Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1903)
- Date
- 1903-06-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651313--00457-2657248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 237. J;W5es* Nr. 24. Jiidisolie Rundschau. sozialdemokratischen russischen ״Bundisteu“ Beifall fand, zum Teil leider auf das persönliche Gebiet gelenkt, doch gelang es Herrn Dr. Klee in scharfer Erwiderung, der gehässigen Anwün'e gegen die Bewegung und ihre Führer nochmals klar mid markant unsere Tendenzen und Leistungen zu präzisieren. Wir erwarten von dieser Versammlung mit Sicherheit einen Fort־ schritt des Zionismus in der Residenzstadt Badens. Badenweller. Der zionistische Ausflug, den unsere Gesinnungsgenossen von Freiburg, Basel. Strassburg. Mühlhausen und Breisach heute hierher machten, nahm einen recht angenehmen und gemütlichen Verlauf. Um 12 Uhr fand eine Begrüssung seitens des Dr. K a u f m a n n ־ Freiburg im Kursaale statt. Veit übermittelte die Griisse der Baseler, Man! in׳-, lock die der Strassburger Gesinnungsgenossen. Beim Mittagessen im Hotel Elsässer Hof brachte Herr L e v y - Basel ein Hoch auf den Grossherzog aus. Dr. F r i e d l ä n d c r ־ Strassbürg sprach in geistreicher Weise über die Bedeutung unserer Veranstaltung und Herr Jäkel! Mayer- Fre;bt1rg toastete i!» launiger Weise auf die Damen. Nach einem Spaziergang in die Umgegend wurden die Abendstunden in gemütlicher Geselligkeit verbracht, wobei Frl. B loch und Dr. Leopold W e i I- Basel uns mit humoristischen Darbietungen erfreuten. Für den Nationalfond wurden 90 Mk. gespendet. Jeder der Teilnehmer wird wohl für die kurzen Stunden unseres Zusammenseins eine dankbare Erinnerung bewahren. Amsterdam, 3. Juni. Die Zionisten hatten au! heute Abend eine Protestvcrsammlung wegen der Vorgänge in Kischinew einberufen. Auch mehrere christliche Redner hielten Ansprachen, wobei die altüberlieferte holländische Toleranz voll zum Ausdruck kam. Der Führer der christlichhistorisclien Partei. Kammermitglied Dr. Visser. schob die Schuld an den Ausschreitungen der russischen Kirche zu. die mit allen Mitteln ihre Position kräftigen wolle. Berlin. In der Freien Verbindung Hasmonaca (Lokal: Burgstr, 12) spricht am Dienstag, d. 16. d. M. Referendar Richard Mayer über ״Das Projekt einer jüdischen Hochschule". Cläste, auch Damen, sind herzlich willkommen. Der Turnverein ,Jung-Juda“ In Frankfurt a. d. Oder veranstaltet anlässlich seines ersten Stiftungstages am 27. d. Mts. abends 9 Uhr in der Aktien-Brauerei einen Kommers mit Damen und anschliessendem Tanz. Dr. A. Birant wird während des Kommerses eine Ansprache halten. Alle Freunde des Vereins, besonders die Herren, die durch Vorträge. Mitturncn etc. sich um den Verein verdient gemacht haben, werden hierdurch htrzlichst eingeladen. Foscani. Die gestern zutn Andenken an unsere Unglückliehen Glaubensgenossen in Kischinew seitens des Vereins ..Chowe Zion“ etnbentfene Versammlung nahm einen sehr feierlichen und ernsten Verlauf. Die grosse Synagoge, wo die Versammlung abgchaUen wurde, war vollgepfropft. Nachdem der Kantor in rührender Weise das C'£!V”!א gesungen, bestieg Rabl!. Dr. Nacht die Kanzel, um in bekannter meisterlieher Beredsamkeit ein Bild der grauenhaften Schreekenstuge in Kischinew zu entrollen. Den geführten Worten dieses hervorragenden Mannes konnte sielt keiner erwehren, alles war wie in Tränen gebadet. Der Hinweis des Redners aut den Zionismus als einziges Mittel zur Lösung der Judenfrage aut'genominell. Die Rede hatte grossen Erfolg. Es wurden in unserer Stadt atu Anregung des Vereins ..Cltowewe Zion" mit Dr. Nacht an der Spitze an SW Frs. für die Unglücklichen in Kischinew gesammelt. fc• c- L 9'X X,1, X ,1,J,,1,,1,XX,!,XX'XXXXXXXXXXXXüiX'XXXX 'f.״,J.J נ׳ רי~: נ<~: ני-:?־T v WV »V * z» * % « . %■ * י,, י,, י," י"׳ Rundschau. ׳ V •י,' A, י״' A׳ '.r י I I I I I י I «י.# יי,« % * %.t י M M #.% M י.« %,« %,0 י.