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Jüdische Rundschau · 1903-05-29 · Heft 22 (29.5.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 22 (29.5.1903)
Date
1903-05-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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I •1SLk_ J«•״! Seite 216. war dieser bewährte und opferwillige Redner auch in Düsscldorf bahnbrechend in der Ausbreitung unserer Bewegung; unmittelbar nach seiner durch stürmischen Beifall ausgczeichneten Rede!trugen )Sich Angehörige aller Stände in die aufgclegte Liste pls Zionisten ein. Eine äusserst anregende Dis• kussion schloss sich an. Von gegnerischer Seite wandte sich ein Rechtsahwalt, nachdem er mancherlei, offenbar Missverstandencs, vorgebracht hatte, hauptsächlich gegen das Bcstehen einer jüdischen Volksgemeinschaft und eines Zusammen• gfchörigkeitswillcns bei der Mehrzahl der westeuropäischen Judrn, bekundete aber gleichzeitig der erziehlichen Wirkung des Zionismus, insbesondere in der Richtung der Stärkung des Selbstbewusstseins seine Sympathie. Ein Mitglied des in cumulo eingcladcncn Vereins junger Kauflcufc iiberhob durch den von ihm — anscheinend in seiner Eigenschaft als designierter Zionistentütcr — kaltblütig hingeworienen Satz: ״Wir halten den Zionismus für einen Schaden für die Kultur", den Vortragenden der Mühe einer ernsthaften Entgegnung. Rabbiner Dr. David empfahl unscrn Bestrebungen aliscitiger Unterstützung, wenngleich er nicht in dem Volksbewusststin, sondern in der jüdischen Religion das hauptsüchliebste Einigungs- und Erhaltungsmittcl des Judentums erblickt. Den vlelberutcneii, auch in dem Hauptvortragc naturgemäss erwähnten Rabbinerprotest suchte er durch die Behauptung zu verteidigen, der Zionismus habe siel) seither und sogar tciiweise infolge jener Kundgebung gemausert. Unter lebhafter, fortdauernder Zustimmung der Versammlung konnten der Dank einem günstigem Zufall anwesende Rechtsanwalt Dr. Boden• beimer und Dr. Klee die Einwände der Nichtzionisten als Miss Verständnisse richtig stellen oder schlagend widerlegen, wobei es an der durcli einige gegnerische Acusscrungcn geforderter• Entschiedenheit nicht fehlte. Die am Vortragsabende und in den nächsten Tagen erfolgten Beitrittserklärungen sichern eine stattliche Ortsgruppe, zu deren Organisation Dr. meJ. Otto Jonas, der auch die Versanmimlung geleitet hatte, das Erforderliche veranlasst. , , München, fn den Prinzensälen des Kaffee Luitpold veran* staltetc am Donnerstag, dem 14. Mai (Lag-Bcoincr) die zionistische Vereinigung ״Kadimah‘4 einen ״Jüdischen S t u - dcntciiabcnd", dessen Ertrag zu einer Hälfte für Kiscliinew, zur anderen für den jüdischen Nationalfond bestimmt war. Eine erlesene jüdische Gesellschaft hatte sich eingefunden. In den Herren Neubauer und Spielmann, die auf Violine und Klavier einige Musikpiecen Mendelssohns und Rubinsteins Verständnis- und gefühlvoll vortrugen, lernte man zwei begabte. Junge Künstler kennen. Herr Etui! Und, Mitglied des Münchener Schauspielhauses, rezitierte dann mit bekannter Verve aus dem No. 22.! jüdischen Almanach. Eine besondere Ucbcrraschung des" Abends! bot die Aufführung eines jüdisch-deutschen Stückes. ״Masel* i Tow", Komödie in einen! Akt von ״ S c h o Ic m ־ A l c i - 1 ehern*‘, ging im jüdisch-deutschen Dialekte unter jubelndem! Beifall in Szene. Uni die Mitwirkung hatten sicli die Damen; Oschinsky und Kowna sowie die Herrn Matlies, Schcinin und | Bagg verdient gemacht. Namentlich gebührt der Regie des Herrn Bagg, die auf der kleinen Bülme erstaunliches leistete, volle Anerkennung. Während ein rituelles Büffet für das leib* liehe Wohl sorgte, lud eine mit dem Davidsstcrn gekrönte Bo* dega zum frohen Trünke süsser Palästina-Weine ein. ln den Pausen des folgenden Balles, der mit mancherlei Ucberraschungen noch die Teilnehmer bis zum dämmernden Morgen frühlieh beisamnicnbicit. wurde ein Glückshafeu stark frequentiert, der von Frau Kunstmaler Hermann prachtvoll arrangiert war. die sich um das Gelingen des Abends mit Rat und Tat in lobcnswerter Weise verdient gemacht hat. C. B. Mülheim a Ruhr, 19. Mai 1903. ltn hiesigen Verein für jiidisehe Geschichte und Litteratur, dem fast sämtliche Gemeindernitgliedcr angeboren, sprach heute Abend vor einer grossen Zuhörerschaft Herr Dr. Klee-Berlin über das Thema: ״Warum sind noch nicht alle Juden Zionisten.