Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1903)
- Date
- 1903-05-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1 ^jui 1 m»!;;1»pi^ifL1 0^*^ •י׳^י^יי-י-ירייוי11*® י״.*וי׳ י״*%יי1™ Seite 218. Jüdische Rundschau. No. 22. I Allerlei. Ein Neger als Operettcnkomponlst. Man schreibt uns aus London: Die Negerkunst hat noch nie einen berechtigteren Triumph gefeiert, als jetzt hier im Shaftesbury-Thcator mit üci komischen Neger-Operette ״In Dahomey“. Die populärsten Neger-Melodien, die hier gesungen werden, sind, wie inan weiss, von Weissen komponiert und der hier so gciticru ״Neger-Sänger“ Eugen Stratton ist in Buifalo von deutschen Eltern geboren; er muss sich jeden Abend von neuem schwarz färben. 1111 Shaftcsbury-Tlicatcr lernen wir dagegen Herrn Will Marion Cook einen farbigen Komponisten kennen, der seine Operette allabendlich selbst dirigiert und laut die Chöre mitsingt oder leise die Melodien mitsununt. während er, das Oe• sicht dem Publikum zugewendet, mit dem Eener und der Lebhaitigkeit des Südländers den Takt •schlügt. Herr Cook wurde in Berlin ausgebildct. Einige lyrische Lieder, zu denen det Neger-Poet Paul Laurencc Dunbar die Texte gedichtet hat. sind von packender Wirkung und werden populär werden. Hauptzweck der Aufführung der Operette ist aber das Auftreten zweier schwarzer Komiker, von denen der ernste, gravitätische, phlegmatische, den Pechvogel darstellende Bert A. Williams unwiderstehlich ist. Das Lied, in dem er sein ״Pech‘* bcjammert: ״Ein a good, substantil. full-fledgcd, first-class Jonah man“, ist das Drolligste dieser Art. was man hören kann. Zwei farbige Soubretten haben auch gebührenden Erfolg, und der Chor singt und spielt mit grösster rhythmischer Präzision. Die Handlung des Stückes ist auf dem Theaterzettel angegeben, sonst würde man sic .nicht verfolgen können. Die Vorgänge spielen sielt zuerst in Boston, dann in Florida und zuletzt in Dahomey ab und es ist darin von einem Dahomey.Syndikat und einem verlorenen Silbcrküstchcn die Rede. Der amerikanische groteske Ulk im Stücke drängt die echte Ncgerkunst zu sehr zur Seite, aber die Operette ist für amerikanisches Publikum geschrieben und hat in Amerika ihre ersten Erfolge gehabt. Dem Komponisten und den Librettisten ist cs mit ihrer Kunst ernst, und vielleicht verfolgen sic einen höheren Zweck, wenn sie im letzten Akte den Neger ln seinen natürlicheren Lebensverhältnissen an Afrika zeigen, nachdem man vorher den amerikanischen Neger belacht hatte, der die Sitten und Up.- Sitten der Welsen uachäfft. (Frankfurter Zeitung.) ך ■״/ Golusblüten. Juden sind unerwünscht, wenn sie aui christlich-deutsche Nachbarschaft rechnen. So schreibt ein Oberlehrer Trenkner im ״Berl Tagebl.“ Braunlage. Vor einigen Tagen erhielt ich ein grünes Büchlein, welches eine eingehende Beschreibung der Kureinrichtuugen und Reize des Badeortes Braunlagc enthält. Die betreffende Schilderung würde im Leser einen in jeder Hinsicht angenehmen Eindruck erwecken, wenn cs nicht auf Seite 7 wörtlich hiesse: ״Israelitenwerden von den Braunlagc besuchenden Fremden nicht gern gesehen, deshalb finden dieselben in den Hotels wie auch Privatliäusern schwerlich Auinähme!“ In diesem mit Ungenierthcit geäusserten Ausschluss einer ganzen Klasse veriassungsmüssig gleichberechtigter Mitbürger von den gesundheitlichen Vorteilen eines Badeortes vermag ich lediglich eine höchst bedauerliche Schwäche gegenüber der antisemitischen Gesinnung der Braunlager Kurgäste erblicken usw. Schnelle Heirat wünscht verarmter Adliger, Prcuss. Uradel, Freidenker. Off. unt. J. M. 983 Haupicxped. d. Zeitung SW. Dagegen sind Jüdinnen erwünscht, wenn sie nur recht viel Geld haben. Sonst würde folgendes Inserat nicht im ״Berliner Tageblatt" sondern in der., K r c u z z c i t u n g “ stehen. Was heisst da ״ F r c i d c n k c r “?! — ״Achtung -- Reitpeitsche!