« * %9. r M *.J fci W W *4 w * ן'י,יי׳י. י,,י,,י«,י,,י. I I! t I I ו > י ¥ *• .» v! ויו Alles genügt, 11m die Riutaimordliige ln die Erscheinung treten zu lassen. Diese alte Erfahrung zeigt sich immer in neuer Beleuchtung: Die sechsjährige Tochter Marie des Zcntaer Einwohners Franz Halase trug dieser Tage einen irdenen Krug, den sie beim Auslautbrumtcn mit Wasser gefüllt hatte, nach Hause. Unterwegs strauchelte sie über einen Stein, stürzte zu Boden und der Krug ging in Trümmer, wobei das Kind durch einige Stücke der Krugscherben im Gesichte nicht unerhebliche Schnittwunden erlitt. Das Kind schrie und jammerte, wobei ihn! das Blut über das Gesicht rann. Der jüdische Lehrer Biegeieisen, der zufällig des Weges ging, erbarmte sich des jammern den Mädchens und wischte ihm mit dem Tascheutuehe das Blut vom Gesichte, sich bemühend, die Blutungen zu stillen. Ir. zwischen waren einige Bauern hinzugekommen, und als sic das blutende Mädchen mit dem jüdischen Lehrer sahen, stiessen sie die Rufe aus: ״Der braucht Blut für die Feiertage! Schlagt den Juden tot!“ In demselben Augenblick stürzten die Bauern herbei und schlugen mit Stöcken und Knütteln au! Bicgeleisen ein. Der endlich herbeigeeilten Genüarmeric gelang cs mir mit grosser Mühe, den halbtot gepriigelten Lehrer aus den Händen der wütenden Bauern zu hefrefei. lind in das Spital zu bringen,' wo er schwer verletzt darnieder liegt. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. — Hier wirken die gewaltige Wasserpforte, die von Meere : zu Meere fuhrt, und die orientalischen Prachtbauten zu-; sanunen und scharfen ein eigenartiges Gebilde. Man 1 würde sich in eine unbekannte Rheingegend versetzt i glauben, wenn nicht der südliche Himmel über dem j eigenartigen Gemälde sich wölbte, wenn nicht der breite Streut! zugleich ein schmales Meer wäre, wenn nicht! der Orient in Bäumen und Bauten sein eigentümliches; Gepräge dazu gäbe. Seit der Zeit der Argonauten, wo | diese alten minyschen Seefahrer von Orehomenos von | den Symplegaden erzählen, hat der Bosporus seine An- Ziehungskraft für Handelsleute, Politiker und romati-4 tische Dichterseelen nimmer verloren, und kann wohl ' einmal eine kurze Zeit aus dem Mittelpunkt des Inter-; esses entrückt werden, nimmer aber daraus cntschwin- 1 den. Schon bei der Ausfahrt aus dem Goldenen Home! in die Meeresstrassc liegen hinter uns zwei der herrlich- ן sten und berühmtesten Bauwerke, beide Paläste des; Sultans. Die Fassade des einen, des Polmabagtsche. | zum Bosporus hinaus ist weit länger als ein halber Kilo- ׳ meter und wird von einem Kai aus schneewcisscm Mari mor begleitet, während marmorne Ornamente aus BIuj inen und Zweigen ein feenhaftes Gitter bilden. Hier in I diesem bald tempel-, bald schäuspielhausartig erschei- ׳ nenden Palaste in dem gewaltigen platanennickenden Garten, wohnen die Kaiserliche«! Prinzen. Der Sultan selbst thront in dem kleineren überragenden Yildiz-Kiosk. Ganz anders sieht das von dem Eroberer Muhammad erbaute Rumiii-Hissär aus. An derselben Stelle, wo einst des Hystaspes Sohn seine Riesenarmee auf einer Brücke von Asien heriiberiiilirte. baute jener dieses Schloss mit dessen Kanonen er die Meeresstrasse sperrte. Das ist ein wildes Gebäude, steil oben über der brandenden See. Die mittelalterlichen Türme schauen wiidmelancholisch herab auf die von grünen Cypressen überragten Häuser und Villen. Nicht ganz drei Monate gebrauchte der grosse Sultan, um dieses gewaltige Schloss aufzuführen, nachdem er schon vorher auf der andern Seite gerade gegenüber das GüzcM-Hissär erbaut hatte, von dem noch vier verfallene Türme die schwesterliche Moschee an die alte entschwundene Zeit wilder Kriegs- und Siegesstümmc erinnern. Eine unendliche Reihe von Burgen und Schlössern. Landhäusern und Dörfern kränzt in wunderbaren Formen und Farben diesen Strom, der mild und ruhig seine Wasser auf- und abwogen lasst. Dann aber braust er wild gegen die Felsenwündc, und die unendlichen Leuchtfeuer bieten keine unbedingte Rettung. Die Symplegaden scheinen