Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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N0<;2jS.; Jüdische Rund8c;I1a11 dieselben 1nebst den gesammelten Schekelgeldern bis zum 29. Juni abzuliefern, da die Bücher des Aktionskomitees 'mit dem 30. Juni abgeschlossen werden. Distriktsbureau Berlin. Pie ״Expedition der Jüdischen Rundschau‘* gibt den noch vorhandenen Rest des ״Jüdischen Volkskalcndcrs“ für das Jahr 1903 zum Preise von 10 Pf. exki. Porto ab. Bestellungen sofort erbeten. Wir können den Kalender als vorzügliche und billige Agitationsschrift nur dringend empfehlen. Berlin. In der Freien Verbindung ..Hasmonaca“ fand . am 10. d. M. der dritte der in diesem Semester veranstalteten öffentlichen Vortragsabende statt. Unter den zahlreich erschienenen Ödsten bemerkten wir auch auswärtige Gcsmnungsgenossen aus Hannover und Lübeck. Leider war der in Aussicht genommene Redner des Abends, Herr Pr. Adolf Friedemann, durch ein plötzliches Unwohlsein in letzter Minute verhindert, den zugesagten Vortrag zu halten; in liebenswürdigster Weise erklärte sich jedoch sofort Herr Dr. Klee bereit, fiir den erkrankten Referenten einzuspringen, und durch eine überaus interessante Besprechung einiger aktueller Fragen j wusste er die Erschienenen vollauf zu entschädigen. Zuerst i entwickelte der Redner seine Anschauungen über die jüdische j RenaLssaucc-ßcwegmig auf dem Gebiete der Kunst und Litte- ratur: ihn freue der belebende Hauch, der auch nach dieser i Richtung hin vom Zionismus ausgegangen sei und der die frohe * Hoffnung auf das Wiederentstchcn einer wirklichen jüdischen j Kultur erwecke; aber entschieden zuriiekweisen müsse man ז I das Bestreben einzelner, die jetzige Kulturbewegung als das i in letzter Reihe Wertvolle am Zionismus hinzustellen: die soj genannte ״jüdische Kultur“ trage durchaus die charakteristischen Spuren unfreier Ghettoatmosphürc: erst unter gesunden Verhältnissen. die eine harmonische nationale Lntwickelung ermöglichten, in der eignen Heimat, könne sic dieses Krankhafte von sich abstreifen und zu einer organischen wahrhaft jüdischen Kultur werden; deshalb sei und bleibe cs die erste Pflicht eines jeden Zionisten, alle seine Kräfte auf die Durchsetzung des Baseler Programms, die Schäftung der Heimstätte zu •verwenden. — Im Anschluss hieran sprach der Redner über eine zweite kleine Gruppe von Zionisten, die ebenfalls unter vollständiger Verkennung unserer wahren Aufgabe, der öffentlich-rechtlichcn Sicherung der künftigen Heimstätte, ein grosses Gewicht auf kolonisatorische Gegenwartsarbeit gelegt wissen wollen. Sache der schon bestehenden Vereine zur Besiedelung Palästinas sei es, die Kolonisation dort auch weiterhin fort- Seite 259. zu führen. Alle diese Arbeiten hätten den Wert, schätzbare Experimente im kleinen zu sein, die gemachten Erfahrungen würden zweifellos der öffentlich-rechtlich gesicherten Grosskolonisation dereinst zugute kommen; aber innerhalb unserer Organisation heute eine besondere Gesellschaft zur Kolonisiciung Palästinas schaffen, hiesse eine Zersplitterung unserer finanziellen, physischen und geistigen Kräfte herbeizuführeu. Zum Schluss sprach Herr Dr. Ktee über den Streit Nordau- Achad-Haam. Die Stellungnahme für den disziplinierten Partei- Zionisten sei selbstverständlich gegeben. Achad-Haam sei ein Romantiker, dessen Ideen von einem palästinensischen Kultur- Zentrum in ihrer Verschwommenheit nur geeignet wären, die Geister zu verwirren und die zielbewusste Arbeit zu stören. Der reiche Beifall, der diesen Ausführungen folgte, bcwies dem Herrn Referenten, dass die Anwesenden seine Anschaumigen durchaus teilten. — Am Dienstag, dem 23. Juni, hielt Herr Professor Warluirg einen Vortrag über Anatolien und die dortigen jüdischen Kolobien. H. Am Dienstag, dem 30. Juni, spricht in der ״Hasmonaea ־ Referendar Richard Mayer über ״Das Projekt einer jüdische n M o chsc h u i c*\ Gäste sind herzlich willkommen. Lokal: Hotel znin