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Jüdische Rundschau · 1903-06-05 · Heft 23 (5.6.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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־«^j* ׳'*. 4$ 4'״■- *•■•*יי r*4Wif! Alk,.* *I ■ ,'.«4^■^«» Seite 224.. JTii<l^che Ri 1 ncl8c|1au. י-">T»*I '־"־ ־'. ’.;.y.y4׳ . No. 23. trotz aller Undefinierbarkcit ein realer Faktor ist, verschlossen. Durch die Menschliritsrecfitc;" weiche die ' Völker־ uns־ aus Gründen des Renmr.mös und der Renontma^e ־ versetzt haben, wurde unsere Läge nur verschlimmert. Wir müssen uns nicht täuschen! Indem uns Freizügigkeit' und freier Wandel und Handel gestattet, und <|ü$ einst.einheitlich? ^assc in alle .Schichten, Kreise und Wohnstätten‘:hvneinge^it|ingt wurde, wurden die.Rcihungsflächen zu.der.,übrigen Bevölkerung ve rm eh r t. Welch Wunder, dass nun ^allüberall die Funken fliegen! Unter der benebelnden Autosuggestion, durch die Mcnschhcitsrechte. haben wir. vergessen., dass in .der, letzten . Hälfte des Jahrlumderts die Zurückweisungen, und Explosionen gegen die Juden sich unheimlich gemehrt haben.. Ich fürchte, wir sind eher zurückgekommen gegenüber dem Mittelalter. Es liegt na! an dem Charakter pragmatischer ,Geschichtsschreibung, dass, wir .mc.hr von den Wirrnissen,, den Verheerungen und. Martyroiogien .hören als von ,den stillen und geruhigen Schmittafuhren voll Heimlichkeit, und Heiterkeit. Und jetzt? Die un• gebrochene. Kette von Schinach und Verfolgung! Kein Land, keine Ras,se.. keine soziale Gruppe, kein Kulturniveau haben uns geschont. Wer will von dem Wandel .sprechen, den. d:e Acusscrungcn des Judenhasses erfahren haben? Dort mordet mau die Körper mit Knütteln; hier die Seelen mit Blicken und — Liebenswürdigkeiten. Der Fortschritt der Kultur hat ntn die Formen der. Abwehr .verfeinert. Aber er hat auch uns empfindsamer und. sensibler gemacht. Und die Wirkung bleibt die gleiche . . , . Es wäre in der Tat eine Ucbersteigccung unseres Optimis* mus zu erschlaffendem Fatalismus, wenn wir warteten, bis endlich die Kuhur ihre Mohrenwäsche an der NVcsensartung des Gruppenmenschen vollzogen und bis die Idee der Menschen- Hebe die unumschränkte Menschenliebe in die Seelen gepflanzt. Indessen flammen die Feuerzeichen auf, allerorten. Was tun? Die jüdische Wohltätigkeit fängt deutlich an zu erlahmen, ln unheimlich rascher Folge brechen die SchicksalsschUige auf uns ejii. Häufiger denn, je und schwerer denn je. Dabei wächst das Nationalvermögen nur scheinbar. Der soziale Aufschwung bei den Juden schafft durch die unverlrältnissmässig gesteigerten Lcbensansprßche (die ihrerseits wieder durch den Versuch die gesellschaftliche Zurücksetzung zu übertrumpfen, erzwungen *werden) Kümmernisse und Sorgen, und die Zusammenfassaiig grösser Vermögen 111 jüdischen Händen fällt dnrea einen wunderbaren Circulus — wie von einem geheimnisvollen Fatum geleitet — wieder in den Besitz der iandständigen Wirts Völker zurück. Wir leben in kritischen Tagen erster Ordnung. Da heisst es dehn, den schönen Menschheitstraum cinschliesscu, — (meinetwegen in die ״gute Stube" unserer Seele) —, und die verfügbaren Kräfte zusammenraffen und eine letzte grosse Anstrengung wagen! Hier soll uns unser Optimismus helfen in dei Arbeit. Das jüdische Volk darf sich den Luxus nicht mehr leisten;־auf vulkanischem Grunde seine Hutten zu bauen. Dazu* ist cs Zü arm; ufid dazu sind unsere Aussichten in der Diaspora zu trübe. Wir;brauchen wieder eine Stätte, wo die Leidenden7 unseres Volkes zu stiller und ernster Arbeit sich finden, wo sic die Äengstc des Golus ־nicht ’ mehr kennen und nicht mehr die. Fäuste der Dränger. Wir brauchen wieder eine Heimat, dass wir den anderen nicht mehr ein Zündstoff seien, durch den sic explodieren, und dass wir in freier Entfaltung unserer Kräfte helfen die Güter der Menschheit zu vermehren. Dahin kann uns nimmermehr das