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Jüdische Rundschau · 1903-06-05 · Heft 23 (5.6.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 228. Jüäisclie Rundsoliau. No. 23. eintretender Erkrankung der Wöchnerin oder bei aussergewölmiiclien Füllen hört die Pilegc seitens dos Vereins auf. Vorsitzende des Voreins ist Frau Paula Neufeld, Strass* bürgerstr. 57. Die unter dem Protektorate des Kaisers und der Kaiserin Friedrich zu gedeihlicher Entwickelung gelangten Baruch- Auerbach’sche Walsen-Erzlehungs-Anstalten weisen nach dem soeben erschienenen 70. Jahresbericht in ihrem neuen H״!•׳’ an der Schönhauser Allee einen gegenüber dem bisheriger, nur erst um sieben Zöglingssieüen erhöhten Bestand auf, während Kaum und teilweise auch scher. Einrichtung ttir weitere 30 Zöglinge vorhanden ist. Indessen haben nach Ausweis des Rechenschaftsberichts die Einnahmen der lediglich auf ihre eigenen Mittel und Zuwendungen ihrer Gönner angewiesenen Anstalten nicht einmal für den gegenwärtigen Bestand von 5t Knaben und 30 Mädchen ausgereicht. Die Verpflegung erfor* derte 18125־ Mk., d. h. 49'■? Pf. für den Kopf und Tag. Die Bekleidung kaum 100 Mk. für jeden Zögling, die gesamten Bediirfnissc einschliesslich Gottesdienst, Bureau, Renten, Stipenj dien u. a. Zuschüsse 77 890 Mk. Hiervon sind durch Zinsen 1 des Anstaltsvermögens und sonstige bestimmte Einnahmen nur j etwa 56 81/1 Mk. gedeckt. Die Zöglinge gemessen den Unterj rieht grosseuteils in höheren Schulen. Besonders. bc;::dnc 1 Knaben bleiben bis zur Abgangsprüfung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit im Hause. Der weit reichenden Fürsorge für die entlassenen Zöglinge, welche hesonders wirksam bei ihrer Selbstäiidigmachung oder Verheiratung cintritt, dient eine grössere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die iür die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Streiitz die Herren Berthold Marckwald, Konmierzienrat Enianuel Lohnstein, Generalkonsul Eugen Landau, Professor Dr. Felix Liebermann, Kommerzienrat Hermann N. Israel und Kommerzienrat Isidor Loewe. Ehrenmütter sind Frau Recha Marckwald und Frau Professor Dr. Cäcilie Liebermann. Kischinew und der ״Bund". * Es gibt wehl kaum einen Juden, der nicht durch die Vorgärige In Kischinew zum Nachdenken über seine eigene Lage veranlasst worden wäre. Auch der ״jüdische Arbeiterbund“, eine Partei, die cs sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, die jüdischen Arbeiter in Russland hinschlachten oder in die Gefängnisse werfen zu lassen, um das Volk der Kazapcn zu einem Kulturvolk zu erheben, sieht sich veranlasst, die Kischinewer Geschehnisse ״rein wissenschaftlich" zu untersuchen. Und so iand auch in Karlsruhe, nachdem man einige a%־hiepiskopu [Gabriel archiepiscopus Nazarenusl (1651 goda). Podre dakeieiu SlemenaJ Olsipovica] Doigova. (S.- Petersburg 1900: V. Kirsbaum.) (VII. 37 S.) 4“ (8״) iNaenrieht von d. heil. Stätten d. hl. Stadt Jerusalem, wo Christus wandelte, dem Erzbischof Gabriel von Naza־׳cth zi.gcsehriebe״. Unter Red. von S. O. D.| — Sbornik, PravoslavnyJ Pafestir.skij. T. 18, Vyp. 1 (= Vyp. *52.) lRuss.1 Palcstiiia ot zavoevanija eja Arabami ao krestovycii pochodow po arabskim istoenikam. Njlkolajl Alleksandrovlcj Mednikov. 1. 2. (S.-Petersburg 1S97—1903: V. Kirsbaum.) 2 Bde 8° 1. Izsledovanlc. 1903. 2. (In 3 vyp.) Prilozenija. 1897. [Palästina von seiner Eroberung durch d. Araber bis zu d. Kreuzzügen nach ara 1. Ouellcn. I. Untersuchung. 2. Beilagen.! — Sbornik, PravoslavnyJ Palestinskii. T, 17, Vyp. 2 (— Vyp. 50.); Das Judentum nach ncurabhinischer Darstellung der Hochfinanz Istaeis. Betrachtet von Canonicus Univ.-Prof. Dr. Aug. Rohling in Prag. München: G. Schuh <5e Cie. 1963. (120 S.) 8° Betäubungsapparate für Kleinvieh. Ergebnisse d. Bolzaschen Preisausschreibens z. Prüfung u. Prämiierung von Betäubungsapparaten f. Kleinvieh. Veröffentl. durch Max Rabe, Ober-Sckr. in Leipzig. 