Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 28. Seite 226, •Jiidiselie Rundsol Zügen zeichnete er ein Bild der jüdischen Verfölgungs- und Leidensgeschichte, aus der Kischinew nur ein Ausschnitt, noch der jüngste, ist. Mit lebhaftem Feuer schloss sich die Rede des Dr. Alfred Klee an, dem über ״Kischinew und Saloniki” zu sprechen zugefallen war. Er entledigte sich meisterhaft seiner Aufgäbe, indem er an der Hand der Ereignisse in Kischinew die Notwendigkeit des Zionismus und die unvergleichliehe Folgerichtigkeit des Baseler Programms durchdacht entwickelte und mit Feuer zum Anschluss an die zionistische Partei begeisterte. Die mchrtausendköpfige Menge unterbrach die Redner immer und immer wieder durch Beifallsstürme, und seit langer Zeit hat uns keine der doch auch sonst so erfolgreichen Versammjungen so viele neue Freunde und Mitglieder zugeführt als diese grossartige Veranstaltung im ״Westen” Berlins. Die Versammlung, die e i n grosser Protest gegen die Unmenschlichkciteii von Kischinew war, bedeutet zugleich einen sehr grossen Schritt des Berliner Zionismus vorwärts. Köln. Mitte Juni werden, wie wir hören, voraussichtlich in Brüssel und in Antwerpen zionistische Agitations*' Versammlungen grossen Stils abgehalten werden, für die die Herren Dr. Mannorek-Paris und Dr. Klee *Berlin Propagandavorträge zugesagt haben. W. Königsberg. Die Königsberger Zionistische Vereinigung veranstaltete am Dienstag, dem 12. er., im Artushof, unter Vor* sitz des Dr.•Hoppe, eine öffentliche Versammlung, die, trotz der vorgerückten Jahreszeit, von etwa 300 Personen besucht war. Herr Egon Rosenberg, Berlin, sprach über: ״Die Judenmassakres in Bessarabien, ein Mahnruf.“ Der eindrucksvolle, etwa 1 .Stunde währende Vortrag wurde vom ganzen Auditorium mit stürmischem Beifall aufgenommen. An der darauf folgenden Diskussion beteiligten sich die Herren Rabbiner Dr. Vogelstcin, Dr. Hoppe und Rentier Kirchner. Nach einem glänzenden Schlusswort des Hern! Rosenberg wurde die würdevoll verlaufene Versammlung geschlossen. Namhafte Beträge wurden von der Versammlung zugunsten der Kischinewer Juden gezeichnet, die dem hiesigen Komitee zugeführt worden sind. München. Die hiesige zionistische Ortsgruppe vexanstattete am Montag, dem 25. Mal, hn Kreuzbräu eine grosse, öffentliche Versammlung, die von über 600 Personen, darunter (He angesehenste jüdische Bürgerschaft Münchens, besucht war. Eine für die Opfer von Kischinew. veranstaltete Sammhing ergab das erfreuliche Resultat von *100 Mk. Ueber die Versammlung,. die grösste, die seit Bestehen unserer Ortsgruppe hier stattfand, berichten die ״Münchener Neueste Nach* richten“ folgendes: Die Zionistische Ortsgruppe München hatte Montag abend in den grossen Kreuzbräusaal eine sehr stark besuchte öfientliehe Versammlung einberufen, in der die Judenverfolgung in Kischinew zum Gegenstände scharfer, jedoch leidenschaftsloser Kritik gemacht wurde. Der erste Referent. Schriftsteller Bertliold Eeiwel (Berlin) legte das Schwergewicht seiner Ausftihrungen auf eine kulturhistorische Schilderung der Verhältnisse der osteuropäischen Juden, deren Leben selbst ihren westeuropäischen Stammesgenossen vielfach nicht genugsam in aUen seinen Bedrückungen und seiner unsäglichen Armut bekannt sei. Aus eigener Anschauung entwarf er ein lebendiges Bild von den elenden Wohnungs- und Erwerbsverhältnissen der jüdischen Bevölkerung im grossen Zarenreiche, von der Rechtlosigkeit, unter der sie leide, von der Willkür der Beamtenschaft, die über ihr Leben entscheide. Fine eingehende Darstellung widmete der Vortragende dann der Lage der bessarabischen Juden und besonders jener in Kischinew, und weiter der Zusammenfassung der Ursachen, die zu den dort verübten Greueln führten: fortgesetzte Hetze des Kisclünewer Regierungsblattes. Verbreitung eines Ritualmordmärchens, Ausgabe eines Flugblattes, dass der Zar die Plünderung der jüdischen Wohnungen drei Tage hindurch gestattet habe, Lässigkeit der weltlichen und kirchlichen Behörden u. s. w. In lebhaften Farben schilderte er die Grausamkeiten, die unter Teilnahme aller Bevölkerungskreise nach wohl vorbereitetem Plane an den Juden begangen wurden. Der Kindruck, den das von ihm gebrachte Material auf die Anwesenden machte, war so tief und nachhaltig, dass Zwischenrufe tiefer Empörung laut wurden. Die russische Regierung — so resümierte der Redner — trage direkt und indirekt die Schuld au den Exzessen. Der Appell an die westeuropäischen Juden dürfe nicht ohne Erfolg bleiben, ihre Teilnahme müsse sich in opferwilliger Weise ättssern. 