Wohltun bringen. Wohltätigkeit ist Kurpfuscherei und im besten Falle symptomatische Behandlung und birgt — wegen der beruhigenden Genugtuung und des gehobenen Bewusstseins etwas Gutes geschaht zu haben -- schlimme Gefahren. W<ir Juden haben sie oft genug erfahren. *. ■ ־ Uns kann nur das spornende Bewusstsein nationaler Einheit retten,' das seinen Ausdruck in wohlgegliedertcr Organisa־־ tion linden muss. Wir wollen Einheit. Aber keine Einförmig- Reit- Andersartung und Differenzierung haben ihr Recht; und sie sind auch erforderlich! Aber im Gefüge des Ganzen. So trete ein jeder in unsere Reihen. Wir sind keine Partei — zu dem uns unbcdachtsanic und ängstliche Freunde und uns ungefüge Elemente stempeln wollten ■— sondern das. jüdische Volk, das auch für sich den Frieden will. Uud die• Heimat! ־ Dr. Theodor Zlocisti. I»• Lltteraturberichi. liglgen Utteratur. welche da Retuüuloa roen, finden eingehende Besprechung) etnschl we! Leonhard Bauer, Volksleben im Lande der Bibel. 312 S. 8" mit 50 Bildern. Jerusalem!903. Verlag: H. G. Wallmann, Leipzig. Auf dem Gebiete der Erforschung Palästinas ist in neuere! Zeit, namentlich auch durch den ״Deutschen Palästina-Verein" ganz Erhebliches geleistet worden. Ein Stück Altertum aber, von w elchem ,aus Rückschlüsse auf die biblische Zeit sieh ergeben, ist bis heute trotz, eifrigen Bemühens seitens der Vertreter der Altertumskunde, nicht in dem Masse gewürdigt worden, welches ott minderwertigen Dingen zu teil wird. Einzelnes mag ja schon hervorgehoben worden sein;;!ach einem Gesamtbilde aber sehen wir uns Vergeblich in der hier inbetracht kommenden Literatur um. — Ich meine die Altchtge- Von E1 i a $ A »1 e r b a c h.; (Fortsetzung).*־) ’ Schari ausgesprochen wie im Lauf der Jahreszeiten sinJ in!' Bergland auch die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht. In Jerusalem unterscheide;! sich Tag und Nacht int Sommer durchschnittlich um 13״. im Winter um 8 - 9־’, und ähnliche־Zahlet! gelten für das ganze Bergland. Ja. irn.Ostjordanland ist es nicht selten, dass das Thermometer nach 25״ am Tage aut 0״ in der Nacht sinkt. Derartige starke und schroffe Schwankungen bringen zwar dem landfremden Reisenden so manche Erkältung, aber sie mildern in glücklicher Weist die hohen Temperaturen und haben ihren segensreichen Anteil an dem starken Taufaü. •' . Eni anderes Bild der Temperaturkurve bietet das Flach-!and am Meere, denn das Meer ändert das Klima in der ihm allerorten eigentümlichen Weise: Die hohen Temperaturen, die *) Der Aufsatz musste aktueller Artikel wegen bis zu dieser Nummer zurückgestcllt werden. Vgl. den ersten Teil in No. 15/16. stssenu! des hl. Landes, die Fellachen (u. Beduinen), an denen die Jahrtausende spurlos dahiugingeu. Diese Leute haben so- Zusagen keine ״Vergangenheit", der Fellache von heute unterscheidet sich in nichts von dem Fellachen vor Jahrtausenden. Em naturgetreues Bild dieser Urvölker versetzt ims gleichsam in der Vergangenheit Jahrtausende zurück. ־ Ein solches Bild zu entwerfen, hat sich Herr Bauer zur Aufgabe gestellt. Herr Bauer, Oberlehrer am syrischen Waisenhaus zu Jerusalem, ist Deutscher von Geburt Seit mehr denn 1b Jahren lebt er im Lande. In erstaunlich kurzer Zeit hat er sich gründliche Kenntnis der Landessprache angccignet. Ungleich mehr Zeit aber verwandte er auf dos Studium des Volkes! dessen Sprache er so rasch erlernte. Er beobachtete cs• während mehrerer Jahre in seinem ganzen Tun und Lassen, lauschte ihm die geheimsten Regungen ab. begleitete cs auf seinem Lebensgange, von der Geburt bis zum Grabe. Die Frucht dieses langjährigen Studium; hat Herr Bauer in vorliegender Schrift nicdcrgclegt. Das Buch behandelt folgende .12 Kapitel: 1. Bevölkciung, Religion. Religio<tiit; 2. Der Volkscharakter; 3. Bau uud Einrichtung der V **"*י! י־׳י' dt ' '** «« ׳ ׳ - ' # (- p

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