2. Aufl. Leipzig 1903: (Tageblatt). (30 S.) 8° Tage zuvor (wohl um die Leiden von Kischinew zu vergessen) an einer gemütlichen!Maifeier teilgenontmen hatte, am 20. d. M. eine Versammlung der sogen. ״Russen" statt, mit der Tages- Ordnung Kischinew. Schon beim Eintritt in den Saal konnte man sehen, wie sehr Kischinew den j ü d i s c h en N a t i o - 11a listen des Bundes zu Herzen ging. Es wurde ges a m nt e 11. aber beim Marx! nicht für K i s c h i 11 e w, sondern für die Zwecke des Bundes. Ein Zionist machte darauf aufmerksam und betonte, dass es sieh nicht um die paa! Pfentiigc handle. aber ein solches Vorgehen beweise, wie cs um den Nationalismus des Bundes bestellt sei. Au der nunmehr von den Zionisten veranstalteten Sammlung zugunsten der Kischinewer Juden beteiligten sich die meisten Bimdisten auch nicht, weil sie selten einmal iür die ״Juden" in Kischinew gegeben haben. Nun begann das Referat. Ein seht geschickter Sophist etttw ickeltc eine ..Theorie" des Antisemitisnnts in Russland und bdegte seine Behauptungen mit statistisehen Zahler. at־$ dem Königreich Sachsen. Er kan! zu dem Schlüsse, dass in Russland der Antisemitismus nur unter Klassen vorzufinden sei. die int Verschw inden begriffen sind. Die Juden dürften sich daher in ihrem Kampfe iür Freiheit und Recht nicht stören lassen, umsoweniger, als der Herr Referent die Versicherung abgab. dass derartige Vorgänge, wie• die in Kisehinew־ vorgefallcn sind, sich rächt wiederhole■.1 werden. Von den Zionisten sprachen zwei Redner, die int wese-utliehen etwa folgendes ausiülirten: Vor etwa einem halben Jahre konnte ntan in dem offiziellen Organe des Bundes eine ״Geschichte des Komitees des Bundes in Kischinew". lesen. Wo blieb nun dieses Komitee während der Unruhen? Warum haben die Herren Bimdisten ihren revo lutionären Mut” nicht gezeigt, indem sie sich zur Seihst ver teidigung organisierten? Wohl hatte sich in Kischinew ein Selbstverteidiginigskomitec gebildet, aber das waren keine Btmdisten, sondern ganz andere Juden. In demselben offiziellen Organe findet sich auch ein charakteristischer Bericht über die Greueltaten: ..Das ist die Antwort der Regierung auf unsere revolutionäre Tätigkeit. ״Igel du wühlst gut", so heisst es wörtlich: unsere Nationaljuden im ״Bunde" scheinen also eine hübsche Genugtuung zu entpfinden. Kischinew* sollte doch den Bund veranlassen, sich zu fragen, ob er das Recht hätte, soviel jüdisches Blut vergiessen zu lassen, und für weit? Etwa für die russischen Arbeiter, die doch jetzt wohl deutlich genug gezeigt haben, wie dankbar sie den Juden sind? Diese Ausführungen wurden seitens des Herrn Referenten, der eine führende Rolle im Bunde spielt, teils mit faul er. Witzen (!!!) teils gar nicht erwidert. Den Gipfel traurigen Mutes erreichte aber woltl die Behauptung, zu der sich der He!r Referent bat hinreissen lassen und die •Jet: ganzen ״Bund" charakterisiert: ״Die jüdische Bourgeoisie ist darüber aufgebracht, dass 111 an ihr in K i s c!1 i n e w e!was Geld a b g e n o m nt e tt hat. “So spricht ein Mensch, der es wagt, sich N a t i o n a 1 j u d c zu nennen! Da das Protestieren eines der Hauptarbeitsgebiete des ״Bundes" ist, wurde natürlich ein Protest gegen die russische Regierung angenommen, also: ״Schämen Sie sich, Herr Kosack!" Rotationsrektor. Karlsruhe, im Mai 1903. Der bisherige Gouverneur von Bessarabien, Herr von Raaben. ist, wie es von unser!! liberalen Zeitungen richtig Yorhergesagt wurde, von seinem Posten entfernt worden. Nur besteht diese Entfernung in keiner Strafversetzung, sondern in einer Beförderung, wie sie ein so verdienter Mann wdrt ist. Er ist — ins Ministerium des Innern berufen worden. — Also welcher ״Pöbel" hat die Mordtaten und Plünderungen, die Greueltaten und Scheiisslichkciten begangen und veranlasst? Der Schuldige zeigt sielt ja selber an. ■&ÄWfcS?¥&t v "י! •׳ f• •*:- •־.־ מה ווזו.״מממ״14זמ>.וייי<חיימ 1

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