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Jüdische Rundschau · 1903-06-12 · Heft 24 (12.6.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 24. Seite 236 «Jlidiselie Rundschau. nach .Westen gerichtete Wmdströmung. Umgekehrt erzeugt , das heisse Land am Tage den unschätzbaren Seewind. Cr ist es, der die hohe Temperatur der Küstenebene erträglich macht, und der Tag für Tag mit fast mathematischer Regelmässigkeit wie ein gewaltiger Fächer über das Land hiustreicht, alles labend und erquickend, überall mit Sehnsucht erwartet. In Jaffa erhebt er sich schon um 8—10 Uhr morgens, langsam rückt er weiter nach Osten, kiettert auf das Bergland und langt in Jerusalem etwa um 12 Uhr mittags an. Erst wenn der! Seewind eintrifft, wird's in der Stadt lebendig. j Wieder bildet hier das Jordantal ein abgeschlossenes Oe-! bict. Wie ein Schwerthieb ist cs schmal und tief in das Land eingchauen, auf seinen tiefsten Stellen lastet ein schwerer Luftdruck, der auf dem Toten Mc-ere im Jahresdurchschnitt S02 mm Quecksilber beträgt, und alle WindstrÖmungen streichen über das Tal hinweg, ohne cs sehr zu beeinflussen. Dafür aber entwickelt sich in seinem eigenen Schosse ein kleines Auf- und | Abfluten der Luit. Das Tote Meer ist hier im Sommer Kühl-! reservoir, im Winter Wärmespeicher, im Sommer streicht daher ' ein Südwind das Tal hinauf, im W inter ein Nordwind talabwärts i Dasselbe Spie! der Winde wiederholt sich für jeden einzelnen I Tag, für jede einzelne Nacht. Am Tage herrscht vorwiegend Südwind, in der Nacht Nordwind. Natürlich vollzieht sicii aii das nicht schematisch, reiche Variationen beleben das ganze Geschehen, aber ein allgemeines Schema kann man doch festiialten: In Palästina sind die Nordwinde kühl, die Südwinde heiss, die Ostwinde trocken, die West winde feucht. :>cr..—־׳■ - —— aq Aus der Bewegung. 13*0- - - - - - Pw' j Distriktsbureau Berlin. Die Inhaber j der Schekelblocks werden nochmals höfiiehst ן ersucht, sämtliche Schekelblocks unverzüglich i abzuliefern, auch wenn sie nicht ausgefüllt sind, j Berlin. Akademische Gruppe. In der Abteilung f ii r! Volkswirtschaft und Palästinakunde ist die Be- - teiliguug in diesem Semester eine weit geringere, als die Wich-; tigkeit der Sachs erwarten lässt und als zum gedeihlichen : Fortgang der Arbeiten erforderlich ist. Wir richten daher an I alle diejenigen, die sieh bisher aus Bequemlichkeit oder Nach- Uissigkcit nicht beteiligt haben, die ernstliche Aufforderung. ihre zionistische Gesinnung in das geringe Quantum geforderter Arbeit umzusetzen. — Meldungen an Eu2cn Täubler. ürossbccrenstr. 96. Der Kursus findet jeden Mittwoch uni 9 Uhr im Hotel Cassel. Burgstr. 16 statt. Bisher sprachen: Am 5. Mai catid. tued. Elias Auerbach ״Uebcrsichtsreferat über Palästina“ als Einleitung zum Kursus, am 12. und 19. cand. hist. Eugen Täubler über ״Verkehrswege im vorderen Orient“, am 26. Davis Trictsch über ,.El Arisch und neuere Tatsachen der Orientkolonisation“. Ausserdem wurden laufend Ausschnitte aus der Geographie Palästinas referiert: cand. phil. Baum sprach über ״die Ebene Jesreel,“ stud. med. Lachmann über ״das Tote Meer,“ stud. Phil. Jacobsolm über ״das Jordantal“, stud. med. Hofstein über ..Galiläa". Di? Schulgruppe (Diskussionsabteilung, arbeitete regelmässig und mit grossem Eifer. In ihr sprachen: stud. med. Unna über ״Volk, Nation. Staat", stud. techn. Loewe über ״das Wesen des Antisemitismus", stud. med. l.aciuuam! über ״die .liidenfrage im Osten und Westen“, stud. phil. Tanncnwald über ..Sind die Juden eine religiöse oder nationale (wmcinscluut? Was folgt für sie daraus?