Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651316--00505-2657299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
Seite 270. Jüdische Hundsciiau. No. 27. Das Klima Palästinas. Von EliasAucrbach. (Schlossartikel.) Nun zum Schluss noch einiges über die Niederschläge und die Wasserverhältnisse überhaupt. Was über den regelmässigen jährlichen Niedergang von grösseren Regenmengen zu sagen ist, folgt ja schon mit einiger Notwendigkeit aus der Darstellung der Jahreszeiten und besoniers der Winde; es ist nur nötig, im Zusammenhang das Erforderliche zu wicderholefi und Einzelheiten hinzuzufügen. Nach sorgfältigen Bestimmungen, die einen Zeitraum von 22 Jahren umspannen, kann man im Mittel die trockene Zeit des Jahres auf 177 Tage, die Regenzeit auf ISS Tage veranschlagen. Während aber die regenlose Sommerzeit ohne jeden Wechsel, nur am Anfang und am Ende von ein paar Regenschauern unterbrochen, dahingeht, zeigt die Regenzeit eine weit grössere Mannigfaltigkeit, als wir gewöhnlich annchmcn. Wir legen unseren Begriffen von Regenzeit meist die Schilderuugcn durchaus tropischer Gegenden zu Gründe, und von diesen unterscheidet sich Palästina durch sein subtropisches Klima in vielen Punkten. Die ersten Regen bringt EM de Oktober der Antipassat, der als Südwestwind weht, und der Westwind vom Meere her. Das ist der Friihregen, dessen gewaltige Bedeutung für das Land schon aus seiner häufigen Erwähnung in der Bibel hervorgeht. Er ist die Erlösung von der Sommerdürre und das Signal zur Feldarbeit. Seine Wassermengen sind meist nicht sehr gross, seine Dauer etwa 3 Wochen. Vom Dezember bis zum Februar fallen die starken Winterregen, vom Friihregen geschieden durch eine kurze, regenlose Periode. Die Vor- Stellung jedoch, dass die Winterregen ununterbrochen fallen, trifft iür Palästina nicht zu. Zunächst gibt cs wohl kaum einen Tag, der nicht zum mindesten einige regenfreie Stunden hat, in denen die Sonne zum Vorschein kommt. Ja, die Tage sind } nicht so gar selten, wenn auch verstreut, an denen überhaupt kein Regen niedergeht. Und diese Tage oder Tagesstunden sind . wohl die schönsten im Jahre, von milder Wärme, die Luft reichlich mit Feuchtigkeit beladen, die Natur im üppigsten Grünen und Spriessen. Dem Hauptrvgcn folgt wieder meist nach kurzer Pause der Spatregen im März und April, die notwendige Bedingung für das Gedeihen der Ernte. Der Wind, der vom Meere herkommt, ist zwar feucht, aber er betritt das Land durchaus noch nicht immer als Regenschauer. Erst wenn er, aus der flachen Küstcncbcnc ins Innere streichend, an das Hügelland, dann an das Hochland anprallt und gezwungen ist, schräg 11 die Höhe zu steigen, dann wirJ seine Luft den höheren Schichten der Atmosphäre entsprechend abgcküHt und cntläd ihren Wassergehalt als Regen. Das sind die sogenannten Steigungsrzgcn, die den Abhang des Hochlandes benetzen und die Regenmenge des Gebirges etwas höher setzen als die des Tieflandes. Ganz entsprechend dem Westjordanlandc hat auch das Ostjordabland seine Stcigungsregen, herstammend von den aus dem Jordantale emporstreichenden Winden, die nach Osten weiterziehen. Der Hagel ist für Palästina keine unbekannte Erscheinung. Wie bei uns, geht er am meisten zur Zeit der Gewitter nieder, also im Oktober, und dann zuweilen in starken Schlägen. -- Schnee liegt, wie oben erwähnt, im Gebirge Juda kur zuweilen