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Jüdische Rundschau · 1903-06-26 · Heft 26 (26.6.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 26 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 258. ־ JUdisohe Rtind^cltau. No. 26. Israel hat sich auf seine persönlicl e Würde, auf die historische Grösse seines Volkes besonnen; cs will keinen ungesunden Altruismus züchten und kein Schmarotzer am Tische fremder Kulturen und Völker sein. Für wen also musste heute das Missionsjudentum wieder entdeckt werden? Etwa für die iaulen Dekadenten, an welchen uns nicht gelegen sein kann und die trotz allem zur Taufe gehen? Die Leute, die in die Synagoge kommen, bringen genügend religiöses Gefühl mit; sic sind Juden, die in sich keine andere Mission fühlen als die, gleich allen Menschen zu leben. Sie erwarten vom Rabbiner, dass er sich nur als Jude fühle und nur als solcher mit ihnen unausgesetzt in Berührung bleibe, ihre Bedürfnisse genau studiere, um ihnen dann praktische Lcbensregeln geben zu können. Nur Seelsorger, die die Korrespondent zwischen der Seele und Gott zu vermitteln haben, dürfen die Bewegungen des Volkes unbeachtet iassen. Bas Judentum kannte aber nie die Sccisorgerci. Der Rabbitier war immer der Lehrer des Volkes, der nach dem Willen des Volkes lehrte und seine heiligsten Güter hoch hielt. Das war früher so. und so!miss cs wieder werden. Durch das Volk, nur für das Volk! Wer diese Metamorphose nicht vertragen kann, dem müssen wir ein kräftiges ״handsoff“ zürnten und der wird gut tun. in seinem behaglichen Heim ״hinter der katholischen Kirche“ zu bleiben. — L. Solcher. fiijia Aus der ך**'׳ י' - ׳ G- G Das Zentralkomitee der ״Zionistischen V e re i n i g u n g für Deutschland bringt hiermit nochmal den § 12 des Organisationsstatuts des Zionistenkongresscs in allgemeine Erinnerung: ״Jeder Sc 11 ck c I z a h 1 e r hat das aktive Wahlrecht zum Kongresse bei erreichtem IS. und das passive bei erreichtem 24. Lebensjahre. I) i e W a 111 e n s in d mindestens vier Woche n v o r Beginn des Kongresses möglichst an; einem und demselben Tage in der ganzen i Welt vorzunchmcn. Bei Verhindern ng | eines Gewählten ist bis zum Beginne des | Kongresses eine Ersatzwahl zulässig. Die Vereine werden ermächtigt zur Ver- I mcidung von Unzuträglichkeiten gleich 1 beim Wahlakte für den Fall der Verbinde-; rung der Delegierten Ersatzmänner in i t z u - | wähle n, welche gleichzeitig anzumeldcn s i!1 d.“! Das Zentralkomitee der ״Z i o n i s t i s c h e n V e rj e i n i g u n g f ii r D e u t s c h 1 a 11 d" teilt mit, dass ferner j folgende Gesinnungsgenossen sich zur U eher nah me | eines Kongressmandats ausserhalb ihrer Ortsgruppe bej reit erklärt haben: | 13. Rabb. Dr. \V. L e w y, Neustettin. | 14. Musikdirektor Willi. Z w i 11 c 11 b e r g, Kaiserslautern, Sclmbertstr. 13b. 15. Julius Simon, Kaufmann, Mannheim, Rheinstr. 4. : lh. Dr. Fritz Fulda, prakt. Arzt. Mannheim K. 13. 17. Brauereidirektor Jacob Lehman!1, ]Mannheim! A. 3. 6. 18. Frau Dr. .Inütis Moses, Mannheim. Jmigbuseli- Strasse 4.; 19. Fräul. Mina Simon, Mannheim, Rheinstr. 4. 20. Abr. Lewisohn, Kaufmann, Mannheim, Hafen- Strasse 12. 21. Reallehrer Julius Gans, Frankfurt a. M. 22. Lehrer S. Goldman!!, Frankfurt a. M. 23. Dr. jur. L. S c 1! w a r z s c 11 i 1 d, Frankfurt a. M.! 24. Verlagslmcliiiändler Fritz S o 11 d 11 e i!11 e r, Franki fnr£ a. M. 25. Adolf Koch. Kaufmann. Mainz, Gatistr. 