcnburgs.’ Als Ich dorthin zur Inspektion kam, fragte ich deli Leiter der Schule, ob er etwas cinzuwcndcn habe, wenn ich unbedeckten Hauptes bliebe. Der Herr hat mir das sehr gern erlaubt. Er habe gär nichts dagegen. Wenn das beschlossen wird, was die Re’ägir.i,;.vereine verlangen, so würde ich sofort die Stellv als Inspektor der Religionsschuleu niederlegen. Wir unterstützen diese Rei'gionsvereine. und es ist eine Ucbcrhebung. eine Verblendung und Unverschämtheit - - (Oho. bei den KonservaM'ven.) Sie wissen Ja gar noch nicht, was ich sagen will: Es ist eine unglaubliche Uebcrhebimg, eine ungeheure Verblendung und Unverschämtheit, diese Rosohit'or.et: an uns zu senden. Diese Leute kennen Ja unsere Schulen garnicht. Und die wage.: Vorwürfe gegen sie. getrauen siel! die Gemeindeverwaltung zu ersuchen. Bücher aus den jüdischen Gemeindebibliotheken und dem Schulgebrauch unserer Geme:ndescb»len zu entfernen, deren anJerskonfessioncUer hin!! das jüdische Bewusstsein der Kinder verwirren könnte. Das hicsse überhaupt jede Bibliothek zu schlossen. Auch dieser Vorwuri ist völlig unberechtigt. Und was leisten denn die Vereine?“ Er gäbe zu, dass die Rclig.onsschule seiner Inspektion ganz vorzügliches leiste, aber das tue nichts zur Sache. Er fordere die Repräsentanten auf, einmütig zu protestieren, ob sie nun liberal oder konservativ seien und deshalb ebenso wie er selbst gegen die Bewilligung der Subvention zu stimmen. Blumenthal legt Verwahrung ein gegen den Ton Geigers, durch den die 2000 Mitglieder der Synagogenvereine sich verletzt fühlen müssten. In den Kommissionen seien ihnen ganz andere Dinge bekannt geworden, die noch mehr unverschämt Reminiscenzen. jppr..-־:״' Von B. Leiser. (°chluss•. "Langsam ornober sich. ״Darf ich denn wenigstens wiederkonunen, nach dir zu sehen?“ . . . Schon hatte sie eine ablehnende Antwort auf den Lippen, da fiel ihr Blick auf das grosse Bild über dem Sofa. War es in ihrem Sinne gehandelt, wenn sie ihn gellen liicss? Hatte die geliebte Verstorbene nicht stets Leonhard in Schutz genommen, nach Gründen gesucht, uni seine Nachlässigkeit zu entschuldigen? . . . Ihm entging cs nicht, dass sie mit einem Entschluss rang, und so sagte er bittend: ״Sage nicht nein! Es soll dein gutes Recht sein, mir die Tür zu zeigen, sobald ich dir unbequem oder lästig bin!“ Er sah sie so flehend an, als ob von ihrer Entscheidung Tod oder Leben für ihn abhinge. ״Also komm,“ sagte sie dann entschlossen, ״ich habe aber nur wenig freie Zeit, und so muss ich dich schon bitten, wenn möglich, mir den Samstag nachmittag zu opfern, daun arbeite feit nicht!“ .. . Mit einer leichten Neigung des feinen Köpfchens reichte sic ihm die kleine Hand, und er musste wohl oder übel gehen. ... Am Abend ging er nicht aus, wie überhaupt wenig in der nun folgenden Zeit. Seine Freunde nannten es eine Laune und meinten, er würde schon wiederkommen. Aber er kam nicht wieder, er wich ängstlich jeder Berührung mit ihnen aus und pflegte die Abende einsam in seinem Hause zu verbringen. Voll Ungeduld harrte er von Woche zu Woche der Stunde, da seine graziöse, kleine Kusine Ihm gestattete ihr Heim zu betreten. Er wurde förmlich nervös, wenn sie endlich da war, wo er in dem niedrigen Sessel lehnte, von wo er ihr feines Profil in jeder Linie zu studieren vermochte. Meistens fanden sich noch eine oder die andere Freundin, oder ein älterer Herr, gleichfalls ein Schriftsteller, bei ihr ein. Gewöhnlieh legte sie erst irgend ein Buch, in dem sic gerade gelesen, hin, um mit ihnen zu plaudern. Leonhard verhielt sich meistens schweigend. Es verdross ihn, dass er niemals mit ihr allein sein, dass sie sich nie ausschliesslich mit ihm beschäftigen konnte. Und eines Tages wusste er es so einzurichten, dass er der Letzte war. ״Mein Gott, wie gut dass sie alle fort sind, wie unerträglich sic mir waren!“ äusserte er. Ernst versetzte sie: ״Sie haben jedenfalls dasselbe Recht auf mich, wie du, auch sie kommen herauf, um mit mir zu plaudern!“ . . . ״Warum kann ich nicht mehr für dich sein, als die andern, ich glaube, dass ich ein besserer Mensch würde!“ rief er leidenschaftlich. Freundlich erwiderte sie: ״Das kannst "י* * ״