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Jüdische Rundschau · 1903-06-12 · Heft 24 (12.6.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 234. tXiidisoIie Htmdschau Nr. 24. Missverständnisse wird der Kongress kraft seiner einigenden Macht Ausgleich bieten. Wir deutsche Zionisten haben, wenn wir das Fazit ziehen, unserer Tätigkeit und des zionistischen Lebens ״zwischen den zwei Kongressen“ Ursache, zufrieden zu sein. Die Anhängerschar ist ordentlich angeschwollen. Von jenen Zwiespältigkeiten, die ich heute besprach, fielen nur blasse Schimmer in unser Lager, in dem eine Verstärkung des Interesses und der Hingebung für unsero Aufgaben, eine Vertiefung des Verständnisses für unsere Idee stetig Platz greift. Gleichwohl können auch wir jetzt zur Hebung der Ausdauer und des Eiters den neuen, den 6. Kongress, gar nötig gebrauchen. Palästinische Reisebriefe. IV. Chalukah. Ehe wir unsere Schilderung fortsetzen, noch einiges von der Chalukah. Auf Schritt und Tritt sehen wir, wie diese Institution das Land und die Menschen verdirbt, den Fortschritt hemmt, dem ehrlichen Wollen in den Arm fällt. Demoralisierung der einheimischen und erwandernden Juden, Unterstützung Wohlhabender, während Arme hungern, Schädigung des Schulwesens zu gunsten der Cheder — das ist die Folge einer konfusen und völlig ungenügend organisierten Wohltätigkeit. Wir geben im Nachstehenden einige weitere Beispiele vom Einfluss der Chalukah, anderes Material wird später folgen. In Safed herrscht grosse Armut. Das Elend ist in dem galiläisclten Städtchen so drückend geworden, dass man eine Volksküche einrichten musste, aus der täglich hunderte von Poräunen Essen unentgeltlich verabfolgt werden. In derselben Stadt erhält die Familie Blau (Vater und drei Söhne), wohlhabende Händler, 6000 Franken Chalukah!! Diese Tatsache schien mir anfangs fast unglaublich, wurde mir aber von verschiedenen durchaus vertrauenswürdigen Personen, schliesslich vom Empfänger selbst bestätigt! — Tiberias ist eine so arme Stadt, dass die Leitung der Alliance israölitc Universelle dort den Schulkindern alltäglich warmes Essen verabreicht. Cholera und Typhus haben den Ort furchtbar mitgenommen und die grosse Mehrzahl der 7000 Juden lebt unter unleidlichen Verhältnissen. Aber das Vorstandsmitglied der Gemeinde, Gross, der dortige Bankier der Ica, ein notorisch wohlhabender Mann, bezieht Chalukah! Ist das erhört? Auch meine an den Mann gerichtete Frage, weshalb er denn das Geld nehme, das er doch Armen entziehe, meinte er: ,.Nu, es ist überall so Sitte“. Sehr richtig. Es ist überall so im Lande. Die Leute empfinden j das Klägliche ihrer Handlungsweise gar nicht mehr! Rings um- ן her greift alles so schnell und gierig wie möglich zu — warum! soll ein Einzelner da sich als Moralmenschen zeigen? Mau | würde ihn iiir einen Narren halten. Ich setze darum auch die 1 Namen nickt Iter, um einen Einzelnen an den Pranger zu stellen, sondern um durch besonders eklatante Beispiele ein System zu geissein. Die Herren von der Chalukah behaupten ja sonst, man rede aus Pa'rteiintcresse ins Blaue hinein. An den Pranger gehören eigentlich die, welche durch fahrlässige Wohltätigkeit diese Zustände hervorrufen und sie dann noch beschönigen, f Einen anderen Beweis vom Segen der Chalukah hatten wir in Petach Tikwah. Die Ica hat dort vor nicht langer Zeit eine Schule eröffnet, nachdem die Bauern eine diesbezügliche Petition unterzeichnet hatten. Die Chalukahempfäuger im Ort senden aber ihre Kinder in die Cheder. weil sie keine Chalukah mehr erhalten, wenn sie zur Schule stehen! Also nicht die Bedürftigsten, sondern die Frömmsten erhalten Geld. Und ment die wirklich Frommen, sondern die Anhänger jener