Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 27. Jttdisohe Rundschau. Seite 271. zwungcn, aus einer Jahreszeit Wasser in die andere hinüber- ׳ znrettcii, und nicht nur er, denn auch an Trinkwasser fehlt es j vielfach, wo keine Quellen in der Nähe sind. Die huutc übliche Art der Aufsparung ist die möglichst primitive, das Wasser wird in Zisternen, verdeckten Brunnen, gehalten. So wird der Regen in der Tat zum Lcbcnserhaltcr nicht nur für •die Vegetation, sondern auch für Tier und Mensch. Noch zwei Prägen wären hier kurz anzuschliessen. Grade i*1 Palästina hat man versucht, den Waldungen einen Einfloss auf die Menge der wässrigen Niederschläge beizulegei:. In einer sehr interessanten Arbeit machte A n d c r l i n d darauf aufmerksam, dass die einzige Stelle in Palästina, die grössere WaUlntcngeu besitzt, die Umgebung von Nazareth, sielt in den Niederschlägen nicht unerheblich v<U anderen Orten unterscheidet. Nazareth hat, trotzdem cs ganz erheblich tiefer liegt als Jerusalem, eine jährliche Regenmenge von 611,7 mm . (Jer. 570,1 mm), und And er lind ist geneigt, diese Diiterenz der Existenz der erheblichen Waldbestä.tde zuzttscltreiben. Zwar bedarf dieser Schluss noch sorgfältiger Nachprüfung, aber er eröffnet immerhin wichtige Ausblicke. Ein zweites, sehr wichtiges Problem ist grade in neueret Zeit mehrfach behandelt wordeh, die Frage: Haben sich die klimatischen Bedingungen Palästinas in historischer Zeit geändert? Dieselbe Frage ist wohl für alle die alten orientalischen Kulturländer, die heute öde liegen, aufgeworien worden, und zwar besonders in bezug auf die Bewässerung. Für Palast'״;! äussert sieli der Zweitel an einer künftigen KulturÜihigkeU dahin, dass entweder die Angaben der Bibel von der sprichwörtlich gewordenen Fruchtbarkeit des Landes fibertrieben s'nd oder aber die Bewässerung im Altertum eine reichlichere gewesen sein muss. Das letztere war wohl in der Tat der Fall, nur liegt keine Spur eines Beweises dafür vor, dass die natürliche Bewässerung stärker war; die Kunst des Menschen war cs vielmehr, die den Wasserschatz vermehrte, indem sie ihn verteilte und unbenutztes Wasser nutzbar machte, j indem sie es aufsparte. Ein klassisches Beispiel gibt ja Mesoj potamicii. das sicher in historischer Zeit noch eines der fruchtbarsten Länder, ״das Land des Paradwses“, war und ebenso sicher heute zum grössten Teile verödet ist. Und hier selten wir den Grund der altch Fruchtbarkeit unzweifelhaft in dem grossartigen Kanaluctz. das die Fluten des Euphrat und Tigris über das Tiefland verteilte. So sicher ist hier der Zusammenhang von Kultur und Fruchtbarkeit, dass heute eine deutsche Gesellschaft viele Millionen an ein Bahmmternehmen zur Er- ' Schliessung Mesopotamiens wendet, in der Gewissheit, dass 1 in kurzer Zeit der Flciss von Menschenhänden das Land wieder gewaltig heben kann. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch Palästina zu bctrachten. Die grossartigen Wasserbauten, deren Reste auf uns gekommen sind, wie die Teiche Salomos bei Bethlehem und die Wasserleitung des Siloahtciches in Jerusalem, zeigen uns, dass eine künstlerische Bewässerung in Palästina kein Märchen ist, sondern eine Tatsache aus historischer Zeit, die durch Benutzung der modernen Hilfsmittel tausendfach übertroffen werden kann. An eine Aenderung des Klimas können wir ohne zwingende Gründe --- und solche liegen nicht vor — nicht glauben; und so schöpfen wir grade hieraus die freudige Zuversieht, dass durch feissige und planvolle Arbeit Palästina wieder zu einem Lande werden kann, in dem jeder unter seinem Weinstock lind seinem Feigenbaum glücklich leben kann. 0 ß_ _ __ Aus der Bewegung. jj Vl ve.