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Jüdische Rundschau · 1903-06-19 · Heft 25 (19.6.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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. •No. 25. Seite 246. / ״ Jüdische Ruudsclinu, arrangierte man ein Tänzchen, und ein harmloser, harmonischer : Frohsinn einte alles, Hess Alters- und Standesunterschiede ganz vergessen. Aber über Spiel und Belustigung vergass man nicht der Unglücklichen hi Kischinew, und eine vom Vorsitzenden eingclcitctc Sammlung ergab ein ansehnliches Sümmchen. Deutlich markierte sich auch der Jüdische Charakter des; Vereins bei dem ländlichrfrugalcn, Abendbrot: alles sprach I wacker der Milch zu und das Bicrachtel wollte garnicht alle j werden; dem klagenden Gastgeber riet man, nächstens 10 i ,.deutsche״ Turner miteinzuladcn! Nach dem Minchah- und Maariw-Gcbct kam der clou des Tages, ein Schauturnen, das unser unermüdlicher Turnwart Mendel in aller Stille mit 8 unserer besten Turner cingcübt hatte. Sechs vortrcnlich ausgeführte Gruppen weckten bei unseren Mitgliedern freudige Genugtuung, bei den andern bewundernde Anerkennung über die Bestrebungen und Leistungen des jungen Vereins. Da j batten wir also schon die Kerutruppc für ein öffentliches Schau• turnen, an das wir bisher noch garnicht zu denken gewagt i hatten. Zinn Schlüsse wurde, dein Gutsvorstand zu Ehren. j noch ein Parademarsch sämtlicher Turner exekutiert, der die j Disziplin und stramme Haltung des Ganzen in das rechte Licht 1 setzte. Durch ein bcngälsc'ies Feuerwerk wurde auch Gut ' Neuhoi noch ״in das rechte Licht gesetzt״, dann erfolgte | der Rückmarsch nach Posen in gehobenster Stimmung. j Man sieht: Unser Turnverein — er zählt jetzt 120 aktive j und 80 passive Mitglieder — ist nicht so schlecht wie sein! Ruf. tmd die Poscner .luden!וזו ganzen sind nicht so hartge- ] sotten und unverbesserlich, wie man ihnen nachsagt. Wer j ihr Milieu kennt, weiss, dass alles das. was ich hier berichtet I habe, vor 10 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Langsaute, dem Fernstehenden kaum merkliche Wandlungen sind auch hier im Zuge; auch unsere Juden, bisher ganz indifferent oder Handlanger fremder Interessen, wenden sich mehr und mehr eigenen Angelegenheiten zu. Hoffen wir, dass d e Mauseruug zu einer jüdischen Konzendrations- und Gegenwartspolitik Fahl rascheres Tempo annimmt; dann ist der Weg zum nationalen Zukunftsprogramm nicht mehr gar so weit. «1**1 W t, \ > #%• i ij i, \> I. Von Julius Becker. Wenn im Zionismus das hohe Lied von der Organisation angestimmt wird, so ist das gewisslich sehr zu loben, denn eine noch gar zu grosse Zahl unserer Gesinnungsgenossen, die weniger Gelegenheit hatten, die oft wunderbaren, einzig durch straffcste Organisation erzielten Erfolge grosser Parteien kennen zu lernen, meint noch immer, dass die ״fc.stc Uebcrzeugung" und das ״heilige Gefühl“ allein genügten, um einer guten Sache zum Siege zu verhelfen. So hat sich gewiss mancher gefreut, dass in No. 15 der ״Welt“ Lazar Felix Pink us*) von neuem die Gelegenheit ergriff, um unter Zugrundclegung des bekannten Wortes ״Organisation ist alles*‘ .vor ״ Separation“ zu warnen und die absolute Notwendigkeit einer festen Organisation zu betonen. Ich hätte gern zu den sich Freuenden gehört, aber bei näherer Betrachtung dessen, was Pinkus dort als ״Organisation" anpreist, ist mir das leider so wenig möglich gewesen, dass ich vielmehr auf das entschiedenste gegen die von Pinkus vorgetiottiniene Verzerrung aller Begriffe von Organisation protestieren muss. Ich ahstrahiere von vornherein von allem., was Pinkus über gegen* wärtig im Zionismus existierende Fraktionen sagt - es wird mir das um so leichter, als ich keiner derselben angchöre noch angciiört habe — und halte mich lediglich an die theoretischen Ausführungen des genannten Artikels, der eine solche Fülle verwirrender Begriffe, oder richtiger Unbegreiflichkeiten enthält, dass mir eine Widerlegung wenigstens euiiger der gröbsten absolut gebot׳;!: erscheint. Den Zionismus nimmt Pinkus als