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Jüdische Rundschau · 1903-07-03 · Heft 27 (3.7.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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**•ז״׳ד ן" et ■% f Seite 268. Jüdische Rundschau * jt No. 27. für unsere Lage erwarten dürften. An eine solche Besserung könnte aber nur Jemand glauben, der der Meinung Ist, dass abstrakte Parteiprinzipien wie Gleichheit und Brüderlichkeit instinktive Regungen der Volksseele wie den Rassenhass aus der Welt schaffen können. Haben wir Jetzt schon oft genug den Hass der Sozialdemokratie selbst zu erfahren — erinnert sei nur an ihren vorletzten Parteitag mit seiner Hetze gegen die eigenen russisch-jüdischen Parteigenossen —, wie *wird cs uns erst in dem sozialistischen Zukunrtsstaaic gehen, der doch den Antisemiten zwar seine Gesellschafts- Ordnung, aber niemals eine menschliche Gesinnung gegen die Juden aufzwingen kann. Und im sozialistisehen Staate, der einen allseitigen Verkehr zwischen den Mitgliedern seiner Gesellschaft zur Voraussetzung hat, würde sich dieser Hass noch weit empfindlicher bemerkbar machen als in der jetzigen Gescllschafts- Ordnung. Wenn wir somit von dem Eintreten der Juden in die Sozialdemokratie dringend abraten müssen, so wird wohl kein Verständiger von 1ms den Rat erwarten, die Juden sollten ihre Hoffnungen auf die genügend antisemitisch gefärbten Nationalliberalen oder gar aui das Zentrum setzen, bei dem allerdings einige dieser Partei wahlverwandte jüdische Seelen tatsächlich Trost und Schutz suchen möchten. Der Rat, den wir geben, ist ein sehr einfacher: die Juden sollen sich nur noch um ihre eigenen Verhältnisse kümmern. Wenn sie auch damit den Rassenhass keineswegs beseitigen werden, 1 so werden sie ihn doch aui diese Weise eher vermindern, j als wenn sie glauben, durch ihre intensive Beteiligung j an den innerpoiitisclien Kämpfen im Sinne einer Abwehr j tätig zu sein. Vor allem aber würden sie dann Zeit und j Müsse gewinnen, für ihr Volk selbst etwas Erspriess* liches zu tun. Geschieht das. dann ist eine Betrachtung des Reichstagswahlergebnisscs auch von jüdischnationaler Seite den Juden von Nutzen gewesen. Guten willen“ gleich ״die Dispiplin und Organisation einer Kampfpartei auf das Spiel gesetzt werden“. So arg. Ist es Ja aber auch kaum Jemals. Pinkus vergisst hier, wie in seinem ganzen Artikel, ständig, dass die Fraktionen ja doch auch aus sozusagen — Zionisten bestehen würden, die ein sehr wohl gegründetes eigenes Interesse daran hätten, die Disziplin nud Organisation in der zionistischen Bewegung nicht aufs Spiel zii setzen. Täten sie das leichten Sinnes, so könnte man sic ruhig aus der Bewegung ausschliesscn — sic wären sehr minderwertige Zionisten! Ihr eigenes Interesse aber — und dazu sind wir wohl genügend Anhänger der materialistischen Gcschichtsauffa'ssung, um das cinzuschcn — wird ihnen immer höher stellen, als ein Augenblicksvorteil; und gerade je grösser und entwickelter eine Partei ist. desto eher wird das wohlverstandene Eigeninteresse über momentane Gelüste den Sieg davon tragen. Aber selbst von einem noch so lebhaften Wunsche bis zum offenen Widerstand gegen einen Majoritätsbeschluss ist ein recht weiter; W t g. .. Leicht bei einander wohnen die Gedanken, doch! hart im Raume stossen sich die Dinge.“ Je grösser eine Partei j sein wird — und eine kleine ist ja ganz ungefährlich —- je j grösser an Mitgliedern oder an denkenden Köpj'.a. und ohne 1 denkende Kopie ist sie abermals ungefährlich desto mehr wird sie es sich reifllchst überlegen, ob das Objekt auch des Preises der Obstruktion wert sei. Für einen Zionisten aber, und vollends für eine zionistische Par* t c i kann i c!