Borniertheit. I die jeder westlichen Bildung feindlich sind, die jeden iiir tin- | heilig halten, der nicht Peies und Kaftan trägt. Sieht man in einer Kolonie einen Bauer in diesem antediluvianischcn Kostüm, dann weiss man sicher: der Mann erhält Chalukah! Selbst verstündlich wird aut diese Weise die widerlichste Heuchelei gezüchtet, die Selbstgerechtigkeit und die Faulheit. Ich habe erlebt, dass ein Chalukahempfäuger seinem Sohne verbot, sich an den so nützlichen und für die körperliche Ent- Wickelung unentbehrlichen Turnübungen der Altersgenossen zu beteiligen ,weil ihm dabei der Hut vom Kopf fallen werde und man nicht ohne Kopfbedeckung sein dürfe! Und wie sehen die Cheder aus, in die man, um der Chalukahgclder nicht verlustig zu gehen, die Kinder sendet? Der beste Cheder in Petach Tikwah ist der des Melamed Jacobson. Er besteht aus einem Zimmer mit Lehmtussboden, in dem ein ungehobelter Holzüsch und 2 umgekippte Holzkisten die Ausstattung bilden. Ueber die Kisten hat man ein Brett gelegt, auf dem die Kinder sitzen. Auf dem blossen Fussboden hockten ein paar kleine Gestalten und auf meine Frage, was sie dort täten, antwortete mir dieser Erzieher der Jugend: ״Das ist die zweite Klasse.“ Also geschehen am 2. Mai 1903. Ueber die ritischen, sabäischen und palmyrenischen Altertümern geben dem Museum einen hervorragenden Rang in den Sammlungen für Semitologie. Griechische und römische Denkmäler sind hier von hohem geschichtlichen Werte, während das alte Byzantion und das oströmische Konstantinopel natürlich nirgends vernehmlicher zu uns reden. Die moderne Kunst muss in diesen Räumen von Sammlungen zufälliger Reste beschämt schweigen. Die Semitologie freilich findet hier ihre grösste Ausbeute. So gering bisher die Zahl phönizischer Inschriften ist, die uns bekannt wurden, von um so grosse!er Bedeutung die Sarkophage und Monumente, die vor elf Jahren von Sidon hierhergebracht wurden. Sie stellen das Museum von Konstantinopel in eine Reihe mit dem Louvre und den Direktor Hamdi-Bey neben die europäischen Gelehrten und Altertumsforscher ersten Ranges. Was hier von Cypern und Baghäd, von Sindschirli und Saida zusammengebracht und wissenschaftlich methodisch aufgestellt worden, gehört mit zu den allerbcde!utendsten Denkmälern alter Kunst und antiken klassischen Lebens im Orient und im Abendland. Nur zwei Denkmäler mögen hier besonders erwähnt werden, .weil sie dem biblischen Altcrtume angehören. Eine Jerusalemer Stele trägt die uns von Josephus überlieferte Inschrift1) in griechischer Sprache und Kapitalschrift: בד i;axc׳/.vj:*-stv äiviTov. Die andere noch ungleich wichtigere Inschrift ist das älteste Zeugnis israelitischer Ueberücferung in hebräischer Schrift und Sprache. Sie führt uns zurück in eine Zeit, wo Jehudah noch auf eigenem Boden sass, in die Zeit des Königs Hiskijah. Wir sehen uns durch diese Inschrift mitten in die grosse Zeit eines Jeschajahu versetzt, in die politischen Kämpfe, in die er seine ״ewigen“ Reden hineindonnerte. Als die jüdische Adels- Politik das kleine Königreich zu dem ungleichen Kampfe , gegen die assyrische Weltmacht fortriss, als man die hohe Stadt Jerusalem im voraus zu einer trotzigen Belagerung in Stand setzte, und Davidsstadt und Milloh mit einer neuen mit stolzen lärmen ragenden Aussenmauer umgürtete, entstand diese 'Inschrift. Um dem belagernden Feinde das Wasser abzuschneiden. verschüttete man die alte salomonische Wasserleitung, #) Kein Fremder darf in dem Vorhof des Heiligtums und Innerhalb der Umfassungsmauer betroffen werden. Er hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn ihm Zuwidcrhandcln die Todesstrafe zuziehen wird. %

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