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Jüdische Rundschau · 1903-06-26 · Heft 26 (26.6.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 26 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Ko. 26. '*ft** ‘•!ר■ •,*KV1״****. Seite 260.^Jüdische Rimdschan. j dem Redner sowie von den Herren Jaffö und Blum in das ן richtige Licht gesetzt. Herr J aff6, der als Russe die russischcn Verhältnisse aus eigener Anschauung kcrf.1t, konnte auch gegen den Vorwurf protestieren, dass die hebräische Sprache eine tote sei, indem er auf Wunsch Worte wie Automobil, Maschine etc. ins Hebräische übersetzte. Am Schlüsse der Diskussion wies Herr Blum auf den Sturm der Entriistuug hin, den die Kischincwcr Grcueltatcn bei allen Juden hervorgerufen; wenn sic die abseits Stellenden wieder an ihr Judentum erinnert, sic aus ihrer Gleichgiltigkeit aufgcrüttelt und zum Nachdenken über das Elend und seine Abhilfe gezwungen hätten, dann könnte man, wenn auch blutenden Merzens, von dem Unglück in Kischincw sagen: Garn su l’tauwoh. Mit einer eindringlichen Mahnung an die Zuhörer, nach Kräften! an der Verwirklichung des zionistischen Programms zu arbeite.!, schloss Dr. P r i cd ifi nalc r. Eür seinen Dienst, den der Redner der zionistischen Sache erwiesen, sprach ihm der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe Dr. K a 11 i m a 11 n den herzlichen Dank der Ortsgruppe aus. Düsseldorf. Wie gross das Interesse für die Zionistische Bewegung allenthalben ist. möge Ihnen auch die Tatsache 7״ B. i beweisen, von der ich dieser Tage hörte, dass die Elbe r ־ ' i e 1 d - B a r m c r B n e ־ B r i t h 1 o g e ..B erg i s e 11 e! Loge“ sich in einer Reihe von Sitzungen eingehend mit j unserer Bewegung befasst hat. Herr Rechtsanwalt Orgler referierte über Herzls Judeiistaat, Herr Dr. Apfel über Alt- Neuland, über die Lieder des Ghetto von Rosenfeld u. a. m. j Da dis betr. Logcnsitzungen nicht öffentlich waren, kann ich 1 über den Gang der Diskussion keine Mitteilungen machen. n. J Ungarn. Unsere Pressburger Gruppe hielt eine j von vielen Hunderte!! besuchte, höchst wirkungsvoll verlaufene j Ciedenkfeier für die Kischincwcr Märtyrer ab. ln Hethers j (Säroscr Komitai) wurde ein neuer Zionsverein, der mit 66 Mit-! gliedern in Leben trat begründet. Die Tagesordnung kamt noch geändert werden. Anträge zur Tagesordnung, wie auch Anmeldungen von Rcferatea wurden bis zum 19. d. cntgcgctigcnommen. (״Achwah“, Lemberg. Ringplatz 12.) Mit freundlichem Zionsgruss. Samuel Schon־, Obmann. Alexander Eisenstein, Sekretär. Rundschau Die vom Verbände der Synagogen-Vereine von Berlin und den Vororten einberufene und am 3. Juni 19113 in Dräscls Pest- Sälen tagende öffentliche Versammlung fasste einstimmig folgende Beschlüsse: 1. Die Versammlung protestiert gegen die beabsichtigte Pcstsetznng der Subventionen an die Synagogenvereine nach Massgabe der von den Mitgliedern dieser Vereine gezahlten Gcmcindchcitrügc. 2. Die Gemeinde ־ Verwaltung wird ersucht, diejenigen Bücher aus den Bibliotheken und dem Scfiulgchraucii der jüdischen (icmeindeschulen zu entfernen, deren anderskonfessioneller Inhalt geeignet ist. das jüdische Bewusstsein der Kinder zu verwirren. 3. Die Gemeinde - Verwaltung wird gebeten, an den hohen Feiertagen Jugeiidgottcsdienstc nach traditionellem Ritus cinzurichkn. •1. Die Versammlung richtet an die Gemeinde-Verwaltung die Bitte, die Scliulinspizienten der jüdischen Gemeinde dahin anzuweisen, dass sie bei ihren Inspektionen ihre Kopfbedeckung dann nicht abnehnicn, wenn in den betreffenden Klassen Unterricht erteilt wird, an welchem die Knabeit bedeckten Hauptes teilnehmcn müssen. Sehr geehrte Gesinnungsgenossen 1 Das unterfertigte Komitee der Vereine ..Achwah Lemberg“, ״Achdus Krakau“. ״Achwah Stanislau“ beruft für den 27. und 28. d .M. nach Lemberg eine Konferenz der jüd.