König von Portugal. Burgstrasse 12. Freiburg I. O. Vor kurzem sprach liier in einer von der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe einberufeneu Versammlung Privatdozent Dr. J. Fricdländer aus Strassburg. Über 200 Personen hatten sich etngefunden, um den (interessanten Ausführungen des bekannten Redners zu folgen. ״Was lehrt uns Kischinew“ hiess das Thema, über das der Redier in sachlicher und eindringlicher Weise sprach. Von Kischinew ausgeltend und dabei das Verhallen der russsischcn Regierung scharf geisselnd. kess Dr. Friedländer das Judenck-nd in seiner ganzen Grausamkeit vor unserem Auge vorüberzieltcn. Alle bisherigen Versuche einer Beseitigung oder Milde rang des Elends seien felilgeschlagcu. Der einzige gangbare Weg, der eine Lösung der Judeufrage für die Juden aller Länder bedeute, sei der Zionismus. Warmer Beifall wurde dem Redner zu teil für seine Worte, die aus dem Herzen kanten und infolgedessen auch ins Herz der Hörer drangen. In der sich anschliessenden Diskussion sprach sich Herr Dr. Arthur Mayer und Herr Kahn gegen das Endziel des Zionismus aus, obwohl sie die moralische Judennot in Deutschland anerkannten und den Wert des Zionismus für die Entwickelung unseres Selbstbewusstseins würdigten. Die Inkonsequenz ihrer Anschauungen wurde von es ihm völlig entging, wie jemand die Tür öffnete und eintrat und erst als die graziöse, leichte Madchengestalt dicht vor ihm stand, blickte er auf. . . . Hin leiser Ausruf entfuhr seinen Lippen. Die Tante, ganz die Tante, wie sie in jüngeren Jahren ausgeschen haben musste! Dasselbe feingeschnittene Oesichtchen mit der Fülle blauschwarzen Haares über der hohen Stirn. Dieselben dunklen, träumerischen Märchenaugen, wie sie auch auf dem Bildnis des gelehrten ״Raw“ zu finden waren. Er war ganz benommen von diesem Eindruck, er, der sonst so Redegewandte, wusste aber auch nicht, wie er sich nach so langer Zeit clnführen sollte, aber sie kam ihm zuvor. Klar und deutlich, wenn auch wenig verbindlich, klang es an sein Ohr: ״Du fühlst dich gewiss verpflichtet, mir dein Beileid aukzudriieken, Leonhard, bitte, setz’ dich‘! ... Wenn sie wüsste, dass er mir gekommen, weil er es nicht für passend gehalten, einen Brief zu schreiben, ob sie ihm noch mehr abfallen lassen würde? ... Er zog es vor, ihre Frage nicht zu beantworten und sagte, um doch endlich etwas zu sagen: ״Hat die Tante sehr gelitten?“ . . . Ein Zug unendlicher Trauer glitt über ihr feines Gesicht und der starre Ausdruck verschwand fast völlig. .Sehr, unbeschreiblich! Die Edle, Gute, noch im Tode!“ . . . Sie sah au ihm vorüber, wie in weite Fernen und wie zu sich selber sagte sie leise: ״Nun ist sie erlöst, und ich bin allein!“ ... Es ergriff ihn ordentlich, er hätte ihr gern mitiühlend die Hand gedrückt, aber sie hatte die kleinen Hände in die Kleiderfalten sinken lassen und achtete überhaupt nicht auf seine Erregung. ״Und du willst nun so allein für dich leben und . . . wovon Marianne?“ Er dachte im Moment nicht daran, wie unzart es gerade von ihm sei, diese Frage zu stellen und dass er garnicht das Recht dazu habe, er, ein völlig Fremder! . . . Erstaunt blickte sie auf und eine feine Röte ging über ihr Gesicht, als sie stolz sagte: ״Du bist doch nicht gekommen, um mir ein Alniosen zu bieten, Leonhard? Dann müsste ich dich bitten . . Er unterbrach sie, rot wie ein Schulbube: ״Nein, nein, wie kannst du nur so etwas denken, ich fragte nur . . . aus . . . aus Interesse.“ . . . ״Aus Interesse,“ wiederholte sie langsam, und ihre Stimme hatte einen eigenen Klang. ״Warum seid ihr überhaupt hierher verzogen?" suchte er abzulenken. ״Meinetwegen.“ sagte sie kurz, mit einer leichten Bewegung nach dem mit Büchern bedeckten Schreibtisch. ״Du siehst, ich habe Arbeit, Arbeit zahlt, wenn auch nicht immer gut. und wenn ich auch nicht nur des Erwerbs wegen arbeite, sondern weil mir die Arbeit Lebensbedingung, meine Lust und meine Freude ist. so kannst du doch beruhigt