“ An jedes Referat schloss sich eine stets sehr lebhafte Debatte, aut die besonderer Wert gelegt w ird, und an der sich in der Regel alle Mitgiicdei beteiligten. -- Die Sitzungen linden Donnerstag uni L*4 Uhr in der V^immig des Leiters. Dr. Heinrich Loewe, Lehrterstr. II' 15, statt. N i c 11t z i o u i s te n, die ihre Anschauungen durch Diskussion in kleinem Kreise fördern wollen, wollen sich zwecks TcUnalnne an den Leiter wenden. Die Leitung der Propaganda liegt, wie im vorigen Semester, in den Händen von cand. phil. Moritz Baum, Claudius- - 12. In allen Propagandaaugeiegcnlieiten für Berlin und ausserhalb wolle man sich an ihn wenden. Felix Jacobsolui. stud. phil״ Luisenstr. 65 I. Bureau Bonn. Montag, den S. v. M. sprach Dr. G o I dbe r g - Nc u c 11 a h r in Bo 11 n mit sehr erfreulichem Erfolg. In M ü 1 h e i m a. Ruhr hat Dr. Edelstein einen Vortrag zugesagt, die Vorbereitungen zur Gründung einer Ortsgruppe in Ha gen i. Westi. wird getroffen, weiter soll in Siegbürg gearbeitet werden. K—n. Mannheim. Unser Bureau ist Herrn Dr. Klee-Berlin zu herzlichem Danke verpflichtet, dass er es unternahm, in der unseren Ideen noch schwer zugänglichen Gemeinde Karlsruhe einen Agitationsvortrag zu halten. In Pistündiger Rede erläuterte der allbewährte Vortragende unser Programm und unsere Aufgaben. Die Versammlung nahm die glänzenden Ausführurigen des Herrn Dr. Klee mit grossem Beitaüe entgegen. Die Diskussion wurde durch das Eingreifen des früheren Sekretärs des Kölner Bureau Fabius Schach, der bei den erschienenen ihre natürliche Lage am Bosporus und Goldenen Horne. Wer jedoch den Gesamtüberblick vom Seraskier- und Galaterturm genossen hat. sollte gleichwohl nicht versäumen, mit einem der zahlreichen Lokaldampier die Prinzeninseln (die alten Detnonesoi) zu besuchen. Während die Alte Brücke nach Galata (Malumtd-Köprü) den Brennpunkt hauptstädtischen Verkehrs darstellt, gehen von der Neuen Brücke (Sultan-Validc-Kaprii). die den Ausgang des Goldenen Hornes überspannt, ganz in der Nähe des Hauptbahuhofes, die Dampfer aus. Man steigt über Pontons von der Brücke auf die Dampfer, die auf der Nordseife der Rheede angelegt haben. Die Ausblicke auf den Bosporus, Skutari und Kadikjöi. daun die Rückblicke aut Galata, Pera und das siebcnhiigelige Neu-Rom mit den zahllosen osmauischen Minarets, überragt, von der Kuppel und den sechs Minarets der Ahtnedije, zu schildern vermag nur der Dichter, Aber ewig unvergesslich bleiben jedem diese Eindrücke, ebenso wie der immer wechselnde Anblick der Prinzeninsein. Während die fünf kleinen, unbewohnten Eilande, von denen besonders die schroffe Spitze von Oxia autfällt, rechts bleiben, liegen die vier grossen, bewohnten Inseln Proti, Antiponi, Chalki und Prinkipo vor dem Schiffe wie eine ununterbrochene Bergreihe, die sich erst in Inseift auflöst, wenn mal! in dem ruhigen Ge- Wässer furcht, das in blauer Klarheit zwischen ihnen leuchtet. Die rötlichen Felsen der Kyzyl-adalär sind mit ewigem Grün schlanker Pinien bedeckt, zwischen denen Klöster, herrliche Villen und Paläste liegen. Obwohl dort heute auch Osmanen und Scfardim wohnen, deren liebster Somnieraufemhalt das kühle Prinkipo ist, besteht doch noch die Mehrheit der geringen Bevölkerung aus Griechen. Nur auf dem fast kahlen Fclscneiland Proti wohnen ausschliesslich Armenier. (Ein spagnolisclier Knabe, der mit mir auf demselben Schiffe fuhr, fragte mich naiv, ob denn alle Deutschen aschkenasisch (d. h. Judendeutsch) sprächen und also Juden wären.) Die byzantinische Kaiserin Irene, die verwitwete Gemahlin Kaiser Leo IV., lebte hier nach ihrem Sturze nicht lange in idyllischer Verbannung. Und weil seitdem gefährliche Prinzen und Prinzessinnen hierher in die zahlreichen Klöster verbannt wurden, erhielten die frübereu Volks- oder Popeninseln den Namen Prinzeninsein, den sie noch heute bei Levantinern und Franken führen. Einen Aufenthalt auf der Terrasse der Kalypso zu vergessen ist ein Kunststück, das auch kein noch so unromantischer Kopf je zustande bringt. Wenn aber die Frinzeniuseln durch das reizend Idyllische ihre bestechenden Schönheitseindrüekc hinterlassen, so fällt dies Moment beim Bosporus völlig fort. ^"»ייל׳״יי״ל•־ wjjmwBur&x

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