-nationalen Handclsangestellten und Arbeiter Galiziens behufs Schaffung einer festen Organisation der jüd.-nat. Arbeiterschaft unseres Landes. pie Tagesordnung der Konferenz ist vorläufig wie folgt zusammengcstellt: 1. Begründung und Wahl des Bureaus. 2. Die Lage der jüdischen Handclsangestellten und Arbeiter Galiziens. 3. Unsere Stellung zur sozialdemokratischen Partei. 4. Organisation. 5. Unser sozialpolitisches Programm. 6. Das Verhältnis der zionistischen Intelligenz zum jüdischeu Proletariat. 7. Agitation, Presse. 8. Stellungnahme und Konditionsloscnfond. 9. Eventuelles. 111 der ungarischen (!) Stadt Zboro (Siroser Comitat) leben die Juden seit Wochen ih Furcht und Schrecken. Der Pfarrer der dortigen russischen Kirche hetzt das Volk in empörender Weise gegen die Juden; er verkündet von der Kanzel herab, dass die Bluthunde von Kischineü ,,Vollstrecker einer heiligen Sache“ waren und fordert seine Gläubigen auf, auch in diesem Sinne ihre Pflicht und Schuldigkeit zu tim. Die Aufregung der Juden ist um so grösser, als dieser Tage der Stuhlrichtcr Zboroer Juden zu sich berief, um ihnen den wohlgemeinten Rat zu erteileb, sie möchten vorsichtig und schonend in dem Umgang mit der Bevölkerung sein, weil — ' so sagte der Stuhlrichtcr! — der Hass und die Erbitterung der christlichen Bevölkerung gegen die Juden schon sehr gross sei. Die Verhältnisse sind dem Budapester Ministerium des Innern in einer Dringliclikeitseingabc geschildert worden. — Wievici zionistische Delegierte wird Ungarn in Basel haben? um meine Existenz sein, ich stehe auf eigenen Füssen!“ Er verstand sie nicht gleich, begriff nicht, welche Arbeit sie wohl meinte, aber dann wunderte er sich nicht im Geringsten, als ihm die Erkenntnis kam. Die Mutter hatte ihre reiche Phantasie vererbt, nur verstand die Tochter cs besser, ihrem Talent Ausdruck zu verleihen, aus ihrer reichen Gedankenwelt zu schöpfen und ihre Gebilde in die weite Welt hinausfliegen zu lassen. Leonhard hatte immer mit einem gewissen überlegenen Spott den Frauen gegenübergestanden. Woran es lag, er hätte es selbst nicht zu sagen vermögen! Ob die Frauen daran die Schuld trugen, die bisher seinen Weg gekreuzt? . . . Das aber war sicher: zum ersten Mal .seitdem er in der ״Welt" lebte, empfand er tiefen Respekt, ja fast Ehrfurcht vor einer Frau, und diese Frau war seine Kusine, dieses zarte Oeschöpf, das vom Leben nichts verlangte, als Arbeit, das Glück in der Arbeit! . . . Nachdenklich blickte er auf und gerade in ihre ernsten, grossen Augen, und da fiel es ihm auf, dass diese tief umschattet waren und auf dem zarten Gesicht ein rechter Leidenszug sich ausprägte. ״Mir scheint, du lebst zu sehr der Arbeit, du siehst nicht gut aus, Marianne. Würdest du mir wohl gestatten, dich morgen ein wenig ausznfahren?“ Wieder traf ihn ein Blick des Staunens. ״Ich muss sehr danken, Leonhard! Du scheinst vergessen zu haben, dass man gestern . . . meine Mutter ... die Traucrtagc ... du scheinst diese Sitte nicht mehr zu kennen, seit du in der Welt lebst. Aber meine Mutter hielt sehr streng darauf“ . . . Sie konnte nicht vollenden, ihre Stimme brach. . . . (Fortsetzung folgt). ' i

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