enie gross״»־• Partei, eine Organisation an, die sich zur Frreiclnmg ihrer Zwecke, infolge iiirer über alle Länder der Weit verbreiteten Anhänger, als UntcrorganFahoncii der l.audeskomitees bedient. Das eiltspricht den Verhältnissen, macht cs aber unbegreiflich, wie Pinkus auf einmal, nachdem er dien den Kongress als oberste Parteibebörde“ konstituliert wissen will, der ״Landcszentrale" eine solche Bedeut»;״•׳: heimessa) kann, dass er in einem K״o* flikt einer Gruppe mit ihr quasi die Desorganisieruug der zionistischen Bewegung erblickt. Seien wir uns dodi vorerst einmal über eines klar: in j e d e r Bewegung, und um wieviel mehr in der zionistischen, ist cs naturgemäss unmöglich, so viele verschiedene, widerstrebende Anschauungen, als unter de!» Menschen nun einmal herrschen, auf die Dauer unter einen Hut 7.11 bringen. Und es ist auch garnicht nötig; ja. es wäre nicht einmal nützlich! Wo eine grosse Anzahl Menschen in einem Bestreben sich zusammenfinden, da erreichen 'sie nur dann etwas, womit sic an! Ende alle einigermassen zufrieden sind, wenn sic ihre sich widersprechenden Interessen und Anschauungen auch rechtzeitig zur Geltung gebracht haben. Sonst wird cs immer *) Pinkus, Organisation und Separation. <T>COCC'£־P3 ~!8 *.1 ־2 נ | Wissenschaft und Kunst. ” |jp #| In der Geniza von Alt-Kairo, die־ schon so viele hebräische und arabische Funde geliefert hat, ist vor einiger Zeit wiederum von dem jüdischen Orientalisten Fuge n M i 11 w o c h eine Anzahl wertvoller Fragmente gefunden worden. Eines, das deswegen von besonderer Bedeutung ist, weil es über M a imonides und dessen Vater bemerkenwerte Mitteilungen bringt, wird von Mittwoch in der ..Zeitschrift der Deutsch- Morgcnländisehcn Gesellschaft" veröffentlicht. Es handelt über die ״Unzulässigkeit der Beschäftigung mit den Wissenschaften", und sch! Inhalt ist demgemäss den maimonidlschcn Anschauungen entgegengesetzt. Aber gerade deshalb, weil der Verfasser die Person des Maimonides als Gegenbeweis für seine Ausführungen hinstellt, bringt er viel Bemerkenswertes über ihn. Ans weichem Werke das Fragment stammt, und wer sein Verfasser ist. liess sicli nicht ermitteln. Die kürzlich als bevorstehend gemeldete Vereinigung de׳ hebräischen Bibliothek Abraham Merzbachers in München mit der Stadthibliothck in Frankfurt ist nunmehr, wie der Direkte! der letzteren, Prof. Ebrard, mUteilt, Tatsache geworden. Auch die damals geüusserte Vermutung, dass wahrscheinlich aucli jetzt wieder private Mittel zur Verfügung standen, ist zutreffend, indem der ganze erhebliche Kaufpreis von Gönnern der Anstalt gedeckt wurde. Ucber die Erwerbung der Merzbachcrschcn Bibliothek dureli die Stadthiblinthek Frankfurt a. M. berichtet Dr. A. Freimann in der ״Frankfurter Zeitung" 11. a.: Wiederum ist cs dem Opiersinn Frankfurter Bürger, der sich schon oft bei allen Bestrebungen für Kunst und Wissenschaff betätigt hat. zu danken, dass die Mcrzbachersche Sammhing unserer Stadtbibliothek einverleibt werden konnte. Was den hohen Wert dieser Neuerwerbung ausmacht. ist eine einzigartige Sammlung von Talmud-Drucken und Rcspoiiscu- Werken.' Diese beiden Zweige sind fast erschöpfend vertreten. Finige der ersten Talmud-Drucke sind die einzigen bekannten Exemplare; sie dienten dem verdienten Münchener Gelehrten Rabmowitz zur Bearbeitung seiner kritischen Talmud-Ausgabe. Rabinowitz. der im Hause Abraham Merzbachers lebte, ist der Sammler unserer ca. 6000 Bände umfassenden Bibliothek. Ein hervorragender Platz gebührt den 156 Handschriften, von denen etwa 20 auf Pergament geschrieben sind. Von den mit Miniaturen versehenen Manuskripten sei hier der Maimonides- K<*lex aus dein 13. Jahrhundert genannt, der zu den besterlialtenen illunr'nierten Handschriften gezählt werden kann. Eine Bibclhandschrift ׳ms dem Anfang des 13. Jahrhunderts, die schon einen Verkauisvermerk aus dem Jahre 1365 trägt, ent• hält eine ganze.Reihe vorzüglich gelungener Vollbilder. Vor; grossem historischen Werte sind die in einem Manuskripte ait^

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