*«ir*3׳*vC!VinJintV'etisx4<"*״ ,*-.י»;«*•'• ־.יי׳**״•«*««•- יי*ייv tmfi Das Zentralkomitee der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland‘1 teilt uns mit, dass im ver-! flossenen Jahre zirka 5750 Schekelzahler im Deutschen j Reich ihrer Schekelpflicht genügt haben. Eine Anzahl von j Schekelblocks ist noch nicht wieder ein gegangen. 1 Das Zentralkomitee der ״Zionistischen Verc i n i g u n g für!) c!! t s c!1!? t: d “ teilt mit, dass ferner folgende Gesinnungsgenossen sie!! zur Uebem-dimo eines Kongressmrm’als ausserhalb ihrer Ortsgruppe bereit erklärt haben: 33. Dr. med. Alfred Waldenburg, Be rhu \V״ Parbe־׳- Strasse •15. 3-1. Gerichtsussessnr Dr. Adolf Friede in a 11 n . \\<esbaden. 35. Frau D. W 01 f sob u# Köln a. RI1. 36. Max G o f d r c i c h, Buchhändler, Köln a. R11.. L*!den- Strasse. 37. Adolf H o f f m a nn, Kaufmann, Köln a. Rh״ Aachenerstrasse. 3S. L. R a b 1 n o w i tz, Kaufmann, Köln ä. Rh., Karolingerring. 39. Julias Becker, Breslau, z. Zt. Bern. Gedanken zur unterirdischen Tunnelbahn, und ebenso unvermittelt von der Funieolare zu den jüdischen und türkischen Chedarim, während in unseren Ohren der schmeichelnde Sang der tanzenden Derwische flötet. Und unsere nimmer satten Blicke schweifen trunken zurück vom Schiffe zutn Scrail-Burunu, zum Marmorpalast, zum Giilhaue, zur grossen und kleinen Aja Sofia, während weit hinten der Sternenpalast und die Garten- Schlösser zwischen Pera und Ortakjöi vernebeln. Und während Skutari verschwindet und Stambu! und Kadikjöi immer kleiner und kleiner werden, und die Stadt nur noch wie ein unendliches Gewimmel zahlloser Kuppeln und Minarets innerhalb der getürmten mittelaUerlichcn Stadtmauer aussieht, da enthüllt sic uns noch einmal, ehe sie dem! völlig verschwindet, ihre ganze Pracht in Abendstrahlen der Sonne, die rot von den Prinzeninseln gebrochen werden. Und weit drüben am * Horizonte noch einmal die schneebedeckten Gipfel des Olympos. Unser Schiff ist die ״A s i a“, die zum ersten Male bei Gelegenheit der Kaiserrcise die Palästinafallrt macht. Sonst ist Tunis ihr Ziel. Der Kapitän, der Sohn eines genuesischen Rhecdcrs, hat für meine Gefährten und mich einen kleinen Salon und eine Küche!!errichten lassen, damit wir gemäss dem strengen!;!!!!indischen Gesetze unsern Bräuchen leben können. Es ist das etwas neues für das italienische Sciiiifsvoik, diese Ebrei und selbst die kleine Binotta, das gelbe Kätzchen des Schiffshäckers, schaut uns erstaunt mit ihren lieblichen grünen Augen an. Im Dämmerschein des laulichkiihien Abends plandert man an Bord. Ich höre, wie ci!1 junger Mann sich der alten homerischen Gesänge erinnert, deren Schauplatz er auf den Bergen Klein-Asiens sucht, die eben uns links entschwanden, während er rechts die mazedonisehen Berge gesehen haben will. Der liebe Tropf! Mit seinen trojanischen Erinnerungen hat er noch beinahe vicruudzv. auzig Stunden Zeit, — sind es Ja in der l linic noch 250 Kilometer, und Makedoniens Berge hat er am thrakischen Tieflandgestade erblickt, weit weg von Makedoniens äussersten Grenzen. Es ist so angenehm zuzuhören, wenn man von niemand gekannt wird. Doch schon bin ich entdeckt. Zwei Herren, die mich bei dem Besuche von Prinkipo für einen Türken gehalten hatten, weil icl! ihnen mit den türkischen Zahlwörtern aushalf, belegten mich mit Beschlag. Und wir plaudern, indem wir über die Propontis dahin gleiten über das alte Permthos, das jetzt rechts von uns liegen mag, und über C.