‘‘ Die frische persönliche Art des Redners, die trotz der hinreissenden Beredsamkeit ruhige und sachliche Weise, in der er Ziele und Zwecke des Zionismus darlegte, fanden lebhaften Beifall. Die Diskussion, an der sich von nichtzionlstischcr aber zionistenfreiindliehcr Seite die Herren Dr. Lcvy und Cohn aus Essen, von gegnerischer Seite Herr Kaufmann. Mülheim und für. den Zionismus warm eintretend Herr Arnfeld, Mülheim, beteiligten, ermöglichte es ihm weiterhin, mancherlei Missverständnisse über das Wesen des Zionismus aiiiznklären und die aus mangelhafter Kenntnis dieser jungen und kräftigen Volksbewegung erwachsenden Vorurteile zu zerstreuen. Wie sehr seine Worte Wurzel geschlagen haben, beweist der Umstand, dass noch am Vortragsabend 32 Mitglieder der neu gegründeten Ortsgruppe beitraten. Dem Vorstande derselben gehören bis jetzt an. die Herren Dr. Colin, Meyer Hirsch, Jonas Jonas. Es ist mit Freuden zu bcgrfissen, dass endlich auch die rheinischen Gemeinden aus ihrer Zurückhalfung heraustreten und Stellung nehmen zu der grössten Frage, die seit Jahrhunderten die Judcnheit bewegt hat. Herrn Dr. Klee sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank für seine beredten und begeisternden Ausführungen gesagt. Möge die Piägc: ״Warum sind noch nicht alle Juden Zionisten?“ ba*d ein Anachronismus sein. Jüdische Rundschau S. *46—״ :47־Es kann eher... die Parhedrinkammer gewesen sein . . und in der Anm.freilich geht cs dann nicht an, die ßo׳jX1£ in der Staclt (?) ohne jeden Beweis mit Schnürci als Bezeichnung des Synedrions liinzustcllen." Die Boule kann nicht in der Stadt gelegen haben, denn nach Jos. war deren Lage'unweit des Xystos und dieser lag, jedenfalls ausserhalb der Stadt (s. oben). Auch war V. bis jetzt bemüht, die Boulö von dein Bcth-din ln der Quadcrhallc zu unterscheiden wie kommt er auf einmal dazu, sic vom Synedrion •n der Parhedrinkammer als verschiedentlich liiiiziisk’llen? Oder soll es denn wirklich drei oberste Gerichtshöfe gegeben haben? Diesen Schluss hat er ja nicht gezogen. Mit welchem Synedrion war dann die Boule ja klentisch? S. 49: ״Aber Numeri 5... lehrt, dass es sieh hier um ... eines ... dem Priester zugewiesencs Verfahren handelt." Das Ein• greifen des Priesters fand erst nach der ,Verurteilung durch das Bcth-din statt. S. 50: ״. . . dass der Sifrc Num. 12. von dem Bcth-din nichts weiss . . .“ Sifrc das § 7 berichtet über einen ana• logen Fall, bei den! Schcmajali und Abfalion mitwirkten. Haben sie als Vorsitzende des Betli-dins gebandelt, oder war etwa der eine der handelnde Priester und der andere dessen Assistent?! Somit hat der Sifrc wohl von dem Bctli-din gewusst. S. 59: ״Hs sind ausschliesslich!5unkte, die der! Opferkult ... betrafen“. Warum fanden dann die Sitzungen :11 dem nicht geheiligtem Raume, im היל statt? Offenbar war dieser Ort deshalb gewählt, damit er Jedermann zugänglich sein soll, indem das liier tagende Bcth-din mit allen möglichen Fragen sich zu befassen hatte. S. 146 und 178: Hier wäre Griinhut, ..Noch einmal der Riisttag etc.“, Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie, 1898 Heft II S. 293 11. Heft 111 (Nachtrag) zu vergleichen gewesen. — Ich kann den Standpunkt des Verfassers in der Hauptsache nicht teilen, gebe aber gern zu. das die Abhandlung manch Bltrbendes geliefert und viel des Anregenden bietet. Sic würde allerdings au Wer♦ gewonnen haben, wenn V. die Breitspurigkeit, für die er eine besondere Vorliebe zu besitzen scheint, bei diesem so wichtigen Thema vermieden hätte. Jerusalem. Dr. Grünhut. Neuerschienene Bücher. Die Ausgrabungen der Universität von Pennsylvania im BG- Tempel zu Nippur. Ein Vortrag von Ilicrmariii| Vfolrathl Hilprccht. Mit 56 Abb. u. 1 Karte. Leipzig: J. C. Hin• richs 1903. (76 S.) 8״. י

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