73. I 26. L. Fried m a n 11, Kaufmann, Mainz, Schustl*!- j Strasse 54. j 27. Hypolite B I o c 11, Kaufmann. Mainz, Boppstr. 14/! 28. L. Sochat, Kaufmann, Mainz, Grosse Bleiche. : 29. Herrn. Schäfer, Kaufmann, Mainz, Stadthaus-! Strasse 23. 30. Siegm. Selig, Kaufmann, Mainz. Walgodenstr. 1. 31. Dr. C. L c vy, prakt. Arzt. Ober-Ingelheim. 32. Jos. Lji w, Kaufmann, Oppenheim a. Rh.! Distriktsbureau Berlin. Die 11111 a b e r d e r S c h e•• kelblocks werden nochmals dringend e/.suebt. aufgeweckten Köpfchen. . . . Zögernd nur entschloss er sich hineinzugehen und kopfschüttelnd schritt er endlieh die Stufen hinan, bis zum zweiten Stock. Recht.י־ und links eine Tür. . . . Hier ein Porzellanschild ״Sundheim" stand darauf. Wieder stand er eine Weile unschlüssig, und wie inechanisch hob sich endlich seine Hand, um zu klingeln. ״Schade,“ gings ihm in diesem Moment durch den Sinn, ״dass sie nicht mehr da ist, die kleine, gemütvolle Tante, ihm nicht mehr entgegenkommt in ihrer herzlichen Weise wie damals, vor langer Zeit, schade!“ Ein kleines, sauberes Mädchen öffnete und fragte nach seinem Begehr. Er konnte sich nun doch nicht entschliessen, seinen Namen zu nennen, weil er eine Ab- Weisung fürchtete und die Jugendgespielin jetzt gern gesehen liäiie. So sagte er nur: ״Bitte, ich möchte Fraulein Sondheim in dringender Angelegenheit sprechen, melden Sic das!“ Das Mädchen machte ein erstauntes Gesicht, kam aber bald zurück und führte ihn über einen kleinen Flur in ein mässig grosses Zimmer, wo sie ihn bat; Platz zu nehmen und ein wenig zu werten. Aber er blieb wie gebannt stehen, nicht wagend, sich zu setzen. Ein eigentümlicher Geruch durchzog das Zimmer, trotzdem die Fenster weit geöffnet waren. Ein feuchter, weicher Wind wehte herein und blähte die weissen Gardienen auf. Spiegel und Bilder waren verhängt, auch das Bild des Uralmen. das ihn nun, da der Wind just den leichten, schützenden Vorhang emporjagte, unwillkürlich an die ״Hciiiebilder“ erinnerte, wie mail sie auf den meisten Titelbildern von Heinrich Heines Werken sieht. Hier hatte sie wohl die letzte Rast gehalten, seine zierliehe, kleine 'laute. . . . Wieder überkam cs ihn wie ein!*raunt, wie ei!» Märchen aus längst verklungener Zeit. . . Dort das ehrwürdig alte, grüne Sofa, der mächtige eichene Schrank und in der Ecke die uralte Wanduhr, ein Prachtstiiek In seiner Art, von dem die Tante sich nicht hatte trennen können. Nur dort, neben dem kleinen Ofen, als einziges modernes Stück, ein praktischer grosser Schreib• tisch, über und über'mit Büchern und Schriften beladen. Wer hier wohl schreiben und lehren mochte! Etwa ein Mieter, so einer, der ohne jedes Interesse zw ischen diesen alten Möbeln leben würde! Doch wohl nicht! So sah dieses Zimmer nicht aus! Es lag ein feiner Duft über allem, so etwas rein Persönliches, Gemütvolles. Hier mochte die kleine Kusine hausen, und wie sie damals in gespanntester Erwartung ihrer Mutter die köstlichen Geschichten von den Lippen gelesen, würde sie heute nicht müde werden, zu lesen und wieder zu lesen. Aber wovon sie leben mochte! Das Vermögen konnte nur unbedeutend sein. ... Er war so in diese Gedanken vertieft, dass »י־'" \

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