Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ן<זמיזזו*דד׳«יומון«ל«1** ׳.V .!, No. 26. Jüdische Hundschau. Seite 261. Darmstadt. Der Grossherzog von Hessen hat dem Hilfs- Komitee für Kischinew eine namhafte Summe überwiesen. Au ca Prinz Ludwig Ferdinand von Ba>׳ern und seine Qcmahlin haben beträchtliche Beiträge gespendet. Das ״Russische Reich**, das bekanntlich ein christlicher Staat ist, will mit aller Gewalt die Juden vernichten. Die Unterdrückung ist eine so namenlose, dass sie nicht nur die Zufriedenheit dcutschnationalcr und christlicher Blätter erzeugt, sondern dass die Juden gewaltsam gezwungen werden, zu den Waffen zu greifen. Wie bereits von den Tageszeitungen gemeldet wurde, haben am Sonntag in Lodz (Russisch-Polen) jüdische Arbcitcrunruhen stattgefunden, ln dem offiziellen Telegramm, welches uns bisher über die hreignissc nur Vorgelegen hatte, war bchauptet worden, dass die Manifestanten von der Polizei zerstreut worden seien, ohne dass von den ausser steil Massnahmen Gebrauch gemacht worden sei, und dass die Polizei eine musterhafte H a 111111 g a 11 den Tag gelegt habe. Aus Lodz erhält jetzt das B. T. auf briefliebem Wege den Bericht eines Augenzeugen, der die Vorgängc doch in einem wesentlich anderen Licht erscheinen lässt. Der Bericht lautet: Sonntag, den 15. Juni, kam es in unserer Stadt zu grossen jüdischen Arbeiteransanmiiuugcn. Eilte Menge jüdischer Arbeiter, gegen 5UCO Manu, durchzog gegen 6 •Uhr abends die Hauptstrasssn, wobei einige Teilnehmer rote Fahnen in den Händen hielten. Die Polizei war schon vorher von dieser Arbeiterdemonstration unterrichtet, und selbstverständlich wurden alle Mnssregeln ergriffen, damit dieselbe keine grossen Dimensionen anuchmen sollte. Auch wurden Kosaken reqtiiriert. Die Menge verhielt sich sehr ruhig, ober nichtsdestoweniger wurde sie seitens der Polizei schonungslos behandelt. Die Polizei schlug ein, die Kosaken darauf, und cs kam zu blutigen Zusammeustossen. Die Polizei zog die Säbel blank. Verhaftungen wurden sofort auf der Strasse vorgenommen. Während des nun entstandenen Handgemenges wurde ein Polizeircvicraufseher tödlich verwundet. Der betreffende Verletzte wollte einem Manifestanten eine rote Falmc entrevssen, und dabei wurden ihm von einer Gruppe Manifestanten sieben Stichwunden beigebracht. Es spielten sich schreckliche Szenen auf der Strasse ab. Zur Hilfe der Polizei wurden die polnischen Hauswächter (Strusliy) hcrbcigcholt, und wurde iltneh seitens des Polizeimeisters Clirzanowski (eines bekannten Antisemiten) die An- Weisung erteilt, die Juden soltof.iungslos zu behandeln. Und sie erfüllten diesen Auftrag mit dem grössten F.ifer. Aut dem Wege nach dem Polizeiarrcstlokal schlugen die Hauswüchter auf die verhafteten Manifestanten mit Fäusten, Knütteln. Stöcken ent, sodass es kein Wunder ist, dass von den ca. 101 Verhafteten alle mehr oder weniger schwere Verletzungen haben. Vielen von ihnen wurde das Nasenbein cingcschlagcn. einem wurde der Schädel zersplittert, andere erlitten Hand• und Beinbrüche. Aber nicht genug mit diesen Gewalttätigkeiten auf der Strasse, wurdet! die Verhafteten im Arrestlokal des betreffenden Polizeibezirks von neuem auf das schwerste misshandelt. In der Stadt geht das Gerücht um. dass gegen 10 Juden erschlagen wurden. Das Arrestlokal war mit Blut bedeckt. Die Acrztc der freiwilligen Rcttungsgcscll- Schaft wurden hcrbcigcholt und hatten gegen 5 Stunden zu arbeiten. In der Stadt herrscht vorläufig Ruhe, matt erwartet aber dieser Tage christliche Arbcitcrtnänifestanten als Gegendemonstratio״. (Da kann man lauge warten. Die lassen sich von den Juden die Kastanien aus dem Feuer holen, um sie -nachher tuf ihren Arbeitsstellen zu beerben. --Red. d. ״J. R.