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Jüdische Rundschau · 1903-06-19 · Heft 25 (19.6.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SiKtN*. Jüdische ]R.1111d«oJ1a11׳ No. 25. Sinne des grossen Sohnes unseres Volkes leben soll, — das hiesse zu viel verlangt —, aber macht erst das eine christliche Serbien christlich, und dann mögt ihr zurückkommen, — wenn ihr dann noch wollt —■ zur Juden״ mission. HeinrichLoewe. Schicht zu überwinden, die zähe Kruste fremdnationaler Parteiungen. Gelang es anderwärts immer wieder, mit der Phrase von den Staatsbürgcrpfliciitcn die Menge kopfscheu zu machen, so erwuchsen daraus hier zu Lande, w0׳ man täglich die Teilnähme an der Poienhetze als heilige Bürgerpflicht hinstellen hört, schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Aber schon!; ־.״י" י* •« v * Posener Brief. Von Dr. J. Etwas aus der Ostmark zu hören, der in den politischen Blättern nicht nur Deutschlands fast eine stehende Rubrik gewidmet ist, dürfte auch die Leser dieses Blattes interessieren. Der Nationaiitütmkampf, das immer widerkebrende Hauptthem.i anderer Korrespondenten, hat für uns allerdings nur ein sehr begrenztes Interesse. Einmal nach der Richtung, w ie die Juden der östlichen Landesteile zur preussischen Polcnpolitik Stellung nehmen sollen — und davon war selten früher an dieser Stelle; (1901, i9) ausführlich die Rede, mit dem Ergebnis, dass prin- ׳ zipiclle wie taktische Rücksichten strikte Neutralität geboten i erscheinen lassen. Zweitens nach der Richtung, welche Folg•:!!! die zugespitzten Verhältnisse hier für die gesellschaftliche und j soziale Lage der Juden haben; was darüber von anderer Seite ן gesagt und geschrieben worden ist, lässt sich kurz dahin zu- ן sannnenfassen, dass die Posener Juden von Polen und Deutschen! mit gleicher Konsequenz gesellschaftlich gemieden und wir!־ I schaftiicb bedrängt werden. Dennoch haben wir gar keine J Veranlassung, uns in der Rolle des tertiär, gar.dens zu fühlen. , Das ist allen, die mit den Verhältnissen vertraut sind, völlig; klar, und wären unsere Juden konsequenter, so hätten sie siel! j längst darauf besonnen, dass sie eine tigere Nationalität habt!! : und die Pflicht, für sic allererst zu hoffen, zu streben, zu arbeiten. Und dennoch gibts hier noch wenig oder garnichts über Zionismus zu berichten. 20—30 Scbckclzahlcr, eine Handvoll j ernst strebender junger Leute, die sich zur zionistischen Weltj anschautmg durchgearbeitet haben.oder eben erst dazu durch j ringen — sonst alles wüst und öde. Musste im übrigen Deutsch- land die zionistische Gedankensaat den steinigen Boden kos- ן schwebt auch liier über den trüben Wassern des AssimilationS- Chaos der Oeist der Neuschöpfung des Judentums: die geräuschiosc Wandlung, die stille Unwertung der Begriffe, die die zionistische Bewegung schon durch ihre blosse Existenz und durch die Tatsache unaufhaltsamen Fartschreitens auch in den widcrwilligsten Geistern zu Wege bringt, macht sich auch hier bemcrklich. noch ehe eine öffentliche Propaganda begonnen hat. Mehr und mehr schwinden deutschnationale Ambitionen und die im Sprachgebrauch hier allenthalben geläufige Sclicidüng der Bevölkerung in Deutsche, Juden, Polen, die dem Kriegsministcr von der Zcntralverciusleitmig so sehr verübelt wurde, will wieder lebendigere Wirklichkeit werden. Das danken wir freilich nicht zum geringsten Teil auch dem 'hüben der 11. K. T. ־ Leute; die aus ihren eigenen Redscn ertönenden Warnungsrufe leluger Realpolitiker, doch wenigstens in! Osten den Antisemitismus in der Tasche zu hehalten, w׳cii mau die Juden um! einmal hier brauche, diese Mahnungen blieben von der überwiegenden Mehrheit jener liet/.politiker unbeachtet und zeigten überdies drastischer als alles andere, wie ehrlich und tiefempfunden die Toleranz selbst bei diesen Vertretern deutscher Treue und christlicher Liebe ist. Unter diesen Umständen lasser, sich die Posener Juden von gelegentliehen HuUbewcisen nicht mehr imponieren. Dass die vom verflossenen Oherpräsidentcn!*;•liebten Judenausweisungen sistlert worden sind; dass auch einmal ein indischer Handwerker aus dem Dispositionsfonds des Oherprösklenten sahvenfioniert worden ist; dass zu den Sammkmgca für Kisch'new führende Persönlichkeiten aus deutschen Kreisen iimmfge'ordcrt beigetragen haben — solche Dinge werden kaum noch konimentiert. man nimmt sie als im Grunde selbstverständliche Ahschlagszablungen hin, die im Verhältnis zu unseren Leistungen fiir Gemeinde- und Staats wohl läclierlich gering sind. Und wenn Herr Witting geh. Witkowski eine unter Pusmier Bürgern gcsanunclte. natürlich hauptsäclilich von Juden finanzierte mopolitischcr Träume, liberaler Traditionen, geistig-kultureller Vorurteile erst durchbrechen, bis sic jetzt endlich an die Oberfläche gelangt ist und nun erst rascher sich entfalten kann, so gilt cs hier im Osten, noch eine weitere fast undurchlässige Ehrengabe dem Ostmarkenverein zugewendet bat, mit dessen reichen .Mitteln überall jüdische Kaufieute. Handwerker und selbst Acrzte expropriiert oder weggeekelt werden, so bat man das nicht mir von! kommtiaalpoütiseheii Standpunkt aus taktlos Kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient. 11. Die Holte Pforte. (Schluss.) Wenn im weiteren einige Bemerkungen auch über die Juden folgen, so soll man sie nicht als ein abschliessendes Urteil betrachten. Das!nasse ich mir in keiner Weise an. Ich kenne persönlich nur einige Aschkenasim und wenige Dutzende sefardlscher Familien in der osmanischen Hauptstadt, wo doch über hunderttausend jüdischer Seelen wohnen dürften, während die Vororte Ortaköi und Hasklöi neben wenigen Anneniern fast nur Juden zählen. Da aber vieles, was von den Juden jm arabischen Orient gilt, auch auf die türkischen Israeliten zutrifft, so kann man sich doch einige Bemerkungen erlauben. Im allgemeinen ist der türkische Jude ebenso arbeitsam und fieisslg, wie der arabische, aber viele haben sich schon von der strengen Beobachtung des überlieferten Gesetzes frei gemacht. Ein freundschaftlicher Verkehr findet zwischen Aschkenasim und Spagnolen im allgemeinen nicht statt. Doch kann man eine Spagnolisierung der askenasichen Minderheit beobachten. Maneher Blanco hat früher Welss und mancher Negro früher Schwarz geheissen. Mein übrigens ganz vorzüg-!!’eher Führer Alberto Franco ist der Enkel eines deutschen Juden aus Prag. Seine Familie hat den Umweg durch Triest und durch das Italienische zum' Spagnolischen genommen. Er vereinigte in vorteilhafter Weise die bewegliche Intelligenz des Aschkenasi mit der ruhigen Würde des Sefardi.

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