einen Tag. auf dem Herrn״:! dauernd, im übrigen Lande ist er unbekannt. Als Summe aller atmosphärischer Niederschläge findet mau in Palästina kleinere Zahlen als in unseren Breiten. Für Jerusalem beträgt die jährliche Regenmenge 570,1 mm, die relative Fenchtigkeit 56 pCt. Will man die wirtschaftliche Bedeutung der Niederschläge für c!a,s Land im vollen Umfange würdigen, so hat man zu bedenken, dass das Land weit mehr als beispielsweise Deutsch-!and auf diese Wasserqudic angewiesen ist. Hier geben die zahlreichen Ströme, Flüsse, Bäche, Seen die Möglichkeit, überalHiin mit ziemlich leichter Mm he zur Unterstützung der atmospiiärisehen Niederschläge Wasser durch Kanäle und Gräben in jedes einzelne Feld, in jeden Garten zu leiten. 11,׳ Palästina ist es anders; hier sind die Wasserverhältnisse des Landes seihst ganz eigenartige. Die Flüsse, die während des ganzen Jahres Wasser führen, sind der Kison nebst wenigen andern Identen KüstenfUissci, dann der Jordan und einige seiner Nebeuf.'iisre wie der Jarim:!,׳, der Jabbok, der Arno!!. Für eine direkte Ableitung kommt der Jordan seiner Tiefhge wegen nur für die allernächste Umgehung in Betracht, und so hat eine Bewässenn'g aus den natürlichen Vorräte;! mit gross.:-!! Schwierigkeiten zu kämpfen. Zwar in der Regenzeit ist Wasser in!Lille und Fülle vorhanden, da füllt sich jedes Wadi (Fiusstal .das nur im Winter Wasser führt, zun! Unterschiede von Nähr, dem dauernd strömenden Fluss) oft i!1 kurzer Zeit zu einem reissenden Strom, der ungeheure Wassernüssen unbenutzt in die Tiefe wälzt. Aber wenn der Regen aufhört, saugt der Boden rapide das Wasser ein, und bald fehlt cs allerorten au Nass. So sieht sich der palästinische Landmoon gc- »״* *?ד ■ c4n,.»***3E: ugf*; '׳•־־»״ Kulturelle Streifzüge durch den jüdischen Orient. (Nachdruck verboten.) III. Von Konstantinopel nach Beirut. An einem wunderbaren Oktobertage, der an den Mai unserer nordischen Heimat allzu sehr erinnert, schiffen wir uns in Konstantinopel ein. Spiegelkiar liegt das Ooldene Horn mit seinen beiden Brücken hinter uns. Cs wird uns schwer, Abschied zu nehmen. Wenn wir der vielen Wanderungen hin und zurück über die weiten Brücken gedenken, der herrlichen Fahrten bis in die Spitze des Hornes bei Eyüb, des Getriebes in den weitläufigen Bazaren, fragen wir uns im Stillen, wann werden wir dich Wiedersehen, du hohe Piorte am Eingänge zum Schwarzen Meere. Und wie wir sie am Ufer sitzen sehen, diese ruhigen Türken mit dem gleichmütigen Gesicht, das Schälchen Kaffee in der Hand und das Narghileh im Munde, da erscheinen noch einmal vor unserm Auge alle die Scenen, die wir diesmal durchlebt. In der grossen Moschcch drüben war es, wo der greise Scheikh sich durch unsere Gegenwart nicht stören Viess, als er seinen Gläubigen in singendem Tone mit ewigen Schaukelbewegungen aus den Kommentaren zu Koran und Sunna die Pflichten der Nächstenliebe und Armenpflege dozierte. Wir fühlten uns in eine echte Jeschibha versetzt Sogar der Alte in der Ecke war über seine Frömmigkeit eingenickt und schlief. Dann erinnerten wir uns, wie der junge Rahib beim Mausoleum des Sultans Abd-ul-Aziz einen auf Seide geschriebenen Köian aus der goldenen Zeit Bagkdüds. aus den Tagen Haruns und Mamuns wies, und seiner Freude nicht genug wusste, als ihn! der fränkische Jahudi die Sura ״ennemet“ vor las. Und von der Türbc wunderten unsere