Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1903-06-19 · Heft 25 (19.6.1903) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2651289-2651314--00468-2657260
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

. . *Aifc.; ' ff"*־■״ ^^יי¥«יי»*%י?י!י ־•7•״«**#!־-.^ ׳Oftf ‘.י*V«^^)^ו^T*ר^^,7**ו־p!p$ n^A ■»״«.» i f " i. ׳ /. ׳; * ■ ., *V 1 V 1 ן ^.׳11 / ,jj i* Wv;;;, י'׳־?/! V A h i :;, \;'JJ ו /ן^וי hLjjisK^ Abonnementsprefs (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich* 1. durch dlo Expodltlon: a) in Berlin M. —,90. b) nach ausMarts M I,— c) für das Ausland M. 1,50. Z, Im Postabonnemont M. 1,25 3. bol Sammelbozug duroh dio Ortsgruppo M. —,00. Postzoltungsllnto No. 3944■ Insorato die viergespaltenc l'etii/cilc 25 IM. Insoratenbellogen 15 M i f 3£x Organ X^X der Erseheiut jeden F1״eit1t״r. (Ä #% p fff qn m |< tfi fvn r>| li? IK3 ü «.ט ס ש1 <־־ U J t> ü in © 1 s Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: ' Pertag Südiscfte Rundschau, E. 0. m. b. 11. Berlin R 54, fiugusisfrasse Ilr. 49 a. Sprechstunden: tr. 4—5 Uhr naclimlttags. Redaktion: Dr. Heinrich lioewe, Berlin HW. 40, üehrterslrasse 14,15. Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4—6 Uhr. No. 25. Berlin, 19. Juni 1903. 24. Siwan 5 VIII. J t.i י* י• ''Mitl.'W' ״ —V . ־־-.. .. Die Kcmasv/ahl in Serbien. kJ Ob die 3nm» .luden Serbiens einen Herrscher aus dem Hanse Obrenowitsch oder einen ersten Peter über sicli als König wissen, dürfte ebenso wenig von Belang sein." wie die kleine Jnclenscliaft in Sei bien gegenüber der grossen Masse der Juden in den übrigen Balkanländem in Betraein kommt. Hs ist das so unwichtig, dass sogar die auf Anstellung solcher Betrachtungen genickten Biät- 1er noch nicht den Weg zu dieser interessanten Zeilennilhing gefunden haben. Aber cs wird darum nicht ausbleiben. Und docli hat der serbische Thronwechsel eine symptomatische Bedeutung auch für den Fragenkomplex, der uns interessiert und bewegt. Wenn wir in den Abgrund stumpfsinniger Barbarei des Volkes und widerlieber Rohheit seiner feinen und feinsten Gesellschaft schaudernd lind ekelnd hineinbücken, so fragen wir erstaunt: ״Und das ist eines der Völker, das von wilder Türkenherrschaft zu befreien, Furopa für seine heilige Kult»*rpfliclit ansall?" Gewiss, wir geben gern zu, dass es im Aufträge einer fremden Regierung geschehen ist, was geschah, die für solche Freiheitsaktc immer Geld gehabt hat• Aber wo in aller Welt hat man ie den Königsmerd geheiligt: hat man doch Bestialität gegenüber dem Königspaar und seiner Umgebung sich gestattet, die bei normalen Zuständen mir Juden und höchstens noch audorn Ungläubigen gegenüber erlaubt sind! A11 dem Paare auf dem serbischen Throne haben die hohen Offiziere, die ihnen die Treue geschworen hatten. Taten veriibt, die ihre nahe physische und psychische Verwandtschuft mit ihren slavischen und moldawischen Brüdern in Kischinew in helles Licht seizen. Für dieses Volk und seine gleichwertigen Bruder- Völker begeistert sich das christliche Furopa zeitweilig, lind schreit nach ihrer Befreiung vom türkischen ״Joch“, dass sie wenigstens einige Jahrhunderte davor geschützt hat, sich untereinander zu zerfleischen. Dieses selbe Furopa aber hat niemals den Drang gefühlt, einem alten Kulturvolke die Heimat wiederzugeben, die es ihn! entrissen hat. Fs hat niemals d arau gedacht, dass wir das Recht hätten, unsere volkstümliche Eigenart auszuleben, und sogar seine Parteien, die für Gleichheit und Freiheit alles dessen eiritrctcu, was Meiischenaiitlitz trägt, haben für unser Volk stets nur den guten Rat gehabt, uns aufzulösen und zu verschwinden. Freilich gehören wir nicht v ic die Serben und Kutzowallacheu der grossen Rcligionsgemeinschaft an, die die Trägerin der Liebe ist. Und wir wollen uns nicht der Täuschung hingehen, als ob die Religion, so weit sie politischer Faktor ist. an ihrer Machtstellung irgend etwas eingebüsst fiat. Im Namen Gottes, der kaum ärger gelästert werden kann, ist jener serbische Thron erledigt worden« ״von Gottes Gnaden” bestieg der neue Herrscher den durch Königsmord blutbefleckten Platz und die Morugcscllen werden seinem Throne und Herzen nahe sein. Und!!11 Namen des Gottes der Liebe beglückwünscht der höchste geistliehe Würdenträger den neuen König, wie er dem Vorgütiger in unwandelbarer Treue migeliangeii hat. Der. ,Metropolit iiält ein feierliches Tedeurn ab. bei dem er sagt, dass Alles, was geschehen, Gottes Wille war, und dass wir seinem Willen uns nicht entgegenstemmen sollen. Gott habe es sö gewollt. Alle Mörder Furopas werden dem Oberhirten der Seelen dankbar sein für diese menschliche Vergebung ihrer Sünden. — Und für dieses Barbarenvolk, dessen Rohheit nur noch von seiner Heuchelei überholen wird, hat Furopa die Freiheit erkämpft, die es den Juden nicht gibt, die doch nur einen ganz kleinen Teil dieser Freiheit erstreben. Zu gleicher Zeit aber hält die Judeniuission in den verschiedensten Städten ihre Jahresversammlungen ab. tun sich ihrer Frfolge zu rühmen. Nun sind bekanntlich diese ״Frfolge“ am allerwenigsten der Judenmission zu verdanken, sondern in erster Reihe der jüdischen Assimilationsbewegmig und noch weit mehr dem christlichen Staate, der den ehrlichen Juden zuriiekdrüngt und die Jndeiitaufe durch Amt, Stellung und Ehren prämiiert. Darum werden wir niemals aus den Reihen der Judenmission ein offenes Wort hören, das die Durchtühruug der gesetzlichen Freiheit auch für die Juden verlangt, wohl aber hören w ir in immer verstärktem Masse den Kampfruf gegen den Zionismus, der der Assimilation und damit der Jutleumissioii den Boden abgräbt. Es ist kein Zufall, dass der Jmknmissmnar Bi ding immer schärfegegen den Zionismus auftritt, wie es ebenfalls kein Zufall ist. dass die klassische Stadt der Wirksamkeit der Judemnission eben jenes K i s c 11 i n e w ist. wo das christliche ״Ncu-Israel“ Joseph Rabbinovitschs seit Jahren als Sturmbock gegen das Judentum dient. Wir wollen nicht mit ihnen rechten und fechten. Denn wir sind die Minorität. Aber wir haben einen dringenden Wunsch an die Leiter der Judennüssion, den sic wohl beherzigen mögen: ״Fvangelisicrt nur erst das eine christliche Serbien, und dann kommt wieder!" Wir verlangen gar nicht, dass die ganze Christenheit im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.