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Jüdische Rundschau · 1903-06-12 · Heft 24 (12.6.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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/ ♦ Seite 240. . Jüdische Hundscliau Nr. 24. sind, und Anzahl von Glaubensgenossen aus den umliegenden Dörfern zu sorgen, welche ebenfalls durch die dortigen Ercignisse indirekt betroffen worden sind. Bei dem Kischinewcr Komitee sind bisher •150000 Rubel eingegangen. Dagegen sind bis zant 28. Mai 2216 Gesuche um Hilfe eingcreicht worden, in welchen die Petenten den ihnen erwachsenen Verlust auf 1 897 0*10 Rubel angegeben haben. Von diesen Gesuchen waren 1316 bis zum 28. Mai verifiziert, und an 853 besonders bedürftige und arme Familien, welche ihren Verlust auf 3S7 19S Rubel angegeben hatten, ist der Betrag von 116 000 Rubel gezahlt worden. Indessen sind in den geltend gemachten Anträgen bei weitem nicht alle erlittenen Schäden enthalten, da vielfach mit Angaben über die •Verluste zurfickgchalten wird. Die fiidische Bevölkerung ist teilweise noch zu sehr cingcschiichtert, um jetzt an neue Tätigkeit zu denken, und glaubt, dass die Gelder beim Komitee ihnen auch später zur Verfügung stehen würden. Teils mag auch vielleicht die Hoffnung bestimmend gewesen sein, grössere Beträge bewilligt zu erhalten, wenn erst grössere Summen dem Komitee zur Vertilgung stehen. Endlich haben sieb Leute nicht gemeldet, die grosse Verluste erlitten haben, indessen nicht direkt bedürftig sind, weil sic keine Kutschädigung erhalten können, die annähernd ihnen das Verlorene wiedergibt. Zu den Beträgen, die in Kischinew zur Verfügung stellen, sind in Kischinew selbst über ■10 000 Rubel aufgebracht worden. Wie Alexander dem Grossen, als er noch Alexander der Kleine war, geht cs den Rumänen. Die russischen Lorbeeren von Kischinew Tassen das ״Kulturvolk“ der Donau nicht schlafen: Pie letzte Nummer des in London erscheinenden ״Rouma* nian Bulletin“ bringt nachstehende Betrachtung: ״Wie wenig die Ereignisse der letzten Zeit dazu beigetragen haben, die antisemitische Politik des rumänischen Parlaments zu mässigen, geht aus einem Gesetzentwurf hervor, dessen Zweck es ist, das bestehende Gesetz für die Förderung der nationalen Industrien zu ergänzen. Unter dem augenblicklichen Gesetz werden den Fabrikanten, die gewisse Bedingungen erfüllen, Prämien, Subventionen und andere Privilegien gewährt. Der neue Entwurf enthält die nachstehenden neuen Bestimmungen: 7 §״. Die Vergünstigung dieses Gesetzes sollen nur denjenigen Fabriken und Werkstätten zuteil werden, in denen während der ersten fünf Jahre ihres Bestehens wenigstens 50 pCt. der Ar beiter Rumänen sind. Nach Ablauf von sieben Jahren soll eine Wcitergcwährung der Vergünstigungen nur in solchen Fällen gewährt werden, wo während der letzten zwei Jahre wenigstens 50 pCt. der Gesamtsumme der Löhne und Gehälter an rumänische Angestellte gingen. § 9. Technische Schulen, die von Fabrikanten dem Gesetz für den Fachunterricht entsprechend zur Ausbildung rumänischer Arbeiter in den verschiedenen Industriezweigen errichtet wurden, werden subventioniert.“ Das ״Roumanian Bulletin", bemerkt zu diesen Bestinumingen: ״Da nach dem Gesetz der rumänische Jude ein Ausländer Ist, so wird die Folge dieser Bestimmungen die sein, dass die Verwendung von Juden in allen vom Staate unterstützten lndustrien beschränken wird, und dass die Juden von allen tcch- יחsehen Schulen der Fabriken, in denen sie arbeiten, ausgc* schlossen werden. So wird dieses Gesetz die ungünstige Lage, ln der sich die jüdische Arbeiterbevölkerung bereits befindet, noch ln zweierlei Hinsicht erschweren. * Bisher war die Be- Stimmung, durch die die Anstellung nichtrumänischer, d. h. jüdischer Arbeiter eingeschränkt wurde nur für die grossen Fabriken massgebend. Das neue Gesetz wird diese Bes timmung auf alle Fabriken, mögen sie nun gross oder klein sein, ausdehnen. Es werden aber nicht nur die jüdischen Arbeiter darunter zu leiden haben. Die Bestimmung über die Gesamtsumme