“ Die ״Deutsche Zeitung" schreibt: In Mainz hatte sieh, wie man uns von dort berichtet, der Rabbiner der israe«!!tischen Rcligionsgemoindc den vollständigen Ornat eines evangeiischen Geistlichen (Chorrock, Bäffchen und Barett) zugelegt. Sein öffentliches Auftreten in dieser Tracht bei Beerdigungen batte begreiflicherweise Aufsehen und Anstoss erregt. So bcschloss die cv. Synode des Dekanats Mainz einstimmig im Oktober vorigen Jahres eine Beschwerde gegen den Rabbiner durch Vermittlung des Oberkonsistoriums an das Ministerium zu richten. Nachdem mehrere Monate hindurch kein äusserer •Erfolg dieser Beschwerde zu erkennen war, zeigt sich jetzt der Rabbiner in einem Talar. dessen Schulterstück aus schwarzem Sammet besteht, ebenso wie sich ein breiter Sammetstreifen über die Knopfreihe vor der Brust hinabzieht. Ob aber diese Aenderung, die sich nur auf den Stoff und nicht auf die Form, noch nicht einmal auf die Farbe des Talars erstreckt, in den interessierten Kreisen als genügend angesehen wird, dürfte sehr zweifelhaft sein. — Wenn Schulschwänzer sich laufen lassen, so macht das nicht nur ihnen selbst, sondern auch ihren Lehrern schliesslich Kopfschmerzen. Zwei jüdische Schüler der achten Klasse (Prima) einer Realschule in Budapest wohnten wüh־ rend des ganzen verflossenen Jahres dem Religionsunterricht nicht bei. so dass sich der jüdische Reiigionslehrer gezwungen sah. ihnen die Note ״ungenügend“ zu geben. Die alttestamentlichc Hellgcschlclitc übersichtlich dargest. von D. Wilhelm Volck, Prof, zu Rostock. Gütersloh: C. Ber- _ tcjsmann 1903. (VI, 125 S.) 8״ [F.] ־־ Handreichung z. Vertiefung christl. Erkenntnis. H. 8. Bibclkrltlk und Religionsunterricht. Von Walther Hardt, Konrektor in Polzin. Bielefeld: A. Helmich (1902). (20 S.) 8*. IF.1 ־־־ Abhandlungen, Pädagogische. N. F. Bd. 7, H. 6. Die erste Weissagung vom Davidsohn. Eine bibi. Studie z. Offenbarungsfrage von Chr. Dieckmann. (L—3. Taus.) Leipzig: Ch. Steffen 1903. (130 S.) S\ Sacharja, der Prophet der Hoffnung von Ffrcderik] Bjrothertonl Mever. Autor. Uebcrs. von G. Hottey-Weber. Hagen L W.: O. Rippei 1902. (168 S.) 8° [F.) La reaaissaace de lc litt£rature hdbräique [17-13—1885]. Essai d'histoirc par Nahum Slouschz ״Ben-David". Paris: Soc. nouv. de libr. et d’6d. 1903. (233 S.) 8°. Die Mlschna, Aufbau und Quellenschcidung. Von Dr. Ludwig A. Rosenthal, Rabbiner in Preuss.-Stargard. Th. 1, Hüiitc 1. Strassburg: K. J. Trübner 1903. 6°. (Schriften z. Beleuchtung d. Lehrweise u. Entwickelung des Talmuds.) . ׳ י י . :. « l ' Geschichte der Juden in Bromberg. Ztigl. e. Bcitr. z. Gesell, d. Juden d. Landes Posen. ״Mit III.“ Nach gedr. 11. 1111• gedr. Quellen dargest. von Ifsaak] Herzberg. Frankfurt a. M-: J. Kaufimann 1903. (106 S.) 8°. Zur Geschichte der Juden ln Lauingen. Mainz 1903: J, Wirth. (12 S.) 8־־. Von Louis Lamm. Studien zur Geschichte der Juden in der Schweiz während des Mittelalters. Von Augusta Steinberg, Dr. phil. Zürich: Schulthess & Co. 1902. (VI, 159 S.) 8° Die Einwanderungspolitik und die Bevölkenmgsfrage von Amerika. Von Dr. R[obert] Kuczynski. Berlin: L. Simion 1903. (35 S.) 8° Zeltfragen, Volkswirtschaftliche. H. 194. En Palestinc. Dans!es distn'cts de Saida et de Jaffa. Huit jours ä Jerusalem par Emile Descharaps. Avec 35 fig. et 1 carte. Paris: J. Maisomieuvc 1903. (29S S.) 8°. (Carnet d'un voyageur.) txrr %*1׳;׳*&״s