ו mir kein Objekt denken, das des Preises der Desorganisation des Zionismus w e r 1 w ä r c! — — Fassen wir nun demgegenüber den Pinkus’scnen Vorschlag für die Gestaltung der Fraktionierung Innerhat!) des Zionismus ins Auge. Abgesehen davon, dass Pinkus sich in dieser für Seine Ausführungen hochwichtigen Trage menrfacli widerspricht, meint er etwa folgendes, wenn Ich ihn recht verstehe: inrcrludb einer jeden Landesorganisatlon können sich beliebig viele Parteien bilden — weshalb diese nicht der Lnndcsorgani* sation ebenso gefährlich werden könnten wie allgemeine Par* tc;c:u ist zunächst nicht cinzuseben! — lind diese Parteien der! " ~ףוח׳ד״־י"־■•' *■־ .׳ '1 <Z 1 g ן ״״»;'־ yj £ £ Von Julius Becker. (Schluss). Aber Pinkus gibt selber zu, dass der von ihm konstruierte Fall ein exzeptioneller sei und so leicht kaum eintreten durfte. Doch cs müsse, sagt er, auch dem Schein c einer Möglichkeit vorgebeugt werden, und es ist besser, dass etwas Altes, meinetwegen Schlechtes, bestehen bleibt — wir sind genügend Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung,*) um zu wissen, dass das doch nicht auf die Dauer bestehen kann — als dass, sei cs auch um eines Guten willen, die Disziplin und Organisation einer Kampfpartci auf das Spiel gesetzt werden verschiedenen Landesorganisätionen werden sich auf dem Kon* gressen. wofern sie gleiche Bestrebungen verfolgen, schon von selbst zusammeniinden. Da liegt denn doch die Frage sehr nahe, weshalb sie das nicht schon vorher dürfen sollen. Die Antwort gibt Pinkus nicht, aber sie kann vorerst nach dem Sinn seiner Ausführungen nur lauten: weil das den Landeskomitces unangenehm sein könnte! ist aber das des Pudels Kern, dass mir die Landcskomitecs in ihrer Bequemlichkeit nicht gestört werden sollen, so möchte ich die schleunige Bildung von allen möglichen Fraktionen herbeigeführt sehen. Denn etwas mehr Lebendigkeit innerhalb mancher Landcskomitecs wäre durchaus nur von Nutzen. Diescr Ansicht scheint aber Pinkus selbst zu sein, denn er meint darf.“ Für diese Art von Argumentation fehlt mir der qualifizierende Ausdruck. Wie wär’s, wenn wir lieber so argumentierten: eine Partei, die keine Daseinsberechtigung hat, oder keine mehr hat, verschwindet allmählich von selber, und Parteien, die einen Dasclnszwcck hätten, aber künstlich nicdergchaltcn werden, sprengen doch einmal die Fesseln und entfalten sich dann meist viel tapidcT und oft in schädlicher Weise, als es ohne die Unterdrückung der Fall gewesen wäre — das zeigen uns in vielen Ländern eine Reihe von Beispielen, die zu bekannt sind, um genannt zu werden, und die der materialistischen Geschiehts- Auffassung mehr F.hre machen, als die obigen Pinkus’schen Folgerungen. Pinkus lieht die grossen Worte, und so lässt er ״um eines •) Wer unsere ״Rundschau" einigermassen aufmerksam liest, weiss, dass wir keineswegs die materialistische Gc- Schichtsauffassung teilen, die uns zwingt, der wirklichen Geschichte Gewalt anzutun. (D. Red.) ja sogar, dass eine ״Reformierung von unten, von den Landeskemifees“ erfolgen müsste. Dieses Gute haben ihm die Gruppierungsbestrebungen heute bereits gezeigt: alsdann aber steht zu hoffen, dass sie ihm noch mehr Gutes zeigen werden. — Doch, wenn also die Gemütsruhe der Landeskomitces nicht Pinkus’ Sorge war, dann bleibt nur noch eine Möglichkeit zur Erklärung seiner Furcht vor allgemeinen Frakt'onen und seiner Hochschätzung , der landeskomilccUchcn Autorität, dass er nämlich — er, der Verteidiger von Disziplin und Organisation! — die Dcsorganislcrung des Zionismus betreibt. Denn wenn nur in Deutschland bestimmte Parteien im Zionismus existieren dürfen, in Frankreich andere, in England wieder andere etc., so heisst das doch nichts weiter, als das wir in Deutschland einen deutschen Zionismus, in Frankreich einen französischen und In England einen englischen Zionismus haben. Vorläufig I e d o c h h a b c r. w i r glücklicherweise nur einen Zionismus! Aber, wenn aus den Pinkussehen Organisatlonsideen einmal Kongressbeschlüsse werden sollten — ich bin freiüch zu sehr Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung, um das ernstlich zu fürchten! — dann

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