der Löhne und Gehälter wird in beträchtlichem Masse zur Verminderung der Anstellung jüdischer Klerks, Ingenieure und Leiter beitragen. Welche Bedeutung diese Tatsache für Städte hat, in denen die jüdische Bevölkerung gross ist * * sich . leicht voraussehen. Hunderte und vielleicht Tausende werden arbeitslos werden und dadurch in die Notlage kommen, zwischen den! Hunger und der Auswanderung zu wühlen. Es ist von Interesse, aus dem rumänischen Bulletin zu ersehen, dass den russischen Unruhen gegen die Juden in Bess• arabien eine antisemitische Prcsshetzc in Rumänien vorausging. Im Anfang März veröffentlichte die rumänische Zeitung ״Vocca Tutovci" eine Serie von Artikeln, die sich mit dem Ritualmord beschäftigte. In diesen Artikeln hicss es, dass der Ritualmord eine alte Einrichtung des Judaismus sei und dass sich für diese Einrichtung Beweise in der jüdischen Littcratur, sowie 11* historischen Tragödien fänden. In dem Schlussartikel befindet sich nachstehende Bemerkung: ..Die von den Juden neuerdings in Oesterreich, Böhmen, Ungarn. Deutschland und Russland bc* gangenen Ritiiätmordc sind noch irisch in jedermanns Oe• dächtnis. Wie viele Kinder sind aber in unserem eigenen Lande verschwunden? Wie viele verstümmelte Körper wurden geiimden. während die Verbrecher imentdeckt blieben? Wer sind diese Verbrecher, diese blutdürstigen Mörder unserer lallenden Kleinen? Die 600 000 fanatischen Juden sind es, die unser Latte verpesten. Diese Bestien sind die Schlächter unserer Christliehen Kinder. Die Juden sind die Verbrecher, sie, die unser Land wie Heuschrecken überfielen . . . Die Zeit ist vorbei, wt, man mit friedlichen gesetzlichen Einschränkungen wirken konnte. Alle guten Rumänen sollten ilire schweren Stöcke schwingen und diese Parasiten ihres Landes vertilgen." — Die Exzesse in ßessarabicu sind denn auch von der ״Vocca Tuto• vei" mit Freuden begriisst worden, und da,s Blatt hält die Zeit für bevorstehend, in der selbst die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika sich erheben werde, um auch die amerikanischcn Juden zu zerschmettern. Das Blatt nennt die Vorgängc in Kischinew ״ein vorzügliches VorbiId‘\ — Von seiten der rumänischen Regierung ist selbstverständlich nichts dagegen geschehen, dass die ״Vocca Tutovei“ die Artikel auch in Brosclifirenform veröffentlichte, obgleich diese Artikel die deutliche Aufforderung zum Landfriedensbruch enthalten.“ I Spree Fflr die Mitteilungen an dieser Steile Obernimmt die Redak• tlon des Blattes nur die prcssgesetillcbe Veramwortiickcir. ן Freunde unserer Sache, welche die zionistische Idco In den I Bädern propagieren wollen, tun dies einfach so, indem sie bei | den öffentlichen Bekanntmachungen an den Säulen, Brettern etc. j ein Plakat anbringen (auch geschrieben) des Inhalts: Herren, welche sielt für die zionist. Bewegung interessieren, wollen «ich zwecks Besprechung wegen einer zu veranstaltenden Vcrsantmlung hier oder dort melden.“ Der Effekt wird bei den Zuhörern ein grossartiger und dauernder sein und der Sache viele neue Freunde gewinnen, auch das vornehme jüdische Publikum dein Judentum erhalten. E. E r i e d ni a n n. -- Kleine Chronik. Bei der Alliance Isra£Htc Universelle sind bisher für Kischinew 400 000 Franken vereinnahmt worden. Darin sind int wesentlichen nur Zahlungen aus Amerika, Frankreich, sowie des Hamburger Lokalkontitees enthalten. Die Sammlungen anderer Komitees, namentlich des Lokalkomitees Berlin, weiche bisher 70000 Mark.ergaben hat, sind in dieser Summe nicht inbegriffen. Wie wir vom Hllfsvcreln der deutschen Juden erfahren, haben seine Sammlungen zu gunsten der verfügten Juden in Kischinew bisher die Summe von 425 000 Mark ergeben. So gross diese Summe und die von der Alliance Isradlitc Universelle und andern Organisation;!! gesammelten Gelder sind, so muss darauf hingewiesen werden, dass sehr grosse Anstrengungen u^rden gemacht werden müssen, um cs den zahlreichen, völlig f mmmwjma wmsa. T.»*• ״־« <־.

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