“) Die Polizei hat also von amtswegen eine Judenhetze hier arrangiert durch die hiesigen polnischen Hauswächtcr. Die Wächter der anderen Polizeireviere sind missvergnügt darüber, dass cs bei ihnen keine jüdische(! Manifestanten gegeben hat. Sie erklärten, sie würde alle Juden niedergemetzclt haben. Am 15. Juni traf hier der Petrikaucr Gouverneur‘Geheimrat K. Miller ein, woraus man schlossen kann, dass etw׳as Ernstes erwartet wird. Die jüdische Bevölkerung ist gegen den hiesigen Polizeimeister Chrzanowski, der schonungslos mit den jüdischen Arbeitern umging, aufs äusserste erbittert. Um den religiösen Fanatismus der Bevölkerung gegeü die Juden aufzustacheln, soll die Polizei das falsche Gerücht verbreitet haben, die Juden beabsichtigen, über katholische Pro- Zessionen herzufallen. Nachrichten aus Palästina. Einfuhr von Drogen, Chemikalien und Farbwaren nach Damaskns im Jaltrc 1902. Am Drugengcschäfl von Damaskus ist vorwiegend Frankreich beteiligt; von Deutschland kommen nur Drogen in gcringen Mengen durch Bciruter Zwischenhändler. Int syrischen Chemikalienun׳J Farbenhaudä nimmt Deutschland mit seinen Anilin- und Alizarinfarben. seihen! künstlichen Indigo und seinen mannigfaltigen pharmazeutischen Erzeugnissen die erste Stelle ein. Von dem künstlichen Indigo sind im Jahre 1932 bereits 300 Fässer von je CO kg eir.gcfiihrt worden. Doch auch England lieiert nient unei liebliche Mengen von Chemikalien, welche vornehmlich von Faibereien und Seifensiedereien verwendet werden, wie Alaun, Pottasche, kaustische Soda, die beiden letzteren Artikel im Wettbewerb mit Belgien. In Lacken, Firnissen, Ölfarben und Leinöl begegnet man auf dem Markte in Damaskus fast nur englischen Marker.; nur hier und da stösst man auf deutsches Fabrikat, das durch Beiruter Händler geliefert wird. Zinkwciss erhält Damaskus zum grössten Teil aus Belgien. (Nach einem Bericht des Kaiserlichen Konsulats in Damaskus.) , ־■ •»,«זז.T*rt.׳r׳2 «מ! j י**-1-•t4!! I 20*0 Kleine Chronik. Jj Die Deutschen Bnc-Brhhlogen haben bis jetzt 60 000 Mark für die Opfer des Kischinewer Massacres gesammelt. In der Grossen Berliner Kunstaustellung befindet sich auch ein vorzügliches Bild unseres Führers Israel Z a n g w׳ i 11 auf das wir unsere, die Ausstellung besuchenden Freunde aufmerksam machen. — Das Schächten der Rinder ist, wie die ״Allg. Fleischer- Ztg." schreibt, seit einiger Zeit nun auch in der kaiserlichen Armee-Konservenfabrik in Hasclliorst bei Spandau eingeführt, und zwar auf grund der guten Erfahrungen, die man beim Schächten lange Jahre hindurch in der kaiserlichen Armee- Konservenfabrik zu Mainz gemacht hat. Namentlich für die Haltbarkeit des Fleisches hat das Schächten grosse Vorteile. V״lue1u1 in Mainz vor vielen Jahren grosse Massen Konserven als verdorben weggeworfen werden mussten, erweisen sich die Konserven seit Einführung des Schäclitens als viel haltbarer. Der Verein zur Bekleidung armer Jüdischer Kinder, dessen Zweck es ist, arme Kinder mit allem nötigen auszurichten und zu bekleiden, bittet, ihn durch Beitritt als Mitglied oder durch Uebcrw’cisung von Bekleidungsgegcnständcn jeder Art. z. B. Anzüge, Kleider, Stiefel, Hüte und Mützen etc., zu unterstützen und zu fördern. Statuten und alles nähere in der Geschäftsstelle W. 3*3, Eise nach? rstr. 8, auch Gesuche um unentgeltliche Ueberlassung von Klcidungsgcgcnständc sind an die Geschäftsstelle zu richten.