2000 Judenfamilien wollen aus Kischinew auswandern. Sie sollen in Palästina angesicdelt werden und dazu solle beigesteuert werden. Gerade das Kisch 111cwer Blutbad dokumentiere auch stark und nachdrücklich die berechtigten Be- Strebungen des Zionismus, die jeder Jude im Interesse seines Volkstums unterstützen müsse. (Lebhafter Beifall.) Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft. Dr. Rüdt richtete einen lebhaften Appell an die Presse, sich der Unglücklichen In Kischinew anzunehmen und zur Linderung ihrer Not beizutragen. Auch er verurteilte vom allgemein menschlichen Standpunkte aus unter stürmischer Zustimmung die Kischinewer Greuelszenen und die antisemitische Agitation überhaujjt. Als der Redner in einem sozialpolitischen Exkurs davon sprach, dass der heutige'Staat ein Staat des Unrechts sei, musste er auf Veranlassung des überwachenden Polizeikommissars zur Ordnung gerufen werden. Einem weiteren Diskussionsredner, der dem Zionismus vorwarf, er wolle aus den Kischinewcr Vorfällen Kapital schlagen, wurde au! Verlangen der Versammlung das Wort entzogen. Privatdozent Dr. Weizmann (Genf), der als zweiter Referent in den Einladungen zur Versammlung genannt war, verwies in ethischphilosophischen Ausführungen im wesentlichen darauf, dass nicht allein die erhöhte Bildung der Volksmassen, sondern auch die Selbsthilfe und das Solidaritätsgefühl aller Juden ein wirksames Mittel gegen Ausbrüche de.s Antisemitismus bilden. Es müsse aber auch der Emigrationsstrom der Juden aus dem Osten Europas nicht allein mit philantropischer Aufmerksamkeit beobachtet sondern tatkräftig in gesundem Sinne, hn Geiste des Zionismus reguliert werden. Die Versammlung, während deren für die Angehörigen der Kischinewer Opfer eine Sammlung veranstaltet wurde, wurde erst gegen• Mittcrnacht geschlossen. In bezug auf Ezechiel 13,14 schreibt sehr treffend der V.: ״Die Spätregen richten . durch die Plötzlichket und Heftigkeit ihrer Güsse mitunter grossen Schaden au. Sie *reissen das Erdreich auf, durchbrechen Strassendämme, schwemmen Mauern hinweg und wehe dem, der :m Bereiche eines solchen Platzregens sich befindet cj Ist In der Regel verloren. Im vergangenen Frühjahr erst wurden gegen 20 Personen, viele Stück Vieh und die Zelte eines Lagers der Ta’amre Beduinen südöstlich von Artas von einem solchen ״ungewöhnlichen Regen . . . ergriffen und fortgerissen.“ Seite 114-1!5. Entschieden zurückzuweisen ist aber die Deutung von Sprüche $31,29 ״077!־. Vergl. hierzu Gcsen. a. a. O. s. o. יכל Die Stellung, welche die jüd. Frau in der Familie einnahm, oder einnehmen so!!, geht am deutlichsten aus dem an Abr. gerichteten Gottes Worte hervor: ״Alles, was dir Sarah sagen wird. Höre auf ihre Stimme." (Gen. 21,12). Das hebräische Debäsch scheint eher Feigenals j Trauben - Honig (Seite!56) zu bedeuten. Kctuboth Ulb und Midrasch Schir ha-Schirirn. ed. Griiniiut S. 14 wird erzählt. Rami har R. Jeschezkiel kam einst nach Bene Brak, da sah er. dass die Ziegen Feigenbäume abweideten. Aus den Feigen aber troff der Honig, aus den Eutern der Tiere tropfte die Milch, bis beides. mit einander vereinigt, zu!Hessen be- Kann. Da rief Rami erfreut: Wahrlich, dies ist das Land, in dem Milch und Honig fliesst! Doch lehrt eine Bibelstelle (Dt. 8,8), die allerdings dem V. entgangen ist, dass es ein ״Debäsch“ gibt, das auch verschieden von Wein und Feigen ist Wir müssen hier der Tradition Recht geben, dass unter jenem Dattelhonig*״) gemeint ist. —- Schade, dass Herrn Bauer die Kenntnis des Talmud abgeht. Er hätte sonst auf dieses Werk bei verschiedenen Stellen verweisen müssen. Einiges möge hier nachgetragen werden. Kuchl (S. 52) kommt (unter dem Namen בהול in der Misclmah (Sabbath 8.3) vor. Szaki u ba’l שקי־ ובצל) kommen in Mischtiah Terumöth 10,11 vor (Ibidem 144—45). Zu thaffufu (S. 90 unten) ist b. Pessacliim 43a (טופלוה *״) Vgl. Tr. Terumöth 11. 2. 2